Fernsteuerung

Virtuelle Desktops im Webbrowser mit Phpvirtualbox

28.02.2013
Virtualisierungsaufgaben komplett auf einen eigenen Server auszulagern, spart auf dem Client erhebliche Ressourcen ein. Phpvirtualbox bietet in einer solchen Konfiguration die Möglichkeit, die Remote-VMs bequem via Browser anzulegen, zu konfigurieren, zu verwalten und zu nutzen.

Wer Virtualisierung lediglich auf dem lokalen Linux-PC nutzt, um etwa Windows oder andere Linux-Distributionen parallel zu verwenden, dem genügt Virtualbox [1] von Oracle in der Regel. Das kostenlose Programm mit seiner intuitiv zu bedienenden grafischen Benutzeroberfläche erinnert vom Umfang der Funktionen her in etwa an VMware Workstation und hält ein Vergleich mit diesem inzwischen in fast jeder Hinsicht stand: Das haben wiederholte Tests in LinuxUser über die Jahre bestätigt. Zudem lässt sich die Software leicht installieren (siehe Kasten "Virtualbox integrieren")

Virtualbox integrieren

Die Installation von Virtualbox verursacht keine größeren Probleme – zumal sich, seit die Software unter der Obhut von Oracle steht, die früher etwas unübersichtliche Lizenz-Situation mit zwei parallel verfügbaren Varianten entspannt hat. Seit Dezember 2010 offeriert der Datenbank-Spezialist das Programm ausschließlich unter der GPLv2. Die Standard-Version entspricht funktional in etwa der früheren Open Source Edition (OSE). Diese bringen Sie durch Nachinstallieren des nach wie vor unter der proprietären PUEL-Lizenz [5] stehenden, kostenlosen Extension-Packs auf den Stand der vormals kommerziellen Version.

Bei Einsatz von Phpvirtualbox ist es wichtig, dass die verwendete Version mit der von Virtualbox zusammenpasst. Da Sie normalerweise zuerst Virtualbox einrichten, betrifft dieser Punkt zwar eher die Auswahl der korrekten Version von Phpvirtualbox. Allerdings empfiehlt es sich, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, die jeweils aktuellste Version beider Programme zu verwenden. Virtualbox-Pakete für nahezu alle wichtigen Distributionen und Architekturen finden sich auf Oracle-Webseite [6].

Die generelle Empfehlung lautet, Pakete – sofern vorhanden – immer aus den Quellen der Distribution zu bevorzugen. Das gilt jedoch nicht für Virtualbox, das sich mit sehr kurzen Release-Zyklen rasant weiterentwickelt und kinderleicht installieren lässt. Die Paketquellen eines aktuellen Ubuntu 12.10 enthalten zwar wenigstens nicht unzählige Virtualbox-Pakete (OSE-Version, Gastsystem-Erweiterungen, Kernel-Module), sondern nur noch eines, dafür aber lediglich in Version 4.1.18.

Die Download-Seite bietet darüber hinaus Installationshinweise für alle wichtigen Distributionen. Der zum Darstellen der Bildschirmanzeige der virtuellen Maschinen im Zusammenhang mit Phpvirtualbox essentielle RDP-Server steht wie erwähnt nur durch Installieren des Extension-Packs bereit, das Sie ebenfalls von der Download-Seite herunterladen [7]. Achten Sie unbedingt darauf, dass die Versionsnummer von Extension Pack und Virtualbox übereinstimmen.

Die GUI von Virtualbox verwaltet das Extension Pack übrigens unter Datei | Globale Einstellungen, Zusatzpakete. Dort haben Sie die Möglichkeit, es gegebenenfalls neu zu installieren oder aktualisieren.

Als Alternative böte sich KVM mit Werkzeugen wie dem auf der Libvirt basierenden Virt-Manager an. Das Gespann arbeitet heute kaum weniger komfortabel als Virtualbox. Faktisch bringt die KVM-Lösung sogar mehr Funktionen mit und erstreckt sich nicht nur auf den Einsatz am Host-System: Der Virt-Manager bietet die Möglichkeit, von jedem beliebigen Rechner auf virtuelle Maschinen zugreifen sowie VMs anzulegen und zu konfigurieren.

In dieser Eigenschaft gleich die verteilte Lösung mit KVM und Virt-Manager dem seit einiger Zeit nicht mehr erhältlichen VMware-Server. Da stellt sich für Virtualbox-Anwender die Frage, ob sich so etwas nicht mit Virtualbox ebenfalls realisieren ließe.

Aus der Ferne

Betreiben Sie zu Hause einen kleinen Server, etwa als zentralen Speicher für Media-Dateien, böte es sich an, diesem bei ausreichender Ausstattung mit Arbeitsspeicher, Festplatten und einer CPU mit VT-Erweiterung die Aufgabe des Virtualisierens zu übertragen. Das brächte einige Vorteile mit sich: Ein Arbeitsplatzsystem, das nur noch zum Erstellen oder Konfigurieren von virtuellen Maschinen zum Einsatz kommt oder zum Anzeigen von Inhalten einer laufenden virtuellen Maschine, braucht erheblich weniger Ressourcen.

Festplattenplatz für Images und Container brauchen Sie dann auf dem normalen PC ebenfalls nicht mehr. Zwar verschiebt sich das Problem mit dem Platz hin zum Server, weshalb eine Investition in Festplatten beim intensiven Einsatz angebracht erscheint, dafür stehen aber alle für das Virtualisieren benötigten Ressourcen zentral bereit.

Im Inneren

Die Innovation der im Folgenden vorgestellten Lösung mit Phpvirtualbox liegt weniger in der PHP-Software selbst – die besteht im Wesentlichen aus einem optischen Nachbau der Qt-Oberfläche von Virtualbox. Das Novum liegt in Virtualbox selbst: Die seit 2005 erst von Innotek, später von Sun und aktuell von Oracle kontinuierlich weiterentwickelte Software bietet mehr als viele ahnen.

So stellt etwa die grafische Qt-Oberfläche nicht die einzige Möglichkeit zum Betrieb einer virtuellen Maschine dar. Weit mehr Optionen bietet die Konsolen-Schnittstelle Vboxmanager. Ferner gibt es das SDL-Programm VboxSDL zum Steuern der VMs, die Sie bei Bedarf aber auch über einen in der Konsole laufenden RDP-Server ansprechen. Das entsprechende Modul heißt seit einiger Zeit Vboxheadless.

Der Einsatz von Phpvirtualbox basiert auf dem in Virtualbox enthaltenen Webserver-Modus Vboxwebsrv. Hierbei handelt es sich um einen vollständigen SOAP-basierten Applikationsserver, der die komplette Virtualisierung bereit stellt. Sie benötigen lediglich einen gewöhnlichen Webserver als Fundament für den Applikationsserver. Eine GUI-Instanz von Virtualbox braucht auf dem Server nicht zu laufen: Sie darf es zwar, falls Sie auf dem Server lokal arbeiten möchten; Phpvirtualbox kommuniziert aber ausschließlich über Vboxwebsrv.

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