Quasi als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk präsentierten die ZevenOS-Entwickler die neue Version 5 ihrer Distribution. Den besondere Flair von ZevenOS [1] macht dessen Anlehnung an das zwar wenig erfolgreiche, aber dennoch beliebte BeOS [2] aus. Das wurde 1995 als frühes multimedia- und multitaskingfähiges System entwickelt und zeichnete sich durch eine sehr klare Oberfläche aus.
Eigenwillig
Bei ZevenOS handelt es sich um ein als Hobby entwickeltes und gepflegtes Projekt, dass sich mit einer sehr speziellen Zielsetzung – die Ähnlichkeit zu BeOS – und der Festlegung auf schwächere, ältere Hardware an eine eher kleine Zielgruppe wendet. Das Release der aktuellen Version 5.0 wurde nur möglich, weil sich genügend Spender fanden, die es unterstützten. Da es sich bei ZevenOS technisch gesehen um ein von deutschen Entwicklern gepflegtes Derivat des XFCE-basierten Xubuntu handelt, gibt es keine Lokalisierungsprobleme. Selbst die Webseiten stehen weitgehend als deutsche und englische Varianten bereit.
Das Ziele der Distribution lässt sich so zusammenfassen: "Meine Oma soll es bedienen können." [4]. Eine relativ gute Dokumentation und einfache Konzepte sollen für hohe Usability sorgen. Dabei setzt ZevenOS auf eine begrenzte Anzahl von Hotkeys (siehe Tabelle "ZevenOS 5: Wichtige Hotkeys").
ZevenOS 5: Wichtige Hotkeys
| Tasten | Funktion |
|---|---|
| [Strg]+[Tab] | zwischen den Fensters wechseln |
| [Alt]+[1]…[6] | virtuelle Arbeitsfläche wechseln |
| [Druck] | Screenshot erstellen |
| [Strg]+[Esc] | xkill aktivieren
|
| [Strg]+[F2] | Befehlszeile öffnen |
| [Strg]+[Alt]+[T] | Terminal öffnen |
| [Strg]+[Alt]+[D] | Dateimanager öffnen |
| [Strg]+[Alt]+[Entf] | Taskmanager öffnen |
| [Umschalt]+[Alt]+[R] | Windowmanager neu starten |
Das neue ZevenOS 5 basiert auf Xubuntu 12.10, unter der Haube werkeln neben einem Kernel der 3.5er-Serie X.org 7.7 und Pulseaudio 2.1. Da ZevenOS schwächere und ältere Rechner anpeilt, gibt es keine 64-Bit-Variante. Die Distribution bleibt aufgrund ihrer Abstammung weitgehend kompatibel zum Ubuntu-Paketfundus, einige zusätzliche Repositories ergänzen die Software um ZevenOS-spezifische Programme.
Als Dateimanager dient XFCEs Thunar in der Version 1.5.3 – etwas frischer als die Variante von Xubuntu. Als Window-Manager kommt die neueste Version von Sawfish [3] zum Einsatz, statt des bei Xubuntu normalerweise verwendeten XFWM 4. Als Grund dafür nennen die Entwickler die bessere Konfigurierbarkeit von Sawfish: Dieser erlaubt beispielsweise das Platzieren von Buttons links und rechts neben dem Fenstertitel, was für die BeOS-Themes erforderlich ist – XFWM 4 kann da nicht mithalten. Auch lässt sich Sawfish über eine LISP-artigen Programmiersprache in nahezu allen Aspekten weitgehend an die Wünsche des Benutzers anpassen, was viele Vorteile bietet. Alle wichtigen Fenster-Events wie etwa das Verschieben oder Größenänderungen lassen sich mit Skripten verbinden, die entsprechende Aktionen auslösen.
Den funktionellen Schwerpunkt legt ZevenOS eindeutig auf Multimedia. So richtet es beispielsweise gleich den Video-Editor OpenShot mit ein. Er lässt sich im Zusammenspiel mit Gtk-RecordMyDesktop nutzen, um Screencasts aufzunehmen, zu schneiden und gleich auf Youtube hochzuladen.
Installation
Für die Installation steht ein Hybrid-Image zur Verfügung [5], dass sich bei Bedarf mittels dd auch auf einen USB-Stick kopieren lässt. Für das Einrichten auf der Festplatte bringt ZevenOS 5.0 einen angepassten Ubiquity-Installer mit. Ein bei diesem aus dem Ubuntu-Fundus stammenden Tool vorhandener Fehler tritt auch bei ZevenOS auf und verhindert beim Versuch, ein System mit Btrfs-Rootfilesystem zu erstellen, die Einrichtung von Grub.
Ein Upgrade einer bestehenden Xubuntu-Distribution für die i386-Architektur auf ZevenOS ist durch das Hinzufügen der ZevenOS-Repositories zu den Softwarequellen derzeit möglich. Dazu binden Sie als Quelle deb http://zevenos.com/packages/zevenos5/ ./ bei Apt oder Synaptic ein. Das funktioniert tadellos, obwohl sich diese Seiten nicht per HTTP erreichen lassen.



