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In der Nische

SoftMaker Office 2012 für Linux im Test

23.09.2013
SoftMaker Office hat die Lücke gesucht und erfolgreich gefunden. Ein Test zeigt, ob die aktuelle Version 2012 diese nach mehreren kleineren Updates nach wie vor verteidigt.

Wer unter Linux angesichts der Dominanz von LibreOffice Geld für ein Office-Programm ausgibt, braucht dafür gute Gründe. Andererseits gibt es gute Gründe dafür, dass sich ein kommerzielles Office-Paket für Linux seit Jahrzehnten im Markt hält. Abgesehen davon, dass eine Firma mit gerade einmal 20 Mitarbeiten, die eine Passion für Software zum Erstellen von Texten zu haben scheinen, weit weniger verkaufte Exemplare braucht, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, hat sich das Office-Paket seinen Platz unter anderem durch das geschickte Ausnutzen von Nischen erarbeitet.

SoftMaker Office steht als einziges Produkt am Markt für Linux, Windows, Windows Mobile und Windows CE bereit. Der Nürnberger Hersteller wirbt sogar damit, seine Software auf Wunsch relativ zeitnah auf andere Plattformen zu portieren, sofern ein entsprechender Kunde das nötige Kleingeld mitbringt. Das spricht für eine gut gepflegte Code-Basis.

Gut gefiltert

Die Suite besteht aus der Textverarbeitung TextMaker, der Tabellenkalkulation PlanMaker und dem Präsentationsprogramm Presentations. Sie arbeitet auch auf älteren Rechnern recht flott, und stellt den Anwender – trotz der zahlreichen Funktionen – aufgrund eines eingängigen Bedienkonzepts vor keine großen Probleme beim Eingewöhnen. Die bemerkenswerte Qualität der Import- und Exportfilter für die Office-Formate von Microsoft hat sich mittlerweile schon herumgesprochen.

Letztere sind es, die angesichts der Dominanz von Microsoft Office im gesamten Markt häufig den Ausschlag dafür geben, dass das Alternativ-Produkt professionellen Anforderungen standhält und trotz der Verfügbarkeit von LibreOffice in nahezu jeder Distribution die Investition von knapp 70 Euro rechtfertigt. Einzelheiten zu den verfügbaren Paketen nebst Preisen, Lieferumfang, den jeweiligen Testversionen sowie zur Installation finden Sie im Kasten "SoftMaker Office ausprobieren".

SoftMaker Office ausprobieren

Die Professional-Variante von SoftMaker Office, die in der Windows-Version vor allem durch den enthaltenen Duden-Korrektor gefällt, gibt es unter Linux nicht. Immerhin enthält das Linux-Paket aber die zwei Duden-Wörterbücher und vier Langenscheidt-Wörterbücher der Pro-Version. Auf den ebenfalls in der Pro-Version enthaltenen Mail-Client dürften dagegen die meisten Linux-Anwender verzichten können.

Heute nicht mehr selbstverständlich: Alle Softmaker-Office-Versionen enthalten ein gedrucktes Handbuch und weitere Anleitungen als PDF (Deutsch und Englisch) auf dem Installationsmedium. Die Seitenzahl der PDF-Handbücher für alle Module summiert sich auf beachtliche 1700 Seiten, wovon etwa 400 als gedrucktes Handbuch in der Schachtel liegen.

Für diesen Beitrag kam die Trial-Version [2] von der Download-Seite [3] zum Einsatz. Der Hersteller versorgt die Testversionen nicht mit Patches, sondern aktualisiert sie laufend. Die aktuelle Testversion gleicht also nicht mehr der von vor einem Jahr.

Die Kaufversionen (Box und Download) erhalten regelmäßig Service-Packs. Das Installieren der wahlweise als RPM- oder DEB-Paket für 32- und 64-Bit-Systeme verfügbaren Versionen haben Sie mit dem Paketmanager der jeweiligen Distribution schnell erledigt. Bei der 64-Bit-Version installiert das Setup allerdings nur die x86-Variante mitsamt der benötigten Bibliotheken.

Das komplette Paket belegt lediglich rund 300 MByte auf der Festplatte. Nach erfolgter Installation stehen TextMaker, PlanMaker und Presentations als eigenständige Anwendungen mit Icons im KDE-Menü im Bereich Anwendungen | Büroprogramme bereit.

Auf dem Datenträger der Media-Ausgabe finden Sie ebenfalls die derzeit aktuelle Testversion, die Sie nach dem Registrieren im Web [4] freischalten. Danach stehen alle Komponenten uneingeschränkt zum Einsatz bereit.

Da die Nürnberger in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre eine neue Version veröffentlichen, liegt diesem Artikel die derzeit aktuelle Version 2012 zugrunde. Wie schon vorangegangene Tests bestätigt haben, halten deren Import- und Export-Filter für Formate von Microsoft jedem Vergleich stand und arbeiten in einigen Fällen besser als die von LibreOffice (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Filter von TextMaker gehören zu den besten unter Linux und halten sowohl beim Import als auch beim Export von Formaten aus der Microsoft-Welt, was sie versprechen.

Benutzeroberfläche

Sowohl TextMaker als auch PlanMaker und Presentations setzen auf ein klassisches Bedienkonzept mit einer Menüleiste, die sich hinsichtlich der Punkte an Bewährtem orientiert. Darunter finden Sie eine Symbol- sowie am unteren Rand eine Statusleiste. Was im Vergleich zu LibreOffice oder Microsoft Word direkt negativ ins Auge fällt, sind die gerade mal 48x48 Pixel kleinen Icons. Die wecken Erinnerungen an das Ende des 20. Jahrhunderts und erscheinen nicht zeitgemäß.

Dass sich die Entwickler um ein komplett eigenes Erscheinungsbild bemühen, das sich auf sämtliche Dialoge inklusive dem Dateimanager erstreckt, ist in Bezug auf die Stringenz lobenswert, insgesamt aber gewöhnungsbedürftig (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das komplett eigene Design von Dialogen und Widgets erstreckt sich sogar auf den Dateimanager, der bei SoftMaker in der Version 2012 eine Vorschau mitbringt.

Der Dialog zum Drucken von Dokumenten bietet nur die nötigsten Funktionen. Dafür ist SoftMaker Office vollständig unabhängig von etwaigen System-Bibliotheken und läuft klaglos unter jeder beliebigen Linux-Version. Als minimale Voraussetzung in Bezug auf das System genügt bereits eine betagte Glibc 2.2.5.

Die Suite erlaubt es übrigens, sämtliche Dialog-Boxen unabhängig vom Arbeitsfenster frei zu platzieren und zu skalieren. In allen SoftMaker-Anwendungen gibt es eine Hilfe-Funktion im gleichnamigen Menü, die auf das PDF-Handbuch in der gewählten Sprache verweist.

Darüber hinaus hilft die Applikation mit Quickinfos weiter, die eigentlich Slowinfos heißen müssten: Fahren Sie mit dem Mauszeiger über ein Icon, blendet die Software – im Gegensatz zur Konkurrenz wohltuend unaufdringlich – zunächst keine Hinweise ein. Erst, wenn Sie mehr als eine Sekunde auf dem jeweiligen Symbol verweilen, blendet das Programm die zugehörige Erläuterung ein.

Ziehen Sie dann bei eingeblendeter Quickinfo den Mauszeiger über weitere Symbole, bekommen Sie jeweils gleich die zugehörige Kurzhilfe unter dem Symbol geliefert. Davon unabhängig blenden sowohl TextMaker als auch PlanMaker und Presentations links unten in der Statusleiste stets die passende Erklärung für das Icon ein, auf dem gerade der Mauszeiger verweilt. Nerven die Sprechblasen, schalten Sie sie in den Optionen einfach ab.

Öffnen Sie in einer der Anwendungen mehrere Dokumente, ist jedes Einzelne über den zugehörigen Reiter am oberen Blattrand zugänglich. Bei akuter Platznot deaktivieren Sie die Reiter in den Einstellungen und wechseln dann traditionell über das Fenstermenü zwischen den Dokumenten.

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Kommentare
Jeden Cent wert
Werner Solms (unangemeldet), Montag, 23. September 2013 13:40:40
Ein/Ausklappen

LibreOffice mag kostenlos sein, und SoftMaker Office ein paar (wenige) Euro kosten, aber ich bin mit dieser Investition äußerst zufrieden.

Im Gegensatz zu LibreOffice (im Regelfall viele Formatierungen zerstört) arbeitet SoftMaker Office 1:1 mit Microsoft-Office-Dateien zusammen. Das ist für mich Gold wert, da ich Dateien generell als Word-, Excel oder PowerPoint-Format zwecks Tauschbarkeit mit Kollegen speichere.

Es ist deutlich schneller, wesentlich stabiler, hat bessere Funktionalitäten, man erhält kompetenten telefonischen Ad-Hoc-Support (und zwar gratis) bei Bedarf, regelmäßige kostenlose Updates, kurzum: es ist zwar nicht "alternativlos" im Merkelschen Sinne, aber ganz sicher die beste Alternative.


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