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© Nala2409, sxc.hu

Anpassungsfähig

Texteditor Tilde bringt das GUI-Feeling auf die Konsole

03.07.2013 Tilde versucht das Look & Feel der für grafische Oberflächen entwickelten Texteditoren auf die Konsole zu übertragen.

Kleine Editoren für Linux gibt es viele. An häufigsten kommt heute vermutlich Nano zum Einsatz, die freie Implementation des legendären Pico-Editors, aber auch Spezialisten wie e3 und viele andere stehen hier bereit.

Diese kleinen Programme haben neben dem geringen Bedarf an Plattenplatz – der sie für Mini-Distributionen und Rettungsysteme interessant macht – zusätzlich den Vorteil, dass sie extrem schnell starten.Geht es also nur um das Ergänzen oder Ändern weniger Zeilen etwa in einer Konfigurationsdatei, dann eignen sie sich dafür mindestens so gut geeignet wie die großen Brüder vom Kaliber Gvim oder Kate.

Ein typisches Problem dieser Editoren liegt in der oft recht speziellen Funktionsweise, ungewöhnlichen Tastenkürzeln und dem Mangel an Möglichkeiten zum Anpassen. In der Regel verzichten die Entwickler bei den Programmen zugunsten eines kompakteren Codes auf die meisten Möglichkeiten zum Konfigurieren. Hier geht Tilde [1] einen anderen Weg [2] und bietet dafür deutlich mehr (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Abhängigkeiten der Libraries für Tilde. Grau sind die elementaren Libraries des Systems dargestellt.

Das Tilde-Binary ist gerade einmal 340 KByte groß, benötigt aber eine ganze Reihe von Bibliotheken. Diese sind aber in vielen Fällen bereits im System installiert.

Tilde einrichten

Der Entwickler stellt Tilde in Form der Quelltexte bereit. Für Ubuntu gibt es darüber hinaus fertige Pakete, die Sie über eine einfache Befehlszeile einspielen (Listing 1). Die Tilde-Website beschreibt das Verfahren im Detail.

Listing 1

$ wget http://os.ghalkes.nl/sources.list.d/install_repo.sh
$ sudo sh ./install_repo.sh
$ sudo apt-get install tilde

TIPP

Müssen Sie mit Platz geizen, greifen Sie am besten zum Editor Nano, der sich sogar noch deutlich genügsamer gibt als Tilde: Das Binärprogramm belegt gerade mal 192 008 Bytes und benötigt deutlich weniger Bibliotheken.

Praxis

Beim ersten Start zeigt Tilde eine Information an, die Ihnen beim Einsatz von [Esc] hilft (Abbildung 2). Im Menü Options passen Sie dieses Verhalten Ihren Wünschen entsprechend an. Ansonsten erfolgt die Arbeit fast so wie mit einem beliebigen Editor mit grafischer Oberfläche. Über [Umschalt] und die Pfeiltasten markieren Sie Text, [Strg]+[X] schneiden ihn aus, [Strg]+[C] kopiert ihn, [Strg]+[V] fügt ihn an der Position des Cursors wieder ein.

Abbildung 2

Abbildung 2: Das Fenster mit Informationen zum Einsatz von [Esc] zeigt Tilde nur beim ersten Start.

Die Suche nutzen Sie mit [Strg]+[F]. Über [F3] springen Sie zum nächsten Treffer, über [Umschalt]+[F3] zum vorigen. Mit [Strg]+[R] aktivieren Sie das Ersetzen. Dabei bietet das Programm viele Möglichkeiten (Abbildung 3). So unterstützt es Muster aus regulären Ausdrücken oder die Suche ausschließlich innerhalb von ausgewählten Bereichen (In Selection).

Abbildung 3

Abbildung 3: Beim Suchen und Ersetzen bietet Tilde mehr Features als viele andere Editoren.

Haben Sie GPM installiert, steht die Maus auch im Terminal zur Verfügung. Die können mit ihr dann nicht nur die Programmmenüs aktivieren, sondern darüber hinaus auch Bereiche auswählen. Sie starten den entsprechenden Daemon unter Debian/Ubuntu über das folgende Kommando:

$ sudo /etc/init.d/gpm start

Durch den Einsatz der Bibliothek libt3highlight verfügt Tilde über eine konfigurierbare Highlight-Funktion [3]. Das nützt bei vielerlei Aufgaben, unter anderem dem Bearbeiten von Konfigurationsdateien, da es die Übersicht deutlich erhöht. Tilde unterstützt diese Arbeiten übrigens auch durch eine spezielle Suchfunktion, mit der Sie zu Klammern das jeweilige Gegenstück finden.

Das Syntax-Highlighting passen Sie bei Bedarf ganz einfach über die Datei lang.map an, die Sie unter /usr/share/ oder /usr/local/share im Verzeichnis libt3highlight-Version finden. Für ein neues Highlighting definieren Sie darin zwischen geschweiften Klammern mit regulären Ausdrücken ein Muster, über welches das Programm dann ein sogenanntes Language-File (in unserem Beispiel sh.lang, Listing 2) nachlädt. Entsprechende XML-Dateien für C/C++, Python, Java, LaTeX, XML und vieles andere mehr stellt das zumeist schon installierte Paket libgtksourceview2.0-common bereit. Die dort enthaltenen Dateien können Sie je nach Bedarf ergänzen oder modifizieren.

Listing 2

format = 1
[...]
%lang {
  name = "Shell"
  name-regex = "^(?i)(?:ba)?sh$"
  file-regex = "(?i)\.sh$"
  lang-file = "sh.lang"
}

Zu den weiteren praktischen Funktionen von Tilde zählt die Möglichkeit, zwei oder mehr geladene Dateien gleichzeitig anzuzeigen und zwischen ihnen zu wechseln. Dabei bietet das Programm mit Split Horizontal und Split Vertical im Menü Window zwei Möglichkeiten an, die Bereiche zu arrangieren. Über Next Window oder [F8] springen Sie dabei vorwärts durch die Fensterliste, mit Previous Window oder [Umschalt]+[F8] wechseln Sie gegenläufig (Abbildung 4).

Abbildung 4

Abbildung 4: Tilde verwaltet bei Bedarf mehrere Dateien gleichzeitig und ermöglicht es so, diese abwechselnd zu bearbeiten.

Vielschreiber wissen die Kombination [Strg]+[Leertaste] zu schätzen: Sie versucht das aktuelle Wort automatisch zu komplettieren. Bei mehreren Möglichkeiten zeigt Tilde eine Liste an, was etwas umständlicher ausfällt als die vom Emacs bereitgestellte Funktion.

Eigentliche sollt Tilde in der Lage sein, mit Unicode-Zeichen korrekt umzugehen. Das funktioniert bei der Eingabe, Anzeige und dem Einfügen via Clipboard (mittlere Maustaste) auch tadellos. Die speziell dafür vorgesehene Funktion Insert Character ([F9]) führte im Test von Tilde 0.2.2 unter Ubuntu-Versionen nach 12.04 wiederholt zu Abstürzen mit Core-Dumps.

Fazit

Erfahrene Anwendern finden in Tilde eher keinen Ersatz für den in langen Jahren mühsam erlernten Lieblings-Editor, sei es nun Emacs oder Vim. Beide erlauben ebenfalls den Einsatz in einem Terminalemulator.

Das kleine Programm wendet sich vielmehr an Anwender, die nur gelegentlich auf der Konsole arbeiten. Sie können in Tilde mit den aus der grafischen Oberfläche gewohnten Tastenbindungen arbeiten und brauchen auch dort nicht auf Komplettierungen und ein komfortables Highlighting zu verzichten. 

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