Schreiben mit Sigil

Natürlich können Sie den Editor von Sigil zum Schreiben Ihrer E-Books verwenden. Dagegen spricht allerdings zweierlei: Zum einen müssen Sie sich an eine neue Software gewöhnen. Das spielt gerade beim Schreiben von Texten eine relativ große Rolle, denn das Schreibprogramm soll den Fluss der Gedanken ja möglichst nicht hemmen. Zum anderen verführt die WYSIWYG-Fähigkeit von Sigil zu einem ausufernden Markup. Ein inflationärer Einsatz von Formatierungen erschwert dem Leser nicht nur das Aufnehmen des Texts, sondern verringert auch die Signalwirkung einer Auszeichnung.

Daher erstellen Sie den Text besser mit dem gewohnten Schreibwerkzeug, etwa mit LibreOffice. Anschließend kommt Sigil dann als Formatierungswerkzeug für die Auszeichnungen sowie für die Layout- und Syntax-Kontrolle zum Einsatz. In dieser Phase können Sie auch Hyperlinks als Verweise für Ihr Dokument setzen. Falls Sie Libre- oder OpenOffice verwenden, steht Ihnen mit Writer2epub [3] sogar ein Plugin für das direkte Konvertieren nach EPUB zur Verfügung. Aber auch hier sollten Sie mit Sigil die Ergebnisse kontrollieren und gegebenenfalls korrigieren. Formatierungen lassen sich erhalten, wenn Sie zum Speichern HTML oder besser gleich EPUB verwenden.

Als Zeichensatz unterstützt Sigil Unicode (UTF-8/16). Damit lassen sich auch "esoterische" Zeichen direkt nutzen. Speziell für viel genutzte Sonderzeichen hält Sigil eine Palette bereit, aus der Sie die benötigten Glyphen direkt auswählen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Oft benötigte Sonderzeichen stellt Sigil in einer Palette bereit. nbsp steht für einen Leerzeichen ohne Zeilenumbruch, die *sp-Varianten für unterschiedlich breite Leerräume.

Eine Reihe von Funktionen, die man bei einer Textverarbeitung im Menü erwarten würde – etwa solche zum Ändern der Schriftgröße – suchen Sie in den Schalterleisten vergeblich. Derartige Änderungen müssen Sie bei Bedarf direkt im Quelltext vornehmen (Abbildung 5). Dort haben Sie aber auch genaue Kontrolle über diese Anpassungen.

Abbildung 3: Viele Anpassungen, wie etwa Zeichensatzgrößen, nehmen Sie direkt im Quelltext vor.

Auch Wechsel im Dokument zu eigenen Schriften lassen sich nur über diesen Umweg erreichen. Für das gesamte Dokument stellen Sie die Schriften als "Aussehen" im Bearbeiten-Menü unter Einstellungen vorab ein. Doch Vorsicht: Erstens gibt es keine Garantie, dass jeder E-Book-Reader diese Schriften auch wirklich gut darstellt. Zweitens lenken spezielle "Schmuckschriften" den Leser eher ab. Drittens müssen Sie die fraglichen Fonts in die Ausgabedateien einbetten, was das E-Book ziemlich aufbläht.

Spezielle Strukturen

Für viele spezielle Strukturen offeriert Sigil gar kein eigenes Werkzeug bereit – ein typisches Beispiel stellen Tabellen dar. Da diese aber durch XHTML bereitgestellt werden, lassen sie sich auch mit Sigil nutzen und bearbeiten. Eine Tabelle definieren Sie in der Quelltextansicht durch die entsprechenden Tags (<table>), sofern das beim Konvertieren aus dem Quelltext noch nicht geschehen ist.

Komplexere, wiederkehrende Strukturen lassen sich bei Sigil als sogenannte Clips zur Verfügung stellen. Sie fügen solche Clips über das Kontextmenü (rechte Maustaste) direkt ein, Beispiele dazu enthält der Menüpunkt Example Clips. Das Werkzeug zum Definieren von Clips erreichen Sie mittels [Alt]+[C] oder über Werkzeuge | Clips.... Es öffnet sich ein neuer Dialog mit einer Liste der vorhandenen Schnipsel (Abbildung 4). Hier wählen Sie entweder – am besten in der Quelltextansicht – den gewünschten Code aus und fügen ihn mittels Clip Einfügen ins Dokument ein oder rufen mit der rechten Maustaste ein Kontextmenü auf, über das Sie neue Clips definieren.

Abbildung 4: Clips enthalten fertigen Code. Neue Clips definieren Sie direkt in der Quelltextansicht.

Sigil legt seine Konfigurationsdateien im Home-Verzeichnis unter .local/share/data/sigil-ebook/sigil/ ab. Dort finden Sie neben Wörterbüchern für die Rechtschreibprüfung und den letzten Such- und Ersetzen-Funktionen und auch die Clips (in sigil_clips.ini). Sie können diese Dateien bei Bedarf auch manuell mit einem Texteditor bearbeiten.

Die Funktionen zum Suchen und Ersetzen verarbeiten auch reguläre Ausdrücke [4] und ermöglichen so das automatische Konvertieren beispielsweise aus LaTeX heraus. Suchanfragen speichert Sigil und stellt sie unter Werkzeuge | Gesicherte Suchen zum erneuten Anwenden bereit. Vorab enthält diese Liste schon einige vorgefertigte, oft benötigte Suchen und Ersetzungen.

Sigil erlaubt das Einbinden von Bildern in den Formaten JPG, GIF, PNG und SVG. Über Einfügen | Bild, [Umschalt]+[I] oder den entsprechenden Schalter in der Werkzeugleiste wählen Sie die gewünschte Bilddatei aus. Zusätzliche Eigenschaften wie die Höhe (height="...") oder Breite (width="...") legen Sie anschließend in der Quelltextansicht fest. Nicht mehr benötigte Bilder entfernen Sie mittels Werkzeuge | Lösche unbenutzte Bilddateien aus dem E-Book. Das klappt analog auch für Style-Sheets.

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