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Luft-Druck

Vom iPad oder iPhone via Airprint und Cups drucken

17.07.2013 Apple-Geräte setzen auf eigene Technologien. Aber mit wenigen Handgriffen klappt der Druck via Airprint auch über einen Cups-Server.

Bereits seit der iOS-Version 4.2 können Apples iPad und iPhone auch drucken – aber nur auf Druckern, die Airprint [1] unterstützen. Entsprechende Geräte gibt es mittlerweile von allen namhaften Herstellern in jeder Preis- und Leistungsklasse. Trotzdem schrecken viele davor zurück, sich gleich einen neuen Drucker zu kaufen, nur um mit iPhone und iPad etwas zu Papier zu bringen.

Läuft im heimischen Netzwerk aber ein Linux-Rechner, dann stehen damit die Voraussetzungen bereit, alle im Netz freigegebenen Drucker als Airprint-fähige Geräte bereitzustellen.

Das Thema beschäftigt die Linux-Gemeinde schon eine ganze Weile. So hat Till Kamppeter für die Ubuntu-Versionen "Natty" und "Oneiric" schon 2011 die Implementation des Common Unix Printer System Cups entsprechend angepasst, sodass die angeschlossenen Drucker direkt bereit stehen [2]. Allerdings lohnt es zu wissen, wie Sie dieses Kunststück auch selbst fertigbringen: Auf diese Weise sind Sie von einer bestimmten Distribution unabhängig.

Cups

Bei Airprint sendet das Gerät einfach PDF-Dateien an den Drucker. Zusätzlich schickt es Angaben über die gewünschte Anzahl von Kopien sowie diejenigen Seiten, die tatsächlich gedruckt werden sollen. Eine funktionierende Cups-Installation sollte also eigentlich ausreichen, damit iPad und iPhone die im Netzwerk freigegebenen Drucker finden und darauf drucken.

Jedoch hat Apple inzwischen Cups um einige wichtige Funktionen beraubt, auf die Mac OS X verzichten kann, weil sie dort über den Dienst Bonjour [3] bereitstehen. Unter Linux existiert zum Glück mit Avahi [4] eine ähnliche Implementation von Zeroconf [5], mit der die betreffenden Funktionen dann auch wieder bereitstehen.

Die Konfiguration von Cups erläutern zahlreiche Quellen im Netz [6]. Läuft der Dienst, überprüfen Sie zunächst einmal, ob Ihr Drucker funktioniert, indem Sie eine Testseite ausdrucken. Öffnen Sie dazu einen Browser und geben Sie die URL http://Rechnername:631 ein. Sie erreichen diese Seite von jedem anderen Rechner im Netzwerk aus. Im Reiter Drucker finden Sie unter Verwaltung den Befehl zur Ausgabe der Testseite (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Der Druck einer Testseite verschafft Ihnen Klarheit darüber, ob ein angeschlossenes Gerät korrekt eingerichtet ist.

Damit der Drucker im Netz bereit steht, vergewissern Sie sich, dass die Datei /etc/cups/cupsd.conf die entsprechenden Einträge enthält. Listing 1 zeigt dazu ein Beispiel. Dabei ermöglichen es die beiden ersten Zeilen, den Server von jedem Client aus zu erreichen. Allzu freizügige Rechte erleichtern dabei jedoch Angriffe auf den Dienst. Daher gilt es, die Änderungen mit Bedacht vorzunehmen.

Listing 1

ServerAlias *
Listen *:631
Listen /var/run/cups/cups.sock
# Restrict access to the server...
<Location />
   Allow @LOCAL
   Order allow,deny
</Location>
# Restrict access to the admin pages...
<Location /admin>
  Order allow,deny
  Allow @LOCAL
</Location>
# Restrict access to configuration files...
<Location /admin/conf>
  AuthType Default
  Require user @SYSTEM
  Order allow,deny
  Allow @LOCAL
</Location>

Ändern Sie die Datei entsprechend und starten sie Cups neu (Listing 2). Jetzt sollte es möglich sein, den Drucker von einem Windows-Rechner aus zu finden. Rufen Sie hierzu in dessen Systemsteuerung Neuen Netzwerkdrucker hinzufügen auf und geben Sie unter Freigegebenen Drucker über den Namen auswählen die Adresse des Cups-Servers und den Namen des Druckers ein (Abbildung 2).

Listing 2

# Cups neu starten unter OpenSuse
$ sudo systemctl restart cups.service
# Cups neu starten unter Debian/Ubuntu
$ sudo /etc/init.d/cups restart
Abbildung 2

Abbildung 2: Wollen Sie den freigegebenen Drucker zusätzlich unter Windows nutzen, dann richten Sie auf dem entsprechenden System einen neuen Netzwerkdrucker ein.

Windows fragt nach dem Druckermodell, um den richtigen Treiber zu installieren. Erscheint hier die Nachricht Es konnte keine Verbindung hergestellt werden erscheinen, überprüfen Sie nochmals die CUPS-Installation und Netzwerkfreigabe des Druckers.

Avahi

Damit die Apple-Geräte den Drucker erkennen, machen Sie ihn über einen Bonjour-Broadcast im Netz bekannt. Hierzu richten Sie den Dienst Avahi ein. Dessen Konfigurationsdateien finden Sie im Verzeichnis /etc/ahavi/services. Listing 3 zeigt die Datei Airprint-HP1220C.service unseres Testsystems.

Listing 3

<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<!DOCTYPE service-group SYSTEM "avahi-service.dtd">
<service-group>
  <name replace-wildcards="yes">Airprint HP1220C @ %h</name>
  <service>
    <type>_ipp._tcp</type>
    <subtype>_universal._sub._ipp._tcp</subtype>
    <port>631</port>
    <txt-record>txtvers=1</txt-record>
    <txt-record>qtotal=1</txt-record>
    <txt-record>Transparent=T</txt-record>
    <txt-record>URF=none</txt-record>
    <txt-record>rp=printers/HP1220C</txt-record>
    <txt-record>note=Raw Queue with driver HP Deskjet 1220c hpijs, 3.12.11</txt-record>
    <txt-record>product=(GPL Ghostscript)</txt-record>
    <txt-record>printer-state=3</txt-record>
    <txt-record>printer-type=0x82b01c</txt-record>
    <txt-record>pdl=application/octet-stream,application/pdf,application/postscript,image/gif,image/jpeg,image/png,image/tiff,image/urf,text/html,text/plain,application/vnd.cups-banner,application/vnd.cups-command,application/vnd.cups-pdf,application/vnd.cups-postscript</txt-record>
  </service>
</service-group>

Nun ist es nicht jedermanns Sache, solche Service-Dateien für jeden Drucker im System von Hand zu erzeugen und anzupassen. Der Entwickler Timothy J. Fontaine hat erfreulicherweise ein kleines Python-Skript implementiert, das diese Dateien für alle Cups-Drucker im System automatisch erzeugt [7].

Das geht ganz einfach: Sie starten das Skript einmalig ohne Parameter und erhalten für jeden Drucker eine passende Datei, die Sie ins Verzeichnis /etc/avahi/services kopieren (Listing 4). Nach dem Neustart von Avahi und Cups klappt das Drucken von den Apple-Geräten aus dann problemlos.

Listing 4

$ wget https://github.com/tjfontaine/airprint-generate/blob/master/airprint-generate.py
$ ./airprint-generate.py
$ mv Airprint-HP1220C.service /etc/avahi/services
$ sudo systemctl restart avahi-daemon.service
$ sudo systemctl restart cups.service

MIME-Typen erzeugen

Das bisher Gezeigte führt allerdings nicht zum Erfolg, falls auf Ihrem Gerät iOS ab der Version 6 installiert ist. In diesem Fall gilt es zusätzlich neue MIME-Typen zu erzeugen, um einlaufende Daten richtig zuzuordnen. Dies gelingt recht unkompliziert, wie Listing 5 zeigt.

Listing 5

$ echo "image/urf urf string(0,UNIRAST<00>)" > /usr/share/cups/mime/airprint.types
$ echo "image/urf application/pdf 100 pdftoraster" > /usr/share/cups/mime/airprint.convs

Keine Apps

Im Gegensatz zu den verbreiteten Umwegen über spezielle Drucker-Apps erfordert der vorgestellte Weg keinerlei Eingriffe auf dem Apple-Gerät. Dort nutzen Sie die vorhandene Druckfunktion. Abbildung 3 zeigt, wie das auf dem iPad aussieht.

Abbildung 3

Abbildung 3: Drucken vom iPad – dank Cups und Avahi nutzen Sie dabei jeden Rechner am Linux-PC, ganz ohne Konfiguration.

Fazit

Mit wenigen Handgriffen haben Sie einen Cups-Server für den Druck über Airprint vorbereitet. Damit sparen Sie bares Geld, denn nicht alle Druckermodelle unterstützen diese Technologie von Haus aus.

Darüber hinaus bestehen hier auch keine speziellen Anforderungen an den Drucker: Die Anpassungen erfolgen ausschließlich auf dem Linux-PC. Grundsätzlich sollte dieser Ansatz also auch mit all jene kleinen Servern funktionieren, die unter einem Embedded-Linux laufen. 

Infos

[1] Airprint: http://support.apple.com/kb/ht4356

[2] Airprint-Support in Natty und Oneiric: https://lists.ubuntu.com/archives/ubuntu-devel/2011-June/033612.html

[3] Bonjour: http://de.wikipedia.org/wiki/Bonjour_(Apple)

[4] Avahi: http://de.wikipedia.org/wiki/Avahi_(Software)

[5] Zeroconf: http://de.wikipedia.org/wiki/Zeroconf

[6] Cups im Detail: Florian Effenberger, "Knopf-Druck", LU 03/2011, S. 32, http://www.linux-community.de/22933

[7] Airprint-Generate: https://github.com/tjfontaine/airprint-generate

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