Pi-Törn

Der Vortrag zum "Pi-Törn" klärt über ein Projekt auf, welches die Nikolaus-Koch-Stiftung fördert. Schüler schreiben Programme für einen Raspberry Pi, der damit die Steuerung eines kleinen Segelschiffmodells (Abbildung 4) übernimmt. An Bord befinden sich außer dem Pi noch zwei Servo-Motoren zum Ansteuern von Steuerruder und Segeln. Hinzu kommen verschiedene Sensoren – etwa Ultraschall oder Infrarot – deren Werte das Programm auswerten und das Schiff entsprechend steuern kann.

Abbildung 4: Mit einem Raspberry Pi als elektronischem Skipper sollen 2014 Segelschiffe wie dieses auf Regatta gehen.

Die Jugendlichen erhalten als Grundlage eine Software, mittels derer sie die von ihnen entworfenen Algorithmen an einem virtuellen Segelschiff austesten, bevor diese sich an Bord eines echten Bootes beweisen müssen. Diesen Simulator haben, genauso wie diverse Low-Level-Feinheiten bei der Hardware-Ansteuerung, Informatik-Studenten umgesetzt, sodass die Schüler sich ganz auf die Steuerungslogik ihrer Programme konzentrieren können.

2014 wird eine Segelregatta stattfinden, bei der sich die Mini-Schiffe aller teilnehmenden Schülergruppen miteinander messen: Dabei gilt es das eigene Boot möglichst nahe an ein Ziel zu bringen, ohne dass es mit anderen Objekten kollidiert oder gar sinkt. Die Schiffe selbst (Kostenpunkt rund 600 Euro pro Exemplar) sponsern diverse Firmen, welche ihr Logo auf die gut sichtbaren Segel aufdrucken.

Sinn des Projekts ist es, Jugendliche auf eine spielerische Art an Informatik heranzuführen. Da diese hier keine abstrakten Programme schreiben, die am Schluss nur Daten auf einen Bildschirm ausgeben, sondern eine Interaktion des Codes mit der realen Welt erfolgt, erhoffen sich die Initiatoren gesteigertes Interesse bei den Jugendlichen. Schülergruppen können sich künftig online für den "Pi-Törn" bewerben [7]. Zum Redaktionsschluss war die entsprechende Seite allerdings noch nicht betriebsbereit.

Mehr Jams!

Abends verlassen diejenigen Teilnehmer, die als Heimweg noch eine längere Strecke vor sich haben, das Gebäude in Richtung Parkplatz. Der Rest tauscht sich wenige Meter davon entfernt beim Grillen noch weiter aus. Wir lassen währenddessen in unserem Kopf den Tag noch einmal Revue passieren.

Dabei drängt sich unweigerlich die Frage auf, warum nicht noch mehr deutschsprachige Raspberry-Pi-Jams existieren. Sicherlich gibt es bundesweit noch viel mehr als die in Trier erschienenen 100 Teilnehmer, die von so einer Veranstaltung profitieren würden. Und: Was schaffen Jugendliche, die mit 10 bis 12 Jahren mit dem Coden und Löten anfangen, wenn sie erst einmal 25 sind?

Im Prinzip versteht man hier umso mehr, welches Potential im Raspberry Pi steckt. Aus dem "Homebrew Computer Club" im Silicon Valley der 1970er entstanden später milliardenschwere und heute weltweit bekannte Unternehmen. Es bleibt zu hoffen, dass hierzulande auch irgendwann einmal britische Verhältnisse herrschen: Raspberry Pis an jeder Schule und aktive Usergroups für die Enthusiasten aller Altersklassen. 

Interview: Pi and (much) More?

Stellvertretend für alle ehrenamtlichen Helfer des Organisationsteams beantworteten uns Daniel Fett und Christopher Perrin am Rande der Veranstaltung ein paar Fragen zu den Hintergründen von Pi & More.

? Pi & More findet ja nun schon zum dritten Mal statt. Wie kam es ursprünglich zu der Idee, einen deutschsprachigen Raspberry-Pi-Jam zu veranstalten?

! Im Bekanntenkreis redeten wir viel über den RasPi und seine Möglichkeiten. "Hast du deinen schon bekommen, oder musst du auch noch warten?", lautete eine typische Frage. Im Gespräch stellten wir dann fest, dass so eine Veranstaltung eine gute Sache wäre.

? In Großbritannien sind die Pi-Jams schon weit verbreitet. In Deutschland scheint ihr bisher noch die einzigen zu sein, die einen veranstalten.

! Es gab einen Briten, der an englischen Schulen in Deutschland Raspberry-Pi-Jams veranstaltet hat. Davon abgesehen, sind wir wohl momentan tatsächlich die einzigen.

? Setzt ihr bei "Pi and More" bestimmte Schwerpunkte -- zum Beispiel Maker-Themen oder Ähnliches?

! Nein, im Prinzip ist die Themenauswahl ausgeglichen. Die ersten beiden Veranstaltungstermine fielen noch sehr technisch aus. Mittlerweile haben wir auch ein Angebot für diejenigen, die einen Anfänger-Workshop besuchen wollen oder sich für den Bildungseinsatz des RasPi interessieren.

? Verfolgt ihr mit der Veranstaltung auch bestimmte Ziele?

! Jeder, der mithilft, hat sicherlich seine persönlichen Ziele. Der eine lernte in seiner Kindheit viel durch den C-64 und möchte deswegen, dass der RasPi stärker Eingang in den EDV-Unterricht findet: An einem kleinen Gerät mit technischen Limits lässt sich auf spielerische Weise sehr viel technisches Know-how erlangen. Der andere sucht einen Treffpunkt, an dem sich Bastler über ihre Projekte austauschen können. Übrigens steht das "… and More" in Veranstaltungstitel dafür, dass auch Arduino & Co. willkommen sind.

? Der Eintritt ist kostenlos, die Redner reisen zum Teil aus dem Ausland an. Wie finanziert ihr das, nutzt ihr Sponsoring?

! Nein, alles geschieht ehrenamtlich. Die Redner kamen, ohne dass wir ihnen eine Erstattung der Fahrtkosten zusagen konnten.

? Wie sieht die Zukunft aus? Beispielsweise waren die 100 Plätze der Veranstaltung dieses Mal komplett ausgebucht. Wollt ihr bei den kommenden Terminen noch weiter wachsen?

! Weiter wachsen wollen wir nur, wenn die Qualität nicht darunter leidet. So sind die Helfer dieses Mal schon mit dem Hardware-Verleih, dem Essensverkauf, dem Verlegen des Netzwerks und so weiter voll ausgelastet. Bei einem Mehr an Besuchern stellt sich auch die Frage, wo in der Halle noch zusätzliche Basteltische Platz haben könnten. Denkbar wäre eher, irgendwann einmal mehrere Tracks anzubieten, sodass sich die Besucher räumlich etwas verteilen – dann könnten auch mehr Leute kommen.

? Vielen Dank für das Interview und euch noch weiterhin viel Erfolg mit "Pi and More".

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Konferenz „Pi and More“ sucht Vorträge, Workshops und Projekte
    Bereits zum siebten Mal findet am 20. Juni in Trier die Konferenz „Pi and More“ statt. Die Veranstalter suchen derzeit noch nach Vortragenden und Workshop-Tutoren. Zudem können Bastler ihre Projekte auf dem größten deutschen „Raspberry Jam“ vorstellen.
  • Pi and More am 20. Juni in Trier
    Am 20. Juni findet in Trier die siebte „Pi and More“ statt. Auf die Teilnehmer und Besucher warten über 35 Vorträge sowie Projektvorstellungen und Workshops. Im Mittelpunkt stehen dabei neben dem Raspberry Pi auch „andere kleine Computer“.
  • Digitale Ausgabe RPG 03/2015 für 99 Cent
    Pünktlich zur Veröffentlichung des Raspberry Pi Geeks 03/2015 mit dem Titel "Raspberry Pi 2" gibt es die digitalen Ausgaben als Android App, als Epaper für den Browser, im Appstore für iPhone und iPad und bei Amazon am 2. April für nur 99 Cent statt den üblichen 7,99 Euro.
  • Framebuffer-Treiber für das C-Berry-Display
    Ein freier Framebuffer-Treiber vereinfacht den Betrieb des stromsparenden C-Berry-Displays an einem Raspberry Pi. Bislang ist aber noch etwas Handarbeit notwendig, um das Modul zu nutzen.
  • Pi and More in Trier

    Bereits zum fünften Mal findet am 28. Juni an der Universität Trier die Tagung Pi and More statt. Nun suchen die Organisatoren Vorträge, Workshops und Projekte.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 07/2015: Daten sichern

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Tim Schürmann, 24.04.2015 19:36, 0 Kommentare

LibreOffice kommt zwar mit einer deutschen Rechtschreibprüfung und einem guten Thesaurus, eine Grammatikprüfung fehlt jedoch. In ältere 32-Bit-Versionen ...

Aktuelle Fragen

Fernwartung oder wartung im haus
heide marie voigt, 29.06.2015 10:37, 0 Antworten
gerne hätte ich jemanden in Bremen nord, der mir weiter hilft - angebote bitte mit preis HMVoigt
Druckeranschluss DCP-195C
heide marie voigt, 29.06.2015 10:35, 1 Antworten
installiert ist linux ubuntu 15.04 offenbar auch der treiber für den Drucker DCP-195C. Die Konta...
keine arbeitsleiste beim einloggen
heide marie voigt, 27.06.2015 13:31, 0 Antworten
seit der neu-installierung von linux ubuntu 15.04 erscheint die arbeitsleiste rechts oben erst na...
raid platte an linux mint 17.1
andreas schug, 23.06.2015 19:44, 0 Antworten
folgende thematik NAS Iomega Storage Center wird auf einmal nicht mehr im netzwerk erkannt .....
SUSE 13.2 - Probleme mit kmail
kris kelvin, 03.06.2015 13:26, 2 Antworten
Hallo, nach dem Umstieg auf 13.1 hatte ich das Problem, daß kmail extrem langsam reagierte. Nun...