Bauen und Packen

Im Beispiel für Audacious-Beispiel steht am Anfang jeweils ein Wechsel ins Verzeichnis ${srcdir}/${pkgname}-${pkgver} an. Diese Kombination aus Variablen expandiert zum Verzeichnis, in das der Aufruf makepkg die Quellen entpackt hat. Es handelt sich dabei im Beispiel um src/audacious-3.3.4 unterhalb des Arbeitsverzeichnisses oder an der in /etc/makepkg.con für SRCDEST festgelegten Stelle. Das braucht Sie innerhalb von PKGBUILD aber nicht weiter zu kümmern.

In build() folgt auf den Wechsel ins Verzeichnis der Aufruf von Configure. Wichtig ist dabei die Option --prefix=/usr: Meistens landen die Programmdateien ohne diesen Parameter in /usr/local, um nicht mit den über das Paketsystem installierten Programm zu kollidieren. Darum findet sich die Prefix-Angabe /usr in allen offiziellen Arch-Paketen. Der Parameter --with-buildstamp ist Audacious-spezifisch und hängt nicht direkt mit dem Bau des Pakets unter Arch Linux zusammen.

In package() steht direkt nach den Wechsel ins Quellcode-Verzeichnis der Aufruf von make install. Dem Parameter DESTDIR="${pkgdir}" kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Er sorgt dafür, dass der Aufruf make install die Dateien in eine Verzeichnishierarchie relativ zu ${pkgdir}, dem "fake root", und nicht im echten Root des Dateisystems installiert.

Es hängt vom Makefile des Programms ab, ob der Trick mit DESTDIR funktioniert. Wenn nicht, fällt es in der Regel schwer, ein Paket zu bauen [1]. Egal, ob unter Arch Linux, Debian/Ubuntu oder OpenSuse: Ein make install scheitert, weil es versucht, ohne Root-Rechte nach /usr oder in andere nur root zugängliche Verzeichnisse zu schreiben. Die meisten Entwickler berücksichtigen DESTDIR in den Makefiles, da sie wissen, dass die Paketsysteme der Distributionen darauf setzen.

In der letzten Zeile von package() folgt noch ein Aufruf von GNU Install. Er kopiert lediglich die Datei COPYING in das unter Arch Linux dafür übliche Verzeichnis. Der Parameter -DM644 erstellt dieses Verzeichnis, wenn es noch nicht existiert, und sorgt für angemessene Dateirechte. Abbildung 4 zeigt den gesamten Ablauf bei einem Aufruf von makepkg.

Abbildung 4: Ein makepkg führt bis zu vier in PKGBUILD definierte Funktionen aus. Die gestrichelt Dargestellten dürfen wegfallen. Parameter beschränken den Ablauf auf bestimmte Phasen (rechts im Bild).

Vorwissen

Mit diesem Wissen gelingt es bereits, Pakete für viele Programme zu erzeugen, die Sie erfolgreich kompiliert haben. Schon das Übersetzen aus den Quellen ist jedoch oft ein mühsames Unterfangen.

Das Experimentieren mit dem Compiler bleibt Ihnen häufig erspart, wenn Sie ein bestehendes Paket aus dem Arch-Build-System oder dem Arch User Repository auf eine neue Programmversion updaten. Wie Sie im PKGBUILD für das Beispiel Audacious sehen, bezieht die URL des Quellcodes in source die Variable pkgver ein.

Die Templates für PKGBUILD geben diesen Einsatz der Variablen für Versionsnummern vor und die offiziellen Arch-Pakete halten sich an diese Konvention – schon weil das Aktualisieren der ganzen Distribution anders kaum zu stemmen wäre.

Mit etwas Glück brauchen Sie daher nur pkgver anzupassen, sobald Version 3.3.5 von Audacious erscheint. Das Tool updpkgsums aktualisiert daraufhin die Prüfsummen. Wenn sich in der Quellcode-URL tatsächlich nur die Versionsnummer verändert hat, und das Programm wie bei der Vorgängerversion kompiliert, erzeugt makepkg ein aktuelles Audacious-Paket.

Natürlich ist es keineswegs sicher, dass ein ansonsten unverändertes PKGBUILD nach dem Erhöhen der Versionsnummer noch funktioniert: Es könnten neue Optionen beim Configure hinzugekommen sein oder die installierten Bibliotheken passen in Bezug auf die Version nicht zu denen, auf die das Programm aufsetzt.

Bei Sprüngen der Minor-Version, also der Zahl hinter dem ersten Punkt, kommt es jedoch erfahrungsgemäß eher selten zu Problemen. Rührt sich der Maintainer also trotz Out-of-Date-Flag (Abbildung 5) nicht, holen Sie sich mit abs die passende Datei PKGBUILD, passen pkgver an und probieren ihr Glück. Das gilt natürlich selbst dann, wenn Sie eine Beta-Version ausprobieren möchten oder in die offiziellen Version ein Feature einkompilieren möchten.

Abbildung 5: Ein Klick auf Flag Package Out-of-Date in der Arch-Linux-Paketdatenbank benachrichtigt den Maintainer. Statt auf seine Reaktion zu warten, gelingt es oft, mit wenig Aufwand selbst ein aktualisiertes Paket zu bauen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 7 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 06/2015: Shell-Tools

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Tim Schürmann, 24.04.2015 19:36, 0 Kommentare

LibreOffice kommt zwar mit einer deutschen Rechtschreibprüfung und einem guten Thesaurus, eine Grammatikprüfung fehlt jedoch. In ältere 32-Bit-Versionen ...

Aktuelle Fragen

Zu wenig Speicherplatz auf /boot unter MATE
Patrick Obenauer, 25.05.2015 14:28, 1 Antworten
Hallo zusammen, ich habe Ubuntu 14.10 mit MATE 1.8.2 (3.16-37) mit Standardeinstellungen aufgese...
Konsole / Terminal in Linux Mint 17.1 deutsch
Dirk Resag, 09.05.2015 23:39, 12 Antworten
Hallo an die Community, ich habe vor kurzem ein älteres Notebook, Amilo A1650G, 1GB Arbeitsspe...
Admin Probleme mit Q4os
Thomas Weiss, 30.03.2015 20:27, 6 Antworten
Hallo Leute, ich habe zwei Fragen zu Q4os. Die Installation auf meinem Dell Latitude D600 verl...
eeepc 1005HA externer sound Ausgang geht nicht
Dieter Drewanz, 18.03.2015 15:00, 1 Antworten
Hallo LC, nach dem Update () funktioniert unter KDE der externe Soundausgang an der Klinkenbuc...
AceCad DigiMemo A 402
Dr. Ulrich Andree, 15.03.2015 17:38, 2 Antworten
Moin zusammen, ich habe mir den elektronischen Notizblock "AceCad DigiMemo A 402" zugelegt und m...