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Digitale Spiegelreflexkameras steuern mit Gphoto 2

17.07.2013 Manche Motive verlangen nach einem leidensfähigen Fotograf – oder nach einem Rechner mit Gphoto 2: Der erstellt Serienaufnahmen, für die kaum ein Mensch die Geduld aufbrächte.

Die Kommandozeilensoftware Gphoto 2 greift über die Bibliothek Libgphoto auf Kameras zu, die per USB am Computer hängen. Ob sich die Installation lohnt, hängt davon ab, welchen Fotoapparat Sie besitzen: Zwar nennt die Gphoto-Homepage [1] mehr als 1600 unterstützte Modelle, doch das heißt lediglich, dass das Programm deren Bildspeicher auslesen kann. Bei anspruchsvolleren Aufgaben wie dem im Folgenden beschriebenen Fernsteuern der Kamera reduziert sich die Unterstützung im wesentlichen auf die DSLRs von Canon und Nikon.

Gphoto 2 findet sich in den Repositories aller gängigen Distributionen und lässt sich daher meist bequem über den entsprechenden Paketmanager einrichten, Unter Ubuntu und dessen Derivaten wählen Sie beispielsweise in Synaptic das Paket gphoto2 aus und installiert es durch einen Mausklick auf Anwenden.

Ihre Kamera schließen Sie per USB-Kabel an den PC an und schalten sie ein. Daraufhin öffnet sich in aller Regel auf dem Bildschirm ein Dateimanager-Fenster, das den Inhalt der Kamera-Speicherkarte anzeigt. Dies hindert allerdings Gphoto 2 am exklusiven Zugriff auf die Kamera, weswegen das Programm die Mitarbeit verweigert. Bevor Sie mit Gphoto 2 arbeiten können, müssen Sie die Speicherkarte der Kamera aus dem Dateisystem aushängen. Unter Ubuntu erledigen Sie das in Nautilus durch einen Rechtsklick auf das Speicherkarten-Symbol und die Auswahl des Kontextmenü-Eintrags Aushängen (Abbildung 1). Nach dieser Vorarbeit steht die Kamera exklusiv für Gphoto 2 zur Verfügung.

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Kontextmenü der Kameraspeicherkarte ermöglicht das Aushängen der Karte. Damit bekommt Gphoto 2 exklusiven Zugriff auf die Kamera.

Bilder aufnehmen

Für eine erste Aufnahme öffnen Sie ein Terminalfenster und wechseln in diesem in jenes Verzeichnis, in dem Gphoto 2 die aufzunehmenden speichern soll. Nun tippen Sie den folgenden Befehl ein:

$ gphoto2 -I 2 -F 2 --capture-image-and-download

Hier steht der Parameter -I für das Intervall in Sekunden, bis das nächste Bild auslöst. Die Anzahl der Aufnahmen legt die Option -F ("frames") fest. Der Befehl aus dem Beispiel schießt also zwei Aufnahmen mit einer Pause von zwei Sekunden. Dabei löst --capture-image-and-download die Aktion aus und sorgt dafür, dass Gphoto 2 die Bilder im Zielverzeichnis ablegt. Eine Liste aller verfügbaren Parameter zeigt die Tabelle "Gphoto-2-Parameter".

Gphoto-2-Parameter

Parameter Bedeutung
--auto-detect listet die erkannten Kameras auf
--camera Name der Kamera, wie von --auto-detect angezeigt
--capture-image-and-download Bilder mit der gewählten Kameraeinstellung aufnehmen und abspeichern
-F Anzahl der aufzunehmenden Bilder
-I Wartezeit zwischen den Aufnahmen
--list-config Listet die Einstellungen der Kamera auf
--get-config gibt den aktuellen Wert und die möglichen Einstellungen einer Kamera-Einstellung aus
--set-config setzt den Wert einer Kamera-Einstellung

Bei der Ausführung des Befehls verwendet Gphoto 2 die aktuellen Einstellungen der Kamera. Das entpuppt sich als Segen und Fluch zugleich: Haben Sie beispielsweise den Autofokus eingeschaltet, die Kamera schafft es aber nicht, das Motiv scharfzustellen, dann lösen die Aufnahmen gar nicht aus. Verwenden Sie also Gphoto 2 für astronomische Aufnahmen als Fernauslöser von der warmen Stube aus, dann bekommen Sie eventuell gar nicht mit, dass die Kamera vergeblich den Fokus sucht und die für die ganze Nacht geplante Fotoserie im wahrsten Sinn des Wortes "verschießt".

Daher sollten Sie beim Verwenden von Gphoto 2 auf alle Automatismen (Belichtungszeit, Blendeneinstellung, Fokuseinstellung) verzichten und die Aufnahme stets manuell auslösen. Bei korrekter Ausführung des Befehls erhalten Sie nach dessen Abschluss im Terminalfenster ein Protokoll (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Gphoto 2 protokolliert beim Ausführen von Befehlen sämtliche Aktionen.

Allerdings ist nicht sicher, ob dieses Verfahren mit Ihrer Kamera funktioniert: Zählt sie beispielsweise nicht zu den auf der Gphoto-Homepage aufgelisteten Modellen, hilft nur Ausprobieren weiter. Als besonders gut unterstützt erweisen sich die DSLR-Kameras von Canon und Nikon [2]. Die Olympus E410 DSLR des Autors dagegen unterstützt keine Aufnahmen, lediglich das Auslesen der Bilder ist bei dieser Kamera möglich.

Mehrere Kameras

Haben Sie mehr als eine Kamera am PC angeschlossen, lassen sich diese über Gphoto 2 einzeln ansprechen und auslösen. Der Befehl gphoto2 --auto-detect liefert eine Liste der erkannten Kameras. Die angezeigten Modellnamen können Sie dann benutzen, um den jeweiligen Fotoapparat auszulösen:

$ gphoto2 --camera="Name_aus_auto-detect" --capture-image-and-download

Öffnen Sie für jede Kamera ein eigenes Terminalfenster und wechseln dort jeweils in ein unterschiedliches Bildverzeichnis, lässt sich auf diese Weise auch parallel eine Serie von Bildern von beiden Kameras aufnehmen. Abbildung 3 zeigt die entsprechende Vorgehensweise.

Abbildung 3

Abbildung 3: Gphoto 2 erkennt hier eine Nikon D70 und eine Nikon D5100, die es jeweils in einem eigenen Terminalfenster bedient. Als Speicherort dienen zwei verschiedene Bildverzeichnisse. Sie enthalten im Beispiel bereits Bilder gleichen Namens, die Gphoto 2 nach Rückfrage löscht.

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