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© Spekulator, sxc.hu

Eigenbau-Desktop mit Pekwm und Bmpanel

Traumpaar mit Anhang

Keine der etablierten Arbeitsumgebungen entspricht Ihren Vorstellungen? Bauen Sie sich Ihren Desktop einfach selbst!

Gnome ist so komfortabel wie das ungefederte Hinterrad einer Vorkriegs-Harley, will aber partout nicht auf 3D-Effekte verzichten, die sich über den Bildschirm schleppen. KDE ähnelt der Schaltzentrale eines Großkraftwerks, bei der es die einzelnen Schalter erst einmal mühsam zu ergründen und zu begreifen gilt. Zudem verbraucht es einen deutlichen Anteil der Systemressourcen für sich selbst. XFCE ist ein passables Framework, schießt aber zu kurz. Razor-QT ist bestenfalls eine Vorschau auf das, was die Zukunft bringt.

Kommt Ihnen etwas davon bekannt vor? Dann leiden Sie vermutlich unter einer Integrierter-Desktop-Allergie. Wärmstens zu empfehlen ist in diesem Fall, einen Blick über den erfreulich niedrigen Gartenzaun der vorkonfigurierten Desktops der Distributionen zu werfen und sich eine individuelle Arbeitsumgebung selbst zusammenzustellen.

Vor knapp zwei Jahrzehnten, als Gnome und KDE nur als Idee existierten, war es vor allem dem Engagement der Distributoren der ersten Stunde zu verdanken, dass der Benutzer nicht mit einer Arbeitsumgebung im Regen stand, die den Namen nicht verdiente.

Der damals neue Fenstermanager Fvwm markierte den Standard, und zahlreiche Erweiterungen und Zusatzprogramme verhalfen zu komfortablen Arbeitsabläufen. Noch heute bauen sich Anwender und Entwickler ihre Umgebungen selbst, ohne eine einzige nicht konfigurierbare Eigenschaft eines integrierten Desktops zu benötigen.

Was macht eigentlich einen Desktop aus? Natürlich die Anwendungen, wobei Firefox, Thunderbird und LibreOffice Beispiele für das sind, womit wir tagtäglich arbeiten und das Drumherum eher in den Hintergrund tritt. Das ist der Punkt: Letztendlich brauchen wir etwas, das uns unterstützt, das wir aber nur bemerken, wenn es nötig ist.

Der Grundstein

Der Fenstermanager gehört in fast jedem Fall zur Basis, denn er fügt sich als Zwischenschicht in die Ebene oberhalb des X-Servers und unterhalb der Anwendungen ein. Er kümmert sich nicht nur um das Öffnen, Schließen und Verschieben von Fenstern, sondern bringt fast immer von Haus aus eine Sitzungsverwaltung und ein Anwendungsmenü mit. Nur auf jene, deren Einsatz in integrierten Umgebungen liegt, trifft das nicht zu – also KWin, Metacity/Mutter und XFWM4.

Es fällt schwer, aus der Vielzahl der Fenstermanager den richtigen zu wählen. Pekwm [1] ist einer, der zwar für die meisten Distributionen als Paket bereit steht, sich aber immer noch auf der Stufe des ewigen Geheimtipps bewegt.

In der Regel finden Sie nach der Installation einen entsprechenden Eintrag im Menü des Dialogs zum Anmelden, sofern das Paket einen Eintrag für die Software mitbringt. Das Projekt selbst liefert diesen nicht mit. Sollten Sie nichts Brauchbares vor finden, erstellen Sie eine Datei wie in Listing 1 und speichern diese unter /usr/share/xsessions/pekwm.desktop.

Listing 1

[Desktop Entry]
Name=PekWM
Comment=Kleiner und schneller Fenstermanager
Exec=pekwm
TryExec=pekwm
Type=XSession

Starten Sie nun in eine neue Pekwm-Sitzung, sehen Sie erst einmal gar nichts – außer das voreingestellte Hintergrundbild der Distribution. Über einen Klick mit der rechten Maustaste öffnen Sie das Menü, das den Zugriff auf einige Standardanwendungen gewährt. Selbst ein XDG-basiertes Menü steht aus dem Stand nicht bereit, lediglich Debian und dessen Derivate verwenden einen Mechanismus zur Erzeugen eines Menüs aus den installierten Anwendungen.

Zwar gibt es bereits seit einigen Jahren in Form des Projekts Pekwm_menu_tools [2] einen Ansatz, um dieses Problem zu beheben, aber in der Praxis erwies sich das Erstellen des Menüs als recht fehlerträchtig und noch zu weit von echter Alltagstauglichkeit entfernt.

So bleibt Ihnen aber immer noch das Anlegen eigener Menüeinträge in der Konfigurationsdatei ~/.pekwm/menu. Vermutlich werden Sie die meisten der schon vorhandenen Einträge nicht brauchen, sodass Sie diese einfach nach Ihren Erfordernissen ändern. Einen als Untermenü hinzugefügten Ausschnitt finden Sie in Listing 2.

Listing 2

Submenu = "Favoriten" {
Entry = "Dateimanager" { Actions = "Exec spacefm" }
Entry = "Webbrowser" { Actions = "Exec qupzilla" }
Entry = "E-Mail" { Actions = "Exec thunderbird" }
Entry = "Terminal" { Actions = "Exec konsole" }
}

Im erwähnten Ordner finden Sie alle weiteren Stellschrauben für Pekwm: Standardmäßig folgt die Software dem Sloppy-Focus-Prinzip. Das bedeutet, das der Fokus auf den Fenstern dem Mauszeiger folgt. In früherer Zeit war dies in anderen Umgebungen der Standard, steht aber heute in den großen integrierten Desktops nur als Option bereit.

Wenn Sie die Fenster lieber durch einen ausdrücklichen Mausklick aktivieren wollen, entfernen Sie in der Datei ~/.pekwm/mouse vor der Zeile INCLUDE = "$_PEKWM_ETC_PATH/mouse_click das Raute-Zeichen und setzen es vor die darüber liegende Zeile.

Mit der Tastatur

Obwohl gegenwärtig vor allem Gnome dafür in der Kritik steht, den Benutzer regelrecht an die Tastatur zu zwingen, sollte andersherum betrachtet ein Fenstermanager es ermöglichen, diesen mit der Tastatur zu bedienen. Pekwm steht hier nicht hintenan: Für sämtliche aus anderen Umgebungen bekannten Vorgänge, die in der Regel ein Tastenkürzel haben, steht hier ebenfalls eines bereit.

Die Konfiguration dazu finden Sie in der Datei ~/.pekwm/keys, welche die Software beim ersten Start aus der Systemkonfiguration erzeugt. Im Wesentlichen hält sich Pekwm dabei an übliche Standards. Allerdings ist die in anderen Welten zum Öffnen einer Schnellstartzeile bekannte Tastenkombination nicht belegt. Abhilfe schaffen Sie schnell mit einer Definition wie in Listing 3.

Listing 3

KeyPress = "Mod1 F2" { Actions = "ShowCmdDialog" }

Der interne Befehl ShowCmdDialog öffnet die in Pekwm eingebaute Eingabezeile. Wenn Ihnen die zu funktionsarm erscheint (was sie tatsächlich ist) ersetzen Sie den Befehl – beispielsweise durch xfrun4, sofern Sie den XFCE-Schnellstarter auf dem System installiert haben.

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