Geringe Haltbarkeit

Ubuntu 13.04 "Raring Ringtail" kurz vorgestellt

13.05.2013
Canonicals zunehmende Bemühungen, Ubuntu für den mobilen Einsatz fit zu machen, spiegelt sich im aktuellen Release deutlich wider – nicht immer zur Freude des Desktop-Anwenders.

Canonical war immer bestrebt, in den Zwischen-Releases möglichst viele neue Funktionen unterzubringen, die man später dann in ausgereifter Form in die LTS-Hauptversionen übernahm. Langsam setzt hier jedoch ein merklicher Paradigmenwandel ein: Canonical strebt nach einem System für die Masse, das auf allen Plattformen laufen soll – vom Desktop über das Smartphone und Tablet bis zum Fernseher. Um dieses ehrgeizige Ziel mit der nächsten LTS-Version 14.04 zu erreichen, lag der Fokus bei der Entwicklung von Ubuntu 13.04 "Raring Ringtail" vor allem auf der Geschwindigkeitsoptimierung sowie allgemeinen Verbesserungen an der Benutzeroberfläche.

So peilte man an, den Speicherverbrauch für Unity deutlich zu reduzieren [1]. Weniger aktive Prozesse und Dienste im Hintergrund und generelle Optimierungen sollen den RAM-Bedarf spürbar senken und zeitgleich bessere Akkulaufzeiten ermöglichen. Davon profitiert freilich in erster Linie der Mobilsektor, beispielsweise auf Tablets wie dem Nexus 7 [2]: Hier kommt insbesondere der generell etwas niedrigere RAM-Verbrauch voll zum Tragen.

Aber auch auf klassischen Desktops fällt – besonders im direkten Vergleich zu Ubuntu 12.10 – ein deutlicher Geschwindigkeitszuwachs auf. Die Menüs in Unity öffnen sich flinker, Suchabfragen im Dash zeigen schneller relevante Ergebnisse an. Die neuen Animationen wirken flüssiger, jedoch nicht übertrieben.

Das neue Unity 7 bringt einige optische Anpassungen mit, die einzeln betrachtet wenig spektakulär erscheinen, aber insgesamt das Arbeiten in Ubuntu einfacher und angenehmer gestalten. Nach dem ersten Anmelden fallen die überarbeiteten Symbole im Startmenü auf. Hier zeigen sich erste Auswirkungen der Anstellung von Matthieu James, dem Designer der sehr beliebten Symbol-Sammlung "Faenza Icons".

So sehen die Symbole für den Dateimanager, das Ubuntu-Logo, das Ubuntu Software Center und die Anzeige für verfügbare Aktualisierungen nun moderner aus. Weitere optische Überarbeitungen nahm man bei den Anzeigen für Bluetooth und den eigenen Cloud-Speicher Ubuntu One vor. Diese enthalten jetzt einen neu gestalteten An/Aus-Schalter. Einstellungen zu Ubuntu One nehmen Sie ab sofort direkt im neuen Synchronisationsmenü vor, wo Sie beispielsweise Dateien mit Ihren Freunden teilen, einsehen oder feststellen, welche Sie zuletzt geändert haben (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das neue Ubuntu-One-Menü erlaubt Ihnen den schnellen Zugriff auf die wichtigsten Funktionen.

Zu den eher unscheinbaren, aber durchaus praktischen Änderungen zählen die neuen Funktionen bei den sogenannten Quicklists: Diese erweitern die Symbole im Startmenü um häufig benötigte Funktionen. So kennzeichnet ein Punkt das aktuell im Fokus befindliche Fenster (Abbildung 2). Zudem wechseln Sie inzwischen sehr einfach zwischen mehreren Fenstern der gleichen Anwendung: Dazu scrollen Sie einfach mit der Maus über die Anwendungen im Startmenü von Unity. Erst auf das Symbol zu klicken, um dann in der Übersicht das passende Fenster auszuwählen, können Sie sich jetzt sparen.

Abbildung 2: Der Punkt in der Taskliste zeigt das aktuell fokussierte Fenster an.

Auch den Dialog für anstehende Aktualisierungen haben die Ubuntu-Entwickler überarbeitet. Hier bekommen Sie nicht mehr eine lange und teils unübersichtliche Paketliste zu Gesicht. Stattdessen ordnet der Aktualisierungsdialog die Pakete zunächst einem konkreten Programm zu. Erst wenn Sie dessen Einträge aufklappen, sehen Sie alle zu aktualisierenden Pakete (Abbildung 3). Ähnliche kosmetische Änderungen ziehen sich durch das gesamte System. So bekamen auch die Dialoge für Neustart/Herunterfahren sowie Abmelden/Sperren einen frischen Anstrich.

Abbildung 3: Aktualisierungen zeigt Ubuntu jetzt übersichtlicher zu den jeweiligen Programmen gruppiert an.

Angesichts des Ansatzes der konsequenten Vereinfachung und Minimierung auf das Wesentliche verwundert es auch nicht, dass die Ubuntu-Entwickler die Arbeitsflächen aus dem Startmenü entfernen. Viele Umsteiger aus der Windows-Welt konnten damit offenbar wenig anfangen. Sie reaktivieren die Arbeitsflächen aber jederzeit über die Systemeinstellungen, wodurch der Eintrag wieder im Startmenü erscheint. Auf gleiche Weise bringen Sie das Symbol für die Anzeige des Desktops zurück, das ebenfalls der Vereinfachung zum Opfer fiel.

Software

Wie üblich bringt Canonical in Ubuntu 13.04 die mitgelieferte Software auf einen aktuellen Stand, zumindest bei den bekannten und häufig genutzten Programmen [3]. Neben dem Kernel 3.8 als technischer Basis zählen die aktuelle Bürosuite LibreOffice 4.0.2, Firefox 20.0 sowie Thunderbird 17.0.5 zur Ausstattung. Zudem integrierten die Entwickler die neueste Upstart-Version 1.8, die es erspart, Dienste bei jeder Konfigurationsänderung mehr neu starten zu müssen. Zudem ist endlich auch Python 3 mit an Bord; Python 2 steht auf absehbare Zeit auch weiterhin als nachträglich installierbares Paket zur Verfügung.

Auch der Dateimanager bekam eine umfangreiche Aktualisierung spendiert. Er heißt jetzt auch nicht mehr Nautilus, sondern nur noch Dateien [4] und bringt unter anderem eine verbesserte Suchfunktionen, überarbeitete Werkzeug- und Seitenleisten, sowie einen Schnellzugriff auf kürzlich bearbeitete Dateien mit. Allerdings sorgte die Entfernung einiger früherer Funktionen wie etwa der Baumansicht in der Seitenleiste, für viel Kritik. Darüber hinaus integriert sich Dateien nicht mehr reibungslos in Unity, da die Entwickler die typische Navigation über die globale Menüleiste entfernten und häufige Aktionen in ein eigenes Zahnrad-Symbol verlegten (Abbildung 4). Ubuntu setzt bei allen Programmen in 13.04 noch auf den älteren Gnome-Hauptzweig 3.6, Sie können aber über das PPA des Gnome-Teams die aktuelle Version 3.8 unkompliziert nachinstallieren.

Abbildung 4: Nautilus heißt jetzt Dateien und bekam einen neuen Anstrich sowie einige Änderungen in der allgemeinen Bedienung spendiert.

Bei der Social-Networks-Ausstattung legt Ubuntu 13.04 kräftig zu. Bis Ubuntu 10.04 spielte Gwibber die erste Geige zum Verwalten unterschiedlicher Dienste wie Twitter, Facebook und einigen mehr. Durch die Ankündigung von Ubuntu Phone OS, das kommende System für Mobiltelefon, änderten sich hier die Prioritäten und man schrieb das Programm komplett um. Der neue Name lautet nun Friends [5]. Aktuell aktualisierte Canonical bisher nur den Dienst im Hintergrund, die Benutzeroberfläche wird aber in den kommenden Versionen an die Designvorgaben von Ubuntu Phone OS angepasst.

Sonstiges

Überraschend kam die Meldung, dass Ubuntu 13.04 den Windows-Installer Wubi nicht mehr enthält [6]. Als Grund nennen die Entwickler schwerwiegende Fehler bei Windows 8, die aufgrund der verschobenen Prioritäten hin zu mobilen Plattformen auch nicht zu beheben waren. Für viele Umsteiger fungierte Wubi als erster Kontakt in die Linux-Welt, weshalb die Entscheidung durchaus kritisch zu bewerten ist.

Ebenfalls eine strategische Entscheidung traf man bei der Unterstützung von Sicherheitsupdates für Ubuntu 13.04. Erhielten Nicht-LTS-Releases bislang 18 Monate Support, so verkürzt Canonical diesen Zeitraum nun auf nur noch 9 Monate – für "Raring" entsprechend bis zum Januar 2014. Benutzer der Zwischenversionen würden sowieso stets auf die neueste Ausgabe aktualisieren, so die Begründung, und die Verkürzung schaffe zusätzliche Entwicklerkapazitäten für die kommenden Aufgaben.

Eine letzte, ursprünglich groß angekündigte Neuerung hat es nicht mehr in "Raring Ringtail" geschafft: Die Smart Scopes, früher als Suchlinsen bekannt, ziehen erst in in Ubuntu 13.10 ein. Sie sollen zwar bereits recht gut funktionieren, entsprächen aber noch nicht den von Canonical vorgegebenen Qualitätsstandards [7]. Smart Scopes sollen dem Benutzer, bei Eingabe in der globalen Suche "intelligente Anfragen" an verschiedenste Quellen zu stellen, darunter Online-Dienste wie Soundcloud, Google Drive, YouTube und vielen mehr (Abbildung 5). Vollmundig betitelte Canonical das Projekt mit dem Namen "100 Scopes", die man schrittweise in die Suche integrieren willen.

Abbildung 5: Noch nicht ganz ausgereift und deswegen noch nicht mit an Bord: die Smart Scopes für "intelligente Suchanfragen". Sie lassen sich aber über ein als experimentell deklariertes PPA nachinstallieren.

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