Android virtualisieren mit Genymotion und Virtualbox

Echte Alternative

Der alternative Android-Emulator Genymotion erlaubt es, eine selbst entwickelte App unter realen Bedingungen zu testen.

Jeder App-Entwickler tut gut daran, seine selbst gebaute Android-App möglichst umfassend zu testen. Da es für Hobby-Entwickler oder Einsteiger in die Materie praktisch unmöglich ist, Android-Systeme in unzähligen Formen und Versionen vorrätig zu halten, liefert Google daher seit geraumer Zeit im Android-SDK einen Emulator [1] für den Desktop-PC mit, der verschiedene Android-Versionen, CPU-Architekturen und Displays abbildet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Android Emulator eignet sich aufgrund seiner Trägheit nur bedingt für Experimente.

Doch nicht nur Entwickler profitieren von einem virtuellen Android auf dem Computer. Auch Anwender suchen immer wieder einen Weg ein Android-Handy in ein Fenster zu bannen. So ließen sich etwa gefahrlos Apps testen, das Lieblings-Handy-Spiel auf dem PC spielen oder vor dem Kauf prüfen, welche App sich denn nun besser auf dem Tablet macht, wenn dieses gerade nicht zur Hand ist.

Lahmer Emulator

Der offizielle Emulator leidet jedoch unter einer Reihe von Einschränkungen. Zum einen arbeitet die Emulation nicht wirklich flott – selbst nachdem es inzwischen möglich ist, die GPU des Hosts mit zu nutzen. Zum anderen enthält das emulierte System nie das Google-Framework. Maps, Chrome oder natürlich der Play Store stehen daher nicht ohne Weiteres im emulierten System bereit, das Nachinstallieren von Apps über den Google Market ist unmöglich.

Als Alternative bot sich längere Zeit das Open-Source Projekt AndroVM [2] an. Auf Basis der Arbeit von Android x86 [3], das Android auf herkömmlicher PC-Architektur lauffähig machen möchte, verfrachtete AndroVM mit Hilfe von VMware oder VirtualBox Android in eine virtuelle Maschine. Das virtualisierte Android arbeitete schon damals deutlich schneller als der Emulator aus dem SDK.

Inzwischen hat sich AndroVM zu einem kommerziellen Projekt entwickelt. Unter dem Namen Genymotion [4] steht aber weiterhin eine kostenlose Version der Android-VM bereit. Später sollen einmal zusätzliche Features für Entwickler hinzukommen, die Sie durch den Kauf einer Lizenz freischalten. Noch steht Genymotion jedoch für jeden interessierten Benutzer ohne Einschränkungen zur Verfügung.

Aufgrund des Supports von OpenGL läuft das virtualisierte Android in Genymotion auf dem PC praktisch genauso schnell und flüssig, wie Sie das von aktuellen Smartphones kennen. Die Voraussetzungen dafür sind ein halbwegs aktueller PC und eine OpenGL-fähige Grafikkarte mit entsprechenden Treibern.

Genymotion: Systemvoraussetzungen

  • OpenGL 2.0 fähige Grafikkarte
  • VT-x oder AMD-V fähige CPU mit mindestens 2 GHz
  • 2 GByte RAM
  • 2 GByte Speicherplatz

Genymotion installieren

Das virtuelle Android in Form von Genymotion bekommen Sie nach dem kostenlosen Registrieren auf der Homepage des Projekts. Downloads stehen generell für Windows, Mac OS X und Linux bereit. Für Windows-User gibt es zudem eine Variante, die Virtualbox [5] gleich mitbringt. Unter Linux installieren Sie Virtualbox vor dem Start von Genymotion aus den Paketquellen der verwendeten Distribution.

Um Genymotion unter Linux zu betreiben, bieten die Entwickler diverse Downloads an. Für 32- oder 64-Bit-Ubuntu, Fedora oder Red Hat gibt es jeweils ein einheitliches Binary-Archiv. Für 64-Bit-Debian offerieren das Projekt ein anderes Archiv, zudem sollten Sie auf diesem System noch das Paket libpng3 einspielen. DEB- oder RPM-Pakete für die Installation von Genymotion über die Paketverwaltung gibt es bislang noch nicht. Unter Arch Linux installieren Sie die Software aus dem AUR heraus [6].

Zur Installation über die Binary-Pakete setzten Sie mit chmod das Execute-Bit und rufen das sich selbst extrahierende Archiv auf. Dieses entpackt alle Daten ins Verzeichnis genymotion im aktuellen Ordner, in dem Sie dann auch die ausführbare Programmdatei finden.

Die Daten, also heruntergeladene OVA-Images und die aktiven virtuellen Maschinen, legt Genymotion im Ordner ~/.Genymotion ab. Die aktiven Maschinen verknüpft das Tool automatisch mit der Virtualbox-Installation, sodass die Android-VMs direkt in Virtualbox bereit stehen. An dieser Stelle nehmen Sie bei Bedarf tief greifende Änderungen an den virtuellen Maschinen vor. Starten Sie eine Android-Maschine aus VirtualBox, fehlt jedoch das Genymotion-Menü an der Seite.

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