Großbritannien gilt bislang nicht eben als Hochburg freier Software. Mit SolusOS gelingt es jedoch einigen britischen Entwicklern, eine gleichermaßen distinguiert wie solide wirkende Distribution vorzustellen.
Gnome gehörte lange Zeit mit Abstand zu den beliebtestes Desktops unter Linux. Mit der Freigabe von Gnome 3 wandten sich viele Anwender allerdings alternativen Oberflächen wie XFCE oder LXDE zu, da das neue Bedienkonzept sehr gewöhnungsbedürftig erschien. Mit dem aus Großbritannien stammenden SolusOS 1.2 “Eveline” steht jedoch eine aktuelle Distribution bereit, die Debian “Squeeze” als Basis mit Gnome 2.30 als Desktop verbindet und dabei eine gute Figur abgibt.
Basissystem
Auf der Website von SolusOS [1] beschreiben die Entwickler die noch junge Distribution als schlank, aber trotzdem sofort einsatzbereit – auch ohne Nachladen von Multimedia-Codecs oder anderen Paketen. Das Betriebssystem steht dabei in mehreren Varianten zum Download bereit. Für die 32-Bit- und 64-Bit-Varianten liefern die Entwickler zwei unterschiedliche Kernel-Versionen.
Für moderne Systeme enthält das System einen PAE-Kernel. Daneben existiert eine weitere Version für Hardware ohne PAE-Unterstützung. Die meisten vor 2006 gebauten PCs mit Einkern-Prozessor unterstützen PAE noch nicht, ein entsprechender Kernel bringt in solchen Fällen nichts.
Zusätzlich steht SolusOS in einer ebenfalls für unterschiedliche Hardware und CPU-Architekturen optimierten Variante für ältere Maschinen bereit. Diese Legacy-Version verfügt über Kernel 3.0.0 und umgeht damit einige Probleme des ansonsten verwendeten Kernels 3.3.6 mit speziellen Grafikchipsätzen von Nvidia- und Broadcom-LAN-Karten.
Die unterschiedlichen ISO-Images fallen jedoch trotz verschiedener Kernel etwa gleich groß aus: Mit jeweils knapp 1 GByte Umfang ist der Betrieb des Systems von CD-ROM allerdings nicht mehr möglich.
Nach dem Start empfängt das System Sie mit einer selbst für Gnome-2-Verhältnisse spartanisch anmutenden Oberfläche. Auf das Panel am oberen Bildschirmrand verzichteten die Entwickler ganz. Die am unteren Rand befindliche Leiste weist nicht die drei von Gnome her bekannten Menügruppen Anwendungen, Orte und System auf, sondern lediglich einen schlichten Starter Menu. Ein Klick verzweigt in ein Untermenü, in dem sich die gewohnten Untergruppen befinden. Auf dem Desktop liegen ansonsten nur noch vier Icons.
Software
Die bereits im Live-Betrieb vorhandene Software-Auswahl des Systems lässt vergessen, dass die Basis Debian für ihre äußerst konservative Release-Politik bekannt ist: Alle Applikationen befinden sich auf einem recht aktuellen Stand. Unter der Haube arbeiten ebenfalls moderne Komponenten: So befindet sich die GCC-Compiler-Collection bei Version 4.4.5, die Coreutils entsprechen Version 8.5.
Eine Besonderheit von SolusOS stellen die integrierten Firmware-Pakete dar. Bekanntlich haben immer noch nicht alle Hardware-Hersteller wahrgenommen, dass Linux eine ernstzunehmende Größe im Betriebssystemmarkt darstellt und liefern für ihre Produkte proprietäre Firmware, ohne deren Integration in das System die betroffene Hardware nicht anspricht. Insbesondere bei einigen WLAN-Komponenten, aber auch bei manchen WWAN-Karten sowie bei vielen TV-Sticks erweist sich die fehlende Firmware als ein Ärgernis, weil es gilt, diese – sofern die Hersteller überhaupt eine solche anbietet – aus dem Internet zu beschaffen.
Die Entwickler von SolusOS implementieren deshalb von Haus aus eine stattliche Anzahl von Firmware-Paketen, sodass Sie bei Einsatz einer eigentlich problematischen Komponente nicht erst im Internet auf die Suche nach einer passenden Firmware-Datei zu gehen brauchen [2].
Die Live-Variante bietet wie bei den meisten Distributionen einen Starter Install SolusOS auf dem Desktop, über den Sie das Betriebssystem auf der Festplatte installieren. Der Installer führt Sie in wenigen Schritten und mit etwa fünfzehn Minuten Zeitaufwand zu einem fertigen System (Abbildung 1).
Nach erfolgreicher Installation finden Sie im Startmenü in der Rubrik Kategorien die gewohnten Programmgruppen sowie (optisch abgesetzt am unteren Rand) eine Gruppe Kontrollzentrum. In dieser versammeln sich alle Werkzeuge für die Konfiguration des Systems – allerdings in Form einzelner Applikationen. Ein Kontrollzentrum im Stil von Mandriva oder OpenSuse gibt es nicht.
Einige Programme fehlen im Repertoire, wie etwa Gimp. Um diese oder andere gewünschte Software zu installieren, finden Sie im Menü Kontrollzentrum | System das altbekannte Synaptic. Es bietet mehr als 32?000 Programme zur Installation an, sodass Sie für nahezu jeden Zweck die passende Software finden.
SolusOS greift dabei auf die Debian-Repositories zu sowie auf eigene Paketarchive zurück, wobei letztere meist die aktuellere Version enthalten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, weitere Repositories in das System einzubinden.
Das Untermenü Spiele erweist sich als ungewöhnlich. SolusOS verzichtet in der Standardkonfiguration auf die Installation von Spielen und bietet stattdessen lediglich den Eintrag PlayOnLinux an, der über einen Assistenten unterschiedliche Spiele aus dem Internet auf die Platte packt. Dazu benötigt er eine funktionierende Netzwerkverbindung, die Sie aber dank des passenden Assistenten mit wenigen Mausklicks einrichten.
Bei PlayOnLinux handelt es sich um ein auf Spiele spezialisiertes grafisches Frontend für die Windows-kompatible Laufzeitumgebung Wine. Die haben die Entwickler in Version 1.0.1 integriert, sodass dieser Teil keine weitere Konfiguration erfordert. Sollte eine neuere Version von Wine für den Ablauf eines Programms nötig sein oder zusätzliche Applikationen und Schriften, so lädt das Framework diese automatisch nach. Die über PlayOnLinux installierten Programme erhalten jeweils ein Icon auf dem Desktop und zusätzlich im Startmenü (Abbildung 2).
Fazit
Im Praxistest kann SolusOS weitgehend überzeugen. Besonders der im Vergleich zu vielen anderen Distributionen verbesserte Support exotischer Hardware weiß zu gefallen. So kommt SolusOS problemlos mit mäßig kooperativen Grafikkarten zurecht, und dank der bereits integrierten Firmware für viele WLAN-Komponenten ließ sich das etwas heikle Testsystem sofort ins Intranet integrieren.
Das einzige Manko des Allrounders stellt die derzeit noch etwas unvollständige deutsche Lokalisierung dar. So kommt es gelegentlich vor, dass trotz korrekter deutscher Spracheinstellungen Menüpunkte in englischer Sprache auftauchen. Aufgrund der soliden Basis Debian “Squeeze” / Gnome 2.30 erfreut das System zusätzlich durch geringen Ressourcenverbrauch und enorme Stabilität.
Die riesigen Repositories von Debian erlauben es obendrein, das Betriebssystem stark zu individualisieren. SolusOS empfiehlt sich damit als echte Alternative für alle Anwender, die ein stabiles und ausgereiftes System suchen, das jedoch nicht altbacken wirkt und aktuelle Software integriert.
Glossar
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PAE
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Die Physical Address Extension erlaubt es, auf 32-Bit-Systemen mehr als die eigentlich maximal möglichen vier GByte Arbeitsspeicher zu adressieren, sofern die CPU über mehr als 32 Adressleitungen verfügt.
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Legacy
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Engl. für Erbe. In der IT eine Umschreibung für veraltete Technik.








Hallo Liebe Community Mein Name ist Stefan Gronewold aka groni. Ich bin seit dem 01.06.2012 SolusOS User. Ich möchte wenn auch ein bisschen spät zum ersten Herrn Luther danken der es ermöglichte, das auf meiner Anfrage hin ein Bericht von SolusOS im Linux-User-Magazin erschienen ist. Zum zweiten möchte ich dem Author den Herrn Bärwaldt danken, für den wirklich tollen Artikel zur DVD. Nun habe ich nur noch zu erzählen das von SolusOS ein neues Release erschienen ist. Am 14 Januar 2013 erschien SolusOS 2 alpha 6 als nächste testing Version. Es basiert auf Debian Wheezy also dem nächsten stable von… Mehr »