Hörtests

Google, Nokia und das Audio-Enthusiastenforum HydrogenAudio verglichen Opus mit der Konkurrenz. Nokia und Google legten ihren Fokus dabei primär auf Sprache (Englisch und Mandarin), während HydrogenAudio die Qualität bei Musik verglich.

Die Ergebnisse von Google und Nokia (Abbildung 2) decken sich weitgehend: Opus schlägt Speex, G.722.1 und G.719 bei gleicher Bitrate qualitativ; bei AMR liegen die Schnittpunkte bei 8 kbit/s (AMR-Narrowband) beziehungsweise 16 kbit/s (AMR-Wideband). Bei höherer Bitrate hat Opus jeweils die Nase vorn, bei niedrigerer Bitrate dagegen AMR. Der Musikvergleich von Google kommt zu dem Ergebnis, dass Opus bei gleicher Kompression (64 und 96 kbit/s) MP3 schlägt und ungefähr gleich gut klingt wie AAC.

Abbildung 2: Die Ergebnisse des Google- und Nokia-Tests erweitert ins Musik-Spektrum mit AAC, Vorbis und MP3. (Quelle: opus-codec.com)

Die Hör-Blindtests von HydrogenAudio [5] bezogen sich auf zahlreiche verschiedene Musik-Samples aus Popmusik und Klassik bei 64 kbit/s. Hier positionierte sich Opus als klarer Sieger (Abbildung 3) und lag deutlich vor Apples HE-AAC-Implementierung. Diese war wiederum ein gutes Stück besser als Neros HE-AAC-Variante, die nur einen Hauch vor Ogg Vorbis lag.

Abbildung 3: Opus schlägt die gängigen Codecs bei 64 kbit/s klar. (Quelle: xiph.org)

Für den Normalverbraucher sind diese Ergebnisse allerdings in erster Linie akademischer Natur, da kaum jemand seine Musik mit solch geringer Bitrate speichert. Deswegen hat die Redaktion einen eigenen Hörtest mit praxistauglicheren Komprimierungsraten vorgenommen (siehe Kasten "So klingt Opus").

So klingt Opus

Die Redaktion ließ im Blindtest die Codecs MP3, OGG und Opus gegeneinander antreten. Das Test-Equipment bestand unter anderem aus einem Referenzkopfhörer von Sennheiser. Beim Kodieren fiel die hohe Geschwindigkeit von Opus auf: Sie lag teilweise um den Faktor Fünf über jener von MP3 und etwa 20 Prozent über der von OGG. Die dabei von den drei Codecs erzeugten Dateien waren bei gleicher Komprimierungsrate im Mittel beinahe auf das Kilobyte gleich groß.

Die Titel wurden jeweils mit den Kompressionsraten 96, 160 und 228 kbit/s (CBR) in die Zielformate überführt. Als erstes traten die Probanden in der höchsten Kompressionsrate von 96 kbit/s gegeneinander an, die allgemein als wenig Hifi-tauglich gilt. Sowohl bei MP3 als auch bei OGG klangen die Stücke matt, wenig transparent und langweilig. Umso überraschter war die Redaktion über die von Opus erzeugten Ergebnisse: Die Aufnahmen klangen satt, lebendig und gut durchzeichnet. Zwar hörte man naturgemäß noch einen Unterschied zum Original, doch selbst der hielt sich in Grenzen. Damit spielte Opus in dieser Disziplin seine Kontrahenten mit verblüffender Leichtigkeit an die Wand.

Anders sah das Bild bei der Kompressionsrate von 160 kbit/s aus. Im Blindtest waren weder zwischen den Codecs im Vergleich zur Referenzdatei große Unterschiede zu hören. Opus klang bei den meisten Aufnahmen einen Tick besser, vor allem bei vollem Orchestereinsatz. Hier behielt Opus den besseren Überblick und bildete einzelne Instrumente sauberer und plastischer ab als die Konkurrenz. Auch Zischlaute, wie sie bei OGG an manchen Stellen auftraten, waren Opus fremd.

Ebenfalls sehr angenehm fiel auf, dass der neue Codec Stimmen sehr natürlich wiedergab. Hier erzeugten OGG und MP3 zuweilen etwas mittenlastigere und unausgewogenere Ergebnisse. Allerdings fielen die Unterschiede so gering aus, dass sie auf einer Stereo-Anlage im mittleren Preissegment (bis etwa 1000 Euro) kaum zu hören wären. Deswegen verzichteten wir darauf, die Codecs bei noch höheren Bitraten miteinander zu vergleichen. Stattdessen musste sich Opus im 160er-Testfeld mit Dateien behaupten, die wir mit nur 128 kbit/s kodierten hatten. Auch hier fielen die Unterschiede überraschend gering aus, wenngleich Opus in der Regel eher die hinteren Plätze belegte.

Unterm Strich klingt Opus bei niedrigen Bitraten sensationell gut und verweist die Konkurrenz mit weitem Abstand auf die Plätze. Bei 160 kbit/s fallen die Unterschiede zu MP3 und OGG jedoch merklich kleiner aus. Im Mittel setzte sich der Codec jedoch auch hier deutlich durch und erreichte im Blindtest die aus dem Mittelwert der Platzierungen errechnete Bestnote 1,28, gefolgt von OGG mit 2,14 und MP3 mit 2,28 Zählern (siehe Tabelle "Rangliste").

Rangliste

Rang Codec
Mike Batt – Caravan on the Move
1. OGG
2. MP3
3. Opus
Jenkins – Palladio
1. Opus
2. OGG
3. MP3
ZZ-Top – La Grange
1. Opus
2. OGG
3. MP3
Aerosmith – I Don't Want to Miss a Thing
1. MP3
2. OGG
3. Opus
Pink Floyd – Welcome to the Machine
1. Opus
2. OGG
3. MP3
Dire Straits – Where Do You Think You're Going
1. Opus
2. MP3
3. OGG
Rossini – La Gazza Ladra
1. Opus
2. MP3
3. OGG

Opus im Einsatz

OGG unterstützt seit Version 1.3 Opus, MKVtoolnix enthält in Version 6.0.0 eine experimentelle Opus-Unterstützung. VLC spielt das Format seit Version 2.0.4 ab, eine Integration im VLC-Transcoder dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Mpxplay, Foobar2000, AIMP und Directshow unter Windows verstehen Opus, ebenso GoneMAD, Neutron Music Player und PowerAMP unter Android. Ffmpeg kann ab Version 1.1 mit Libopus umgehen, auch GStreamer kennt den Codec inzwischen.

Firefox und Thunderbird unterstützen Opus seit Version 15. Da der Codec einen offiziellen Teil des HTML5-Standards bildet, werden ihn in Kürze auch alle anderen Webbrowser unterstützen, Google Chrome voraussichtlich ab Version 25. Googles freier Video-Codec WebM erlaubt bisher ausschließlich Vorbis als Audio-Codec, die Spezifikation müsste für Opus geändert werden. Für WebRTC, den neuen Standard für Videokonferenzen und VoIP direkt im Browser, ist Opus Pflicht.

Momentan nutzt Skype noch das originale Silk, hat aber eine Umstellung auf Opus schon in der Schublade – einen Release-Termin nennt das Unternehmen allerdings noch nicht. Allerdings gibt es bereits eine Menge Voice/Video-Chat-Programme, die auf Opus setzen. Dazu gehören unter anderem SFLphone, Mumble, TrueConf, Empathy, CSipSimple (Android), Toktumi Line2 (iOS/Android) und der Gamer-Voice-Chat Teamspeak 3.

Besondere Erwähnung verdient das Mediaplayer-Betriebssystem Rockbox, das – neben den Android-Mediaplayern – derzeit in der Entwicklerversion 3.12 die einzige Geräte-Unterstützung für Opus bietet.

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