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Systemüberwachung auf der Konsole

Gedächtniskünstler Atop

Über die Fähigkeiten von Top zur laufenden Darstellung von Systemlast und Prozessen hinaus beherrscht atop [2] auch das Protokollieren der entsprechenden Daten. Damit bietet das Werkzeug die Möglichkeit, Programm- und Lastprüfungen auf einem System beispielsweise über Nacht laufen zu lassen und später auszuwerten.

Dazu dient auch der Aufruf als Daemon: Beim Einrichten des Programms, das sich in den Repositories aller gängigen Distributionen findet, bindet der jeweilige Paketmanager Atop gleich mit in den Systemstartvorgang ein. Darüber hinaus berücksichtigt Atop anders als Top auch die Auslastung von Festplatten und Netzwerkschnittstellen.

Atop: Besonderheiten

Um alle Funktionen von Atop nutzen zu können, müssen Sie die Kernelpatches cnt und acct installieren. Debian bietet diese beim Installieren von Atop gleich mit an.

Abbildung 5 zeigt die Ausgabe des Programms nach dem Aufruf. Im Terminal verwendet Atop eine feste Zeilenbreite von 80 Zeichen. In der oberen Hälfte stellt das Tool die Auslastung der einzelnen Systemkomponenten dar. Neben der CPU erscheinen hier auch der Arbeits- und Auslagerungsspeicher sowie das Netzwerk. Die CPUs beziehungsweise Cores führt Atop grundsätzlich einzeln auf.

Abbildung 5: Atop verwendet bei der Anzeige eine feste Zeilenbreite von 80 Zeichen.

Erreichen die Werte bei PRC (Prozessorlast), NET (Netzwerkauslastung) oder MEM (Arbeitsspeicher) 90 Prozent, bei DSK (Festplatte) 70 Prozent oder bei SWP (Auslagerungspeicher) 80 Prozent, zeigt Atop diese Werte farbig an und kennzeichnet sie damit als kritisch. Die einzelnen Prozesse erscheinen im unteren Teil der Anzeige in mehreren Spalten.

PID steht hier für die ID-Nummer des Prozesses, SYSCPU für die durch Systemaufrufe und USRCPU für die durch den Programmcode selbst verbrauchte CPU-Zeit.

VGROW zeigt den während des zurückliegenden Messintervalls belegten virtuellen Speicher, RGROW den belegten physischen Speicher. RDDSK enthält (abhängig vom verwendeten Kernel) die Zahl der Lesezugriffe auf die Platte oder die Menge der gelesenen Daten. Analog verweist WRDSK auf die Anzahl der physikalischen Schreibzugriffe beziehungsweise die Menge der geschriebenen Daten.

In der Spalte ST findet sich der Prozessstatus. Hier steht N für einen neuen Prozess (innerhalb des zurückliegenden Messintervalls), E für einen beendeten Prozess. Bei Letzterem besagt S, dass er durch ein Signal beendet wurde. Ein C bedeutet, dass der Prozess durch ein Signal beendet wurde und zudem einen Core-Dump abgelegt hat. Bei beendeten Prozessen verweist EXC zudem auf den Exit-Code bei Prozessende.

Den Prozessstatus finden Sie in der Spalte S: Hier stehen R für laufend und S für schlafend. D kennzeichnet einen nicht unterbrechbaren Prozess, Z einen Zombie. Angehaltene Prozesse erkennen Sie an einem T, gerade auslagernde an einem W. Ein mit E markierter Prozess wurde während des letzten Messintervalls beendet.

In den letzten beiden Spalten führt Atop den relativen Anteil des Prozesses an der Prozessorlast (CPU) sowie den zugehörigen Programmnamen (CMD) auf.

Was genau Atop auf welche Weise anzeigen soll, bestimmen Sie bei Bedarf beim Programmstart über Optionen. Daneben steuern Sie das Programm zur Laufzeit mit einigen Tastendrücken. Die Tabelle "Atop: Optionen und Steuerung" zeigt die wichtigsten Möglichkeiten auf.

Atop: Optionen und Steuerung

Anweisung

Befehlsoption

Steuerung

Daten aller Prozesse anzeigen -a [A]
Rückwärts in Prozessliste blättern [Strg]+[B]
Anzeige des Kommandoaufrufes -c [C]
Plattenzugriffsbezogene Daten -d [D]
Vorwärts in Prozessliste blättern: [Strg]+[F]
Standard-Informationsanzeige -g [G]
Prozess beenden [K]
Netzwerkauslastung (kernelabhängig) -n [N]
Daten nach Programmnamen zusammenfassen -p [P]
Lesen aus Datei -r Datei
Daten nach Benutzer zusammenfassen -u [U]
Ausführliche Anzeige -v [V]
Log in Datei speichern -w Datei
Atop beenden [Q]

Soll Atop die Anzeige alle drei Sekunden auffrischen, rufen Sie es mit atop 3 auf. Möchten Sie eine Minute lang alle 20 Sekunden einen Schnappschuss des Systemzustandes in eine Datei speichern, verwenden Sie den Aufruf

$ atop -w Datei 60 3<C>.

Mit atop -r Datei lesen Sie eine solche Log-Datei zum Auswerten wieder ein. Alle Voreinstellungen für Atop können Sie in der Konfigurationsdatei ~/.atoprc) hinterlegen. Sie bestimmen darin die kritischen Grenzen für die Werteanzeige in der Warnfarbe, die Häufigkeit der Messungen und die Aufrufoptionen. Genaue Erklärungen finden Sie in der Manpage des Programms.

Übersichtliches Htop

Recht übersichtlich und gleichzeitig komfortabel wirkt die Oberfläche von htop [3]: Das Tool stellt die Auslastung der CPUs, des Arbeits- und des Auslagerungsspeichers numerisch und mit einem farbigen Balken dar. Die Startoptionen fallen mehr als übersichtlich aus: Mit dem Aufruf

$ htop -d Zehntelsekunden

bestimmen Sie das Auffrischintervall für die Anzeige, und wenn Sie die Prozesse nur eines bestimmten Benutzers sehen möchten, verwenden Sie den Schalter -u Benutzer.

Hinsichtlich der Anzeige des Systemzustandes gibt sich Htop recht wortkarg und zeigt lediglich die Anzahl der Tasks, die Uptime und die durchschnittliche CPU-Auslastung an (Abbildung 6). Dafür bietet das Programm einigen Komfort bei der Prozesssteuerung. Die einzelnen Prozesse führt Htop in der Grundeinstellung in einer Baumansicht auf.

Abbildung 6: Übersichtlich und komfortabel: Htop lässt sich weitgehend über die Cursor- und Funktionstasten bedienen.

Über die Funktionstasten [F1] bis [F10] steuern Sie das Programm. Ein Druck auf [F1] fördert eine kurze Hilfe zutage. [F2] führt in ein Konfigurationsmenü, in dem Sie beispielsweise bei Bedarf die vorgegebene Ansicht um weitere Felder ergänzen. Beim Verlassen durch Drücken von [F10] notiert Htop die Einstellungen automatisch in seiner Konfigurationsdatei ~/.htoprc.

TIPP

Manche Terminals behandeln Funktionstasten auf ihre Weise: So werten Gnome-terminal und Lxterminal [F10] als Menüaufruf aus. Das lässt sich aber bei beiden über die Einstellungen ändern. Sollte sich das von Ihnen verwendete Terminalprogramm ebenso verhalten, aber nicht umkonfigurieren, beenden Sie Htop alternativ mit [Q].

Das Beenden eines Prozesses geschieht wie bei den anderen Top-Varianten zweistufig: Bei Htop springen Sie mit den Pfeiltasten in die betreffende Listenzeile und drücken die Taste [F9] oder alternativ [K] (Abbildung 7). Anschließend wählen Sie in der linken Spalte das an den Prozess zu sendende Signal aus (Abbildung 8). Analog bietet das Programm in vielen Situationen Wertelisten für verschiedene Parameter an, was die Arbeit mit Htop äußerst bequem macht.

Abbildung 7: In Htop markieren Sie einen Prozess einfach durch Anwählen mit den Cursortasten.

Abbildung 8: Für das Senden von Signalen bietet Htop eine komfortable Auswahlliste.

Neben den über die Funktionstasten erreichbaren Funktionen kennt Htop einige weitere für die tägliche Arbeit nützliche Tastaturkürzel für die Bedienung. Eine Übersicht dazu bietet die Tabelle "Htop: Tastenkürzel".

Htop: Tastenkürzel

Anweisung

Taste

Anzeige offener Dateien eines Prozesses (benötigt lsof) [L]
Verfolgen von Bibliotheksaufrufen (benötigt ltrace) [Umschalt]+[L]
Prozesse nach Speicherverbrauch sortieren [Umschalt]+[M]
Prozesse nach CPU-Last sortieren [Umschalt]+[P]
Verfolgen von Systemaufrufen (benötigt strace) [S]
Prozesse nach kumulierter Zeit sortieren [Umschalt]+[T]
Anzeige auf einen Benutzer eingrenzen [U]
Htop beenden [Q]
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