Sancta Simplicitas

Das OpenSuse-Spec-File ersetzt beinahe alle Shell-Befehle für das Kompilieren des Quellcodes durch Makros. Vieles lässt sich für ein Paket vereinfachen, das immer noch funktioniert, allerdings nicht mehr die Qualitätsnorm für OpenSuse-Pakete erfüllt [4]. Listing 3 enthält daher eine simplere Fassung. Orientieren Sie sich an dieser, wenn Sie Ihre erste eigene Spec-Datei erstellen.

Listing 3

[bis inklusive %description-Block wie oben]
%prep
%setup -q
%patch0
%build
autoreconf -fi
%configure
make
%install
%makeinstall
%files
%{_bindir}/galculator
%{_datadir}*

Das Makro %setup -q in der Sektion %prep entpackt das Archiv und wechselt mit cd in das Quellcode-Verzeichnis. Der Autoconf-Aufruf unter %build ist ein ausgesprochener Sonderfall, bedingt durch Veränderungen am Makefile-Template in Patch0. %configure ruft ./configure auf, fügt jedoch eine Vielzahl von auf das OpenSuse-System abgestimmter Optionen hinzu. Wer die im Detail sehen möchte, kann sie in der RPM-Konfigurationsdatei /usr/lib/rpm/macros nachlesen.

Zum Kompilieren des Programms genügt das altbekannte make, %__make in der Suse-Originalversion expandiert schlicht zu /usr/bin/make. Die Make-Option %{?jobs:-j%{jobs}} sorgt dafür, dass dem Build-Prozess im Rechner-Cluster des OpenSuse-Build-Service eine angemessene Zahl an CPUs zur Verfügung stehen. Für lokale Builds ist sie nicht erforderlich.

Das %install-Feld enthält lediglich eine unverzichtbare Zeile: Jene mit %makeinstall, die den Konsolenbefehl make install vertritt. Dieser blanke Aufruf genügt beim Bauen von Paketen allerdings nicht. Der Befehl muss hier make DESTDIR=%{buildroot} install lauten, sonst versucht Make die Dateien an die für die endgültige Installation vorgesehenen Stellen zu schreiben, etwa nach /usr/bin/ oder /usr/share/, was mit User-Rechten fehlschlägt.

Das Setzen der Umgebungsvariablen DESTDIR weist make install an, die Dateien relativ zum dort genannten Verzeichnis zu installieren. %{buildroot} gibt ein für Paketnamen und -version eindeutiges Verzeichnis unterhalb von ~/rpmbuild/BUILD/ zurück, %makeinstall kürzt den Aufruf ab.

Die Abschnitte %post und %postun enthalten Makros, die der Paketmanager beim Installieren und Deinstallieren des Pakets ausführen soll. Bedingt durch das Makro %if 0%{?suse_version} >= 1140 aktualisieren sie im Beispiel die Startmenüs und den Icon-Cache für Suse-Versionen ab 11.4 – Feinheiten, die Anfänger ungestraft ignorieren dürfen.

Inhaltsverzeichnis

Das mehrzeilige Feld %files darf in keiner Spec-Datei fehlen, denn ohne es bleibt das binäre RPM leer: Rpmbuild packt beim Paketbau nur die dort zeilenweise gelisteten Dateien ein. Der *-Operator funktioniert dabei als Wildcard.

Die vereinfachte Version des %files-Felds benutzt nur die zwei Makros %{_bindir} (Verzeichnis für ausführbare Dateien) und %{_datadir} (share/-Verzeichnis), die passend zum mit %configure gesetzten Prefix zu usr/bin/ und usr/share/ unterhalb des per DESTDIR angegeben Pseudo-Root /home/~/rpmbuild/BUILDROOT/galculator-1.3.4-18.1.2.i386/ expandieren.

Die vereinfachte Dateiliste packt die Hauptprogrammdatei galculator und alle von make install unter share/ abgelegten Datei in das RPM-Paket. Das Original-Spec pickt gezielt die Unterverzeichnisse aus share/ heraus. Das ist im Hinblick auf Updates sicherer: Rpmbuild meldet dann neu hinzugekommene Dateien zunächst mit dem Fehler unpackaged files found. Der Maintainer kann prüfen, ob diese mit anderen Paketen in Konflikt stehen. Weitere Tricks zur %files-Sektion der OpenSuse-Spec-Datei erläutert ein englischsprachiger Artikel auf OpenSuse.org [5].

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