Opus selbst gemacht

Mit Ubuntu 12.04 gestaltet sich die Arbeit mit Opus zäh. Weder das GStreamer-Framework noch der damit ausgelieferte VLC 2.0.5 unterstützen Opus. Das Kompilieren der Opus-Tools [6] scheitert an der fehlenden Libogg-Bibliothek in Version 1.3. Auch ein Nachinstallieren behob das Problem nicht. Wer Ffmpeg selbst kompiliert [7], kann Libopus mit dem Schalter --enable-libopus bei ./configure dazu packen und dann Opus-Dateien kodieren. Zum Abspielen muss unter Ubuntu 12.04 allerdings ein inoffizieller Mediaplayer-Backport mit Libopus herhalten – oder Firefox ab Version 15.

Erst unter Ubuntu 12.10 macht Opus wirklich Spaß. Hier spielen nicht nur Firefox und VLC die Dateien ab, auch Rhythmbox, Banshee und Totem unterstützen das Format via GStreamer. Ein mit Libopus ausgestatteter Ffmpeg kodiert Dateien folgendermaßen:

$ ffmpeg -i Input -vn -c:a libopus -b:a 96k Output.opus

Freilich eignet sich dafür auch der Standalone-Encoder Opusenc aus den Opus-Tools. Er akzeptiert als Input-Format aber lediglich WAV- oder AIFF-Dateien. Liegen die Quellen nicht in diesem Format vor, geben Sie die Datei am besten mit einem Player wie MPlayer oder Mpg123 via stdout raw-sound in 48-kHz-Stereo aus und pipen sie an Opusenc im Raw-Modus (Listing 1).

Listing 1

$ mplayer -novideo -af resample=48000:0:2,channels=2,format=s16le -ao pcm:nowaveheader:file=/dev/stdout -really-quiet Input | opusenc --bitrate=96 --raw - Output.opus

Opusenc erlaubt auch die Übergabe zusätzlicher Parameter wie beispielsweise CBR, Frame-Größe, Metadaten oder Parameter des Raw-Inputs. Details dazu finden Sie in der Manpage des Programms. In Listing 1 resampeln wir mit Mplayer und seinen besten Resampling-Routinen auf 48 kHz, aber Opusenc könnte man über den Parameter --raw-rate auch an die Sampling-Rate des Input-Signals anpassen.

Generell sollten Sie überflüssiges Resampling wo immer möglich vermeiden. Falls die Quelle also schon die anvisierte Sampling-Rate aufweist, verzichten Sie am besten auf alle Resampling-Optionen. Eine falsche Sampling-Rate erkennen Sie daran, dass das resultierende Opus-File zu schnell oder zu langsam spielt.

Fazit

Opus ist eine kleine Revolution: Der freie Codec übertrifft die Konkurrenz qualitativ um Längen und lässt sich dabei so vielseitig einsetzen wie kein anderer. Während Vorbis der kommerziellen Konkurrenz lediglich an den Hacken kratzt, stellt Opus diese vor allem bei hohen Kompressionsraten locker in den Schatten. Schlussendlich bleibt nur ein kleiner Wermutstropfen, der für die meisten derzeit aber nur eine untergeordnete Rolle spielen dürfte (siehe Kasten "Mehrkanal-Versäumnisse").

Mehrkanal-Versäumnisse

Opus unterstützt nativ nicht mehr als zwei Kanäle. Die momentane Lösung sieht vor, dass der OGG-Container mehrere Mono- oder Stereo-Opus-Streams enthält, denen dann die jeweiligen Kanäle zugewiesen werden. Das funktioniert zwar, aber dadurch profitiert Opus nur von der Signalähnlichkeit zwischen zwei Kanälen, aber nicht über alle, wie es echte Surround-Codecs wie Dolby Digital oder DTS praktizieren. Ob Opus diesen Surround-Platzhirschen bei gleicher Bitrate das Wasser reichen kann, bleibt somit fraglich.

Glossar

ITU

International Telecommunication Union. Diese Sonderorganisation der Vereinten Nationen beschäftigt sich offiziell und weltweit mit technischen Aspekten der Telekommunikation. Dazu gibt sie Standards in Form sogenannter Recommendations ("Empfehlungen") heraus, deren Umsetzung dann nationale oder supranationale Normungsgremien erledigen.

IETF

Internet Engineering Task Force. Dieses internationale Gremium von Herstellern, Netzbetreibern, Technikern und Anwendern beschäftigt sich mit Vorschlägen zur Standardisierung des Internets und steht jedem interessierten Individuum offen. Die Arbeitsergebnisse ihrer sogenannten Working Groups veröffentlicht die IETF in Form von RFCs (Request for Comment).

Silk

Skypes sehr rechenintensiver, patentierter Sprach-Codec basiert auf Linear Predictive Coding (LPC), einem Verfahren, das die Sprache analysiert und das Signal dann als Parameter für einen Sprachsynthesizer kodiert. Er unterstützt Bitraten bis 32 kbit/s sowie Frequenzen bis 8 kHz im Narrow- und Wideband. Damit übertrifft Silk den OSS-Sprachcodec Speex technisch in allen Aspekten. Aufgrund seiner Arbeitsweise eignet sich Silk nicht für Musik.

CELT

Constrained-Energy Lapped Transform verwendet als technische Basis MDCT (Modifizierte diskrete Kosinus-Transformation), wie es auch bei MP3, Vorbis, AAC und Dolby Digital zum Einsatz kommt. MDCT ist das gängigste Verfahren, um ein Audio-Signal in verschiedene Frequenzbänder zu zerlegen, diese dann individuell zu quantisieren und so die Datenrate zu reduzieren. CELT arbeitet am besten im Fullband mit 48 kHz und ist sinnvoll ab etwa 40 kbit/s.

AMR

Adaptive Multi-Rate. Ein Satz von Sprachcodecs, die unter anderem in Mobilfunksystemen der zweiten und dritten Generation zum Einsatz kommen.

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