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Arch-Abkömmling Chakra mit KDE 4.10

Durchstarten

Chakra Linux verbindet ein topaktuelles KDE 4.10 mit einem wieselflinken Unterbau auf Basis von Arch Linux.

Das Chakra-Projekt [1] entstand ursprünglich mit dem Ziel, eine auf Arch Linux basierende Live-CD mit KDE zu erstellen. Erst im späteren Verlauf der Entwicklung koppelte sich das System ab, um der Distribution mehr Eigenständigkeit zu verleihen.

Chakra gehört – wie Arch Linux – zu den Rolling-Release-Systemen, sodass es zwangsläufig häufiger Updates gibt. Allerdings frieren die Entwickler den Zustand einiger Kernkomponenten ein. Der Zyklus für die größeren Neuerungen orientiert sich dabei im Wesentlichen an KDE. So war Chakra Linux 2013.02 die bis Redaktionsschluss erste und einzige Distribution mit KDE SC 4.10. Einen Artikel zur aktuellen KDE-Version finden Sie in der Rubrik "Praxis" in dieser Ausgabe.

Das international strukturierte Chakra-Team [2] zeigt sich sehr professionell organisiert. Gemäß dem KISS-Prinzip wollen die Entwickler möglichst einfache Lösungen beim Unterbau ohne zusätzliche Zwischenschichten mit einer optisch ansprechenden Oberfläche kombinieren.

Die Distribution zeichnet sich durch eine Reihe selbst entwickelter Werkzeuge aus, wie etwa den Installer Tribe. Die Entwickler verwendet als Codenamen für die Versionen traditionell die Namen bedeutender Erfinder, wie "Carl Benz" bei der jetzt veröffentlichten Version 2013.02 [3].

Grundlagen

Sie finden die aktuelle Version der Distribution auf der Heft-DVD der Media-Ausgabe. Alternativ laden Sie das System in Form eines ISO-Images von der Homepage [4] herunter. Seit einiger Zeit stellt das Team keine Abbilder mehr für die i686-Architektur bereit und unterstützt ausschließlich 64-Bit-Systeme. Ergänzende Informationen finden Sie im recht umfangreichen Wiki [5], darunter ein in Deutsch verfasstes Handbuch für Einsteiger  [6], das Sie alternativ mit einem Klick auf Beginners Guide im Welcome-Widget aufrufen.

Neben KDE SC 4.10 besteht eine der wichtigsten Neuerungen von Chakra 2013.02 im aktuellen Kernel 3.7.6. Dank der darin bereits enthaltenen Anpassungen beschädigt eine Parallelinstallation mit Windows 8 im Secure-Boot-Modus von UEFI die Firmware von Samsung-Notebooks nicht. Ferner bietet Chakra Linux 2013.02 die Version 9.0.2 der 3D-Grafikbibliothek Mesa samt neuester Nvidia- und Catalyst-Treiber.

Die übrigen Aktualisierungen betreffen überwiegend Pakete, wie den Network-Manager (0.9.6.4) oder Virtuoso (6.1.6). Was Fedora und OpenSuse erst für die jeweils kommenden Versionen vorsehen, ist in Chakra 2013.02 bereits umgesetzt: So liefern die Entwickler MariaDB statt MySQL als Standard-Datenbank aus, als Webbrowser kommt Rekonq zum Einsatz. Firefox 18.0.2 und Chromium 24.0.1312.68 stehen aber als "Bundles" bereit.

Installation

Chakra ist als Live-Medium konzipiert und verwendet jetzt Gfxboot, sodass im Live-Betrieb mehr Optionen für Spracheinstellungen und Tastaturlayout bereit stehen. Der Festplatten-Installer Tribe beruht größtenteils auf der Arbeit von Lukas Appelhans [7] aus Arnsberg. Er lässt sich unmittelbar nach dem Booten der Live-DVD per Desktop-Icon Install Chakra aufrufen. Die Integration des 3D-Globus Marble in der Tribe-Installer zur Auswahl der Zeitzone trägt zur Optik der Software bei (Abbildung 1).

Abbildung 1: Entwickler Lukas Appelhans hat den 3D-Globus Marble in den Tribe-Installer integriert.

Optisch ansprechend fällt auch der Tribe-Dialog zum Anlegen eines Benutzers sowie für das Passwort des Systembenutzers aus. Die Idee, beide in einem Dialog zusammenzufassen, gefällt, weil beide Schritte miteinander im Zusammenhang stehen. Wenn Sie unterhalb der Daten des Benutzers Select to use the above password as the Administrator password aktivieren, entfällt die Eingabe eines eigenen Root-Passworts. Möchten Sie dagegen einen separaten Root-Account, geben Sie das Passwort an dieser Stelle ein – Chakra verhält sich dann wie OpenSuse oder Fedora. Wahlweise lässt sich hier auch ein automatisches Login für den angelegten Benutzer aktivieren.

Tribe ist zwar überaus hübsch, aber nach wie vor unfertig. So zeigt das Tool bei kleinen Auflösungen (1024x768) nicht alle erforderlichen Informationen an, etwa im Partitionierungsmodul (Abbildung 2). Erfahrene Linux-Nutzer benötigen Informationen dieser Art zwar nicht unbedingt, Einsteiger lässt Tribe aber an dieser Stelle im Regen stehen – zumal der Installer sich um die eigentliche Partitionierung gar nicht kümmert, sondern diese an den KDE-Partition-Manager auslagert.

Abbildung 2: In Tribe stören kleinere Design-Fehler.

Der KDE-Partition-Manager bietet erfahrenen Linux-Nutzern zwar viel Flexibilität, ermöglicht aber ebenso wenig wie Tribe selbst ein automatisches Partitionieren und stellt keine fortgeschrittenen Möglichkeiten bereit, etwa für KVM oder RAID. Immerhin kommt Tribe mit GPT zurecht.

In Chakra 2013.02 steht noch immer kein grafisches Werkzeug zum Verwalten der Pakete bereit. Entwickler Lukas Appelhans arbeitet allerdings seit geraumer Zeit an einem entsprechenden Tool namens Akabei. Der neue Paketmanager enthält zwar inzwischen alle geplanten Funktionen (siehe Kasten "Akabei"), aber vor der endgültigen Freigabe bedarf es noch einiger Tests.

Akabei

Lukas Appelhans arbeitet bei Chakra maßgeblich am Installer Tribe und dem künftigen Pacman-Frontend Akabei. Dessen Stand kennzeichnete Appelhans noch bei Chakra "Archimedes" als frühe Alpha. Inzwischen ist Akabei aber deutlich weiter, wie eine Nachfrage ergab. Offenbar sind inzwischen fast alle für die erste stabile Version geplanten Funktionen implementiert.

Derzeit fehlen nur noch Kleinigkeiten wie eine bessere Fehlerbehandlung. Außerdem kam gegenüber der ersten Alpha-Version die PolicyKit-Integration hinzu, das Download-Backend stellte Appelhans von Wget auf Libcurl um. Ursprünglich war zu Weihnachten 2012 eine zweite Akabei-Alpha-Version geplant, die bislang aber noch nicht erschienen ist, weil das Team noch eine Reihe von Fehlern behob.

Daher ist das Tool noch nicht in Chakra 2013.02 enthalten. Sie haben aber die Möglichkeit, eine Reihe von Programmen, wie Firefox, Chromium, Gimp, Filezilla oder den Skype-Client für Linux, über sogenannte Bundles [8] nachträglich zu installieren. Dazu klicken Sie im KDE-Menü auf den Eintrag Bundle Manager in den Favoriten (Abbildung 3). Ein Klick auf Installed Packages liefert eine Liste der installierten Pakete im per Default auf dem Desktop platzierten Widget Welcome Chakra Settings.

Abbildung 3: Über so genannte Bundles installieren Sie komfortabel Nicht-KDE-Programme nach.

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