Jenseits von Ubuntu

Obwohl Valve offiziell nur Ubuntu unterstützt, funktioniert Steam grundsätzlich auch unter anderen Distributionen. Im Test gelang es uns etwa, die Software erfolgreich unter Gentoo zu installieren. Ein Paket hierfür findet sich im Bugtracker der Distribution. Im Entwickler-Wiki von Valve finden sich Verweise auf experimentelle Pakete für zahlreiche andere Linux-Derivate [5].

Neben der Möglichkeit zum Zocken von Spielen bietet Steam zahlreiche direkt in den Client integrierte Community-Funktionen an (Abbildung 5). Ein eingebauter Client fürs Instant Messaging zeigt, wie viele Freunde gerade online sind, und bietet die Möglichkeit, mit diesen zu chatten. Über den Client haben Sie ebenfalls Zugriff auf das Forum auf der Steam-Webseite. Sie erhalten eine Meldung, sobald jemand dort auf einen Ihrer Beiträge antwortet.

Abbildung 5: Neben der Möglichkeit zum Zocken von Spielen bietet der Steam-Client zahlreiche integrierte Community-Funktionen an.

Im Hauptmenü bietet die Software die Möglichkeit, den Steam-Client zu aktualisieren. Steam ersetzt dabei eigenmächtig seine eigene Datei /usr/bin/steam und ignoriert dabei das Paketmanagement der Distribution völlig.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, zu überprüfen, ob die Grafiktreiber auf dem neuesten Stand sind. Doch der Aufruf dieses Menüpunkts führt lediglich zu einer Fehlermeldung – Steam sei nicht in der Lage, die Aktualität des Treibers zu prüfen, heißt es da. Hier liegt die Vermutung nahe, dass ebenfalls die eingesetzte Intel-Karte Probleme bereitete und die Software lediglich die Treiber der Marktführer AMD und Nvidia überprüft.

Fazit

Valve will Linux zur Plattform für Spiele machen. Das stellt für den Linux-Desktop eine enorme Chance dar, gegenüber proprietären Betriebssystemen Boden gut zu machen: Seit langem richten viele Enthusiasten nur deswegen noch ein Windows-System als Dual-Boot ein, damit sie gelegentlich einmal ein aktuelles Spiel zocken können. Der Weg zum Linux-Zocker-PC allerdings erscheint derzeit nach wie vor weit und steinig: Die Beta von Steam weist noch etliche drastische Macken auf. Valve hat aber freilich noch die Chance, diese vor der finalen Version zu beheben.

Entscheidend für den Erfolg dürfte aber werden, ob es dem Publisher auch gelingt, genügend Spiele-Entwickler davon zu überzeugen, einer Linux-Version ihrer Games zu veröffentlichen und dafür zu sorgen, dass diese stabil laufen. Während unter Windows über 2000 Spiele in Steam bereit stehen, gibt es unter Linux bislang nur eine kleine Auswahl. Was aber noch schwerer wiegt: Die wenigsten davon funktionierten auf dem Testsystem – vermutlich kamen bei den Versuchen der Entwickler nur wenige Systemkonfigurationen zum Einsatz.

Die Grafiktreiber bleiben unter Linux ein Sorgenkind. Sobald allerdings mehr 3D-Spiele für Linux bereit stehen, dürfte sich die Situation schnell verbessern. Mit jedem neuen Spiel steigt der Druck auf die Hersteller AMD, Nvidia und Intel, dafür zu sorgen, dass ihre Hardware unter Linux tadellos läuft. Somit profitiert der gesamte Linux-Desktop von Valves Schritt.

Äußerst fragwürdig erscheint die Entscheidung Valves, beim Steam-Client stellenweise das Paketmanagement der Distributionen zu umgehen. Das Unternehmen sollte sich hier besser bemühen, hier mit den Distributoren zu kooperieren. Einige Entwickler wären vermutlich sogar bereit, den Steam-Client direkt zu integrieren. 

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