In Szene gesetzt
Slides erstellen mit der LaTeX-Klasse Beamer
Bei einem Vortrag sollte die Präsentation dezent hinter das gesprochene Wort zurücktreten. Keinesfalls darf sie zu bunt und schrill ausfallen oder sinnlose Effekte und Elemente enthalten. Dadurch würde sie gleichsam zu laut und von Ihrem gesprochenen Vortrag ablenken.
Das Layout unterstützt den Inhalt, darf ihn aber nicht verdecken. Wenn Sie Ihre Präsentationen mit LaTeX und der Dokumentenklasse beamer erstellen, können Sie sich ganz auf den Inhalt konzentrieren und zwischen professionellen Vorlagen für ein dezentes und ansprechendes Layout wählen [1]. Bei Bedarf bereiten Sie den Inhalt der Folien als Text für ein Handout auf.
Grundeinstellungen
Alle Grundeinstellungen machen Sie wie bei LaTeX üblich in der Präambel [2]. Listing 1 enthält ein Beispiel für mögliche Parameter. Da Sie aus der gleichen LaTeX-Datei heraus nicht nur die Präsentation für den Bildschirm erstellen, sondern bei Bedarf zusätzlich auch das Handout, enthält die Präambel einen doppelten Eintrag für die Dokumentenklasse.
Listing 1
\documentclass{beamer}
%\documentclass[a4paper,12pt]{article}
%\usepackage{beamerarticle}
\usepackage[utf8]{inputenc}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[ngerman]{babel}
Um aus der LaTeX-Datei die Bildschirmpräsentation zu erstellen, wählen Sie beamer als Dokumentenklasse aus (Zeile 1). Das vorangestellte Prozentzeichen kommentiert die Zeilen 2 und 3 aus, der Compiler berücksichtigt sie also beim Verarbeiten nicht. Zum Erstellen des Handouts, entfernen Sie das Prozentzeichen vor den Zeilen 2 und 3 und schreiben es stattdessen vor Zeile 1 (oder löschen diese Zeile ganz).
In diesem Fall kommt die Klasse article zum Einsatz. Die Angaben in der eckigen Klammer bestimmen das Papierformat und die Schriftgröße (Zeile 2). Das Paket beamerarticle bereitet die Folien als Text auf (Zeile 3). Damit alles korrekt funktioniert, kommentieren Sie unbedingt eine der beiden Klassen aus.
Als nächstes bestimmen Sie die Zeichenkodierung. Die richtige Wahl ermöglicht es, Umlaute und das scharfe S direkt einzugeben (Zeile 4). Linux-Systeme verwenden heute üblicherweise UTF-8. Führt das zu Fehlermeldungen oder einer falschen Anzeige von Zeichen, wählen Sie alternativ als Kodierung ISO 8859-15 (Latin9).
Um Umlaute und das scharfe S direkt einzugeben, wählen Sie für die Ausgabe die T1-Kodierung (Zeile 5). Schließlich stellen Sie noch Deutsch in neuer Rechtschreibung als Sprache ein (Zeile 6). Möchten Sie Ihre Folien in alter Rechtschreibung setzen, geben Sie stattdessen german ohne führendes n als Option für die Klasse an.
Layout wählen
Nun wählen Sie das Layout aus. Ohne Angaben zum Layout erstellt LaTeX schlichte Folien mit weißem Hintergrund, schwarzem Text in einer Schrift ohne Serifen sowie farbigen Überschriften und Hervorhebungen (Abbildung 1). Über die umfangreichen Vorlagen der Klasse ändern Sie bei Bedarf die verschiedenen Elemente des Layouts einer Folie.
Die Klasse beamer bringt fünf Arten von Vorlagen mit [3]. Dabei haben Sie die Möglichkeit, auf komplette Vorlagen zurückzugreifen, die alle Elemente einer Folie ansprechen. Abbildung 2 zeigt eine Folie auf Basis der Vorlage AnnArbor. Alternativ ändern Sie gezielt einzelne Elemente. Die Tabelle "Vorlagen" erläutert, was die Vorlagen bewirken und wie Sie sie einbinden.
Vorlagen
| Art der Vorlage | Funktion | Befehl |
|---|---|---|
| Präsentationsvorlagen | Komplettpaket: Legt Farbe von Text und Hintergrund fest, bestimmt die Attribute der Schrift, die Präsentation des Inhalts und legt fest, ob in jeder Folie Übersichtsleisten mit Titelangaben und Inhaltsübersicht erscheinen. | \usetheme{Theme}.
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| Farbvorlagen | Weisen dem Text und Hintergrund der Folien Farben zu. Die verschiedenen Vorlagen bieten aufeinander abgestimmte Kombinationen. | \usecolortheme{Theme}
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| Schriftvorlagen | Wirken sich auf die Attribute des Textes aus. | \usefonttheme{Theme}
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| Vorlagen für innere Gestaltungselemente | Verändern das Aussehen des Inhalts der Folie und bieten die Möglichkeit, jene Elemente zu verändern, die nicht Farbe und Schrift betreffen. Sie wirken sich auf die Gestaltung der Titelfolie, des Literaturverzeichnisses und der Fußnoten aus und bestimmten die Darstellungsweise von Listen, Aufzählungen und Strukturelementen einer Folie. | \useinnertheme{Theme}
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| Vorlagen für äußere Gestaltungselemente | Sprechen die äußere Gestaltung der Folie an. Sie bestimmen, wo der Titel steht und ob es in jeder Folie Übersichtselemente mit Titelangaben und Inhaltsübersicht gibt, wo diese erscheinen und wie sie aussehen. | \useoutertheme{Theme}
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Was Sie am Layout anpassen, hängt neben dem persönlichem Geschmack von der Art des Vortrags ab. So ergibt eine Inhaltsübersicht in jeder Folie bei einem Vortrag über zehn Minuten wenig Sinn. Bei einer Präsentation über anderthalb Stunden hilft sie dagegen dem Rezipienten, den Überblick zu behalten.
Eine Schrift ohne Serifen hat sich für Präsentationen am Bildschirm bewährt, da kurze Texte auf Distanz in dieser Schrift erfahrungsgemäß am besten zu lesen sind. Möchten Sie der Präsentation aber ein klassisch-konservatives Aussehen geben, dann wählen Sie eine Schrift mit Serifen.
Die Wirkung von Farben sollten Sie nicht unterschätzen. Blau oder Grau wirken sachlich, Gelb oder Grün vermitteln einen frischen und unkonventionellen Eindruck. Rot oder Violett verleihen dem Vortrag eine lebhafte und emotionale Note.
Text und Hintergrundfarbe sollten Sie gut aufeinander abstimmen und für ausreichend Kontrast sorgen, damit der Text leserlich bleibt. Dunkle Schrift auf hellem Hintergrund ist gerade in abgedunkelten Räumen besser zu lesen. Experimentieren Sie mit den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten. So finden Sie aus den umfangreichen Vorlagen das für Sie passende Layout.



