Ergonomie

In Sachen Ergonomie gibt LinuxAdvanced Anlass zu herber Kritik. Grund ist die Entscheidung für die Desktop-Umgebung Gnome. Die hat mit ihrer Abkehr von der klassischen Menüstruktur seit Version 3 einen Paradigmenwechsel vollzogen, mit fatalen Folgen für die Ergonomie. So gilt es beim Aufruf neuer Programme ständig weite Wege mit der Maus quer über den gesamten Bildschirm zurückzulegen, denn der Desktop springt nach dem Beenden einer Applikation in die Grundstellung zurück.

Da heutzutage überwiegend Breitbildmonitore zum Einsatz kommen, fallen die weiten Wege umso lästiger aus. Vor allem für Anwender auf mobilen Systemen erweist sich die Arbeit oft als Tortur: Hier kombinieren die Hersteller breite Monitoren mit einem langsam arbeitenden Touchpad. Als Ausweg bleibt nur eine extern angeschlossene Maus. Selbst auf dem Testsystem, einem IBM Thinkpad mit Trackpoint, gestaltete sich die Navigation schwierig.

Hinzu kommt, dass in den meisten Schulen Pädagogen in heterogenen Umgebungen arbeiten. Die klassische Struktur des Menüs bei Microsoft-Betriebssystemen bis Windows 7 ist den meisten Pädagogen und Administratoren geläufig. Jeder Anwender von LinuxAdvanced muss nun zusätzlich ein völlig anderes Bedienkonzept verinnerlichen.

Andere Desktops wie XFCE oder LXDE mögen zwar optisch nicht an die unaufdringliche Eleganz von Gnome heranreichen, aber sie erleichtern den Zugang zu Linux als Betriebssystem, weil der Nutzer gewohnte Konzepte vorfindet.

Kernfrage

Ein weiterer massiver Kritikpunkt an LinuxAdvanced entsteht durch den verwendeten Kernel: Die Entwickler nutzen hier den Kernel 3.2.0 in der PAE-Version. Diese Kernel-Variante eignet sich nur für Maschinen, deren CPU über eine Erweiterung der Paging-Einheit verfügt, um mehr als 4 GByte RAM zu adressieren.

Zwar beherrschen alle aktuellen PC-Prozessoren diese Technologie; etwas älteren, für aktuelle Anforderungen noch recht leistungsfähige Prozessoren wie dem Intel Pentium M fehlt sie jedoch. Daher läuft LinuxAdvanced auf den entsprechenden Maschinen nicht.

Insbesondere vor dem Hintergrund der mageren Hardware-Ausstattung, über die selbst viele weiterführende Schulen in Deutschland verfügen, erscheint der Einsatz des PAE-Kernels unverständlich. Auch Schüler, die ein kleines Budget haben und daher noch ein Notebook mit einer älteren Centrino-CPU nutzen, haben keine Möglichkeit, das System zu installieren.

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