Die in Gimp enthaltenen Funktionen zum Verzerren ermöglichen es, aus gewöhnlichen Aufnahmen ungewöhnliche Bilder zu zaubern. Bevor Sie sich aber dem kreativen Einsatz widmen, lohnt es sich, die entsprechenden Werkzeuge zur manuellen Korrektur von Objektivfehlern zu nutzen – sie bringen Abhilfe bei moderaten Verzeichnungen. Allerdings bleibt die Wirkung begrenzt. Oft lohnt es sich deshalb auch, zusätzlich das Perspektiv-Werkzeug zu bemühen.

Werkzeuge

Die Werkzeuge zum Drehen, Scheren und für perspektivische Modifikationen gehören zur Grundausstattung von Gimp. Alle arbeiten im Transformationsmodus: Sie sehen also zunächst nur eine Vorschau, die Sie Ihren Vorstellungen entsprechend manipulieren. Erst in einem weiteren Schritt – nach dem Bestätigen der Aktion – führt Gimp die rechenintensiven Arbeiten auf den Bilddaten aus.

Ganz neu ist in Gimp 2.8 bei den Werkzeugen zum Verformen die Käfig-Transformation hinzugekommen – allerdings nur mit eingeschränktem Funktionsumfang. So beschränkt sich deren Einsatz bisher auf Ebenen; Pfade und oder eine Auswahl unterstützt das Tool noch nicht.

Dafür ist das Bedienkonzept sehr einfach: Sie ziehen einen Rahmen um den gewünschten Bildbereich und setzen überall dort Stützpunkte, wo Sie später Verformungen vornehmen wollen. Sobald dieser Rahmen geschlossen ist, berechnet die Software die benötigten Parameter. Anschließend verschieben Sie die Stützpunkte, was den Inhalt entsprechend verzerrt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bei der Käfig-Transformation definieren Sie zunächst den Rahmen (oben links), anschließend verschieben Sie die Stützpunkte, bis Sie das gewünschte Ergebnis (rechts, hier nachträglich eingefärbt) erhalten.

Auswahl und Pfad

Das Verzerren einer Auswahl gehört zu den speziellen Aktionen, die in mehrfacher Hinsicht Bedeutung haben: Eine Auswahl dient als Begrenzung beim Kopieren, Löschen und für weitere Aufgaben und kommt darüber hinaus häufig beim Malen zum Einsatz.

Alle Standardwerkzeuge – mit Ausnahme des Werkzeugs zur Käfig-Transformation – erlauben das gezielte Verzerren einer Auswahl. In den Optionen des Werkzeuge steht dafür hinter Transformation als zweites der Punkt Auswahl bereit. Ein Punkt im Menü Auswahl ermöglicht es hingegen, eine Auswahl entsprechend festgelegter Parameter entlang der Kante zu verzerren (Abbildung 2).

Abbildung 2: Für das Verzerren einer Auswahl bietet Gimp zusätzlich einen speziellen Dialog an, der die Kante der Auswahl entsprechend der vorgegebenen Parameter modifiziert.

Das Skript, das Sie mit dem Dialog steuern, wandelt eine einfache (meist geometrische) Auswahl in eine etwas organischere Form um. Das funktioniert neben einer klassischen Auswahl sehr gut mit Buchstaben in Textebenen, sobald Sie diese mittels Auswahl aus Alphakanal angewählt haben.

Über Schwellwert legen Sie grundlegend fest, wie die Software die Auswahl verzerrt. Kleine Werte vergrößern dabei die Auswahl. Verteilen und Körnigkeit vergrößern das Verzerren, Glätten reduziert es. Mit Horizontal glätten beziehungsweise Vertikal glätten steuern Sie dies noch feiner.

Einen Pfad bearbeiten Sie mit den Standardwerkzeugen analog zu einer Auswahl. Insbesondere das perspektivische Verzerren bietet dabei viele Möglichkeiten (Abbildung 3). Darüber hinaus ist das Pfadwerkzeug so konzipiert, dass es das manuelle Verzerren von Pfaden besonders unterstützt. Pfade eignen sich dabei als Grundlagen für Auswahlen, zum Zeichnen oder als Hilfslinien.

Abbildung 3: Pfade verzerren Sie unter anderem über das Perspektiv-Werkzeug.

Grundsätzlich können Sie sowohl die Stützpunkte als auch die Linien ("Segmente" im Gimp-Jargon) von Pfaden beeinflussen. Drei Modi kennt dieses Werkzeug: Design zum Erstellen neuer Pfade, Bearbeiten und das Verschieben ganzer Pfade.

Über [Strg] aktivieren Sie den Modus zum Bearbeiten. Dann erzeugt jeder Klick einen neuen Stützpunkt. Segmente verschieben Sie direkt mit der Maus oder deformieren Sie durch die Hilfslinien an den Endpunkten. Mit [Strg]+[Umschalt] entfernt ein Mausklick einen Stützpunkt oder ein Segment.

Filter

Das Menü Filter enthält im Untermenü Verzerren eine Reihe weiterer Funktionen zum Verzerren von Bildern, darunter IWrap und Objektivfehler ... sowie Wrap text....

Hinter IWrap verbirgt sich ein interaktiver Filter, mit dem Sie bei Bedarf Teile des Bilds bewegen, vergrößern, verkleinern oder verdrehen. Entfernen hilft Ihnen, unnötige Verformungen rückgängig zu machen. Dabei haben Sie die Möglichkeit, die Modifikation im Bild vorzunehmen oder als Animation zu speichern. Abbildung 4 zeigt den Filter und einige Beispiele.

Abbildung 4: Im IWrap-Filter wählen Sie zunächst die gewünschte Funktion aus. Anschließend führen Sie diese im Vorschaufenster aus. Gefällt das Ergebnis, wendet OK den Filter an.

Der Filter erfordert etwas Übung, danach erzielen Sie aber schnell brauchbare Ergebnisse. Die recht kleine Vorschau erschwert das Bearbeiten von Details. Hier ist es sinnvoll, diese auf einer separaten Ebene getrennt zu bearbeiten und das Ergebnis wieder in das Bild einzufügen.

Sie steuern die Deformation über mehrere Parameter: Der Deformationsradius wirkt wie ein weicher Pinsel, mit dem Sie die Verformung vornehmen, Deformierung beeinflusst die Stärke des Effekts. Die Option Bilinear verbessert die Qualität der Deformation, was Anpassendes Hochrechnen noch im Detail verstärkt.

Über Maximale Tiefe legen Sie die Zahl der Durchläufe beim Berechnen der Pixel fest, die mehr als den eingestellten Schwellwert verändern. Im zweiten Reiter bietet der IWrap-Filter an, eine Animation mit bis zu 200 Einzelbildern aus der Deformation zu erzeugen.

Der Filter Verbiegen ... funktioniert ähnlich wie IWrap im Modus Verschiebe: Über zwei Kurven definieren Sie die Transformation, die Sie bei Bedarf speichern, um sie später auf weitere Bilder anzuwenden. In der Vorschau sehen Sie die Kontur des Bildes, rechts daneben die Linie, über die Sie die Modifikation steuern (Abbildung 5).

Abbildung 5: Über zwei Kurven steuern Sie das Ergebnis des Filters Verbiegen.

In der Regel erzielen Sie mit glatten Kurven den richtigen Effekt, um weiche Übergänge zwischen den Segmenten zu erhalten. Freie Kurven ermöglichen dagegen ganz ungewöhnliche Strukturen. In beiden Modi haben Sie zudem die Möglichkeit, die Endpunkte der Kurven zu verschieben.

Gefällt Ihnen die horizontale Ausrichtung der Kurven nicht, dann legen Sie einen neuen Winkel unter Drehen fest. Glätten und Kantenglättung verbessern in vielen Fällen das Ergebnis. Gimp erlaubt es darüber hinaus, einmal erzeugte Kurven für den erneuten Einsatz abzuspeichern.

Wählen Sie den Punkt Mit Kopie arbeiten, dann erhält Gimp die Ebene des Originals und erstellt stattdessen ein neues Layer mit dem verbogenen Inhalt. Diese Ebene erhält zunächst den Namen curve_bend_dummylayer_b, den Sie aber ändern dürfen.

Wind und Wellen

Filter wie Wellen und Wind funktionieren ähnlich. Sie bieten zwar weniger Flexibilität, sind dafür aber noch einfacher anzuwenden. Drehen und Drücken ... stellt eine ganz einfache Variante dieser Filter da (Abbildung 6) und tut genau das, was der Name aussagt.

Abbildung 6: Hinter Drehen und Drücken ... verbirgt sich ein einfacher Effektfilter. Der Radius steuert die Größte des beeinflussten Bereichs, mit der Druckstärke beeinflussen Sie die Wirkung.

Fazit

Wie bei vielen anderen Aufgaben bietet Gimp auch beim Verzerren eine Menge Möglichkeiten. Neben den Standardwerkzeugen verbergen sich auch bei den Filtern interessante Funktionen. Allerdings bietet sich bei der Käfig-Transformation den Entwicklern noch eine Menge Potenzial zum Optimieren: Hier berechnet die Software die Transformation derzeit nach einem unnötig aufwendigen Verfahren.

Alle anderen Werkzeuge, die Gimp für diese Art der Modifikation mitbringt, haben sich im Alltag bereit oft bewährt. Mit den Filtern stehen darüber hinaus umfangreiche Tools bereit, mit denen Sie Ihr kreatives Können gezielt am Bild umsetzen. 

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