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Grundsolide

Mageia 3 im Kurztest

21.06.2013
Suchen Sie ein topaktuell ausgestattetes, grundsolides und leicht zu verwaltendes Linux-System, dann sollten Sie sich unbedingt Mageia 3 näher ansehen.

Mageia gehört inzwischen zu den populärsten Linux-Distributionen [1]. Dieser phänomenale Erfolg resultiert nicht zuletzt aus einer behutsamen Produktentwicklung bei gleichzeitigem Festhalten an bewährten Konzepten, sodass die Anwendergemeinde bei Mageia nur wenig Spektakuläres erwartet. Optische Gimmicks, multimediale Spielereien oder gar unbedienbare, von der Praxisreife weit entfernte Arbeitsoberflächen suchen Sie bei dem Mandriva-Abkömmling vergebens. Die neue Version möchte mit diesem wertkonservativen Konzept weitere neue Freunde gewinnen.

Das Projekt hat am 18. Mai die lange erwartete finale Version 3 seines freien Mandriva-Abkömmlings freigegeben. Nach mehr als einem halben Dutzend Alpha- und Beta-Versionen sowie schließlich einem Release-Kandidaten legen die Entwickler die Messlatte in Sachen Stabilität und Reife erneut höher.

Qual der Wahl

Mageia kommt auch in der neuen Version auf zahlreichen verschiedenen Installationsmedien [2]. Die Live-DVDs gibt es in 32- und 64-Bit-Varianten für den KDE- und Gnome-Desktop, während die Live-CDs jeweils nur in 32-Bit-Versionen für diese beiden Oberflächen zum Download bereit stehen. Direkte Installationsmedien ohne Live-Modus erhalten Sie in Gestalt zweier DVDs für 32- und 64-Bit-Architekturen, die jeweils KDE, Gnome und LXDE als Desktop beinhalten. Eine sogenannte Dual-Arch-CD gestattet die Installation beider Architekturen als Minimal-System. Zudem bietet das Projekt zwei CDs mit Netzwerk-Installern an.

Möchten Sie Mageia 3 auf einem aktuellen Notebook betreiben, dann empfiehlt es sich, die Installation über eines der Live-Medien vorzunehmen: So können Sie direkt das Zusammenspiel der in Mageia integrierten, zahlreichen proprietären Firmware-Treiber mit Ihrer Hardware testen. Speziell neuere Grafikkarten der Hersteller ATI/AMD und Nvidia sowie manche WLAN-Karten von Intel auf mobiler Hardware benötigen zum reibungslosen Betrieb diese Komponenten. Wir haben uns die Live-DVDs mit KDE- und Gnome-Desktop näher angesehen.

Runderneuert

Auf den ersten Blick fallen bei Mageia 3 im Live-Betrieb außer einem zurückhaltenden neuen Erscheinungsbild in den bekannten Blautönen keine Neuerungen auf. Sowohl der KDE-Desktop als auch die Gnome-Oberfläche kommen im gewohnt konservativen Look & Feel, und auch die Applikationsauswahl entspricht gängigen Standards.

Unter der Haube jedoch hat Mageia 3 eine sorgfältige Produktpflege erhalten: Der Betrieb auf einer Reihe von älteren Notebooks mehrerer IBM-Baureihen, die wir aufgrund ihrer teilweise problematischen Hardware gerne zu Testzwecken reaktivierten, belegen eindrucksvoll, dass insbesondere einige Grafiktreiber einen auffälligen Feinschliff erhalten haben.

So werden beim von Haus aus optisch etwas verspielten KDE-Desktop selbst auf zehn Jahre alten Mobile-Radeon-Grafikkarten plötzlich OpenGL-Elemente mit entsprechenden Effekten fehlerfrei unterstützt – das schafft im Linux-Universum sonst nur noch Knoppix. Auch einige Bugs bei WLAN-Treibern des Herstellers Atheros bereinigten die Entwickler, sodass der Netzwerk-Manager nun auch mit neuesten Atheros-Karten fehlerfrei arbeitet.

Im Hintergrund des Systems werkeln der Kernel 3.8.13, der X-Server in Release 1.13.4 und Cups 1.5.4. Die Desktops kommen in den Versionen KDE SC 4.10.2 und Gnome 3.6 beziehungsweise XFCE 4.10. Als Entwicklungswerkzeug dient die Compiler-Suite GCC in Version 4.7.2.

Software-Auswahl

Auch bei den gängigen Standardprogrammen nahmen die Mageia-Entwickler eine Runderneuerung vor: LibreOffice liegt der Distribution in Version 4.0.2.2 geliefert, der Bildbearbeitungsbolide Gimp ist in Release 2.8.2 mit an Bord, und auch der Audioplayer Amarok in Variante 2.70 sowie der FTP-Allrounder FileZilla 3.6.0.2 liegen aktualisiert vor.

Eine Ausnahme bildet der Webbrowser Firefox: Er liegt Mageia 3 in der ESR-Variante 17.0.5 bei, die zwar aufgrund der hektischen Release-Politik des Firefox-Projektes auf den ersten Blick veraltet wirkt, jedoch eine besonders lange und sorgfältige Pflege erfährt.

Auch beim Bootmanager bleibt das Entwicklerteam der bewährten Linie treu und installiert den einfach zu handhabenden und ausgereiften Grub-Bootmanager in Version 0.97.

Installation

Mageia 3 macht es Ihnen sehr einfach, die Distribution auf die Festplatte zu befördern, um sie dauerhaft zu nutzen: Ein Klick auf das Desktop-Symbol Auf die Festplatte installieren aktiviert den Draklive-Installer, der Sie in wenigen Schritten durch die Einrichtungsroutine führt.

Alte Hasen, die bereits seit Jahren mit Mandriva oder einem von dessen Derivaten arbeiten, finden sich sofort zurecht, da sich an der Einrichtungsroutine weder optisch noch funktionell etwas geändert hat. Für Einsteiger bietet der Mageia-Installer eine einfache Möglichkeiten, Linux ohne umständliches Fachchinesisch auf die Platte zu packen.

Desktops

Obwohl traditionell KDE beim Mageia-Projekt als primärer Desktop dient, unterstützt die Distribution alle gängigen Arbeitsoberflächen. Als Alternative offeriert sie bereits bei der Ersteinrichtung explizit Gnome. Daneben bieten sich die sehr schlanken Oberflächen LXDE und XFCE insbesondere dann zum Einsatz an, wenn Sie Mageia auf älterer Hardware flott betreiben wollen. Da die Entwickler auf unnötige technische Spielereien wie einen PAE-Kernel verzichtet haben, lässt sich das System faktisch auf nahezu jeder Intel-kompatiblen Maschine einsetzen, die in den letzten 13 Jahren gebaut wurde.

Der Gnome-Desktop bietet unter Mageia auf den ersten Blick weniger Applikationsprogramme als die KDE-Variante. Dies liegt vor allem daran, dass die KDE Software Compilation bereits "ab Werk" mit ihren vielen kleinen K-Applikationen deutlich mehr desktopspezifische Software beinhaltet als Gnome. Auch der Gnome-Desktop weist jedoch unter Mageia 3 in der Grundinstallation alle gängigen Programme auf und wirkt ausgereift. So hat auch er eine sorgfältige Lokalisierung erfahren und lässt sich somit out-of-the-box einsetzen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mageia favorisiert zwar KDE, doch pflegen die Entwickler auch den Gnome-Desktop äußerst sorgfältig.

Software-Schmankerl

Ein Blick in die unterschiedlichen Menüs von Mageia 3 offenbart bei genauem Hinsehen einige ungewöhnliche Programme. So finden Sie unter Gnome im Menü Anwendungen | Büroprogramme | Weitere zwei Applikationen namens DigiDoc Client und DigiDoc Crypto. Hierbei handelt es sich um zwei aus Estland stammende kryptographische Tools, die der verschlüsselten Nachrichtenübermittlung dienen. Dazu gehört das Programm ID-card Utility im Menü Anwendungen | Werkzeuge, das spezielle ID-Karten kryptographisch nutzt.

Im gleichen Gnome-Menü finden Sie auch das Tweak Tool, das die Konfiguration erleichtert und der Oberfläche neue Funktionen hinzufügt. In der KDE-Variante sticht vor allem das Untermenü Anwendungen | Grafik durch neue Software wie Hugin, Panorama oder auch die Belichtungsvermischung ins Auge, die sich allesamt an kreative Fotografen wenden (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mageia 3 bringt einige neue Programme mit – hier das Bildbearbeitungstool Hugin.

Softwarefundus

Mageia bietet wie alle größeren Linux-Distributionen eine komfortable grafische Routine zum Verwalten der Software mit. Diese im Mageia-Kontrollzentrum beheimatete Paketverwaltung benötigt nach der Installation des Betriebssystems noch eine Freischaltung der Paketquellen. Mageia bietet neben den Core- und Nonfree-Paketquellen auch Tainted-Archive, in denen sich durch Patente eingeschränkte Programme finden.

Daneben stellt das Projekt zusätzliche Server für Updates und Backports bereit. Insbesondere die Tainted-Quellen sollten Sie freischalten, wenn Sie Mageia auch mit allen multimedialen Codecs vertraut machen möchten, denn diese sind oft durch Patente bewehrt und daher nicht in jedem Land frei verfügbar.

Gegenüber Mageia 2 haben die Paketarchive erneut an Umfang zugenommen. Es finden sich viele weitere wichtige Programme angepasst in den Quellen, die in der Vorgängerversion noch nicht eingepflegt waren.

Fazit

Mageia 3 macht einen äußerst durchdachten Eindruck und bereitet im täglichen Umgang viel Spaß. Man merkt dem System an, dass den Entwicklern unausgegorene Experimente suspekt sind und sie lieber bewährte Techniken pflegen und weiterentwickeln.

Daher gibt es aus Frankreich zwar nicht viel Neues – dafür aber ein System, das in Produktivumgebungen eine ausgezeichnete Figur abgibt und als Allrounder auf dem heimischen Desktop ebenfalls nicht enttäuscht. Für alle, die ein aktuelles, stabil arbeitendes und leicht zu administrierendes System suchen, ist Mageia deshalb erste Wahl. 

Glossar

ESR

Extended Support Release. Mozilla wartet diese Ausgaben etwa ein Jahr lang, wobei sich der Zyklus rund drei Monate mit jenem des ESR-Nachfolgers überschneidet, um eine sanfte Migration auf den Nachfolger zu ermöglichen.

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