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© Julien Eichinger, Fotolia

Bunter Mix

Amahi Home Server im Test

21.06.2013
Mit dem Amahi Home Server verwandeln Sie einen dedizierten PC im LAN in eine Medienzentrale mit integrierter Backup-Funktion und vielen Extras.

Kleine Heimserver sind überaus praktisch. Dort lagern alle Familienmitglieder zentral gelegen Musik, Filme, Bilder und auch Dokumente. Wer dafür nicht viel Aufwand betreiben möchte, greift in der Regel zu einem NAS. Jedoch ist man damit auf Software und Ausstattung angewiesen, die einem der Hersteller gönnt. Deutlich flexibler und selbstbestimmter kommt man mit einem eigenen Heimserver zum Ziel. Dafür eignen sich Systeme wie FreeNAS – oder auch das etwas jüngere Projekt Amahi Home Server [1].

Der Amahi Home Server eignet sich als Medien-, Daten- und Info-Zentrale für das heimische Netzwerk und will dabei extrem anwenderfreundlich und einfach bleiben. Dazu bringt Amahi eine eigene App-Infrastruktur mit. Sie besteht aus einer Anwendungsschnittstelle (API) nebst passendem Online-Store. Der Server selbst besticht mit seiner aufgeräumten und einfach verständlichen Oberfläche, auch die Installation vollbringen selbst ungeübte Anwender schnell.

Installation

Der Amahi Home Server begnügt sich mit halbwegs aktueller Hardware. Soll er nur als Speicher für Dateien und Multimedia-Files dienen, tut es auch ein nicht mehr ganz aktueller Intel Core Duo oder Atom beziehungsweise vergleichbare AMD-Hardware. Wie bei jedem Server gilt: Je mehr Arbeitsspeicher, desto besser. Mindestens 2 GByte sollten es auf jeden Fall sein. Wie groß der Plattenplatz ausfallen soll, bestimmt allein die Größe der eigenen Mediensammlung. Legen Sie Wert auf schnelle Datentransfers, sollten Sie dem Rechner eine Anbindung via Gigabit-Netzwerk spendieren. Alles in allem gibt sich Amahi ansonsten genügsam: Tastatur, Maus und Monitor brauchen Sie normalerweise nur zur Installation.

Der Weg zum fertigen System verläuft über die Installation von Ubuntu respektive Fedora. Das Amahi-Projekt unterstützt offiziell nur Ubuntu 12.04.1 LTS und stellt auch nur dafür verlässliche Installationsanleitungen [2] und Unterstützung zur Verfügung. Alternativ können Sie Amahi jedoch auch unter Fedora 14 installieren. Für ganz eilige Zeitgenossen gibt es noch eine Express-Installation [3], die ebenfalls auf Fedora basiert. Für beides gibt es jedoch vom Projekt keine offizielle Unterstützung mehr. Ehemals hat auch der Ubuntu Server Amahi als Basis gedient [4], doch rät das Projekt auch davon inzwischen ab. Wer sich dennoch traut, findet Hinweise zu den alternativen Systemen im Amahi-Wiki.

Für welche Art der Installation Sie sich auch entscheiden: Das Einrichten von Amahi beginnt stets mit einer Anmeldung auf der Projekt-Website. Mit einem Klick auf Get Started Now geht es los. Die Seite fragt nun einen Benutzernamen und das gewünschte Passwort sowie die eigene Mail-Adresse ab und schickt eine Bestätigungsnachricht. Sobald Sie Link in der Mail anklicken, wird das Konto erstellt.

Im folgenden Dialog ist Vorsicht geboten: Stimmen die Angaben hier nicht, kann es bei der Installation Probleme geben. Im ersten Schritt tragen Sie die interne IP-Adresse Ihres Routers sowie die geplante Adresse das Heimservers an. Einen Klick weiter auf der zweiten Seite sollen Sie eine DNS-Domain für Ihren Heimserver eingeben. Ob Fantasiename oder real existierende Adresse: Sie haben die freie Wahl. Die Domain nutzt Amahi nur im internen Netz. Aber Vorsicht mit realen Adressen: Wählen Sie eine aus, die Sie durchaus später einmal vergeben könnten, wird es Probleme bei der Namensauflösung geben. Daher sei eher zu einem Fantasienamen geraten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Zur Netzwerkkonfiguration des Amahi Home Servers genügen Gateway- und Server-Adresse sowie ein Domain-Name.

Um später eventuell von außerhalb aufs eigene Netzwerk zugreifen zu können, stellt Ihnen Amahi einen dynamischen DNS-Service zur Verfügung. Sie erhalten eine Adresse in der Form Benutzername.yourhda.org. Im dritten und finalen Schritt zeigt Ihnen die Website nun einen Install Code an, den Sie sich aufschreiben sollten (Abbildung 2). Anhand dieses Codes übermittelt Amahi Ihrer Installation in der Initialisierungsphase die Netzwerkdaten und ordnet später die eventuell gekauften Apps zu.

Abbildung 2: Den beim Herunterladen des Installers angezeigten Code benötigen Sie später zum Einrichten des Servers.

Mit weißer Weste

Sie beschreiten nun den empfohlenen Weg und nehmen, wie vom Projekt empfohlen, dazu einen Rechner mit frisch eingerichtetem Ubuntu 12.04.1 LTS zur Hand. Nach dem Start des Systems öffnen Sie ein Terminal und laden den wenige MByte großen Amahi-Installer herunter:

$ wget http://u12.amahi.org/install-amahi

Ein beherztes sh install-amahi startet die Einrichtung des Servers. Als erstes fragt der Installer nach dem Install Code, den Sie zuvor bei der Anmeldung erhalten haben. Fall Sie ihn vergessen haben, finden Sie ihn notfalls nach dem Login im Amahi Control Panel auf der Amahi-Website. Nach dem Code will der Installer noch das Passwort des Benutzers erfahren, da er einige Teile als Root installieren muss. Nun ist Zeit für eine Tasse frisch gebrühten Kaffees.

Zu Kaffee und Keksen bereiten Sie derweil den Router des Netzwerks für den neuen Heimserver vor. Dazu rufen Sie dessen Weboberfläche auf und navigieren zum Menüpunkt, der die Netzwerkdaten und die Einstellungen für den DHCP-Server vorhält. Dort deaktivieren Sie die DHCP-Funktion, denn das Verteilen der Netzwerk-Adressen übernimmt ab sofort Amahi, ebenso die Namensauflösung im Heimnetz. So kann Amahi auch realisieren, dass Sie die vorhin gewählte individuelle URL benutzen können.

Nach einigen Minuten hat der Amahi-Installer seine Arbeit beendet, ausführliche Informationen zum Ablauf hält bei Bedarf das Install-Logfile bereit. Zum Abschluss der Installation starten Sie den Rechner einmal neu. Auch für alle anderen Geräte und Rechner im Netzwerk steht nun ein solcher Neustart an, damit diese frische Konfigurationen mit korrekter IP und richtigem Name-Server erhalten. Betreiben Sie im LAN Geräte mit fest zugewiesener IP, sollten Sie rechtzeitig daran denken, die entsprechenden Werte auf den neuen Heimserver anzupassen.

Nach erfolgreicher Installation sollte Ihre erste Amtshandlung darin bestehen, die voreingestellten Zugangsdaten zu ändern. Wie die Erfahrung zeigt, sollten Sie als Erstes ein neues Benutzerkonto für den Administrator anlegen, dessen Benutzername nicht admin oder administrator und schon gar nicht root heißt. Gerade in jüngster Vergangenheit gab es immer wieder gezielt Angriffe auf diese Accounts, zum Beispiel Wordpress-Installationen. Nach dem Anlegen des Administrator-Kontos fügen Sie nun bei Bedarf weitere Nutzer hinzu.

Noch einen weiterer Schritt empfiehlt sich, bevor Sie sich näher mit Amahi beschäftigen: Soll der Server künftig ohne Monitor auskommen, wäre es doch schön, ihn auch irgendwie warten zu können. Deswegen installieren Sie noch den SSH-Server, den Ubuntu schon seit einiger Zeit weglässt (und den auch Amahi nicht für zwingend notwendig erachtet). Mithilfe des Befehls sudo apt-get install ssh gelangen die notwendigen Pakete samt Abhängigkeiten im Nu ins System. Fortan können Sie sich via ssh amahi@Server-IP auf dem Heimserver anmelden.

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