Einspieler

Der Assistent für die Installation erhielt mit Debian 7 einen generalüberholten Unterbau. Sie haben weiterhin die Wahl zwischen einer textbasierten und einer grafischen Variante, deren Benutzeroberflächen zur Vorversion nahezu unverändert blieben (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Installationsassistent fragt Namen, Benutzernamen und Passwort umständlich in drei aufeinander folgenden Dialogen ab.

Immerhin erlaubt die 64-Bit-Fassung für Rechner mit Intel- und AMD-Prozessoren (Architektur amd64) jetzt die Installation auf Systemen mit UEFI. Auf Secure Boot versteht sich Debian 7 allerdings noch nicht: Hier bleibt nur der Ausweg, die Technik im BIOS zu deaktivieren.

Auf Wunsch liest der Assistent alle Ausgaben am Bildschirm mittels Sprachsynthese laut vor, was vor allem Sehbehinderten ohne Braillezeile zugute kommt. Um die Funktion zu aktivieren, drücken Sie im Bootmenü [S] und bestätigen die Auswahl mit [Eingabe].

Die deutsche Stimme klingt allerdings wie ein amerikanischer Roboter auf Helium, bleibt aber immerhin verständlich. Satzzeichen, Klammern und Sonderzeichen liest sie jedoch nicht vor, was teilweise etwas verwirrt. Die Sprachsynthese steht derzeit für etwa zwei Dutzend Sprachen bereit, der Assistent spricht demgegenüber insgesamt 73 verschiedene Sprachen.

Über das Setup bauen Sie in dieser Release bei Bedarf IPv6-Verbindungen auf und erledigen die Installation über WPA-verschlüsselte WLAN-Verbindungen. Als Standard-Dateisystem nutzt Debian 7 endlich ext4. Btrfs hat den Status einer Technologievorschau, die sie auf eigene Gefahr einsetzen.

Alle auf einen

Eine der größten Neuerungen von "Wheezy" liegt im sogenannten Multiarch-Support. Er ermöglicht, Pakete für unterschiedliche Prozessorarchitekturen parallel auf ein und demselben System zu installieren. Bislang ließen sich nur auf Intel- und AMD-Prozessoren einigermaßen komfortabel 32-Bit-Programme in einem 64-Bit-System betreiben.

Das bei Multiarch zum Einsatz kommende Paket ia32-libs ist derzeit als "Übergangspaket" klassifiziert und nutzt bereits das neue Multiarch-Konzept. Haben Sie ia32-libs schon installiert, müssen Sie daher nach dem Umstieg auf Debian 7 zunächst explizit die Multiarch-Unterstützung als Benutzer root aktivieren:

# dpkg --add-architecture i386
# apt-get update

Um die Multiarch-Unterstützung kümmern sich die entsprechend angepassten Werkzeuge dpkg und apt-get. Der Befehl dpkg --print-architecture nennt die Architektur des aktuell genutzten Prozessors, dpkg --add-architecture i386 fügt die i386-Architektur zu den unterstützten hinzu (siehe Tabelle "Architekturen").

Architekturen

Name Ziel
i386 x86-Intel- und AMD-Prozessoren, 32 Bit
amd64 x86-Intel- und AMD-Prozessoren, 64 Bit
armel ARM EABI
armhf ARMv7 (EABI hard-float ABI)
s390x IBM System z
ia64 Intel Itanium
mips MIPS (big-endian)
mipsel MIPS (little-endian)
powerpc PowerPC
s390 IBM S/390
sparc SPARC

Beim Installieren von Paketen hängen Sie den Namen der Architektur durch einen Doppelpunkt getrennt an den Paketnamen an. So spielt etwa der folgende Befehl das Sokoban-Spiel im xsok-Paket in der 32-Bit-Fassung für Rechner mit Intel- und AMD-Prozessoren ein (i386-Architektur):

# apt-get install xsok:i386

Geben Sie die Architektur nicht an, installiert Dpkg das Paket für die aktuelle Architektur. Bereits vorhandene DEB-Pakete, etwa von kommerziellen Spielen, akzeptiert das Paketmanagement weiterhin. Wer allerdings als Entwickler das neue Konzept unterstützen möchte, muss seine Pakete leicht anpassen [2]. Neben Debian unterstützen übrigens schon andere Distributionen wie Ubuntu das Multiarch-Konzept.

Die Programme und Bibliotheken einer Architektur sammelt Debian 7 jeweils in bestimmten Unterverzeichnissen, die Bibliotheken für die i386-Architektur lagern unter /lib/i386-linux-gnu. Entwickler haben so die Möglichkeit, mit der Multiarch-Funktion und passenden Cross-Compilern Programme wesentlich komfortabler für mehrere Architekturen zu erstellen [3].

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 5 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2016: Neue Desktops

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Drucker Epson XP-332 unter ubuntu 14.04 einrichten
Andrea Wagenblast, 30.11.2016 22:07, 2 Antworten
Hallo, habe vergeblich versucht mein Multifunktionsgerät Epson XP-332 als neuen Drucker unter...
Apricity Gnome unter Win 10 via VirtualBox
André Driesel, 30.11.2016 06:28, 2 Antworten
Halo Leute, ich versuche hier schon seit mehreren Tagen Apricity OS Gnome via VirtualBox zum l...
EYE of Gnome
FRank Schubert, 15.11.2016 20:06, 2 Antworten
Hallo, EOG öffnet Fotos nur in der Größenordnung 4000 × 3000 Pixel. Größere Fotos werden nic...
Kamera mit Notebook koppeln
Karl Spiegel, 12.11.2016 15:02, 2 Antworten
Hi, Fotografen ich werde eine SONY alpha 77ii bekommen, und möchte die LifeView-Möglichkeit nu...
Linux auf externe SSD installieren
Roland Seidl, 28.10.2016 20:44, 1 Antworten
Bin mit einem Mac unterwegs. Mac Mini 2012 i7. Würde gerne Linux parallel betreiben. Aber auf e...