Auf dem Gaspedal

Office-Suite Calligra 2.7 im Überblick

Die Auswahl freier und kommerzieller Office-Programme unter Linux fällt groß aus: Open- und LibreOffice, Gnome Office (Gnumeric, Abiword, Inkscape), Calligra [1] und das kommerzielle SoftMaker Office gehören zu den populärsten. Zwar hat sich insbesondere LibreOffice in den vergangenen Jahren bei vielen Distributionen als Standard etabliert. Das spricht den anderen Vertretern der Gattung aber nicht ihre Daseinsberechtigung ab, denn die jeweiligen individuellen Eigenschaften erweisen sich manchmal als Vorteil.

Steckbrief

Bürosuiten wie Microsoft Office oder LibreOffice waren von vorne herein als integrierte Büropakete konzeptioniert. Das erlaubt es Benutzern, sich schnell einzuarbeiten und ermöglicht das Einbetten gemeinsamer Komponenten. Außerdem profitiert dieser Ansatz im Unterbau von einer gemeinsamen Code-Basis und geteilten Bibliotheken. Beim KDE-Office Calligra oder dessen Gnome-Pendant dagegen handelt es sich salopp gesagt um nichts anderes als um zusammen gewürfelte Programme, wenngleich Calligra vom KDE-Unterbau profitiert.

Calligra besteht aus der rahmenbasierten Textverarbeitung Words, der Tabellenkalkulation Sheets, dem Präsentationsprogramm Stage, dem Vektorgrafikprogramm Karbon, der integrierten Datenbank Kexi, der Projektverwaltung Plan, dem pixelbasierten Bildbearbeitungsprogramm Krita sowie Flow, einem Programm zum Erstellen von Flussdiagrammen.

Außerdem bietet Calligra die Möglichkeit, wiederkehrende Aufgaben mit Hilfe verschiedener Skriptsprachen zu automatisieren, darunter Javascript, Python oder Ruby. Neu seit der Version 2.6 ist zudem das Autorenwerkzeug Calligra Author. Das professionelle Textverarbeitungsprogramm – derzeit ähnelt es noch stark Calligra Words – soll Schriftsteller und Autoren beim Schreiben von Büchern oder E-Books unterstützt.

Die Entwickler möchten dem Benutzer die Möglichkeit geben, mit der Software Charaktere und Szenen zu verwalten, Textstatistiken zu erzeugen und Dokumente in den E-Book-Formaten EPUB2 sowie Mobi zu speichern. Die Version 2.7.1 ermöglicht sogar das Einfügen von Multimedia-Elementen – eine Funktion, die die Developer künftig noch weiter ausbauen wollen.

Calligra ging 2010 per Fork aus KOffice hervor. Da galt zwar viele Jahre als Standard-Büropaket für den KDE-Desktop, dümpelte aber lange Zeit ohne nennenswerte Evolution vor sich hin, weil die "Suite" aus zahlreichen unabhängigen Programmen bestand, die nie wirklich miteinander harmonierten. Außerdem funktionierte die Chemie unter denn Entwicklern nicht.

Erst der Neuanfang mit Calligra 2.4, dessen Versionsnummer sich aus der letzten damals freigegebenen Version 2.3 von KOffice ableitet, hauchte dem Projekt mit einer neuen Textverarbeitungskomponente Calligra Words, die nichts mehr mit dem ehemaligen KWord zu tun hatte, neuen Elan ein. Version 2.5 setzt dann den ersten Meilenstein [2].

Wurzeln

Die Bemühungen der Entwickler der einzelnen Programme, Calligra insgesamt als homogenes System in Stil von LibreOffice oder Microsoft Office zu gestalten, zeigen Früchte. Version 2.6 schnitt im Test besser ab als seine Vorgänger, wenngleich noch nicht befriedigend [3].

In Anbetracht bisher tolerierter Kinderkrankheiten, wie häufiger Abstürzen bei der Version 2.5 und den Problemen der Version 2.6 beim Umgang mit großen Dokumenten kommt nun für Calligra 2.7.1 die Zeit, sich in Sachen Stabilität und Funktionsumfang auf einen Level einzupendeln, der einen professionellen Einsatz zulässt.

Im vorliegenden Test kam Calligra 2.7.1 zum Einsatz. Um die Vergleichbarkeit mit den anderen Office-Pakete im Heft zu gewährleisten, liegt der Schwerpunkt auf Words, Sheets und Stage. Einen Tag vor Redaktionsschluss erschien die Version 2.7.2. Einen Überblick über die Neuerungen in Calligra 2.7.1 und 2.7.2 finden Sie im Kasten "Das ist neu". Letztere Version kommt übrigens mit KDE SC 4.11 in gängige Distributionen. Der Kasten "Auf dem neusten Stand" zeigt, wie Sie Version 2.7.1 schon jetzt mit vertretbarem Aufwand installieren.

Das ist neu

Neben Fehlerkorrekturen und Sicherheitsaktualisierungen bringt Calligra 2.7.1 [4] die schon erwähnte Unterstützung für den Export ins EPUB3-Format. Calligra Author ermöglicht die Integration von Multimedia-Inhalten in E-Books. Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, bei einem in Author erstellten elektronischen Buch für den Umschlag Bilder zu verwenden.

Die Projektverwaltung Plan unterstützt in der aktuellen Version 2.7.1 den Export in die Formate ODS und CSV und verfügt über Verbesserungen beim Anlegen von Aufgaben. Die Datenbank-Komponente Kexi importiert nun bei Bedarf Daten aus CSV-Dateien in eine existierende Tabelle. Die Entwickler haben außerdem die Eingabe für Passwörter so umgestaltet, dass keine modale Dialoge nicht mehr erforderlich sind.

Das pixelorientierte Zeichenprogramm Krita verfügt jetzt über neue Masken für Graustufen und ein verbessertes Werkzeug zum Erstellen von Freihandpfaden, inklusive einer Funktion zur Linienglättung. Darüber hinaus haben die Entwickler die Schnitt- und Transformationswerkzeuge verbessert.

Ferner besteht jetzt die Möglichkeit, Photoshop-Dateien (PSD) zu importieren und PSD- sowie QML-Dateien zu exportieren. Die meisten Calligra-Anwendungen gleichermaßen betreffen verbesserte allgemeine Formen in "Shapes". Außerdem besteht die Möglichkeit, mathematische Formeln im Latex- oder Matlab-/Octave-Modus einzugeben.

Die einen Tag vor Redaktionsschluss erschienene Calligra-Version 2.7.2 ist dagegen ein reines Bugfix-Release [5], das die Entwickler aber dringend empfehlen.

Auf dem neusten Stand

Calligra unterliegt der GPL und steht als Quellcode im Download-Bereich [6] der Projektseite zum Herunterladen bereit. Weniger erfahrene Anwender sollten aber besser warten, bis Version 2.7.2 mit KDE SC 4.11 als Binär-Paket in den Quellen der gängigen Distributionen auftaucht.

Wer Calligra 2.7.1 trotzdem vorab ausprobieren, aber nicht aus den Quellen übersetzen möchte, der greift zu Backports. Die Projektseite verweist dazu auf Pakete von Calligra 2.7.1 für die wichtigsten Distributionen und liefert die nötigen Informationen zum Hinzufügen der benötigten Paket-Quellen.

Für die aktuelle stabile Fedora-Version 19 galt es dazu, das Unstable-Repository [7] des KDE-Packaging-Projekts von Fedora einbinden. Dazu genügt es, eine Datei mit dem Inhalt aus Listing 1 anzulegen und unter /etc/yum.repos.d/kde.repo abzuspeichern.

Ein Update der Paketquellen-Liste ist bei Yum nicht notwendig, sodass Sie Calligra 2.7.1 anschließend mit yum list calligra suchen und mit yum install calligra installieren. Dies sollten Sie dennoch nicht auf einem Produktivsystem tun, weil Yum zum Auflösen diverser Abhängigkeiten ein Teil-Update auf KDE SC 4.11 vornimmt. Auf der Calligra-Downloadseite der KDE-Userbase finden Sie Anleitungen und Angaben zu Paketquellen für Debian, Gentoo, Arch Linux, OpenSuse und FreeBSD.

Listing 1

[kde]
name=kde
mirrorlist=http://apt.kde-redhat.org/apt/kde-redhat/fedora/mirrors-stable
gpgkey=http://apt.kde-redhat.org/apt/kde-redhat/kde-redhat.RPM-GPG-KEY
skip_if_unavailable=1
enabled=1
[kde-testing]
name=kde-testing
mirrorlist=http://apt.kde-redhat.org/apt/kde-redhat/fedora/mirrors-testing
gpgkey=http://apt.kde-redhat.org/apt/kde-redhat/kde-redhat.RPM-GPG-KEY
skip_if_unavailable=1
enabled=1
[kde-unstable]
name=kde-unstable
mirrorlist=http://apt.kde-redhat.org/apt/kde-redhat/fedora/mirrors-unstable
gpgkey=http://apt.kde-redhat.org/apt/kde-redhat/kde-redhat.RPM-GPG-KEY
skip_if_unavailable=1
enabled=0

Handling

Den Vorteil, Bibliotheken sowie andere Bestandteile gemeinsam zu verwenden, bietet KDE mit dem Qt-Unterbau von Haus aus. Bei Calligra gehen die Integrationsbemühungen – obwohl die einzelnen Programme von unterschiedlichen Autoren stammen – aber wesentlich weiter als beim Gnome-Office.

Es spricht zwar nichts dagegen, auch GTK-Programme wie Gnumeric unter KDE zu verwenden, aber vieles dafür, sich nur auf Calligra zu konzentrieren. Zu den Gründen gehören neben den gewohnte Dialogen und Tastenkürzeln die Integration in KDE und das weitgehend einheitliche Bedienkonzept. Es basiert auf einem in allen Modulen rechts angeordneten Dock, das wiederverwendbare Dialoge enthält, darunter die ab Calligra 2.6.0 enthaltene Toolbox (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Neu seit Calligra 2.6 ist der in Words, Author und Sheets enthaltene Docker Toolbox.

Allerdings haben die Entwickler die Toolbox in der Version 2.7.0 schon wieder grundlegend renoviert, was deren Benutzbarkeit weiter verbessert. Sie enthält jetzt Kontrollelemente, mit denen Sie zum Beispiel Formen sehr einfach bearbeiten ("Shapes"), sowie eine einfach benutzbare Stil-Auswahl. Die Entwickler haben die Toolbox in andere Komponenten wie Author und Sheets übernommen. Oberhalb der Toolbox finden Sie die übrigen andockbaren Dialoge.

In der Voreinstellung ist das lediglich der Docker Objekt hinzufügen. Mit ihm fügen Sie Bilder, Texte, Diagramme, Videos, Webobjekte, Formeln oder Vektorobjekte ins Dokument ein. Dabei haben Sie die Möglichkeit, die Positionen der Toolbox und der übrigen Dialoge via Drag & Drop bestimmen.

Objekte einfügen

Als waschechtes KDE-Programm profitiert Calligra von vielen KDE-Funktionen, wie KParts und dem Flake-Shapes-Konzept. Letzteres übernimmt unter KDE das Einbetten von Objekten. Alle Module sind dank dieser Technologie in der Lage, jede andere Komponente einzubetten, etwa eine in Sheets erstellte Tabelle in einem ODS-Dokument.

Umsteiger von LibreOffice stoßen auf eine rahmenbasierte Arbeitsweise, ähnlich wie beim DTP-Programm Scribus. Die gute Integration sämtlicher Module untereinander zeigt sich auch beim ersten Start der meisten Calligra-Module: Sie bieten dabei in der Regel einen einheitlich gestalteten Dialog zum Erzeugen eines neuen oder Öffnen eines bestehenden Dokuments sowie zum Laden einer Vorlage.

Im Gegensatz zu SoftMaker Office, das neue Dokumente in je einem neuen Reiter des Hauptfensters anzeigt, öffnet Calligra bei jedem neuen Dokument eine weitere Instanz der gesamten Software. Ansonsten gibt sich das Programm alle Mühe, mit nur fünf Einträgen im Hauptmenü, dem Docker Objekt einfügen und der erwähnten Toolbox möglichst übersichtlich zu bleiben.

Sie haben aber die Möglichkeit, sowohl Words als auch die meisten anderen Komponenten weitgehend zu individualisieren. So legen Sie im Menü Einstellungen | Andockbare Dialoge fest, was sich zu Objekt einfügen ins Dock gesellt. Das vermittelt einen guten Eindruck des Funktionsumfangs (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Andockbare Dialoge gehören zu den elementaren Bedienelementen von Calligra.

Das Einfügen haben die Entwickler gut gelöst: Möchten Sie etwa ein Bild in Words einbauen, wählen Sie im Docker Objekt hinzufügen den Typ Bild und ziehen mit der Maus einen blau hinterlegten Bereich auf. Calligra öffnet dann automatisch den Auswahldialog. Das Bild platzieren Sie mit gedrückter Maustaste, wobei der Text je nach gewählten Modus entsprechen läuft (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Im Text eingefügte Bilder beeinflussen schon beim Platzieren das Verhalten beim Umfließen.

Stile

Egal, wie viele Funktionen eine Textverarbeitung mitbringt – ein professionelles Arbeiten ermöglichen nur einheitliche Definitionen für Zeichen und Absätze. Gerade bei längeren Texten wie Büchern oder wissenschaftlichen Arbeiten erzielen Sie ein entsprechendes Layout nur, wenn die verwendeten Schriften, Schriftgrößen, Formate für Absätze zueinander passen und den Anforderungen im Bereich Typografie genügen, also durchgängig im gesamten Dokument zum Einsatz kommen.

Satzsysteme wie LaTeX bauen Dokumente ausschließlich ausgehend von solchen Stildefinitionen auf. Calligra Words widmet der Unterstützung für Stile einen eigenen Eintrag im Hauptmenü (Stile). Im zugehörigen Dialog ordnen Sie jedem Format ein aufeinander abgestimmtes Set an Schriftarten, Einzügen und anderen Attributen zu.

Darüber hinaus stehen in Calligra Words schon wegen der guten KDE-Integration zahlreiche, fortgeschrittene Zeichenfunktionen bereit. Auf diese Weise erstellen Sie unter anderem Pfade, verbinden Objekte, manipulieren Formen in mannigfacher Weise und versehen diese mit Effekten, wie Schatten, Füllungen und Transparenzen (Abbildung 4). Dabei finden sich interessante Ideen und Konzepte, etwa die Möglichkeit, die Position des Schattens fließend mit Hilfe eines Stellrades einzustellen.

Abbildung 4

Abbildung 4: In Calligra Words stehen fortgeschrittene Funktionen zum Zeichnen bereit.

Dank des rahmenbasierten Konzepts haben Sie die Möglichkeit, bei nahezu jedem Objekt über das jeweilige Kontextmenü Objekteigenschaften den Textumfluss und die Position des jeweiligen Objektes relativ zum Text individuell festzulegen. Auf diese Weise stemmen Sie mit Calligra auch kleine DTP-Projekte – die gelegentlichen, nicht reproduzierbaren Abstürze sorgen aber bisweilen für Probleme (Abbildung 5).

Abbildung 5

Abbildung 5: Calligra Words bietet weitreichende Funktionen zum Steuern des Textflusses um ein Objekt.

Importfilter

Die Importfilter von Calligra Words schlugen sich im Test mit dem gleichen mittelmäßig komplex gestalteten Word-Dokument broschuere.docx (es stammt aus dem Template-Fundus von MS Office 2007 und kam auch im Softmaker-Office-Test in dieser Ausgabe zum Einsatz) zwar besser als die von LibreOffice, erreichen aber nicht die Qualität von SoftMaker Office (Abbildung 6).

Abbildung 6

Abbildung 6: Die Filter für den Import von Microsoft-Formaten bieten durchaus noch Raum für Verbesserungen.

Dies lies sich aber nur mit Mühe beurteilen, weil Calligra Words mehrfach abstürzte. Echte Abstürze sind zwar weitaus seltener als bei den in dieser Hinsicht unbrauchbaren Versionen 2.4 und 2.5, treten aber zumindest in Words immer noch auf. Da für den Test KDE SC 4.11 und Calligra 2.7.1 aus dem Backport-Repository unter Fedora 19 zum Einsatz kam, mag die Ursache hierfür eventuell anderswo legen.

Bessere Ergebnisse beim Import von Word-Dokumenten gab es erwartungsgemäß bei weniger DTP-lastigen Layouts. Allerdings kam es beim Öffnen größerer Dokumente trotzdem gelegentlich zu Abstürzen. Die Entwickler haben nach eigener Angabe für Calligra 2.7.1 die Exportfilter für Textdateien und für das DOCX-Format sowohl in Words als auch in Author verbessert. Neben dem PDF-Export beherrschen beide Module nun auch den Export ins ODT-Format und in die E-Book-Formate EPUB und Mobi. Einen PDF-Import gibt es nicht.

Calligra Sheets

Auch Calligra Sheets ärgerte zunächst beim Importieren eines leidlich komplexen Excel-Dokuments (XLSX) aus dem Vorlagenfundus von MS Office 2007. Das gleiche Dokument, zuvor nach XLS exportiert, ließ sich dann aber einwandfrei öffnen.

Die Benutzeroberfläche von Sheets erinnert an klassische Tabellenkalkulationen und verfügt über eine reichlich bestückte Menüleiste. Lediglich die Symbolleiste darunter fehlt: Wie bei Words übernehmen andockbare Dialoge auf der rechten Seite diesen Job. An Funktionen mangelt es gegenüber Excel, PlanMaker und LibreOffice Calc nicht, im Assistenten finden Sie über 400 Einträge.

Dazu gibt es numerische und analytische Funktionen wie die Zielwertsuche oder – seit Calligra 2.6 – im Menü Extras ein Funktionsoptimierung genanntes Feature, das dem Solver von Excel ähnelt und so etwas wie "Was-wäre-wenn"-Analysen erlaubt.

Hinter dem gleichen Eintrag im Hauptmenü finden sich auch die Skript-Funktionen von Calligra Sheets. Hier haben Sie die Möglichkeit, Skripte auszuführen, diese zu importieren oder exportieren oder einen Blick in die Skriptverwaltung zu werfen. Über Einstellungen | Andockbare Dialoge schalten Sie den Docker Skripte zu, der die meisten Funktionen in die Seitenleiste holt (Abbildung 7).

Abbildung 7

Abbildung 7: Calligra Sheets unterstützt Skripte im Rahmen der Berechnungen in den Tabellenblättern.

Auch im Bereich der Diagrammfunktionen zeigt sich Sheets keineswegs schlechter ausgestattet als die Konkurrenz. Diagramme fügen Sie in Sheets über den Docker Objekt einfügen ein. Dazu klicken Sie neben den Symbolen für Text und Bild auf das mit dem kleinen Pfeil, der das Menü für weitere Objekte entfaltet. Dann ziehen Sie das Diagramm genau wie ein Bild an die gewünschte Position auf dem Blatt.

Den Typ, die Formatierung und das Auswählen der zugehörigen Daten nehmen Sie aber im Docker Toolbox vor, in dem Sie unten die Lasche Diagrammbearbeitung finden. Am oberen Rand residiert ein Ausklappmenü für die einzelnen Diagrammtypen. Über die Checkbox rechts davon erweitern Sie die Liste um solche mit 3D-Effekt (Abbildung 8).

Abbildung 8

Abbildung 8: Calligra Sheets kennt 20 verschiedene Diagramm-Typen.

So bringt es Sheets auf 20 verschiedene Diagrammtypen und übertrifft in dieser Hinsicht sogar PlanMaker. Die über den vorgefertigten Typ hinaus gehende Möglichkeiten zum Gestalten fallen allerdings nicht ganz so umfangreich aus wie bei der Konkurrenz. Sie müssen sich mit den von der Toolbox gebotenen Funktionen etwa im Reiter Shape Handling begnügen.

Vom eingangs erwähnten Absturz beim Importieren eines XLSX-Dokumentes abgesehen, erweist sich Sheets als eine ausgereifte Calligra-Komponente. Ein paar interessante Zusatzfunktionen gibt es darüber hinaus: So bietet das Menü Einfügen neben dem Assistenten für Funktionen auch einen zum automatischen Ausfüllen von Reihen.

Sie legen lediglich im zugehörigen Dialog Anfangs- und Endwert sowie die Schrittweite fest und wählen den gewünschten Reihentyp linear (2,4,6,8) oder geometrisch (2,4,8,16). Das automatische Ausfüllen funktioniert zeilen- oder spaltenweise. Nette Idee: Klicken Sie doppelt auf einen Spaltenkopf, wählt Sheets automatisch die optimale Spaltenbreite.

Calligra Stage

Die Präsentationskomponente Stage besitzt jetzt ein neues Framework für Animationen, verfügt über ein gut gefülltes Sortiment an Vorlagen und erlaubt es, das optische Erscheinungsbild wie in den meisten KDE-Anwendungen mit Hilfe von Designs anzupassen (Abbildung 9).

Abbildung 9

Abbildung 9: Calligra Stage bringt eine reichhaltige Auswahl an Vorlagen mit.

Stage verwendet per Default das von LibreOffice genutzte ODP-Format, importiert aber problemlos aus Powerpoint stammende Dateien und Vorlagen, und zwar sowohl im PPT- als auch im PPTX-Format. Der Arbeitsbereich verteilt sich auf die drei über Reiter erreichbaren Ansichten Normal, Anmerkungen und Foliensortierung.

Im Gegensatz zu Words und Sheets sind in der Voreinstellung sowohl rechts als auch links Dialoge angedockt, wie etwa der Docker Dokument auf der linken Seite, der in der Normal- oder Anmerkungen-Ansicht ein schnelles Navigieren in oder Anpassen der Foliensortierung erlaubt (Abbildung 10).

Abbildung 10

Abbildung 10: Die Reihenfolge der Folien ändern Sie bei Bedarf über den Docker Dokument.

Das Tool für Animationen finden Sie im links oben angeordneten Docker Werkzeuge, wenn Sie auf das Filmklappen-Symbol klicken. Das erscheint etwas verwirrend, würde man doch eine solche oder ähnliche Funktion gemäß der geschilderten Bedienmetaphern eher im Docker Objekt einfügen suchen.

Der Werkzeuge-Docker von Stage bildet das Pendant zur Toolbox in Words, Author und Sheets. Er bietet zahlreiche Funktionen zum Bearbeiten – neben Textbearbeitung die erwähnten Grafikfunktionen wie Pfad erstellen, Shape Handling oder Objekte verbinden. Sogar ein Kalligraphiemodul findet sich hier, mit dem Sie wahlweise via Maus oder Grafikstift freihändig schreiben.

Stage erlaubt es Ihnen hierbei, einem vordefinierten Pfad zu folgen. Die zugehörige Einstellungen finden Sie im Docker Calligraphy, der rechts unten in der Seitenleiste erscheint. Stage erweist sich insgesamt als solide und ausreichend stabil.

Fazit

Calligra präsentiert sich rein quantitativ als eines der umfangreichsten Büropakete für Linux und entwickelt sich rege weiter. Das gilt nicht nur für die in den einzelnen Anwendungen enthaltenen Funktionen (insbesondere bei Sheets), sondern für die Anzahl der Anwendungen insgesamt. In der aktuellen Version 2.7.1 glänzt die Suite zudem – abgesehen von einigen Schwächen bei Words – mit guter Stabilität.

Allerdings gibt es bei den einzelnen Modulen große Unterschiede in Bezug auf den Reifegrad und Umfang, wobei Words und Author deutlich zu den jüngeren Vertretern gehören. Überdies ist Author in seiner Art bisher relativ einzigartig: Wer tatsächlich plant, sich als Autor an E-Books zu versuchen, sollte sich das Tool unbedingt ansehen.

Calligra empfiehlt sich insbesondere für KDE-Nutzer, die sich über die gute Integration mit dem Desktop freuen dürfen. Auch Anwender, die neuen Konzepten aufgeschlossen gegenüber stehen, denen LibreOffice zu überfrachtet ist oder die gelegentlich kleine DTP-Projekte im Auge haben, werden Calligra schätzen.

Kommt es dagegen auf größtmögliche Kompatibilität mit Microsoft Office an, sollten Sie vom Einsatz absehen und sich Softmaker Office zuwenden – vor allem beim professionellen Einsatz in kleinen Unternehmen. 

Glossar

Fork

Das Aufspalten eines Projekts in zwei sich unterschiedlich entwickelnde Zweig. In manchen Fällen führen die Entwickler diese wieder zusammen, in anderen Fällen bleiben diese weiterhin eigenständig.

Infos

[1] Calligra: http://www.calligra.org

[2] Testbericht Calligra 2.5: Thomas Drilling, "Kleinere Baustelle", LU 10/2012, S. 20, http://www.linux-community.de/26399

[3] Testbericht Calligra 2.6: Vincze-Aron Szabo, "Vereinzelte Blüten", LU 03/2013, S. 38, http://www.linux-community.de/27691

[4] Calligra 2.7.0/1:http://www.calligra.org/news/calligra-2-7-released/

[5] Calligra 2.7.2:http://www.calligra.org/news/calligra-2-7-2-released/

[6] Calligra herunterladen: http://userbase.kde.org/Calligra/Download

[7] Fedora KDE-Packaging-Projekt: http://kde-redhat.sourceforge.net/

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