Animationen mit Gimp erstellen

Aus LinuxUser 03/2013

Animationen mit Gimp erstellen

Vorhang auf!

Gimp eignet sich nicht nur zum Bearbeiten von Bildern, sondern erstellt mit den richtigen Erweiterungen im Nu ansprechende Animationen.

Viele Gemeinsamkeiten verbinden Animationen und Filme: So bestehen Filme aus vielen Bildern, die eine Video-Containerdatei zusammenfasst; Animationen setzen sich bei Gimp aus vielen Ebenen (“Layer”) zusammen, die in einer Bilddatei lagern. Beim Film wechseln sich also die Bilder ab, bei der Gimp-Animation die Ebenen.

Grundlagen

Gimp bietet zum Erzeugen bewegter Bilder prinzipiell zwei Methoden an: Entweder ersetzt die neue Ebene die bestehende (“replace mode”), oder die neuen transparenten Ebenen ergänzen das aktuelle Bild durch den Inhalt der nächsten (“combine mode”). Bei Filmen kommt ein ähnliches Verfahren zum Einsatz, um die Dateigrößen zu reduzieren.

Eine Besonderheit von Gimp besteht darin, dass der Ebenenname diese Modi bestimmt und damit maßgeblich die Darstellung beeinflusst: Endet der Ebenenname mit einer Zeichenkette in Form von (nnn), interpretiert Gimp das als eine Zeitdauer von nnn Millisekunden, in der das Programm die so benannte Ebene anzeigt. Der Parameter besteht aus einer Ganzzahl, der kein Leerzeichen folgt. Auf diese Weise definieren Sie in einem Bild Ebenen mit unterschiedliche Anzeigezeiten.

Gimp erkennt im Ebenennamen noch zwei weitere Angaben, sofern sie an dessen Ende zwischen runden Klammern stehen. Sie beziehen sich auf die oben beschriebenen Ersetzungsmodi: (combine) bewirkt, dass die aktuell angezeigte Ebene weiterhin angezeigt wird und die nächste (transparente) Ebene darüber erscheint. Der Schalter (replace) (voreingestellt) macht das Gegenteil: Er ersetzt die neue Ebene durch die alte. Welche Formate sich zum Erstellen animierter Grafiken eigenen, erklärt der Kasten “Animierbare Bildformate”.

Animierbare Bildformate

Animierte Bilder unterstützen derzeit ledigich zwei weit verbreitete Formate: GIF und MNG. Bei GIF handelt es sich um ein altes Format mit vielen Einschränkungen, etwa die Begrenzung auf maximal 256 Farben, nur eine Farbe lässt sich als Transparenz nutzen. Dagegen bietet MNG (Multiple Image Network Graphics, [1]) alles, was das heute weit verbreitete PNG auch kann: Bis zu 16 Bit pro Farbkanal, beliebige Transparenz und verlustfreie Kompression. Kurioserweise kann Gimp das MNG-Format zwar erzeugen, aber nicht wieder einlesen. Sie sollten daher Ihre Animationen zunächst als XCF-File sichern und sie erst anschließend im MNG-Format exportieren.

Ebenen verwalten

Damit die Animation wie gewünscht funktioniert, gilt es, die Ebenen systematisch umzubenennen und umzusortieren. Für letzteres bietet das Menü Ebene eine einfache Lösung: Unter Stapel finden Sie Funktionen, welche die Positionen der aktuellen beziehungsweise aller Ebenen beeinflussen.

Das Umbenennen von Ebenen erledigen Skripte, die Sie zusätzlich installieren müssen, da sie nicht zum Standard-Repertoire von Gimp gehören. Die FX-Foundry [2] enthält mehrere davon. Um sie zu installieren genügt es, den Tar-Ball im Verzeichnis ~/.gimp 2.8/scripts/ zu entpacken. Danach erscheint im Menü der Eintrag FX-Foundry. Die Skripte zum Verwalten der Layer finden Sie unter Multi Layer Tools | Edit Attributes of Layers… und Number Layers… sowie unter Animation | Change Settings….

Bevor Sie sich mit den Skripts der FX-Foundry beschäftigen, lohnt sich ein Blick in das Filter-Menü: Eine Reihe von Gimps Standard-Filtern bieten von sich aus an, Animationen zu erstellen [3].

Fertigfutter

In Gimps Filter-Menü finden Sie unter Animation eine Reihe fertiger Funktionen speziell zum Erstellen von Animationen. Eines der einfachen und interessanten Skripts nennt sich Überblenden. Es benötigt drei Ebenen: Die unterste als Hintergrund, über dem die erste in die zweite überblendet. Das geschieht durch das Absenken der Deckkraft bei gleichzeitigem Anheben der der zweiten Ebene. Gimp erzeugt dazu ein neues Bild.

Zum Testen legen Sie mit dem Textwerkzeug drei Ebenen 1, 2 und 3 an und rufen dann den Filter auf. Ein praktischeres Beispiel zeigt Abbildung 1. Das Ausgangsbild bestand dabei aus drei Ebenen (oben im Rahmen). Die unterste dieser Ebenen interpretiert das Skript als Hintergrund, er erscheint in allen Ausgaben. Falls das stört, legen Sie diese wie im Beispiel als leere, transparente Ebene an.

Abbildung 1: Hier "überblendet" Gimp zwischen zwei freigestellte Blumen in insgesamt acht Schritten.

Abbildung 1: Hier “überblendet” Gimp zwischen zwei freigestellte Blumen in insgesamt acht Schritten.

Externe Tools

Während sich für die Standardskripte zumeist in der Online-Hilfe eine Beschreibung findet, sieht es bei denen aus der FX-Foundry nicht so gut aus. Hier gilt es entweder, den Quelltext zu lesen und verstehen, oder intensiv zu experimentieren.

Bei den Animationsskripten bietet das Paket neben Letterdrop noch Overlay Background. Es versieht jede Ebene mit dem Inhalt der Hintergrundebene, also beispielsweise einem Wasserzeichen. Fade blendet eine Ebene in Transparenz aus und benötigt Ebenen ohne Alphakanal. Das Skript Fire Animator erzeugt “Flammen” an den Transparenzkanten, der Hue Changer … variiert den Farbton, wie es farbiges Licht tun würde. Combine with Background verschmilzt die Hintergrundebene mit allen anderen im Bild.

Der Fire Animator ist besonders interessant und zudem noch einfach anzuwenden. Definieren Sie zunächst eine transparente Ebene, beispielsweise mit dem Textwerkzeug. Danach starten Sie das Skript, das zunächst einen Einstellungsdialog zeigt.

Die darin enthaltenen Parameter wirken sich wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis aus (Abbildung 2). Unter Use Background? stellen Sie eine Ebene ein, die als Hintergrund dient. Gimp nutzt dabei den internen Ebenennamen, den Sie als Anwender normalerweise nicht kennen. Um sicher eine bestimmte Ebene zu verwenden, ziehen Sie die die gewünschte mit der Maus auf den Button.

Abbildung 2: Zwei Ausgaben mit dem gleichen Script und unterschiedlichen Einstellungen zeigen die Flexibilität des Fire-Animator-Skripts.

Abbildung 2: Zwei Ausgaben mit dem gleichen Script und unterschiedlichen Einstellungen zeigen die Flexibilität des Fire-Animator-Skripts.

Einen weiteren, besonders leistungsfähigen Script-Filter finden Sie in der Gimp Registry [4] als Teil von GAP, dem Gimp Animation Package [5]. Unter Linux installieren Sie GAP als Paket zumeist direkt über den Paketmanager. Die von der Erweiterung benötigte Funktion heißt Selection to AnimImage … und findet sich unter Animation im Menü Filter. Sie funktioniert folgendermaßen: Gimp interpretiert die aktuelle Auswahl dabei als Markierung für den “aktiven” Bereich und kennzeichnet den zu bearbeitenden Teil des Bildes.

Die Besonderheit dieses Skripts liegt in der freien Auswahl der bearbeitenden Werkzeuge beziehungsweise Funktionen. Das zeigt sich beim Ausführen des Skripts: Der Dialog fordert Sie beim Erstellen der Animation auf, die gewünschte Funktion zu benennen. Das ist nicht immer ganz einfach, da Sie zunächst den Funktionsnamen kennen müssen (siehe Kasten “Funktionen finden”) und Ihnen eine Vielzahl der Gimp-internen Funktionen zur Verfügung stehen. Gimps Online-Hilfe bietet hier Unterstützung. Anschließend definieren Sie die Parameter für die Anfangs- und Endpunkte der Animation. Zwischen diesen animiert Gimp das Bild mit der zuvor angegebenen Anzahl von Schritten (Abbildung 3).

Abbildung 3: Vier Schritte zum Erstellen einer komplexen Animation mit der Funktion <code srcset=

Selection to AnimImage …: Festlegen der Bilderanzahl (oben links), Auswählen der gewünschten Funktion (oben rechts, die Bilder hat Gimp schon in Form von Ebenen angelegt), Einstellen der Anfangs- und Endparameter (unten links) und das Anlegen einer Sicherheitskopie.” width=”300″ height=”173″ /> Abbildung 3: Vier Schritte zum Erstellen einer komplexen Animation mit der Funktion Selection to AnimImage ...: Festlegen der Bilderanzahl (oben links), Auswählen der gewünschten Funktion (oben rechts, die Bilder hat Gimp schon in Form von Ebenen angelegt), Einstellen der Anfangs- und Endparameter (unten links) und das Anlegen einer Sicherheitskopie.

Funktionen finden

Suchen Sie zunächst im Filter-Menü nach der gewünschten Funktion, beispielsweise Verbiegen unter Verzerren. [F1] ruft die Online-Hilfe dann mit der Seite http://docs.gimp.org/2.8/de/plug-in-curve-bend.html auf. Dabei ist der letzte Teil immer der (interne) Funktionsname, ausgehend vom Beispiel plug-in-curve-bend. Da Sie dabei auch immer die Beschreibung in der Online-Hilfe sehen, bekommen Sie einen Überblick über die einzelnen Parameter.

Selbst gemacht mit Lightbox

Einen Schritt weiter als die oben beschriebenen einfachen Tools geht das Animationsskript theGimplightbox [6]. Es wendet sich an diejenigen, die einerseits quasi alles selber machen wollen, aber die Unterstützung eines erfahrenen Anwenders oder Programmierers zu schätzen wissen. Was das Skript leistet, zeigen die Beispiele unter [7] und [8].

Sie installieren das Script durch Kopieren in das Verzeichnis ~/.Gimp-2.8/scripts/. Anschließend erzeugen Sie die Skriptmenüs neu mit Skripte auffrischen unter Script-FU im Menü Filter oder einem Neustart von Gimp. Danach erscheint dann das neue Animate-Menü.

Zunächst legen Sie für die wichtigsten Funktionen Tastenkürzel fest. Das erleichtert später den Zugriff auf die gewünschten Funktionen, da der Menübaum recht komplex ausfällt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Das Skript theGimplightbox installiert unter dem Menüpunkt <code srcset=

Animate ein komplexes Menü und bietet eine Vielzahl von Animationsmöglichkeiten – allerdings in erster Linie für den erfahrenen Anwender.” width=”300″ height=”159″ /> Abbildung 4: Das Skript theGimplightbox installiert unter dem Menüpunkt Animate ein komplexes Menü und bietet eine Vielzahl von Animationsmöglichkeiten – allerdings in erster Linie für den erfahrenen Anwender.

Gimp bietet zwei Möglichkeiten, diese Shortcuts einzurichten: Viele Anwender nutzen bereits bereits die Funktion der Dynamischen Tastenkombinationen, die Sie im Menü Bearbeiten | Einstellungen | Oberfläche aktivieren. Anschließend platzieren Sie den Mauszeiger ohne zu klicken über dem Menüeintrag, den Sie mit einem Tastenkürzel versehen wollen, und geben die Tasten ein, die Sie als Shortcut verwenden möchten.

Alternativ geben Sie die Tastenkürzel direkt im selben Menü unter Tastenkombinationen an. Die wichtigsten Tastenkürzel für das Script fasst die Tabelle “theGimplightbox: Tastenkürzel” zusammen.

theGimplightbox: Tastenkürzel

Shortcut Funktion
[Y] Animation abspielen (unter Animation)
[Umschalt]+[Pfeil-oben] Cycle Up Frame (Frame nach oben)
[Umschalt]+[Pfeil-unten] Cycle Down Frame (Frame nach unten)
[.] Add Frame on 2s (neuen Frame einfügen)
[A] Cycle Onion Skinning Down (unten liegende sichtbare Frames verändern)
[D] Cycle Onion Skinning Up (oben liegende sichtbare Frames verändern)
[Alt]+[3] Add BG Layer (Hintergrund hinzufügen)

Das Skript nutzen Sie folgendermaßen: Nach dem Anlegen einer Leinwand mit den Funktionen unter New Canvas gestalten Sie den Hintergrund. Dieser bleibt für die gesamte Animation unverändert. Mittels [.] beziehungsweise der der Funktion Add Frame on 2s legen Sie nun die erste Ebene an, die Sie nach Gusto bearbeiten.

Das wiederholen Sie auf allen anderen Ebenen nacheinander. Jeder neue Layer erscheint als halbdurchsichtige “Folie” über den darunterliegenden. Diese bereits fertigen Folien dienen Ihnen zur Orientierung. Die Videos unter [9] erklären dies im Detail.

Mit der Option Cycle Onion Skinning stellen Sie ein, wie viele Ebenen Ihnen die Erweiterung im Kontext zur aktuellen anzeigt. Ein Druck auf [A] macht zunächst eine, dann drei beziehungsweise fünf unterhalb der aktuellen Ebene liegende Ebenen sichtbar. Betätigen Sie [D], erscheinen stattdessen die darüber liegenden. Es gilt jedoch zu beachten, dass das Skript nur mit seinen selbst erzeugten Ebenen einwandfrei funktioniert. Wollen Sie daher bestehende Animationen bearbeiten, sollten Sie nach jedem erfolgreichen Arbeitsschritt eine Sicherheitskopie anlegen.

Fazit

Gimp bietet eine Reihe nützlicher Werkzeuge, die an unterschiedlichen Stellen bei der Animationsbearbeitung helfen. Für Zeichen- und Animationskünstler stellt theGimplightbox eine gute Anlaufstelle dar. Mit wenig Aufwand erlaubt es dieses Script, komplexe Animationen zu erstellen und sich dabei vollkommen auf die künstlerischen Aspekte zu konzentrieren. 

Glossar

FX Foundry

Das Projekt fasst eine große Anzahl von Skripts zusammen, die sehr unterschiedliche Aspekte der Bildbearbeitung mit Gimp tangieren. Die aktuelle Version stammt allerdings schon auch dem Jahr 2008 und berücksichtigt daher nicht die neueren Entwicklungen von Gimp. Allerdings funktionieren die Skripts im Wesentlichen auch in Gimp 2.8.

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