Anwendungen

Gphoto 2 eignet sich ideal zum Anfertigen von Serienaufnahmen. Das gilt für Zeitrafferaufnahmen ebenso wie für astronomische Einzelaufnahmen, die Sie später zu einer Summenaufnahme addieren. Eine gute Beschreibung des Einsatzes von Gphoto 2 bei Zeitrafferaufnahmen samt eines Ergebnisvideos findet sich im Blog des Mathematikers und Hobbyfotografen David Clark [3].

Für die im Test verwendeten Nikon-Kameras gilt hier eine schmerzliche Einschränkung: Sie unterstützen den sogenannten Bulb-Modus zur Langzeitbelichtung nicht, den man in Gphoto 2 über den Parameter -B oder --bulb einstellt. Verwendeten wir diesen bei der Nikon D70 oder D5100, erhielten wir lediglich die Fehlermeldung, dass der Langzeitmodus nicht unterstützt werde. Die Gphoto-Programmierer werden vom Kameraherstellern offensichtlich nicht hinreichend unterstützt. Dagegen klappt dies bei Canon-Kameras offensichtlich [4], was wir aber mangels einer Canon-DSLR nicht prüfen konnten.

Fazit

Die leistungsfähige Kommandozeilensoftware Gphoto 2 entlastet den Fotografen bei langwierigen Serienaufnahmen erheblich. So lassen sich beispielsweise Astro-Aufnahmen mit mehreren Stunden Belichtungszeit, aufgeteilt in 30-Sekunden-Aufnahmen, sehr entspannt angehen. Der Live-View-Modus moderner DSLRs ermöglicht eine bequeme und zuverlässige Schärfenkontrolle am PC, dessen Bildschirm erheblich größer ausfällt als der Kameramonitor. Bei nicht klappbaren Kamera-Displays kann zudem bei schlecht einsehbaren Positionen (etwa am Teleskop) der PC-Monitor jenen der Kamera ersetzen.

Das Einbinden von Gphoto 2 in Darktable, Gtkcam und Gimp ermöglicht ein relativ komfortables Arbeiten mit Gphoto 2. Von den komfortablen GUIs unterstützt allerdings nur Darktable das Tethering, also das Fernsteuern der Kamera für Serienaufnahmen. Andererseits handelt es sich bei Darktable aber auch um ein mächtiges Programm mit relativ steiler Lernkurve. Legen Sie auf absolute Stabilität während der Aufnahme Wert, bleiben Sie besser direkt bei Gphoto 2 und seiner Kommandozeilenbedienung. 

Infos

[1] Gphoto 2: http://www.gphoto.org/

[2] Fernbedienung von Kameras: http://www.gphoto.org/doc/remote/

[3] Zeitrafferaufnahmen:http://blog.dcclark.net/2012/04/automating-time-lapse-photos-with.html

[4] Nutzen des Bulb-Modus der Canon DSLR: http://free-astro.vinvin.tf/index.php/Gphoto2_data

Der Autor

Karl Sarnow ist seit den Tagen des TRS-80 Model 1 ein Fan des eigenen Computers. Der Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik hat früher Vernetzungskonzepte unter Linux und entsprechende Anwendungen für Schulen und Unterricht entworfen. Seit seiner Pensionierung widmet er sich seinen Hobbys Fotografie, Reisen und Astronomie.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Ferngesteuert
    Einige Hersteller bieten zum Fernsteuern ihrer Kameras kostenpflichtige Zusatzsoftware an – wie üblich natürlich nicht für Linux. Gphoto sorgt hier kostenfrei für Abhilfe.
  • Digital Kameras im Test
    Etliche digitale Kleinbildkameras arbeiten brav mit dem beliebten freien Betriebssystem zusammen. Allerdings lassen sich nicht alle Leistungsmerkmale bei allen Fabrikaten gleich gut ausreizen. Im Hardware Labor der Linux New Media AG wurden deshalb 12 aktuelle Kameras und die dazupassende Linux-Software unter die Lupe genommen.
  • Anschlusskunde
    Digitale Fotokameras sind für Linux heute kein Problem mehr. Aktuelle USB-Modelle sind dank des USB-Mass-Storage-Treibers nichts anderes als Wechselspeicher-Medien. Nur ältere Geräte brauchen manchmal spezielle Treiber für proprietäre Übertragungsprotokolle. Dank Zusatz-Tools wie gPhoto2 können Sie aber auch den Großteil dieser Modelle unter Linux nutzen.
  • Neun Digitalkameras im Linux-Test
    Digitalkameras liegen voll im Trend, immer öfter verdrängen sie die chemischen Kleinbildkameras. Doch wie bekommt man die Urlaubsbilder auf den Linux-Computer? Wir haben neun aktuelle Kameras getestet.
  • Heft DVD-Inhalt 08/2013
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2016: Kryptographie

Digitale Ausgabe: Preis € 0,00
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Soundkarte wird erkannt, aber kein Ton
H A, 25.09.2016 01:37, 4 Antworten
Hallo, Ich weiß, dass es zu diesem Thema sehr oft Fragen gestellt wurden. Aber da ich ein Linu...
Scannen nur schwarz-weiß möglich
Werner Hahn, 20.09.2016 13:21, 2 Antworten
Canon Pixma MG5450S, Dell Latitude E6510, Betriebssyteme Ubuntu 16.04 und Windows 7. Der Canon-D...
Meteorit NB-7 startet nicht
Thomas Helbig, 13.09.2016 02:03, 3 Antworten
Verehrte Community Ich habe vor Kurzem einen Netbook-Oldie geschenkt bekommen. Beim Start ersch...
windows bootloader bei instalation gelöscht
markus Schneider, 12.09.2016 23:03, 1 Antworten
Hallo alle zusammen, ich habe neben meinem Windows 10 ein SL 7.2 Linux installiert und musste...
Ubuntu 16 LTE installiert, neustart friert ein
Matthias Nagel, 10.09.2016 01:16, 3 Antworten
hallo und guten Abend, hab mich heute mal darangewagt, Ubuntu 16 LTE parallel zu installieren....