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Lichtblick

Neues im RAW-Konverter Darktable 1.2

17.07.2013
Darktable glänzt als leistungsfähigster freier RAW-Konverter und begeistert in der aktuellen Version 1.2 durch clevere neue Funktionen.

RAW-Konverter erzeugen aus digitalen Negativen normale Bitmap-Dateien. Zu den leistungsfähigsten Vertretern dieser Gattung zählt Darktable [1]. Das stark am kommerziellen Adobe Lightroom orientierte freie Programm setzt bei der Arbeit auf einen festen Workflow, was reproduzierbare Ergebnisse garantiert. Dabei realisiert es eine nicht-destruktive Bildbearbeitung: Es liest die Originaldateien ("Negative") zwar ein, erzeugt aber stets getrennte Ausgabedateien ("Positive", "Abzüge") mit den von Ihnen gewählten Einstellungen. Diese Einstellungen sowie daneben auch Stichwörter, Geo-Informationen und weitere Daten zum Bild schreibt Darktable in sogenannte Sidecar-Dateien mit der Namensendung .xmp.

Die Oberfläche des Programms ist zunächst gewöhnungsbedürftig und besteht in der aktuellen Version 1.2 [2] aus vier unterschiedlichen Teilen. Neben einem Leuchttisch zur Dateiverwaltung gibt es eine Dunkelkammer für die Bildbearbeitung, das Tethering dient dem Auslösen von Kameras, und eine Karte ermöglicht ein Geotagging der Aufnahmen.

Grundsätzlich teilt Darktable das Fenster in drei vertikale Bereiche ein, wobei zwei breite Seitenleisten das Bildfenster begrenzen. In der Leiste auf der linken Seite finden sich normalerweise Verwaltungsinformationen, in jener auf der rechten Seite erscheinen Informationen und Aktionen zu den ausgewählten und im Bildfenster dargestellten Aufnahmen. Ein Klick auf die kleinen, nach außen zeigenden Dreiecke in den Panels verbirgt diese temporär und vergrößert damit das Bildfenster.

Darktable installieren

Darktable findet sich in den Repositories aller gängigen Distributionen, sodass Sie es meist bequem per Paketmanagement einrichten können – allerdings nicht notwendigerweise immer in der aktuellen Version. Das Projekt verweist auf seiner Website aber auf spezielle Repositories für Arch Linux, Fedora, Gentoo, OpenSuse, RHEL, Ubuntu und deren Ableger, aus denen sich das jeweils aktuellste Darktable-Release beziehen lässt [3].

Der Leuchttisch

Auf dem Leuchttisch (Abbildung 1) lassen sich Bilder importieren, sortieren, verschlagworten und in Bitmap-Formate exportieren. Mithilfe des Mausrads stellen Sie die Größe der Vorschaubilder stufenlos ein, [Z] erzeugt für das Bild unter der Maus kurzfristig eine bildfüllende Vorschau. Am unteren Rand schalten Sie den Modus des Leuchttisches um: Neben der klassischen Bildansicht gibt es dort unter Dateiverwaltung auch einen einfachen Dateimanager.

Abbildung 1: Auf dem Leuchttisch lassen sich Bilder zur Bearbeitung auswählen, mit Stichwörtern versehen und vieles andere mehr. Zwischenzeitlich gelöschte Bilder kennzeichnet Darktable mit dem Totenkopf und zeigt eine Warnung (unten, Bildmitte) an.

Darktable ist für das Bearbeitung von vielen Bildern ausgelegt. Das zeigt sich an verschiedenen Stellen. So können Sie jedes Bild mit bis zu fünf Sternen bewerten. Wählen Sie Fotos aus – das klappt mit der Maus und den üblichen Tastenkombinationen [Strg]+Mausklick respektive [Umschalt]+Mausklick – so zeigt Darktable am unteren Rand die entsprechenden Marken an. Um mehrere ausgewählte Bilder zu bewerten, nutzen Sie am besten die Tastatur und drücken [1] für einen Stern, [3] für zwei, und so fort. Parallel und unabhängig von der Sterne-Wertung können Sie Farbmarken verwenden, die dann oberhalb der Bilder erscheinen (Abbildung 2). Sie vergeben und löschen die Farb-Tags über die Tasten [F1] bis [F5].

Abbildung 2: Sie dürfen Ihre Bilder mithilfe der Schalter am unteren Fensterrand in bis zu fünf Farben markieren. Anschließend zeigt sortieren nach (oben) entsprechend markierte Bilder vorsortiert an.

In der linken Seitenleiste finden Sie die Funktionen zum Laden von Bildern, wobei Darktable wahlweise nur einzelne Bilder oder auch den Inhalt kompletter Verzeichnisse einliest. Das neue Darktable 1.2 ermöglicht mittels Gphoto2 auch, Bilder direkt von der Kamera zu beziehen, sofern diese nicht als Massenspeicher eingehängt ist. Neu ist auch, dass das Programm die beim Einlesen gefundenen Stichwörter gleich in die interne Datenbank aufnimmt und (im rechten Panel unter Tagging) als Tags für weitere Bilder zur Verfügung stellt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die linke Seitenleiste dient im Leuchttisch-Modus zum Importieren von Bildern. Das rechte enthält zusätzliche Funktionen, etwa für das Verwalten von Dateien und Stilen.

Die rechte Seitenleiste hatte schon früher eine wichtige Bedeutung, da es viele grundlegende Funktionen zusammenfasst. Die aktuelle Version baut das noch aus. Wie bisher können Sie unter Auswahl auf mehreren wegen größere Mengen von Bildern automatisch auswählen. Was mit diesen geschehen soll, stellen Sie unter ausgewählte Bilder ein. So nimmt entfernen die Bilder aus der Datenbank, belässt sie aber auf der Festplatte. Dagegen entfernt löschen sie physikalisch. Das duplizieren erzeugt einen weiteren Eintrag in der Datenbank, belegt aber keinen zusätzlichen Speicherplatz. Neu ist die Funktion zum gruppieren von Bildern ([Strg]+[G]): Sie fasst die ausgewählten Fotos unter einer mit einem G markierten Vorschau zusammen.

Die im Panel ebenfalls vorhandene HDR-Funktion haben die Entwickler mehrfach überarbeitet. Nun ist sie in der Lage, auch aus einer normalen Aufnahme ein HDR-Bild im DNG-Format zu erzeugen, was oft überraschend gut funktioniert (Abbildung 4).

Abbildung 4: Eigentlich für die Kombination von Bildern aus einer Belichtungsreihe entwickelt, erzeugt die HDR-Funktion nun auch sehenswerte "Single Shot HDRs" (links).

TIPP

Darktable importiert neben RAW-Formaten auch JPEG- und TIFF-Bilder. Das eröffnet zusätzliche Einsatzgebiete: Sie laden damit beispielsweise die für Ihre nächste Präsentation benötigten Bilder, schärfen diese und speichern sie mit einem Rahmen versehen erneut ab. Liegen die Bilder in einem von Darktable nicht unterstützten Eingabeformat vor, konvertieren Sie sie zunächst mit Convert oder Converseen [4].

Hochgestapelt

Eine der wichtigsten Funktionen des Leuchttischs finden Sie unter dem Punkt Verlaufsstapel. Der Verlaufsstapel fasst die für das aktuelle Bild vorgesehenen Aktionen zusammen und beschreibt damit alle zum Erstellen des "Abzugs" erforderlichen Schritte. Die zum Bild gehörende XMP-Datei speichert diese Informationen. Versehen Sie einen Verlaufsstapel mit einem Namen, spricht man von einem "Stil". Der Witz an den Verlaufsstapeln: Sie müssen beliebige Stapel nur einmal erzeugen und können sie anschließend auf beliebig viele Bilder anwenden. Dabei steuert hinzufügen beziehungsweise überschreiben, was mit möglicherweise schon vorhandenen Verlaufsinformationen geschehen soll.

Normalerweise halten Sie für Ihre Kamera gut geeignete Stapel als Stile vor und wenden diese nach dem Laden der Bilder mit einfügen oder alles einfügen (unter Verlaufsstapel) auf die neuen Bilder an. Der Reiter Stile zeigt alle vorhandenen Stapel und bietet sie zum Bearbeiten der Bilder an. Es ist übrigens nicht so, dass Sie sich mit dem Anwenden eines Stils festlegen: Sie können anschließend immer noch beliebige Veränderungen an den Bildern vornehmen.

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