Ein erster Test

Theoretisch sollte sich Boxes unter Fedora optimal testen lassen, weil Gnome hier als favorisierter Desktop dient und man außerdem annehmen darf, dass Fedora die von der Software verwendeten Technologien (KVM, Libvirt, Spice) besonders gut integriert. Die in Fedora 17 enthaltene Boxes-Version 3.4.3-2 ließ sich in der Tat komfortabel aus den Paketquellen installieren.

Sie starten das Programm in der deutschen Lokalisierung durch einen Aufruf der Software Boxen. Möchten Sie eine lokale virtuelle Maschine erstellen, genügt wie beim Virt-Manager das Angabe eines vorhandenen Installationsabbilds. Der Assistent leitet Sie durch die weiteren Schritte (Abbildung 4).

Abbildung 4: Ein Assistent führt durch alle zum Anlegen einer virtuellen Maschine notwendigen Schritte.

Im Unterschied zum Virt-Manager bietet das Gnome-Programm jedoch nur wenig Möglichkeiten, Einfluss auf die Installation zu nehmen. Die Startseite des Assistenten klärt darüber auf, dass Sie die Möglichkeit haben, wahlweise über das Netzwerk auf existente, virtuelle KVM-Systeme zuzugreifen oder lokal eine neue und somit eigenständig laufende virtuelle Maschine einzurichten. Dazu müssen KVM, Libvirt und diverse andere Komponenten installiert sein, zudem braucht der Rechner eine CPU mit VT-Erweiterung.

Im ersten Schritt Quellauswahl des Assistenten wählen Sie entweder einen Netzwerkpfad zu einer laufenden KVM-Maschine beziehungsweise einem Remote-Display oder ein lokal vorhandenes ISO-Image zum Aufsetzen einer neuen virtuellen Maschine. Im Fall der lokalen Instanz öffnet sich ein Dialog zur Auswahl einer Datei, in dem Sie einfach zum gewünschten Installation-Image navigieren (Abbildung 5).

Abbildung 5: Nach der Wahl eines lokalen ISO-Images kümmert sich Boxes automatisch um das Einrichten der virtuellen Maschine.

Im nächsten Schritt mit dem Titel Vorbereitung endete das Experiment mit dem Schnellstart von Gnome Boxes 3.4.3 unter Fedora: Der Assistent brach den Versuch mit einer wenig aussagekräftigen Fehlermeldung ab. Im Dialog Erstellung einer neuen Box wird vorbereitet gab das Programm an, zunächst die angegebene ISO-Datei zu analysieren, wozu die Libosinfo zum Einsatz kam. Da sich Gnome Boxes 3.4.3 anderweitig als ebenfalls wenig stabil erwies, erfolgt kurzerhand der Wechsel auf die aktuelle Version 3.6.1.1 von Boxes unter Kubuntu 12.10.

In Apper installieren Sie den kompletten Gnome-Desktop durch Auswahl des Meta-Paketes gnome-desktop. Boxes funktioniert aber auch unter KDE. Das sieht zwar weniger gut aus als unter Gnome und Widgets – so sind die Schaltflächen beispielsweise oft schwer zu erkennen – das Setup erfüllt aber seinen Zweck. Der Schritt Quellauswahl und die Analyse eine ISO-Images funktioniert mit dem neuen System sofort und ohne Probleme.

Eines Wimpernschlag später steht die Software in den Startlöchern, um die virtuelle Maschine anzulegen. Das erledigen Sie über die gleichnamige Schaltfläche rechts oben. Dass der Assistent dabei einige Schritte überspringt, liegt an der erwähnten Bibliothek Libosinfo, mit deren Hilfe Boxes das zu installierende System automatisch erkennt (Abbildung 6).

Abbildung 6: Für eine Reihe von Betriebssystemen unterstützt Gnome Boxes einen Express-Modus.

Für den Arbeitsspeichers der virtuellen Maschine schlägt Boxes im Beispiel eine Größe von 500 MByte vor, für das virtuelle Laufwerk 20 GByte. Mithilfe der Schaltfläche Anpassen rechts ändern Sie diese Größen sowie eine Handvoll weiterer Parameter über einfache Schieberegler oder Schalter (Abbildung 7). Die Einstellungen zum Speicher finden Sie in der Rubrik System.

Abbildung 7: Wer die Konfiguration des Assistenten nicht übernehmen möchte, passt die virtuelle Maschine (in bescheidenen Umfang) an die eigenen Wünsche an.

In der Rubrik Anzeige sehen Sie, dass Boxes 3.6.1 Red Hats Spice-Protokoll zur Anzeige virtueller Maschinen unterstützt. Bei Bedarf schalten Sie an dieser Stelle die USB-Weiterleitung ein. In der Rubrik Anmeldung zeigt Boxes den verwendeten Virtualisierer (Qemu) sowie die Zugriffsadresse über das lokale Spice-Protokoll.

Mit einem Klick auf das kleine Symbol mit dem Pfeil links oben neben dem Namen der virtuellen Maschine verlassen Sie den Dialog mit den Einstellungen und gelangen zurück zur letzten Seite Revision im Assistenten. Ein Klick auf Anlegen, und Boxes bootet direkt das angegebene ISO. Sie haben dann die Möglichkeit, mit dem Installieren fortzufahren. Den automatisch gestarteten Vollbildmodus verlassen Sie gegebenenfalls über [Strg]+[Umschalt]+[F11].

Boxes zeigt sämtliche virtuellen Maschinen oder Remote-Desktop-Verbindungen in einer Übersicht, sobald Sie den Assistenten mit Abbrechen verlassen. Für laufende virtuelle Maschinen erstellt das Programm jeweils eine kleine Vorschau.

Abbildung 8: Mit einer Übersicht erleichtert Boxes die Auswahl der richtigen Maschine für die Arbeit mit einem virtuellen System.

Möchten Sie dagegen eine Verbindung zu einer entfernt laufenden virtuellen Maschine im Netz oder einem gewöhnlichen (VNC-)Remote-Desktop herstellen, klicken Sie in der Übersicht auf Neu, gefolgt von Weiter, wählen bei der Auswahl der Quelle die Methode geben Sie die Adresse ein und benutzen hier wahlweise die Syntax spice://IP-Adresse oder vnc://IP-Adresse. Der Assistent springt wieder zur Seite Revision, und Sie erstellen die Verbindung mit einem Klick auf die Schaltfläche Anlegen.

Gnome Boxes kennt übrigens eine Handvoll Kommandozeilen-Parameter, die es beim Aufruf mit gnome-boxes -help verrät. Mit --check stellen Sie beispielsweise fest, ob das KVM-Modul geladen ist und die CPU die notwendigen Voraussetzungen erfüllt. Ein gnome-boxes -version zeigt die aktuell installierte Version an. Mit einem Aufruf von gnome-boxes Image öffnen Sie direkt die entsprechende virtuelle Maschine.

Fazit

Technologisch unterscheiden sich die vorgestellten Lösungen fundamental. VirtualBox bietet dem ambitionierten Heimanwender alle Möglichkeiten, ohne aber die Ansprüche an die Kenntnisse unnötig hoch zu schrauben. Im Gegensatz dazu erweist sich Virt-Manager als reinrassiges Profi-Tool, das zudem das komfortable Anlegen und Verwalten von Speicher-Pools erlaubt. Das neue Gnome Boxes hingegen gibt sich als einfach zu bedienendes und zudem schickes, funktional aber eher eingeschränktes Libvirt-Frontend.

Das ist allerdings im Sinne der Erfinder: Funktionen wie der Express-Modus sowie das Beschränken von Optionen passen exakt ins Konzept der Gnome-Macher. Die in einigen Distributionen verfügbare Beta-Version 3.4.x von Boxes hat sich für den praktischen Einsatz allerdings als wenig tauglich erweisen.

Mit der in Gnome 3.6 enthaltenen Version deuten die Entwickler an, wohin die Reise geht. Gelegenheitsnutzer und Einsteiger finden mit Boxes einen einfach zu handhabenden Zugang zu KVM-basierter Virtualisierung und legen mit wenigen Mausklicks virtuelle Maschinen an oder nutzen das Programm als Terminal-Client für VNC-Sitzungen.

Realistisch betrachtet fahren aber wohl viele Anwender im Moment mit VirtualBox besser, und Admins haben mit Virt-Manager ohnehin vollen Zugang zu den vielen Funktionen KVM/Qemu-basierter Instanzen. Diese Situation könnte sich allerdings mit der kommenden Gnome-Boxes-Version 3.8 ändern, denn die Entwickler arbeiten in Boxes 3.7 bereits an der Integration von Red Hats oVirt-Framework [15]. Das ermöglicht es, virtuelle Maschinen mithilfe von Boxes in der Cloud zu verwalten: Hier müssten die Mitbewerber dann erst noch nachziehen. 

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