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© Gabriel77, sxc.hu

Virtualisierungssoftware Gnome Boxes im Überblick

Schlicht und einfach

Drei Klicks, und fertig ist die VM: Gnome Boxes verspricht einen einfachen Umgang mit virtuellen Maschinen. Das erweist sich als schwieriger Spagat.

Wer unter Linux hin und wieder virtuelle Maschinen benötigt – etwa zum Testen anderer Betriebssysteme, zum Ausführen einer Windows-Software, für die sich kein Linux-Pendant findet, oder einfach als sichere Sandbox zum Surfen – der greift häufig zum kostenlosen VirtualBox [1] von Oracle. Die erweist sich dank einfach zu handhabender Oberfläche, integriertem Viewer und vielen zusätzlichen Tools bisher als die am schnellsten und einfachsten zu handhabende Software. Diese Rolle strebt nun Gnome Boxes an [2].

Profis und Linux-Enthusiasten greifen in der Regel lieber zum flexibleren, im Kernel enthaltenen Gespann KVM/Qemu oder zu Xen. Für beide freie Lösungen gibt es inzwischen ebenfalls zahlreiche, in der Regel auf Libvirt basierenden grafische Frontends, von denen der maßgeblich von Red Hat entwickelte Virt-Manager [3] am weitesten fortgeschritten erscheint. Für Anwender, die vorrangig Desktop-Betriebssysteme wie Windows virtualisieren möchten, hat der Ansatz KVM/Virt-Manager gegenüber VirtualBox auf den ersten Blick den Nachteil, dass zum Darstellen der Bildschirmausgabe kein RDP bereit steht. Dafür unterstützt Virt-Manager neben VNC zusätzlich das Spice-Protokoll von Red Hat [4].

VirtualBox als integrierter Virtual Machine Manager bietet von Haus aus eine passable Grafik-Performance in virtuellen Maschinen – zumindest, sofern Sie die jeweiligen Gastsystemerweiterungen einrichten, was per Knopfdruck funktioniert. Diese installieren je nach Betriebssystem Treiber für einen flotteren Zugriff auf Netzwerk und Festplatte, welche die Zugriffe nicht über die jeweiligen virtuellen Geräte abwickeln, sondern auf die physischen Geräte des Host-System zugreifen. Das erfolgreiche Installieren sämtlicher Treiber unter VirtualBox erfordert allerdings unter Umständen das Übersetzen eines Kernel-Moduls. Das geschieht zwar weitgehend automatisch, führt aber bei einem Update des Kernels oder von VirtualBox mitunter zu Problemen.

Bei KVM/Qemu erhöhen Sie die I/O-Performance von Festplatten und Netzwerkkarten durch Einsatz so genannter Virtio-Treiber. Die sind für Linux-Gastsysteme in den meisten Distributionen bereits enthalten, während Sie Virtio/KVM-Treiber für Windows-Gastsysteme aktuell in der Version 0.1-30 aus dem Netz [4] herunterladen und bei Installation von Windows mit der Optionen Externe Treiber laden einbinden.

Für eine ordentliche Grafikleistung bei KVM sorgt Spice. Die KVM-Lösung bietet Profis den Vorteil der größeren Flexibilität und Stabilität (immerhin stammt der Code größtenteils von Red-Hat-Entwicklern) und hat sich auch in vielen Virtualisierungslösungen für Unternehmen bewährt.

RDP, VNC, Spice & Co.

Betreiben Sie einen kleinen Server im Heimnetz – etwa als Datei-, Mail- oder Media-Server – erweist es sich gelegentlich als nützlich, die daheim benötigten virtuellen Instanzen auf diesen zu verfrachten. Das setzt aber auf der Seite des Servers eine CPU mit VT-Erweiterung voraus sowie ausreichend Hauptspeicher und eine mittlere durchschnittliche Last. Außerdem benötigen Sie ein schnelles lokales Netz.

3D-Beschleunigung und Gaming-Anwendungen scheiden dann zwar aus, flüssiges Arbeiten mit einer ausreichend großer Auflösung auf dem Gastsystem für den typischen Office-Einsatz stellen aber zumindest mit RDP oder Spice kein Problem dar. VirtualBox hat RDP fest in den Virtual Machine Manager eingebaut.

Möchten Sie die Bildschirmausgabe des virtuellen Systems auf einen RDP-Client umleiten, müssen Sie in den Einstellungen von VirtualBox auf dem Gastsystem bei Anzeige im Tab Fernsteuerung lediglich den RDP-Server einschalten und den zu verwendenden Port festlegen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit den Erweiterungen erhält VirtualBox einen RDP-Server.

Der Vorteil des Virt-Managers im Bezug auf die Bildschirmausgabe des Gastsystems besteht darin, dass er neben VNC das Spice-Protokoll von Red Hat unterstützt [5]. Spice arbeitet wesentlich schneller, setzt aber voraus, dass Sie in der virtuellen Maschine paravirtualisierte Treiber verwenden. Benutzen Sie den Virt-Manager unter Fedora oder RHEL, können Sie Spice nach Installation der benötigten Pakete direkt ausprobieren.

Das Einrichten von Spice erledigen sie über die grafische Oberfläche des Virt-Managers: Dazu stellen Sie in der Konfiguration der virtuellen Maschine in der Sektion Anzeige den Typ von VNC auf Spice um. Ferner wählen Sie in der Sektion Video den QLX-Treiber aus (Abbildung 2). Prinzipiell funktioniert Spice ohne diesen, dann aber nicht in allen Auflösungen. In den Host-Einstellungen des Virt-Managers tragen Sie im Reiter VM-Details im Bereiche Neue VM bei Install Graphics ebenfalls Spice ein.

Abbildung 2: Der QLX-Treiber ermöglicht im Zusammenhang mit Spice den Betrieb bei sehr großen Auflösungen.

Sollen Client und Host Bildschirminhalte und Sound (Spice unterstützt das Übertragen von Audio) in anderen Setups und bei anderen Betriebssystemen über Spice abwickeln, müssen Sie mitunter mehr Aufwand treiben. Zu diesem Thema hat unsere Schwesterpublikation ADMIN Magazin einen Beitrag veröffentlicht [6].

Gnome Boxes bietet zumindest unter Fedora einen funktionierenden Spice-Stack. Bei Fedora 17 mit Gnome 3.4.2 funktioniert das allerdings bisher nur lokal. Freilich lässt sich immer ein dedizierter RDP-Server oder VNC-Server im Gastsystem aufsetzen, sobald dieses installiert ist. Der Zugriff aus der Ferne klappt dann aber nur auf eine bestehende Session. Windows-Systeme haben je nach Versionen einen RDP-Server an Bord. Für Linux gibt es zahlreiche Lösungen zum Nachinstallieren, etwa X2go [7].

Verteilt virtuell

Was nicht jeder weiß: VirtualBox unterstützt mit seinem Headless-Modus, beziehungsweise dem integrierten Vboxwebsrv-Service ebenfalls den Betrieb im Client/Server-Modus. Selbstverständlich könnten Sie die lokale Version von VirtualBox auf ihrem Server installieren (sofern der über eine grafische Oberfläche verfügt), die virtuellen Maschinen dort lokal konfigurieren und über das Netz vom Arbeitsplatz aus via VNC oder RDP auf die Bildschirmausgabe der virtuellen Systeme zugreifen.

Für mehr Eleganz sorgt in einem solchen Szenario der Einsatz eines Clients, der speziell für die Zusammenarbeit mit dem Web/Headless-Modus von VirtualBox konzipiert wurde, wie die auf GTK/Perl basierende Remotebox [8] oder die in PHP geschriebene Phpvirtualbox ([9], Abbildung 3). Beide kommunizieren via SOAP mit dem Vboxwebsrv-Dienst.

Abbildung 3: Phpvirtualbox holt das GUI einer entfernt laufenden VirtualBox-Installation ins Fenster des Browsers.

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