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© Ayla87, sxc.hu

Ab in die Wolke

Grive – ein freier Client für Google Drive

20.12.2012 Die Cloud erfreut sich wachsender Beliebtheit als Speicherplatz. Mit Grive gibt es zwar einen freien Client für Google Drive, doch der stammt nicht aus offiziellen Quellen – und weist deshalb einige Einschränkungen auf.

Schon wieder ist es passiert: Das Internet revolutioniert erneut die Welt. In einem schleichenden Prozess verlagern sich immer mehr Anwendungen mitsamt des Speichers zum Ablegen der Dokumente vom heimischen PC auf Server im Netz. Die Vorteile liegen auf der Hand: Unkompliziert greifen Sie von verschiedenen Geräten auf dieselbe Daten zu.

Dies kommt nicht nur dem einzelnen Nutzer zu Gute, der nun mit seinem Tablet auf die Office-Datei zugreift, die er eine Stunde zuvor mit dem Laptop bearbeitet hat. Es ermöglicht auch eine effizientere Formen von räumlich und personell verteiltem Arbeiten. Schon 2006 erkannte Google den Trend und startete den damals "Google Docs" benannten Service.

Seit April 2012 hat das Unternehmen dieses ehemalige Office-Paket für den Browser zu einem vollständigen Cloud-Speicher erweitert, der nun auf den Namen "Google Drive" hört. Während es für Windows, Mac OS X und diverse mobile Betriebssysteme bereits offizielle Drive-Clients gibt, bleibt Linux bislang außen vor. Das Konsolentool Grive versucht, diese Lücke zu füllen.

Startklar machen

Die meisten Distributionen führen Grive derzeit noch nicht in ihrem offiziellen Software-Bestand. Wer schnell zum Ziel kommen möchte, schaut deshalb in die Download-Sektion der Grive-Homepage [1]: Dort finden sich zumindest Debian-Pakete. Auch stellen Dritte vereinzelt Quellen bereit: So existiert etwa ein PPA für Ubuntu (Listing 1).

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:nilarimogard/webupd8
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install grive

Abgesehen von Sicherheitsfragen und Problemen bei der Kompatibilität empfiehlt es sich derzeit jedoch vor allem aus einem Grund, die Software selbst zu kompilieren: Aktualität. Da das Projekt noch sehr jung ist, dürfte der Funktionsumfang die Ansprüche eher zufrieden stellen, wenn sich der Client auf dem aktuellsten Stand befindet.

Für die Installation von Hand beziehen Sie zunächst den Quellcode aus dem Git-Repository (Listing 2, Zeile 1). Er befindet sich danach im Verzeichnis grive, in welches Sie nun wechseln (Zeile 2). Anschließend stoßen Sie den Build-Lauf an (Zeilen 3 und 4). Falls Sie zu einem späteren Zeitpunkt die Quellen aktualisieren möchten, verwenden Sie dazu den Git-Befehl git pull origin master im gleichen Verzeichnis.

Listing 2

$ git clone git://github.com/Grive/grive.git
$ cd ./grive
$ cmake .
$ make

Jetzt legen Sie im Verzeichnisbaum einen Platz an, wohin Sie zukünftig die Inhalte von Google Drive synchronisieren möchten. Listing 3 verwendet dazu in der ersten Zeile den Pfad googledrive im Home-Verzeichnis. Derzeit müssen Sie Grive auch direkt im angegebenen Verzeichnis auszuführen: Das Tool kennt noch keine Optionen, um einen Pfad via Parameter zu lesen.

Listing 3

$ mkdir $HOME/googledrive
$ ./grive -a

Falls Sie für verschiedene Google-Accounts die Synchronisation konfigurieren möchten, empfiehlt es sich, jeweils eigene Unterverzeichnisse anzulegen und in jedes davon die Grive-Binärdatei zu kopieren. Sie dürfen dabei keine ineinander verschachtelten Ordner anlegen.

Da der Client sich noch im Alpha-Stadium befindet, sollten Sie bei wichtigen Daten Vorsichtig walten lassen: Möglicherweise ist es hier ratsam, für denselben Google-Account mehrere Unterverzeichnisse anzulegen und so Sicherungen verschiedener Versionsstände auf der lokalen Platte zu halten: Ein Datenverlust aufgrund eines Bugs in der Software lässt sich nicht ausschließen.

Nun braucht Grive noch die Erlaubnis, auf das Google-Konto zuzugreifen. Dazu rufen Sie das Programm mit dem Parameter -a auf (siehe Listing 2, Zeile 2). Die Konsole zeigt nun einen Link an, den Sie in einen Browser kopieren und sich dort am gewünschten Account anmelden. Daraufhin generiert der Server einen Schlüssel zum Authentifizieren, den Sie nun wieder zurück in das Konsolenfenster kopieren, in dem Sie Grive gestartet haben. Nun darf das Client-Programm auf das Konto und den damit verbundenen Speicherplatz zugreifen.

Über den Wolken

Nach einem parameterlosen Aufruf synchronisiert Grive das Verzeichnis sowie dessen Unterverzeichnisse. Möchten Sie den Vorgang automatisieren, packen Sie den Aufruf entweder in einen Cronjob oder stoßen einen Sync-Vorgang immer dann an, wenn Änderungen an der lokalen Kopie des Verzeichnisses auftreten: Im Web findet sich ein Beispiel, wie Sie mittels Inotify die Startup-Skripte des eigenen Systems entsprechend ergänzen [2].

Normalerweise synchronisiert das Programm in beide Richtungen, lädt also die aktuellste Version einer Datei entweder hoch oder herunter. Genauere Informationen darüber, in welche Richtung der Client derzeit überträgt, liefert er im Verbose-Modus (-V). Durch Aufruf von ./grive -f erzwingen Sie gegebenenfalls, dass die Software die Daten in jedem Fall nur herunterlädt und damit Lokales überschreibt.

Im Test synchronisierte das Programm vorhandene Daten zuverlässig. Mehrfach verschachtelte Verzeichnisse erwiesen sich dabei als kein Problem. Jedoch funktionierte dies alles nur für die gewöhnlichen, in der Ablage gespeicherten Dateien. Mit Google Docs erzeugte Dokumente ignoriert Grive.

Falls Sie Ihre Daten aus Sicherheitsgründen verschlüsseln, beachten Sie, dass Grive Dateien immer komplett überträgt, also nicht nur die geänderten Bytes. Dies kostet bei einem sehr großen Truecrypt-Container unter Umständen einiges an Ressourcen. Daher bietet es sich als Alternative an, gezielt einzelne Unterverzeichnisse mit besonders sensiblen Dateien via EncFS [3] zu verschlüsseln.

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