Immer öfter bieten Software-Schmieden ihre Programme auch für Linux an. So offeriert die Kölner Firma Braindistrict [1] ihre Bildbearbeitungstools IFX-Supreme [2] und PaintSupreme [3] sowohl für Mac OS X und Windows als auch für Linux an. Aus unserem Test schied IFX-Supreme wegen eines gravierenden Software-Fehlers jedoch schon frühzeitig aus (siehe Kasten "KO in der ersten Runde". Auch PaintSupreme stellte sich im Laufe des Tests unter manchen Distributionen als komplett oder nahezu unbrauchbar heraus.

IFX-Supreme: K. O. in der ersten Runde

Die Idee hinter IFX-Supreme klingt durchaus spannend und dürfte sicherlich einige Foto-Enthusiasten interessieren: Im Kern geht es darum, Filter und Effekte, etwa Fraktal oder Chromatic Abberation miteinander zu verketten und so eine konstante Verarbeitungsreihe zu erstellen, mit der sich beliebige Bilder in Sekundenschnelle den Vorgaben gemäß anpassen lassen. Allerdings erweist sich die Bedienung des Tools als alles andere als intuitiv und erfordert einige Einarbeitungszeit. Der Grund, warum die Redaktion das Programm aus dem Test nahm, ist jedoch ein anderer. Mit der Trial-Variante lassen sich weder die Filterkette noch damit bearbeitete Bilder speichern. Das ermöglicht erst ein Freischalten durch Eingabe der Seriennummer. Ein Klick auf den Eintrag Help | Enter serial... sollt die zugehörige Eingabemaske öffnen, tat das jedoch im Test nicht. Entsprechend ließ sich die Software nicht lizenzieren und bestimmungsgemäß nutzen.

Installation

Braindistrict bietet PaintSupreme als generisches Installationspaket zum Download an, das keinerlei Abhängigkeiten benötigt und damit auf allen gängigen Linux-Derivaten laufen sollte. Die Lizenz kostet moderate 19,99 US-Dollar. Warum eine deutsche Firma ihr Produkt allerdings in einer Fremdwährung verkauft, bleibt unklar.

Nach dem Download der etwa 50 MByte großen Software gilt, es der Datei Ausführberechtigungen zu geben (Listing 1, Zeile 1). Danach klicken Sie die Datei im Dateimanager an oder starten den Installationsdialog direkt (Zeile 2). Der darauf folgende Setup Wizard beschränkt sich auf die Abfrage, in welches Verzeichnis er die Software installieren soll.

Nach Abschluss des Setups erscheint auf dem Desktop der Startbutton PaintSupreme, einen Eintrag ins KDE-Menü schreibt die Software jedoch nicht. Unter Ubuntu 12.10 funktionierte zwar das Setup, starten ließ sich das Programm jedoch nicht.

Listing 1

$ chmod 500 PaintSupreme-linux-installer.run
$ ./PaintSupreme-linux-installer.run

Erste Schritte

Beim ersten Start fällt das dunkel gehaltene Layout der Arbeitsumgebung auf, das den Blick aufs Bild nicht ablenken soll, aber speziell bei ungünstigen Lichtverhältnissen das Lesen der Menüs erschwert. Die kontextsensitiven und zuweilen wichtigen Zusatzinformationen via Fly-out blendet die Software unter Kubuntu fast unlesbar in schwarzer Schrift mit dunkelgrauem Hintergrund ein (Abbildung 1). Unter OpenSuse 12.1 zeigte die Software diese jedoch korrekt mit beigem Hintergrund und gut lesbar an.

Abbildung 1: Was PaintSupreme in den kontextsensitiven Meldungen anzeigt, lässt sich unter Kubuntu nur erahnen.

Ein Umstellen des Layouts erlaubt die Software ebenso wenig wie das Ändern der englischen Lokalisierung. Wie auch bei IFX-Supreme gilt, dass die Software kein Speichern der Bilder ohne die Eingabe der Seriennummer erlaubt. Allerdings funktioniert hier der Dialog und ermöglicht damit das Freischalten.

Als erstes erscheint die Abfragebox Welcome to PaintSupreme, in der Sie festlegen, ob Sie ein neues Bild erstellen oder ein vorhandenes öffnen möchten (Abbildung 2). Der Dialog Open File zeigt jedoch keinerlei Vorschaubilder an, was die Auswahl des gewünschten Fotos erheblich erschwert.

Abbildung 2: Beim Start zeigt die Software ein Fenster, mit dessen Hilfe Sie unter anderem ein neues Bild erstellen oder ein vorhandenes öffnen.

Das Startfenster enthält am unteren Rand die Checkbox Connect to database to download templates. Bleibt diese beim Öffnen des Bildes aktiviert, erscheint der IFX Filters Download, der alle derzeit verfügbaren Filter anzeigt. Über die Checkboxen unter Install stellen Sie ein, welchen davon Sie mit einem Klick auf den Button Install herunterladen möchten.

Bilder bearbeiten

Die Arbeitsfläche wirkt auf den ersten Blick wie ein abgespeckter Klon von Photoshop. Links befindet sich die Werkzeugleiste, in der Mitte das Bild und rechts Zusatzfunktionen wie der Layer Manager und die Navigation. Lediglich der Punkt Filter Packs hebt PaintSuprem von der Konkurrenz ab. Er ermöglicht das schnelle Anwählen der installierten Filter und zeigt in einem kleinen Vorschaubild deren Wirkung. Nach Auswahl des gewünschten Filters und dem Bestätigen durch Apply erscheint der zugehörige Einstellungsdialog, sofern der Filter denn einen besitzt.

Mit dem Auswahlwerkzeug hat die Software ihre liebe Mühe. So lässt sie sich beispielsweise bei der Anwahl von Bildsequenzen via Zauberstab nicht selten 20 und mehr Sekunden Zeit, bis die Auswahl endlich steht. In Extremfällen, beispielsweise nach dem Erhöhen der Sensitivity, vergeht aber auch mal eine Minute und mehr. Das vollmundige Versprechen, PaintSupreme sei eins der schnellsten Bildbearbeitungsprogramme auf dem Markt, hält die Software also nicht einmal im Ansatz ein. Beim Kombinieren von Zauberstab und Rechteck-Auswahl kam es im Test darüber hinaus auch vor, dass die Auswahl überhaupt nicht mehr funktionierte. Erst ein Neustart des Programms behob den Fehler wieder.

Wer es aus Gimp und Co. gewöhnt ist, viele Einstellungen nach einem Rechtsklick ins Bild via Kontextmenü zu erreichen, wird von PaintSupreme enttäuscht: Lediglich im Auswahlmodus erscheinen einige Einträge, etwa Reselect oder Select all. Weit schwerer wiegt jedoch, dass PaintSupreme sich unter Kubuntu weigert, das bearbeitete Bild in bestimmte Dateiformate zu speichern. Zwar stehen über 30 davon im Dialog zum Speichern zur Auswahl, darunter auch JPEG, TIFF und PNG, jedoch schreibt die Software die Änderungen nur ins Photoshop-Format PSD oder nach PDF.

Bei der Anwahl anderer Formate tut die Software zwar beim dem Beenden des Dialogs so, als hätte sie das Bild gesichert, ein Blick in den Zielordner verrät jedoch das Gegenteil. Unter OpenSuse klappte der Bilderexport hingegen wie vorgesehen.

Fazit

IFX-Supreme scheitert schon durch die Tatsache, dass sich die Seriennummer nicht eingeben lässt. PaintSupreme versagt spätestens beim Speichern der Bilder unter Kubuntu. Lediglich das PSD- und das PDF-Format funktionieren dort tatsächlich. Eine Installation unter Ubuntu 12.10 klappt zwar, der Programmstart schlägt dort jedoch fehl. Lediglich unter OpenSuse funktioniert das Programm wie vorgesehen.

Die meisten der freien Bildbearbeitungsprogramme, allen voran Gimp, leisten erheblich mehr als PaintSupreme. Wenn die Windows- und Mac-OS-Software ähnlich viele Fehler aufweist, stellt sich unweigerlich die Frage, woher die Firma die 10 000 zufriedenen Nutzer nimmt, mit denen sie wirbt. 

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