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© Florin Rosu, Fotolia

Magische Kräfte

Expertenfeatures von Rawtherapee nutzen

13.05.2013
Gut versteckt hält Rawtherapee einige mächtige Funktionen bereit, die das Leben des Fotografen enorm erleichtern.

Auch Linux-Anwender haben mittlerweile die Wahl zwischen mehreren RAW-Konvertern. Zwischen UFRaw, Darktable und diversen anderen Konvertern spielt Rawtherapee [1] schon lange die Rolle des Platzhirsches. Seitdem der Autor den Code unter die GPL stellte, nahm die Entwicklung zudem deutlich an Fahrt auf. Kürzlich erschien mit der Version 4.0.10 der letzte Wurf der digitalen Dunkelkammer (siehe Kasten "Neues in Version 4.0.10").

Die grundlegende Arbeitsweise von Rawtherapee war schon mehrmals Gegenstand von Artikeln in LinuxUser [2]. Im Folgenden soll es deshalb in erster Linie um einige nicht offensichtlichen Funktionen gehen, welche das Arbeiten insbesondere mit vielen Bildern stark erleichtern.

Neues in Version 4.0.10

Am 8. März 2013 stellten die Maintainer die Version 4.0.10 von Rawtherapee vor. Deren Änderungen gegenüber dem unmittelbaren Vorgänger fallen eher gering aus, im Vergleich zu den Dreier-Versionen hat sich aber funktional sehr viel getan. Besonders hervorzuheben sind die neuen Möglichkeiten der Rauschunterdrückung. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl balancieren Sie jetzt Rauschen und Schärfe viel besser gegeneinander aus. Ebenfalls neu hinzu kamen verschiedene Verfahren zur Tonwertkorrektur. Zwei Kurven und diverse Mischmethoden stehen jetzt zur Verfügung. Interessant sind auch die LAB-Anpassungen: Neben farbunabhängigigen Änderungen über die LC-Kurve erlauben sie auch ein Tuning einzelner Farben über die CH-Kurve. Die Algorithmen für das Auslesen von RAW-Dateien hoben die Entwickler auf das Level von DCRaw 9.17. Mit diversen neuen Kameraprofilen unterstützt Rawtherapee auch aktuellere Geräte.

Profilsucht

Der Begriff "Profil" kommt im Zusammenhang mit Rawtherapee recht oft vor: Das Programm kennt neben Farb- (ICC-/ICM-) und Objektiv-Profilen auch seine eigenen Profile, deren Dateinamen auf .pp3 enden. Ein solches PP3-Profil umfasst die komplette Konfiguration für alle über die Oberfläche einstellbaren Verarbeitungsparameter. In eckigen Klammern benannte Abschnitte grenzen jeweils eine Reihe von Name/Wert-Paaren ab. Die Anwendung erstellt und verwaltet die Profile automatisch, wobei Rawtherapee selbst bestimmt, in welcher Reihenfolge es die einzelnen Bildmanipulationen vornimmt.

Der erste Schritt zur Automatisierung wiederkehrender Schritte besteht deshalb im Erstellen von entsprechenden Standardprofilen . Dazu definieren Sie anhand eines repräsentativen Bildes (mit niedrigster ISO-Stufe aufgenommen) die grundlegenden Einstellungen. Das manuelle Optimieren der Belichtung und der Tonwerte wirkt eher kontraproduktiv: Vertrauen Sie hier ruhig auf die Automatismen von Rawtherapee. Dagegen ist das manuelle Einstellen von Werte für die Rauschreduzierung, das Schärfung sowie die Sättigung in den verschiedenen Spielarten ebenso sinnvoll wie Korrekturen von Linsenfehlern (chromatische Aberrationen, Vignettierung).

Rawtherapee erstellt das Profil als sogenannte Sidecar-Datei, die Sie im Verzeichnis des Bildes finden. Das File trägt den gleichen Namen wie die Aufnahme, allerdings mit der Endung .pp3. Dieses Profil kopieren Sie ins Verzeichnis ~/.config/ Rawtherapee/profiles. Den Dateinamen dürfen Sie prinzipiell frei wählen, es bietet sich aber eine Benennung nach dem Strickmuster Kameramodell-base.pp3 an. Mit welcher Kamera die Aufnahme entstand, zeigt im Bearbeitungsmodus der Informationskasten oben links an. Nach einem Neustart von Rawtherapee steht das frische Profil dann in der Ausklappliste unter Bearbeitungsprofil zur Verfügung.

Um ein bildspezifisches Arbeitsprofil zu löschen, klicken Sie in der Thumbnail-Ansicht mit der rechten Maustaste auf das fragliche Bild und wählen aus dem Kontextmenü Profiloperationen | Profil löschen. Alternativ entfernen Sie die korrespondierende Sidecar-Datei über den Dateimanager.

Automatismen

Vorgefertigte Profile erlauben, in der Dateiverwaltung von Rawtherapee per Kontextmenü viele Bilder auf einmal zu bearbeiten. Markieren Sie zuerst die gewünschten Bilder und klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf. Aus dem Kontextmenü wählen Sie nun Profiloperationen | Profil anwenden. Jetzt erscheint eine Liste aller hinterlegten Profile (Abbildung 1), aus der Sie das gewünschte auswählen. Für die weitere Verarbeitung legen Sie mit [Strg]+[Q] im Anschluss die Aufnahmen in die Warteschlange ("Queue").

Abbildung 1: Rawtherapee erlaubt, mit relativ simplen Mitteln mehrere Bilder mit einem benutzerdefinierten Profil zu versehen.

Dieses Vorgehen wird den Besonderheiten einzelner Bilder allerdings nicht gerecht. An dieser Stelle kommt der gut in den Einstellungen versteckte Profilgenerator ins Spiel. Im Reiter Allgemein der Einstellungen (Abbildung 2) tragen Sie unter Benutzerdefinierter Bildprofilgenerator den Namen eines Skripts ein, das zukünftig beim Öffnen eines Bildes automatisch ein dazu passendes Profil erstellen soll. Prinzipiell können Sie den Profilgenerator in jeder Sprache schreiben, ein Bash-Skript drängt sich dazu aber geradezu auf. Wie die folgenden Beispiele zeigen, benötigen Sie dafür auch keine großartige Programmierkenntnisse.

Abbildung 2: Gut versteckt im Einstellungsdialog findet sich der Eintrag Benutzerdefinierter Bildprofilgenerator, über den Sie die Bildbearbeitung mit eigenen Skripten beeinflussen.

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