Metamorphose

EPUB-Dokumente per Mausklick generieren

Die Office-Suite OpenOffice kommt nicht nur unter Linux häufig zum Einsatz. Der Grund für ihre Beliebtheit liegt nicht zuletzt in Zusatzfunktionen wie dem reibungslosen Export von Dokumenten ins Dateiformat PDF sowie der Stabilität der Software.

Der modulare Aufbau der Bürosuite macht das Erweitern einfach. So passen Sie das Programm mit wenigen Handgriffen an Ihre Bedürfnisse an. Neben einem Plugin für den Import einfach gestalteter PDF-Dateien [1] gibt es seit einiger Zeit auch eine Extension, die es ermöglicht, Texte aus Writer in ins offene Format EPUB zu konvertieren [2]. Mithilfe der entsprechenden Software stehen diese Dokumente dann auf PCs und Smartphones bereit.

Arbeitsweise

Eigenständige Programme zum Generieren von EPUB-Dokumenten eignen sich nur sehr bedingt zum Erfassen von Texten. Sie weisen in aller Regel lediglich einige grundlegende Funktionen zum Gestalten einer Cover-Seite und zum Formatieren des Textes auf. Software wie eCub oder Jutoh scheitert jedoch bereits, wenn das zu bearbeitende Dokument harte Zeilenumbrüche beinhaltet und Sie im Blocksatz setzen möchten. Automatisierte Funktionen wie Suchen und Ersetzen sind in aller Regel nicht oder nur rudimentär vorhanden.

Daher sollten Sie die Dateien, die es ins EPUB-Format zu konvertieren gilt, zuvor mit einer Textverarbeitung vorbereiten. Beim Speichern der Daten müssen Sie darauf achten, dass Sie die Daten in einem für den EPUB-Generator lesbaren Format ablegen, bei dem möglichst keine Formatierungen verloren gehen.

Einen völlig anderen Weg beschreitet die OpenOffice-Extension Writer2epub [3]. Hierbei handelt es sich um ein Plugin für die OO-Komponente Writer, das ein vorhandenes Dokument direkt aus OpenOffice heraus ins EPUB-Format konvertiert. Damit entfällt der Einsatz eines gesonderten Programms und das unbefriedigende Nacharbeiten. Zudem brauchen Sie auf diese Weise nicht erst die Details des EPUB-Formats mit seiner Vielzahl unterschiedlicher Tags zu erlernen.

Installation

Um das Writer2epub-Plugin in eine bestehende OpenOffice-Installation einzubinden, laden Sie die entsprechende Datei zunächst aus dem Web (oder von der Heft-DVD) herunter [4]. Anschließend öffnen Sie in OpenOffice über das Menü Extras | Extension Manager... den Dialog zum Einbinden von Plugins. Über die Schaltfläche Hinzufügen suchen Sie die gespeicherte OXT-Datei und binden die Erweiterung in OpenOffice ein.

Nach wenigen Augenblicken stehen in der Werkzeugleiste von OpenOffice links drei neue Symbole bereit. Zunächst haben Sie die Möglichkeit, durch einen Klick auf das rechte dieser Symbole die vorgegebenen globalen Einstellungen des EPUB-Generators überprüfen. Hier stehen nur wenige grundlegende Optionen bereit. Meist genügt es, diese Einstellungen auf den Standardwerten zu belassen (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Dank nur weniger Optionen ist Writer2epub schnell einsatzbereit.

Über das Menü des mittleren Buttons fügen Sie unterschiedliche Metadaten ins Dokument ein, wie Titel und Autor des Werks, ISBN-Nummer oder Erscheinungsjahr. Zusätzlich ermöglicht es dieser Dialog, den Umschlag des E-Books zu gestalten. Außerdem ändern Sie bei Bedarf einige grundlegende Optionen in Bezug auf das Dokument, indem Sie im oberen Bereich des Fensters auf die Schaltfläche Document Preferences klicken.

Fehlen bei den wichtigsten Metatags noch benötigte Angaben, so erscheint die Schaltfläche OK grau hinterlegt und bleibt ohne Funktion. Die fehlenden Datenfelder weisen dann eine rote Beschriftung auf, sodass Sie sofort sehen, wo Angaben fehlen.

In der Praxis

Im Test kam Writer2epub mit verschiedenen Texten zum Einsatz, wobei die Dateien zunächst in OpenOffice 3.4.1 formatiert wurden. Beim Umwandeln erzielte das Plugin recht brauchbare Ergebnisse: Einfache Texte ohne spezielle Formatierungen wie Fußnoten oder Inhaltsverzeichnis konvertiert es problemlos nach EPUB. Bei aufwendiger gestalteten Texten traten allerdings teilweise Fehler auf oder der Prozess brach ab.

Positiv fiel zunächst auf, dass das Plugin ohne Murren auch Bilder in das Dokument übernimmt. Diese sollten Sie jedoch im originalen OpenOffice-Dokument mittig anordnen, da sich Textteile sonst unter Umständen in der EPUB-Datei verschieben. Die Abbildungen dürfen dabei in verschiedenen Formaten vorliegen. Es spielt keine Rolle, ob es sich dabei um eine Strichzeichnung oder ein Farbfoto handelt. Lediglich auf die Dateigröße sollten Sie achten: Im Einstellungsdialog des Plugins finden Sie einen Eintrag Image Dimension Limit (Kb), hinter dem Sie bei Bedarf die maximale Größe eingebetteter Grafiken und Abbildungen definieren. Größere Werte bedeuten hier nicht unbedingt einen Vorteil: Je mehr Abbildungen Sie im Text einbauen, umso langsamer lädt das fertige Dokument.

Unformatierte, also im Txt-Format vorliegende Dateien übernimmt die Software problemlos. Auffallend ist bei der Anzeige solch einfacher Dateien in den gängigen EPUB-Readern, dass diese teils die Fonts falsch darstellen. So mutiert insbesondere im FBReader eine mit der Standardschrift Courier generierte Datei zu einem Dokument in Kursivschrift.

Da je nach Fenstergröße der Flattersatz das Lesen erschwert, empfiehlt es sich, das Dokument komplett im Blocksatz zu setzen. Dazu wählen Sie in OpenOffice die Standard-Formatvorlage. Diese bietet eine gut lesbare Serifenschrift, die Sie gemäß Ihren Wünschen in der Größe ändern. Besondere Absatzattribute wie Fettschrift, Kursivschrift oder Unterstreichungen sind möglich. Haben Sie alles angepasst, markieren Sie den kompletten Text und versehen ihn mit Blocksatz.

Beachten Sie, dass Sie keine automatische Silbentrennung verwenden dürfen, wenn Sie möchten, dass gängige Anzeigeprogramme die Datei korrekt wiedergeben. Eine in OpenOffice genutzte Trennfunktion bringt insbesondere den FBReader aus dem Tritt, der anschließend teilweise ohne Bindestriche trennt.

Bei den Schriften leistet sich der FBReader ebenfalls einen Fauxpas: Anstelle der in OpenOffice gewählten Serifenschrift zeigt das Programm das Dokument in einer serifenlosen Schrift an. Der in KDE integrierte E-Book-Viewer hingegen stellt die Schrift korrekt dar. Text mit Silbentrennung erscheint bei einem kleinen Anzeigefenster gelegentlich löchrig (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Durchaus professionelle EPUB-Wiedergabe im E-Book-Viewer von KDE.

Nach Fertigstellung der Formatierungen speichern Sie das Dokument im ODT-Format und generieren anschließend per Mausklick auf den linken Button das EPUB-Dokument. Die Software legt die Datei in Ihrem Arbeitsverzeichnis mit der Extension .epub ab.

Kontrolle

Nach mehreren Testläufen haben wir die mit Writer2epub generierten EPUB-Dokumente auf Syntaxfehler hin überprüft: Fehlerbehaftete Umsetzungen des EPUB-Standards führen zu unerfreulichen Ergebnissen auf Readern und bei PC-Programmen. Das International Digital Publishing Forum (IDPF) stellt online einen Validator bereit [5], der es erlaubt, einzelne Dateien auf Konformität zu überprüfen. Im Test wies von allen mit Writer2epub generierten Dokumenten lediglich ein einziges einen Fehler auf, der aber ohne Auswirkungen auf das Dokument blieb (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Writer2epub liefert standardkonforme Dateien ab.

Fazit

Mit dem OpenOffice-Plugin Writer2epub steht endlich eine einfache, schnell arbeitende Software bereit, um Dokumente aus dem ODT- oder Textformat in eine EPUB-Datei zu konvertieren. Das Plugin gefällt durch einfachste Installation und eine gute Umsetzung des EPUB2-Standards. Allerdings fehlen noch einige wichtige Funktionen, die es ermöglichen, große und mit Gliederungen sowie Fußnoten versehene Dokumente umzusetzen.

Der Dialog zur Auswahl der Schriften ist bislang rudimentär ausgebildet, was sich jedoch aufgrund der raschen Entwicklung der Software bald ändern dürfte. Wenn Sie kleinere Dokumente wie Vorträge, Briefe oder Anleitungen konvertieren möchten, leistet Writer2epub bereits jetzt hervorragende Dienste. 

Tip a friend    Druckansicht beenden Bookmark and Share
Kommentare