Es bleibt spannend!

Editorial 03/2013

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

im Editorial der letzten Ausgabe habe ich Ihnen die jeweils drei Dinge rund um Linux vorgestellt, die mir 2012 besonders positiv beziehungsweise negativ aufgefallen sind. Kurz zur Erinnerung: Meine drei "Tops" waren Münchens LiMux-Projekt, der Raspberry Pi und Steam for Linux; als die drei größten Flops hatte ich Gnome 3, UEFI Secure Boot und den zunehmend kommerzieller geprägten Kurs von Ubuntu notiert. Auf meinen abschließenden Vorschlag, mir doch Ihre persönliche Tops- und Flops-Liste zukommen zu lassen, sind viele von Ihnen eingegangen, sodass ich hier wie vor einem Monat versprochen versuche, aus Ihren Zuschriften ein kurzes Stimmungsbild zusammenzusetzen.

Tops

Wie ich sehen auch viele von Ihnen das LiMux-Projekt als eine absolutes Highlight der freien Software. Auch in Redmond scheint diese Meinung vorzuherrschen, löst dort aber nachvollziehbarerweise keine rechte Begeisterung aus. Das bewies Mitte Januar die Limuxgate-Affäre [1], bei der Microsoft eine selbst bezahlte, zweifelhafte und bis heute nicht komplett veröffentlichte Studie an die Presse lancierte. Diese behauptete, mit Windows XP und MS Office 2003 hätte die Stadt München zig Millionen gegenüber der LiMux-Lösung sparen können – Microsoft-FUD reinsten Wassers.

Dass Steam for Linux dem freien Betriebssystem neuen Schwung in bislang nicht erreichbaren Benutzerkreisen zu geben verspricht, zählt offenbar zu den unumstrittenen Tops des letzten Jahres. Dass der Raspberry Pi Sie genauso begeistert wie mich, war ebenfalls absehbar – wir haben mittlerweile sowohl ein A- wie auch ein B-Modell des populären SBC in der Redaktion parat und werden Ihnen in den nächsten Ausgaben verstärkt entsprechende Themen präsentieren.

Auf Ihren Listen Tops wie Cinnamon, Mageia, Ardour oder Gimp vorzufinden, darauf war ich vorbereitet. Mit zwei Dingen haben Sie mich aber völlig überrascht: Zum einen brechen etliche Zuschriften eine Lanze für Gnome 3, das ich ja unter die Flops einsortierte – gewöhnungsbedürftig, aber gar nicht mal so schlecht, so lautet hier meist das Fazit. Zum anderen taucht unter den Tops immer wieder die Distribution Bodhi Linux [2] auf – Sie wissen schon, das Ubuntu-Derivat mit Enlightenment-Desktop. Dass Sie Bodhi 2.2.0 auf der DVD zu dieser Ausgabe finden, ist allerdings eher ein Zufall und dem Release der E17-Final geschuldet.

Flops

Bei den Flops-Nennungen aus Ihren Zuschriften hält Canonicals Kommerzialisierungspolitik rund um Ubuntu unangefochten die Spitze – dieses Thema taucht in fast jeder eingegangenen E-Mail auf. Gleich darauf folgen UEFI und die damit verbundenen Schwierigkeiten, die gemäß den ersten Praxiserfahrungen ja sogar noch schlimmer ausfallen, als befürchtet [3] – mehr dazu lesen Sie im Aktuell-Teil auf Seite 12.

Über diese beiden Konstanten hinaus tauchen in den Zuschriften sehr individuelle Nennungen von Ereignissen und Programmen auf, die dem ein oder anderen von Ihnen im vergangenen Jahr Kummer bereitet oder gar die Zornesfalten auf die Stirn getrieben haben. Aber auch bei den Flops gab es eine auffallend häufige Nennung, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hätte: Auch nach 20 Jahren Linux-Kernel beschäftigt viele von Ihnen immer noch das "Treiberelend", wie es eine Zuschrift formulierte.

Dass Linux allerdings allerneueste Hardware nicht gleich bei Erscheinen nahtlos unterstützen kann, liegt in der Natur der Sache. Mangelnde Dokumentation oder schlichte Geheimniskrämerei der Hardware-Hersteller macht es den Kernel-Entwicklern nach wie vor unmöglich, zeitnah passende Kernel-Module bereitzustellen. Mit diesem Thema beschäftigt sich zum Großteil der Schwerpunkt dieses Hefts, der aber auch demonstriert, dass es für viele Probleme bereits Abhilfe gibt.

Fazit

Alles in allem lässt sich aus den Zuschriften aber eines ganz klar ablesen: Bei allen großen und kleineren Ärgernissen haben die meisten von uns aus dem vergangenen Linux-Jahr einen überwiegend positiven Eindruck mitgenommen. Und vor allem: Es bleibt nach wie vor spannend – und gerade das ist doch einer der größten Anziehungspunkte des freien Betriebssystems. 

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