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© Medialinx AG

RasPi-Buffet

Veranstaltungsbericht: "Pi and More 3" in Trier

17.07.2013
Aus ganz Deutschland zog es Mitte Juni Raspberry-Pi-Fans nach Trier zur "Pi and More 3". Die Veranstaltung deckte eine breite Palette an Themen ab und sprach damit RasPi-Enthusiasten aller Alters- und Interessengruppen an.

In Großbritannien sind Raspberry-Pi-Jams schon seit einiger Zeit zu einer festen Größe gewachsen: Im Heimatland des knuffigen Minicomputers findet praktisch jeden Monat irgendwo ein solches Treffen statt. Doch auch anderswo breiten sich entsprechende Veranstaltungen zunehmend aus: So fand denn auch die deutsche RasPi-Jam "Pi and More" [1] bereits zum dritten Mal statt.

Die halbjährliche Veranstaltung wuchs im Vergleich zu den Vorgängern diesmal überdurchschnittlich. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn des ersten Programmpunkts ist ein Großteil der Stühle belegt, die 100 Plätze der kostenlosen Veranstaltung waren bereits Tage vor Beginn ausgebucht. Die "Pi and More" vereint unterschiedlichste Teilnehmer unter einem Dach: Lehrer, Informatik-Professoren, Bastler und Hobbyisten, darunter auch einen 10-jährigen Jungen, der sich die Skriptprogrammierung mit Tutorials selbst angeeignet hat.

Abbildung 1: Verstehen sich bestens: Tux und der Raspberry Pi in allen Varianten.

Bildung

Im ersten Vortrag erläutert Tobias Hübner, wie er Schüler für den Minicomputer begeistern konnte. Der Lehrer gründete mit Kindern einer sechsten Klasse eine Raspberry-Pi-AG. Dabei kamen ungeachtet der altersgerechten Aufbereitung der Inhalte auch technische Grundlagen nicht zu kurz.

Zuerst fanden die Schüler an einem echten Comptometer heraus, wie dieses alte Gerät auf mechanische Art und Weise Zahlen addiert. Mit Erklärungen zum Binärsystem und zur Funktionsweise von Transistoren fand dann der Brückenschlag ins Jetzt statt: Die Klasse nahm die RasPis in Empfang und lernte zunächst anhand von LibreOffice, wie man Korrespondenz und Büroarbeiten mit freier Software abwickelt. Als nächstes spielten alle eine Runde Mindcraft. Letzteres motivierte die Kinder enorm, beim nachfolgenden Python-Kurs gut aufzupassen – schließlich wollten sie nun die Spielewelt mit eigenen Skripten modifizieren. Die letzten Wochen der Raspberry-Pi-AG drehten sich um Hardware-Basteleien und Physical Computing. Tobias Hübner stellt die für diese AG erstellten Lehrmaterialien auf seiner Homepage bereit [2].

Screenly und KiCAD

Viktor Petersson erzählt beim zweiten Programmpunkt die Erfolgsgeschichte von Screenly [3]: Die Software läuft auf einem Pi und stellt gewünschte Informationen auf einem Monitor dar, wie beispielsweise Infomercials in einem Kaufhaus. Das Programm existiert sowohl als GPLv2-lizenzierte freie Software wie auch in einer kommerziellen Variante.

Wer mit dem RasPi bastelt, fängt in der Regel mit dem Steckbrett an. Wie überführt man die gesteckte Schaltung in eine richtige Platine? Hierfür erläutert Guido Schmitz im dritten Vortrag die Software KiCAD [4]. Als-Beispiel-Schaltung verwendet er das Laddergame [5], das sich oft in Hardware-Einsteigertutorials für den Pi wiederfindet. Mit KiCAD entsteht dazu zunächst einen Schaltplan, anschließend ein entsprechendes Platinenlayout. Zum Schluss erfolgt eine interessante Übersicht, welche Preise den geneigten Bastler erwarten, wenn er seine Platine ätzen lassen möchte.

Workshops und Open Space

Zwischen den Vorträgen besuchen manche Teilnehmer einen der Workshops. Der erste richtet sich an Anfänger: Ein Helfer zeigt Einsteigern, wie sie das Image einer Distribution auf die SD-Karte schreiben. Ferner erfahren die Neuankömmlinge, welches Zubehör man sich zulegen sollte. Ein anderer Workshop demonstriert, wie man Minecraft auf dem Minicomputer installiert (Abbildung 2). Einige Besucher haben ihren eigenen Raspberry Pi mitgenommen, sodass sie am Ende der Veranstaltung über eine lauffähige Installation verfügen. Hier finden sich viele derjenigen wieder, die zuvor auch schon den Anfänger-Workshop besucht haben.

Abbildung 2: Auch Kurzweiliges hat seinen Platz: Hier lässt sich Minecraft auf dem Raspberry Pi spielen.

Diejenigen, die über mehr Vorkenntnisse verfügen, steuern stattdessen im Ausstellungsbereich einen der zahlreichen Tische mit Hardware-Aufbauten an: Hier demonstrieren Bastler ihre Raspberry-Pi-Projekte. Eines davon vertieft Nico Maas zwischenzeitlich in einem eigenen Vortrag: Beim Sunwell-Projekt [6] teilen RGB-Lampen Kellnern eines Cafés mittels optischer Signale mit, welcher Tisch als nächstes seine Bestellung erhält (Abbildung 3). Während die Lampen an sich mit Atmel-Mikrocontrollern realisiert wurden, übernimmt die Steuerung und Anbindung an das Kassensystem ein RasPi.

Abbildung 3: Dieser Hardware-Aufbau mit RGB-Lampen kann in Cafés für zügigere Bedienung sorgen.

Headless

Viele Anwender betreiben ihren RasPi ohne Monitor – beispielsweise, um ihn als Heimserver zu nutzen. Peter Sturm, der die beiden letzten Vorträge des Tages hält, geht als erstes auf dieses Thema ein. Wie greift man nun auf den "kopflosen" Raspberry Pi zu, um beispielsweise die Konfiguration zu ändern?

Die erste dargestellte Möglichkeit, die gemäß einer Handzeichen-Abstimmung auch die gebräuchlichste unter den Zuhörern ist, verwendet hierfür die Ethernet-Schnittstelle. An diesem Punkt fokussiert das Gespräch nötige Konfigurationsanpassungen der Netzwerk-Konfiguration in der Datei /etc/network/interfaces, und dabei unter anderem, wie man dort auf Wunsch dem Pi eine feste IP zuweist. Außerdem erwähnt der Referent, wie man mit Nmap den Pi mittels Netzwerkscan findet.

Im Anschluss wechselt der Vortrag nun auf die beim ein oder anderen weniger bekannte Zugriffsmethode via serieller Konsole. Hierzu klemmt man zwischen PC und RasPi einen USB-to-Serial-Adapter, findet mittels lsusb und dmesg raus, welches Interface anzusprechen ist, und greift dann mittels Terminal-Emulator (etwa Minicom) darauf zu. Nachteil dieser Methode: Der Adapter blockiert mehrere PINs des GPIO-Ports, die damit für anderweitige Nutzung ausfallen.

Pi-Törn

Der Vortrag zum "Pi-Törn" klärt über ein Projekt auf, welches die Nikolaus-Koch-Stiftung fördert. Schüler schreiben Programme für einen Raspberry Pi, der damit die Steuerung eines kleinen Segelschiffmodells (Abbildung 4) übernimmt. An Bord befinden sich außer dem Pi noch zwei Servo-Motoren zum Ansteuern von Steuerruder und Segeln. Hinzu kommen verschiedene Sensoren – etwa Ultraschall oder Infrarot – deren Werte das Programm auswerten und das Schiff entsprechend steuern kann.

Abbildung 4: Mit einem Raspberry Pi als elektronischem Skipper sollen 2014 Segelschiffe wie dieses auf Regatta gehen.

Die Jugendlichen erhalten als Grundlage eine Software, mittels derer sie die von ihnen entworfenen Algorithmen an einem virtuellen Segelschiff austesten, bevor diese sich an Bord eines echten Bootes beweisen müssen. Diesen Simulator haben, genauso wie diverse Low-Level-Feinheiten bei der Hardware-Ansteuerung, Informatik-Studenten umgesetzt, sodass die Schüler sich ganz auf die Steuerungslogik ihrer Programme konzentrieren können.

2014 wird eine Segelregatta stattfinden, bei der sich die Mini-Schiffe aller teilnehmenden Schülergruppen miteinander messen: Dabei gilt es das eigene Boot möglichst nahe an ein Ziel zu bringen, ohne dass es mit anderen Objekten kollidiert oder gar sinkt. Die Schiffe selbst (Kostenpunkt rund 600 Euro pro Exemplar) sponsern diverse Firmen, welche ihr Logo auf die gut sichtbaren Segel aufdrucken.

Sinn des Projekts ist es, Jugendliche auf eine spielerische Art an Informatik heranzuführen. Da diese hier keine abstrakten Programme schreiben, die am Schluss nur Daten auf einen Bildschirm ausgeben, sondern eine Interaktion des Codes mit der realen Welt erfolgt, erhoffen sich die Initiatoren gesteigertes Interesse bei den Jugendlichen. Schülergruppen können sich künftig online für den "Pi-Törn" bewerben [7]. Zum Redaktionsschluss war die entsprechende Seite allerdings noch nicht betriebsbereit.

Mehr Jams!

Abends verlassen diejenigen Teilnehmer, die als Heimweg noch eine längere Strecke vor sich haben, das Gebäude in Richtung Parkplatz. Der Rest tauscht sich wenige Meter davon entfernt beim Grillen noch weiter aus. Wir lassen währenddessen in unserem Kopf den Tag noch einmal Revue passieren.

Dabei drängt sich unweigerlich die Frage auf, warum nicht noch mehr deutschsprachige Raspberry-Pi-Jams existieren. Sicherlich gibt es bundesweit noch viel mehr als die in Trier erschienenen 100 Teilnehmer, die von so einer Veranstaltung profitieren würden. Und: Was schaffen Jugendliche, die mit 10 bis 12 Jahren mit dem Coden und Löten anfangen, wenn sie erst einmal 25 sind?

Im Prinzip versteht man hier umso mehr, welches Potential im Raspberry Pi steckt. Aus dem "Homebrew Computer Club" im Silicon Valley der 1970er entstanden später milliardenschwere und heute weltweit bekannte Unternehmen. Es bleibt zu hoffen, dass hierzulande auch irgendwann einmal britische Verhältnisse herrschen: Raspberry Pis an jeder Schule und aktive Usergroups für die Enthusiasten aller Altersklassen. 

Interview: Pi and (much) More?

Stellvertretend für alle ehrenamtlichen Helfer des Organisationsteams beantworteten uns Daniel Fett und Christopher Perrin am Rande der Veranstaltung ein paar Fragen zu den Hintergründen von Pi & More.

? Pi & More findet ja nun schon zum dritten Mal statt. Wie kam es ursprünglich zu der Idee, einen deutschsprachigen Raspberry-Pi-Jam zu veranstalten?

! Im Bekanntenkreis redeten wir viel über den RasPi und seine Möglichkeiten. "Hast du deinen schon bekommen, oder musst du auch noch warten?", lautete eine typische Frage. Im Gespräch stellten wir dann fest, dass so eine Veranstaltung eine gute Sache wäre.

? In Großbritannien sind die Pi-Jams schon weit verbreitet. In Deutschland scheint ihr bisher noch die einzigen zu sein, die einen veranstalten.

! Es gab einen Briten, der an englischen Schulen in Deutschland Raspberry-Pi-Jams veranstaltet hat. Davon abgesehen, sind wir wohl momentan tatsächlich die einzigen.

? Setzt ihr bei "Pi and More" bestimmte Schwerpunkte -- zum Beispiel Maker-Themen oder Ähnliches?

! Nein, im Prinzip ist die Themenauswahl ausgeglichen. Die ersten beiden Veranstaltungstermine fielen noch sehr technisch aus. Mittlerweile haben wir auch ein Angebot für diejenigen, die einen Anfänger-Workshop besuchen wollen oder sich für den Bildungseinsatz des RasPi interessieren.

? Verfolgt ihr mit der Veranstaltung auch bestimmte Ziele?

! Jeder, der mithilft, hat sicherlich seine persönlichen Ziele. Der eine lernte in seiner Kindheit viel durch den C-64 und möchte deswegen, dass der RasPi stärker Eingang in den EDV-Unterricht findet: An einem kleinen Gerät mit technischen Limits lässt sich auf spielerische Weise sehr viel technisches Know-how erlangen. Der andere sucht einen Treffpunkt, an dem sich Bastler über ihre Projekte austauschen können. Übrigens steht das "… and More" in Veranstaltungstitel dafür, dass auch Arduino & Co. willkommen sind.

? Der Eintritt ist kostenlos, die Redner reisen zum Teil aus dem Ausland an. Wie finanziert ihr das, nutzt ihr Sponsoring?

! Nein, alles geschieht ehrenamtlich. Die Redner kamen, ohne dass wir ihnen eine Erstattung der Fahrtkosten zusagen konnten.

? Wie sieht die Zukunft aus? Beispielsweise waren die 100 Plätze der Veranstaltung dieses Mal komplett ausgebucht. Wollt ihr bei den kommenden Terminen noch weiter wachsen?

! Weiter wachsen wollen wir nur, wenn die Qualität nicht darunter leidet. So sind die Helfer dieses Mal schon mit dem Hardware-Verleih, dem Essensverkauf, dem Verlegen des Netzwerks und so weiter voll ausgelastet. Bei einem Mehr an Besuchern stellt sich auch die Frage, wo in der Halle noch zusätzliche Basteltische Platz haben könnten. Denkbar wäre eher, irgendwann einmal mehrere Tracks anzubieten, sodass sich die Besucher räumlich etwas verteilen – dann könnten auch mehr Leute kommen.

? Vielen Dank für das Interview und euch noch weiterhin viel Erfolg mit "Pi and More".

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