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© Maikloff, Fotolia

Kurz vor fünf

KDE Software Compilation 4.10 im Überblick

19.03.2013 Mit KDE 4.10 machen die Entwickler einen großen Schritt in Richtung einheitliches Framework für alle Plattformen. An einigen Stellen schimmern die Veränderungen schon durch.

Die neue KDE Software Compilation (KDE SC) besteht wie die Vorgänger aus der Plasma-Oberfläche für verschiedene Plattformen (Desktop, Netbook, Plasma Active) [1], den eigentlichen Anwendungen [2] sowie der Backend-Architektur [3]. Die wiederum umfasst den Fenstermanager KWin, die Bibliotheken, das Framework Akonadi zum Speichern von PIM-Daten sowie das eigentliche SDK.

Apropos SDK: KDE SC 4.10 vereint erstmals die bisher getrennten Komponenten der Entwicklerplattform [4] in Form des Tools Plasmate. Das Projekt entwickelt dieses Werkzeug [5] seit Anfang 2010 als eine Art Mini-SDK zum Schreiben von Plasmoiden, Data-Engines und Such-Plugins für Plasma-Programme, es war aber primär für Plasma Active gedacht [6]. Da die Entwickler den Code der einzelnen Plasma-Arbeitsflächen nach dem Portieren auf QML ohnehin vereinen wollten, gewinnt Plasmate eine größere Bedeutung.

KDE 4.10 macht bereits im wesentlich größerem Umfang Gebrauch von Qt Quick [7] und stellt jetzt ein Skript-API für den Window-Manager KWin bereit. Zu den eher oberflächlichen Neuerungen gehört ein neues Air-Thema. KDE SC 4.10 steht auf der Webseite bereit, wenngleich es für die Mehrzahl der Anwender praktikabler sein dürfte, abzuwarten, bis die Software in den Paketquellen der jeweiligen Distribution bereit steht. Zu den ersten Distributionen, die bis Redaktionsschluss KDE SC 4.10 mit an Bord hatten, gehört das in dieser Ausgabe vorgestellte Chakra Linux.

Qt Quick

Die einzelnen Plasma-Workspaces in KDE SC 4.10 machen stärker als zuvor von den mit in KDE SC 4.8 eingeführten Qt-Quick-Plasma-Komponenten Gebrauch. Mit Qt 4.7 hielt die deklarative Skriptsprache QML Einzug. Seitdem besteht die Möglichkeit, auf Qt basierende Oberflächen mit dem neuen "UI Creation Kit" von Qt – Qt Quick – zu erstellen.

Kam Qt Quick bisher vornehmlich für KDE-Anwendungen und Plasmoiden zum Einsatz, die dank des standardisierten APIs im nativem Plasma-Look erscheinen, gingen die Entwickler in KDE SC 4.10 dazu über, auch zentrale Plasma-Komponenten in Qt Quick umzusetzen. Dazu zählen unter anderem der Pager, das Panel, die Bildschirmsperre und die Systembenachrichtigungen. Die Wallpaper-Engine basiert jetzt ebenfalls auf Qt Quick, was das Erstellen animierter Desktop-Hintergründe vereinfacht.

Der hinter den Kulissen stattfindende Umbau auf QML hat vorwiegend strategische und technologische Gründe: Er ermöglicht, Widgets jetzt mit so genannten QML-Containment zu erstellen; Entwickler brauchen sie nicht mehr aus der Qt-Klasse QgraphicsWidgets abzuleiten. Für Anwender fällt der Port auf QML dagegen mit einigen Ausnahmen nicht unbedingt sofort ins Auge.

Zu den Ausnahmen gehört der neuen Screenlocker. Er demonstriert, dass der Wechsel zu QML nicht nur den Desktop verschönert, sondern darüber hinaus auch für Anwender Vorteile bringt. Forderte bislang nur ein ziemlich hässlicher grauer Kasten zur Passworteingabe auf, erscheint das Eingabefenster jetzt leicht transparent und bei der Eingabe eines falschen Passworts moderat animiert. Die neue Bildschirmsperre umgeht zudem den X-Server nicht mehr, was zur Sicherheit des Systems beiträgt.

Kdevelop

Ein begrüßenswerter Seiteneffekt der Integration von Qt Quick besteht darin, dass sich mehr Qt-Entwickler direkt an KDE beteiligen, wie zum Beispiel beim Schreibtrainer KTouch [8]. Ursprünglich mit Qt Designer erstellt, erfuhr das Programm seit 2007 keine rechte Pflege mehr.

Die in KDE SC 4.10 enthaltene Version hat der Qt-Entwickler Sebastian Gottfried [9] komplett überarbeitet, weil er offensichtlich auf der Suche nach einem Projekt war, um sich mit Qt Quick zu befassen. Dank seiner Arbeit verfügt das Programm jetzt über eine wesentlich modernere Oberfläche und präsentiert nach jeder abgearbeiteten Lektion eine Statistik der Ergebnisse. Der dazu angezeigte Graph stammt ebenfalls aus dem QML-Fundus.

Primär für Entwickler interessant: Kdevelop besitzt jetzt eine Einheit zum Testen von Units, außerdem enthält die neue Version der IDE ein QML-Plugin. Programmierer brauchen daher nicht mehr auf Qt Creator auszuweichen, wenn sie entsprechenden Code schreiben möchten. Allerdings befindet sich das Plugin noch in einem frühen Stadium der Entwicklung.

In der aktuellen Version von Kdevelop haben die Entwickler nun endgültig sämtliche Klassen aus Qt3 auf Qt4 portiert – eine Aufgabe, die das Projektteam nach eigener Angabe beinahe das gesamte letzte Jahr in Beschlag genommen hat.

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Kommentare
Menuleiste
Someone (unangemeldet), Donnerstag, 21. März 2013 10:15:36
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Sehr guter Artikel, der allerdings auf Seite 2 einen Fehler aufweist. Entgegen den Ausführungen des Autors ist die globale Menuleiste nicht nur mit dem Theme Oxygen möglich. Die global Menuleiste funktioniert mit allen Themes.

Allerdings gibt es neben der Möglichkeit einer globalen Menüleste auch die Option, das Menu über einen Einzelnen Knopf in der Titelleiste des jeweiligen Programms abzurufen. Diese Funktion wird zur Zeit nur mit Oxygen bereitgestellt.


Beide Funktionen sind optional verwendbar und der/die NutzerIn kann auch weiterhin die klassische Menuleiste verwenden.


Bewertung: 110 Punkte bei 2 Stimmen.
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Re: Menuleiste
Matthias (unangemeldet), Donnerstag, 22. August 2013 15:46:47
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Das Verhalten gleicht dem unter Unity, funktioniert jedoch zusätzlich beim Betrieb von mehreren Monitoren – dann allerdings vorerst nur mit dem Standardthema "Oxygen".


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