Als herausragendes Alleinstellungsmerkmal von Opus [1] gilt seine sehr niedrige Latenz: Kein anderer Vollband-Codec (siehe Kasten "Bänder") arbeitet mit so geringer Verzögerung, denn üblicherweise bedeutet niedrige Latenz kleine Blöcke und damit schlechtere Qualität bei gleicher Bitrate. Mit einer rekordverdächtigen Latenz von standardmäßig 22,5 Millisekunden reagiert Opus rund fünf Mal schneller als die Konkurrenz bei MP3, AAC oder Vorbis. Wer die Bitrate erhöht oder bei gleicher eine etwas niedrigere Qualität in Kauf nimmt, der kann diese Zeit sogar auf bis zu 5 Millisekunden reduzieren. Eine solch niedrige Latenz prädestiniert Opus nicht nur für Audio- und Video-Konferenzen, VoIP oder Teamspeak, sondern eröffnet auch völlig neue Einsatzgebiete wie etwa das gemeinsame Musizieren übers Internet.

Bänder

Die ITU unterteilt die Qualitätsstufen in folgende Frequenzspektren:

  • Narrowband – 300 bis 3400 Hz: Sprach-Audio mit stark eingegrenztem Frequenzspektrum, "Telefonqualität".
  • Wideband – 50 bis 7000 Hz: verbesserte Sprachqualität.
  • Super Wideband – 50 bis 14 000 Hz: hervorragende Sprachqualität, akzeptabel für Musik.
  • Full Band – 20 bis 20 000 Hz: das volle Frequenzspektrum des menschlichen Hörens, "CD-Qualität".

Nach dem Nyquist-Shannon-Theorem muss die Abtastrate eines Signals stets doppelt so hoch ausfallen wie die höchste Tonfrequenz, um Aliasing-Effekte zu vermeiden. Deshalb gelten 44,1 beziehungsweise 48 kHz Abtastrate als Standard für optimale Qualität.

Doch Opus glänzt nicht nur in Sachen Latenz, sondern auch hinsichtlich der Qualität. So erreicht der Codec dank der niedrigeren Latenz bereits bei deutlich geringerer Bitrate als MP3, AAC und Vorbis dieselbe Klanggüte. Nur im Vergleich zum aktuellen Qualitätsführer, dem erweiterten HE-AAC (High Efficency Advanced Audio Coding), auf den zum Beispiel auch Apple im iTunes-Musicstore setzt, stellen manche Tests ein Unentschieden fest. Andere sehen auch hier Opus auf dem Siegertreppchen.

Darüber hinaus eignet sich Opus sowohl für Sprache als auch für Musik, da er eigentlich zwei Codecs in einem vereint. Sprache stellt einen Audio-Codec vor völlig andere Herausforderungen als Musik: Das eingeschränktes Frequenzspektrum und ein klar umrissenes, bekanntes Signalprofil erlauben extrem niedrige Bitraten. Als Rekordhalter gilt hier der Amateurfunk-Sprachcodec Codec2 [2], der selbst bei 1,4 kbit/s noch verständliche Sprache abbildet.

Opus steht unter der BSD-Lizenz. Alle beteiligten Firmen und Organisationen räumten eine freie Nutzungslizenz für ihre Patente ein, im Gegenzug dafür, dass die IETF [3] Opus zum Standard erklärt. Das erlaubt eine kommerzielle Verwendung in proprietärer Soft- und Hardware.

Geschichte

Im Jahr 2007 begann Skype die Arbeit sowohl an Silk als auch an Xiph.org, einem damals noch "Ghost" genannten Nachfolger für Ogg Vorbis, der später in CELT (Constrained Energy Lapped Transform) umbenannt wurde. 2009 klopfte Skype bei der IETF an und schlug vor, einen offenen Standard-Sprach-Codec für Internet-Wideband-Audio zu schaffen. Dazu brachte Skype seinen Silk-Codec ins Spiel, doch die IETF fand es sinnvoller, dass Skype sich dafür mit Xiph.org zusammentut.

Nach viel Widerstand aus der Patent-Fraktion der kommerziellen Codec-Schmieden bildete sich eine Working Group aus den Entwicklern von Skype, Xiph.org sowie einigen Mitarbeitern von Broadcom und Octasic. Als eine der Hauptpersonen hinter Opus kristallisierte sich der bei Xiph.org, Mozilla und Octasic angestellte Kanadier Jean-Marc Valin heraus, der auch schon für Speex verantwortlich zeichnete. 2010 gab es dann den ersten Hybrid aus Silk und CELT. Anfang 2011 wurde der Bitstream eingefroren, sodass keine Änderungen am Standard mehr möglich waren. Mitte 2012 adelte die IETF das resultierende Opus mit dem RFC 6716 [4], der erste Release Candidate erblickte dann Ende 2012 das Licht der Welt.

Opus eignet sich laut Aussage der Entwickler als Ersatz für alle anderen bestehenden Codecs (Abbildung 1), lediglich für verlustlose Kompression empfehlen sie den OSS-Codec FLAC. Für Übertragungen mit extrem niedriger Bandbreite um die 2 kbit/s gilt nach wie vor der Codec2 als Mittel der Wahl. Den Entwicklern zufolge gibt es bereits großes Interesse aus der Industrie an Opus – nicht nur wegen der lizenzfreien Nutzungsmöglichkeit, sondern auch aufgrund des Status von Opus als IETF- Standard. Zudem füllt Opus durch seine Eignung für fast alle Einsatzzwecke sowie seine geringe Latenz eine Nische – hier gibt es derzeit keinen einzelnen Codec, der Gleiches bietet.

Abbildung 1: Trotz Rekord-Latenz deckt Opus das gesamte Qualitätsspektrum ab. (Quelle: Opus-Codec.com)

Opus in Zahlen

Opus nutzt die Dateiendung .opus im OGG-Container und unterstützt eine Bitrate von 6 bis 510 kbit/s sowie ein Frequenzspektrum von 8 bis 48 kHz. Die Frame-Größen bewegen sich von 2,5 bis 20 (CELT) beziehungsweise 2,5 bis 60 (Silk) Millisekunden. Das Besondere daran: Opus vermag diese Parameter in Echtzeit nahtlos im Stream zu ändern und passt sich so – etwa beim Telefonieren – ohne Aussetzer an die verfügbare Bandbreite an.

Bei den Encoding-Modi greift Opus auf konstante Bitrate (CBR), variable Bitrate (VBR) und Constrained VBR zurück, wobei letzteres VBR mit einer nach oben limitierten Bitrate darstellt. Das ist sinnvoll für Echtzeit-Anwendungen mit eingeschränkter Bandbreite, die trotzdem von der höheren Qualität von VBR profitieren wollen. Seine Stärken spielt Opus nur im Kontext mit den VBR-Modi voll aus.

Auch bei den Stereo-Modi kennt Opus drei Varianten: "Dual-Channel" kodiert beide Kanäle komplett unabhängig voneinander als zwei Mono-Kanäle. "Intensity" erzeugt einen Mono-Downmix, in dem Opus nur die Unterschiede zwischen links und rechts berechnet und speichert. "Mid-Side" gilt als präferierter Modus, es handelt sich dabei allerdings um einen Hybriden. Er bildet im Gegensatz zu Intensity auch sehr unterschiedliche Kanäle ab, profitiert aber anders als Dual-Channel von Ähnlichkeiten zwischen beiden Kanälen um Bandbreite zu sparen. Mid-Side ist obendrein sicher gegen durch Stereo-Encoding entstehendes Übersprechen (Crosstalk) und Artefakte.

Opus unterstützt als Hybrid-Codec drei verschiedene Modi, wobei Opus wie bei den anderen Attributen zwischen diesen Modi im Stream nahtlos wechselt. "Silk-only" kommt bei Sprachübertragungen im Wideband bis 8 kHz zum Einsatz – hier ist eine niedrige Bitrate wichtiger als herausragende Qualität. "CELT-only" eignet sich für Musik und nur bedingt für Sprache, da Silk hier wesentlich effizienter arbeitet und mit viel niedrigerer Bitrate qualitativ gleichwertige Ergebnisse erzielt. "Hybrid" dient für qualitativ hochwertige Sprachübertragungen. Dabei kodiert Silk die Bandbreite bis 8 kHz, CELT die Frequenzen darüber. In diesem Modus überträgt Opus mit 32 kbit/s Sprache im vollen Frequenzspektrum.

Der Encoder erkennt selbständig, ob es sich beim Signal um Sprache oder Musik handelt, und wählt dann einen der genannten Modi. Nur die Bitrate spielt hierbei eine Rolle, denn erst ab 32 kbit/s schaltet der Encoder in den Hybrid-Modus und kodiert mit CELT die Frequenzen über 8 kHz. Opus benötigt keine großen Codebooks wie einige andere Sprachcodecs und eignet sich damit auch als Format für sehr kurze Audioclips.

CPU-Lastigkeit

Zwar wurde Opus mit den neuesten Techniken der Audio-Kompression entworfen, ein Design-Aspekt war jedoch, die Rechenlast möglichst gering zu halten. Zum Decodieren benötigt Opus nun etwas mehr Rechenpower als Vorbis, beim Kodieren braucht der CELT-Encoder sogar noch weniger. Der wesentlich komplexere Silk-Encoder jedoch belastet die CPU deutlich mehr als sein CELT-Bruder.

Opus lässt sich für CPUs ohne Fließkomma-Einheit als Fixedpoint-Variante mit dem Flag --enable-fixed-point kompilieren. Laut den Entwicklern laufen sowohl Decoder als auch Encoder problemlos auf allen gängigen Embedded-CPUs in Echtzeit. Aber Vorsicht: Auf CPUs mit Fließkomma-Einheit arbeitet die Fixedpoint-Variante langsamer und liefert auch eine etwas schlechtere Audio-Qualität.

Trickkiste

Opus nutzt jede Menge teils brandneuer Tricks. So erlaubt es der Codec, die Zeit- oder Frequenz-Auflösung in jedem Block für jedes Frequenzband getrennt festzulegen. Beispielsweise priorisiert er in einem Musikstück beim Einsatz eines neuen Instruments die Zeit im Block höher als die Qualität, damit der Einsatz 100-prozentig korrekt ausfällt. Das betrifft aber nur die Frequenzen des neuen Instruments, auf einem anderen Block bildet es ein schon klingendes Instrument stattdessen mit besserer Frequenzauflösung ab. Konkurrierende Codecs wie Vorbis, AAC oder MP3 priorisieren pro Block für alle Frequenzen entweder den korrekten Einsatz oder die Qualität.

Ebenfalls neu ist das "Pre-Echo Cancelling", das durch starke Quantisierung entstehende, hörbare "stille" Löcher vor dem Einsatz eines Instruments erkennt und mit Rauschen füllt. Durch "Forward Error Correction" gibt sich Opus robust gegen Bitfehler, die beim Übertragen entstehen. Es gibt viele neue Möglichkeiten bei der Zuordnung der Bits, die künftiges Verbesserungspotenzial beim Encoder erahnen lassen. Der "Allocation Tilt" beispielsweise wendet die Bandbreite eher für die höheren oder die niedrigeren Frequenzen auf. Beim "Band Boosting" gibt der Encoder bestimmten Frequenzbändern mehr Bandbreite – dieses Feature nutzt der Encoder momentan noch gar nicht, aber die Möglichkeit sieht die Spezifikation bereits vor.

Übrigens spielte bei der Opus-Entwicklung die Psychoakustik, also das Weglassen von für das menschliche Ohr unhörbaren Frequenzen, keinerlei Rolle: Den Entwicklern zufolge genügte es vollauf, die Energie des Signals möglichst korrekt abzubilden.

Hörtests

Google, Nokia und das Audio-Enthusiastenforum HydrogenAudio verglichen Opus mit der Konkurrenz. Nokia und Google legten ihren Fokus dabei primär auf Sprache (Englisch und Mandarin), während HydrogenAudio die Qualität bei Musik verglich.

Die Ergebnisse von Google und Nokia (Abbildung 2) decken sich weitgehend: Opus schlägt Speex, G.722.1 und G.719 bei gleicher Bitrate qualitativ; bei AMR liegen die Schnittpunkte bei 8 kbit/s (AMR-Narrowband) beziehungsweise 16 kbit/s (AMR-Wideband). Bei höherer Bitrate hat Opus jeweils die Nase vorn, bei niedrigerer Bitrate dagegen AMR. Der Musikvergleich von Google kommt zu dem Ergebnis, dass Opus bei gleicher Kompression (64 und 96 kbit/s) MP3 schlägt und ungefähr gleich gut klingt wie AAC.

Abbildung 2: Die Ergebnisse des Google- und Nokia-Tests erweitert ins Musik-Spektrum mit AAC, Vorbis und MP3. (Quelle: opus-codec.com)

Die Hör-Blindtests von HydrogenAudio [5] bezogen sich auf zahlreiche verschiedene Musik-Samples aus Popmusik und Klassik bei 64 kbit/s. Hier positionierte sich Opus als klarer Sieger (Abbildung 3) und lag deutlich vor Apples HE-AAC-Implementierung. Diese war wiederum ein gutes Stück besser als Neros HE-AAC-Variante, die nur einen Hauch vor Ogg Vorbis lag.

Abbildung 3: Opus schlägt die gängigen Codecs bei 64 kbit/s klar. (Quelle: xiph.org)

Für den Normalverbraucher sind diese Ergebnisse allerdings in erster Linie akademischer Natur, da kaum jemand seine Musik mit solch geringer Bitrate speichert. Deswegen hat die Redaktion einen eigenen Hörtest mit praxistauglicheren Komprimierungsraten vorgenommen (siehe Kasten "So klingt Opus").

So klingt Opus

Die Redaktion ließ im Blindtest die Codecs MP3, OGG und Opus gegeneinander antreten. Das Test-Equipment bestand unter anderem aus einem Referenzkopfhörer von Sennheiser. Beim Kodieren fiel die hohe Geschwindigkeit von Opus auf: Sie lag teilweise um den Faktor Fünf über jener von MP3 und etwa 20 Prozent über der von OGG. Die dabei von den drei Codecs erzeugten Dateien waren bei gleicher Komprimierungsrate im Mittel beinahe auf das Kilobyte gleich groß.

Die Titel wurden jeweils mit den Kompressionsraten 96, 160 und 228 kbit/s (CBR) in die Zielformate überführt. Als erstes traten die Probanden in der höchsten Kompressionsrate von 96 kbit/s gegeneinander an, die allgemein als wenig Hifi-tauglich gilt. Sowohl bei MP3 als auch bei OGG klangen die Stücke matt, wenig transparent und langweilig. Umso überraschter war die Redaktion über die von Opus erzeugten Ergebnisse: Die Aufnahmen klangen satt, lebendig und gut durchzeichnet. Zwar hörte man naturgemäß noch einen Unterschied zum Original, doch selbst der hielt sich in Grenzen. Damit spielte Opus in dieser Disziplin seine Kontrahenten mit verblüffender Leichtigkeit an die Wand.

Anders sah das Bild bei der Kompressionsrate von 160 kbit/s aus. Im Blindtest waren weder zwischen den Codecs im Vergleich zur Referenzdatei große Unterschiede zu hören. Opus klang bei den meisten Aufnahmen einen Tick besser, vor allem bei vollem Orchestereinsatz. Hier behielt Opus den besseren Überblick und bildete einzelne Instrumente sauberer und plastischer ab als die Konkurrenz. Auch Zischlaute, wie sie bei OGG an manchen Stellen auftraten, waren Opus fremd.

Ebenfalls sehr angenehm fiel auf, dass der neue Codec Stimmen sehr natürlich wiedergab. Hier erzeugten OGG und MP3 zuweilen etwas mittenlastigere und unausgewogenere Ergebnisse. Allerdings fielen die Unterschiede so gering aus, dass sie auf einer Stereo-Anlage im mittleren Preissegment (bis etwa 1000 Euro) kaum zu hören wären. Deswegen verzichteten wir darauf, die Codecs bei noch höheren Bitraten miteinander zu vergleichen. Stattdessen musste sich Opus im 160er-Testfeld mit Dateien behaupten, die wir mit nur 128 kbit/s kodierten hatten. Auch hier fielen die Unterschiede überraschend gering aus, wenngleich Opus in der Regel eher die hinteren Plätze belegte.

Unterm Strich klingt Opus bei niedrigen Bitraten sensationell gut und verweist die Konkurrenz mit weitem Abstand auf die Plätze. Bei 160 kbit/s fallen die Unterschiede zu MP3 und OGG jedoch merklich kleiner aus. Im Mittel setzte sich der Codec jedoch auch hier deutlich durch und erreichte im Blindtest die aus dem Mittelwert der Platzierungen errechnete Bestnote 1,28, gefolgt von OGG mit 2,14 und MP3 mit 2,28 Zählern (siehe Tabelle "Rangliste").

Rangliste

Rang Codec
Mike Batt – Caravan on the Move
1. OGG
2. MP3
3. Opus
Jenkins – Palladio
1. Opus
2. OGG
3. MP3
ZZ-Top – La Grange
1. Opus
2. OGG
3. MP3
Aerosmith – I Don't Want to Miss a Thing
1. MP3
2. OGG
3. Opus
Pink Floyd – Welcome to the Machine
1. Opus
2. OGG
3. MP3
Dire Straits – Where Do You Think You're Going
1. Opus
2. MP3
3. OGG
Rossini – La Gazza Ladra
1. Opus
2. MP3
3. OGG

Opus im Einsatz

OGG unterstützt seit Version 1.3 Opus, MKVtoolnix enthält in Version 6.0.0 eine experimentelle Opus-Unterstützung. VLC spielt das Format seit Version 2.0.4 ab, eine Integration im VLC-Transcoder dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Mpxplay, Foobar2000, AIMP und Directshow unter Windows verstehen Opus, ebenso GoneMAD, Neutron Music Player und PowerAMP unter Android. Ffmpeg kann ab Version 1.1 mit Libopus umgehen, auch GStreamer kennt den Codec inzwischen.

Firefox und Thunderbird unterstützen Opus seit Version 15. Da der Codec einen offiziellen Teil des HTML5-Standards bildet, werden ihn in Kürze auch alle anderen Webbrowser unterstützen, Google Chrome voraussichtlich ab Version 25. Googles freier Video-Codec WebM erlaubt bisher ausschließlich Vorbis als Audio-Codec, die Spezifikation müsste für Opus geändert werden. Für WebRTC, den neuen Standard für Videokonferenzen und VoIP direkt im Browser, ist Opus Pflicht.

Momentan nutzt Skype noch das originale Silk, hat aber eine Umstellung auf Opus schon in der Schublade – einen Release-Termin nennt das Unternehmen allerdings noch nicht. Allerdings gibt es bereits eine Menge Voice/Video-Chat-Programme, die auf Opus setzen. Dazu gehören unter anderem SFLphone, Mumble, TrueConf, Empathy, CSipSimple (Android), Toktumi Line2 (iOS/Android) und der Gamer-Voice-Chat Teamspeak 3.

Besondere Erwähnung verdient das Mediaplayer-Betriebssystem Rockbox, das – neben den Android-Mediaplayern – derzeit in der Entwicklerversion 3.12 die einzige Geräte-Unterstützung für Opus bietet.

Opus selbst gemacht

Mit Ubuntu 12.04 gestaltet sich die Arbeit mit Opus zäh. Weder das GStreamer-Framework noch der damit ausgelieferte VLC 2.0.5 unterstützen Opus. Das Kompilieren der Opus-Tools [6] scheitert an der fehlenden Libogg-Bibliothek in Version 1.3. Auch ein Nachinstallieren behob das Problem nicht. Wer Ffmpeg selbst kompiliert [7], kann Libopus mit dem Schalter --enable-libopus bei ./configure dazu packen und dann Opus-Dateien kodieren. Zum Abspielen muss unter Ubuntu 12.04 allerdings ein inoffizieller Mediaplayer-Backport mit Libopus herhalten – oder Firefox ab Version 15.

Erst unter Ubuntu 12.10 macht Opus wirklich Spaß. Hier spielen nicht nur Firefox und VLC die Dateien ab, auch Rhythmbox, Banshee und Totem unterstützen das Format via GStreamer. Ein mit Libopus ausgestatteter Ffmpeg kodiert Dateien folgendermaßen:

$ ffmpeg -i Input -vn -c:a libopus -b:a 96k Output.opus

Freilich eignet sich dafür auch der Standalone-Encoder Opusenc aus den Opus-Tools. Er akzeptiert als Input-Format aber lediglich WAV- oder AIFF-Dateien. Liegen die Quellen nicht in diesem Format vor, geben Sie die Datei am besten mit einem Player wie MPlayer oder Mpg123 via stdout raw-sound in 48-kHz-Stereo aus und pipen sie an Opusenc im Raw-Modus (Listing 1).

Listing 1

$ mplayer -novideo -af resample=48000:0:2,channels=2,format=s16le -ao pcm:nowaveheader:file=/dev/stdout -really-quiet Input | opusenc --bitrate=96 --raw - Output.opus

Opusenc erlaubt auch die Übergabe zusätzlicher Parameter wie beispielsweise CBR, Frame-Größe, Metadaten oder Parameter des Raw-Inputs. Details dazu finden Sie in der Manpage des Programms. In Listing 1 resampeln wir mit Mplayer und seinen besten Resampling-Routinen auf 48 kHz, aber Opusenc könnte man über den Parameter --raw-rate auch an die Sampling-Rate des Input-Signals anpassen.

Generell sollten Sie überflüssiges Resampling wo immer möglich vermeiden. Falls die Quelle also schon die anvisierte Sampling-Rate aufweist, verzichten Sie am besten auf alle Resampling-Optionen. Eine falsche Sampling-Rate erkennen Sie daran, dass das resultierende Opus-File zu schnell oder zu langsam spielt.

Fazit

Opus ist eine kleine Revolution: Der freie Codec übertrifft die Konkurrenz qualitativ um Längen und lässt sich dabei so vielseitig einsetzen wie kein anderer. Während Vorbis der kommerziellen Konkurrenz lediglich an den Hacken kratzt, stellt Opus diese vor allem bei hohen Kompressionsraten locker in den Schatten. Schlussendlich bleibt nur ein kleiner Wermutstropfen, der für die meisten derzeit aber nur eine untergeordnete Rolle spielen dürfte (siehe Kasten "Mehrkanal-Versäumnisse").

Mehrkanal-Versäumnisse

Opus unterstützt nativ nicht mehr als zwei Kanäle. Die momentane Lösung sieht vor, dass der OGG-Container mehrere Mono- oder Stereo-Opus-Streams enthält, denen dann die jeweiligen Kanäle zugewiesen werden. Das funktioniert zwar, aber dadurch profitiert Opus nur von der Signalähnlichkeit zwischen zwei Kanälen, aber nicht über alle, wie es echte Surround-Codecs wie Dolby Digital oder DTS praktizieren. Ob Opus diesen Surround-Platzhirschen bei gleicher Bitrate das Wasser reichen kann, bleibt somit fraglich.

Glossar

ITU

International Telecommunication Union. Diese Sonderorganisation der Vereinten Nationen beschäftigt sich offiziell und weltweit mit technischen Aspekten der Telekommunikation. Dazu gibt sie Standards in Form sogenannter Recommendations ("Empfehlungen") heraus, deren Umsetzung dann nationale oder supranationale Normungsgremien erledigen.

IETF

Internet Engineering Task Force. Dieses internationale Gremium von Herstellern, Netzbetreibern, Technikern und Anwendern beschäftigt sich mit Vorschlägen zur Standardisierung des Internets und steht jedem interessierten Individuum offen. Die Arbeitsergebnisse ihrer sogenannten Working Groups veröffentlicht die IETF in Form von RFCs (Request for Comment).

Silk

Skypes sehr rechenintensiver, patentierter Sprach-Codec basiert auf Linear Predictive Coding (LPC), einem Verfahren, das die Sprache analysiert und das Signal dann als Parameter für einen Sprachsynthesizer kodiert. Er unterstützt Bitraten bis 32 kbit/s sowie Frequenzen bis 8 kHz im Narrow- und Wideband. Damit übertrifft Silk den OSS-Sprachcodec Speex technisch in allen Aspekten. Aufgrund seiner Arbeitsweise eignet sich Silk nicht für Musik.

CELT

Constrained-Energy Lapped Transform verwendet als technische Basis MDCT (Modifizierte diskrete Kosinus-Transformation), wie es auch bei MP3, Vorbis, AAC und Dolby Digital zum Einsatz kommt. MDCT ist das gängigste Verfahren, um ein Audio-Signal in verschiedene Frequenzbänder zu zerlegen, diese dann individuell zu quantisieren und so die Datenrate zu reduzieren. CELT arbeitet am besten im Fullband mit 48 kHz und ist sinnvoll ab etwa 40 kbit/s.

AMR

Adaptive Multi-Rate. Ein Satz von Sprachcodecs, die unter anderem in Mobilfunksystemen der zweiten und dritten Generation zum Einsatz kommen.

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