Ebenen

Bei Anmerkungen im PDF-Datenformat handelt es sich per Definition um Elemente, die in einer separaten, zusätzlichen Ebene im Dokument landen, dem sogenannten Annotation Layer. Diese Ebene ist unabhängig vom Rest des PDF-Dokuments [7]. Das ermöglicht es, die Anmerkungen zu ändern, zu verschieben oder zu löschen, ohne den übrigen Inhalt des Dokuments zu verändern.

Speichern Sie ein PDF, legt die Software beide Ebenen im gleichen Dokument ab, behandelt sie aber weiterhin als separate Objekte [8]. Das PDF-Anzeigeprogramm legt dann beide Ebenen so übereinander, sodass die Anmerkungen an der richtigen Stelle im Dokument erscheinen.

Bei der Recherche für diesen Beitrag zeigte sich aber, dass das Speichern von Kommentaren in PDF-Dokumenten nicht einheitlich abläuft. Je nachdem, welches Werkzeug Sie zum Erstellen verwenden, landen Anmerkungen entweder im Sinne der PDF-Spezifikation in der passenden Ebene – oder aber als Grafikobjekt in der gleichen Ebene wie der übrige Text.

Dem Betrachter des PDF fällt der Unterschied auf den ersten Blick kaum auf, da beides nahezu gleich aussieht. Er erblickt zwar nur die Elemente, die das PDF-Anzeigeprogramm unterstützt und darstellt, doch dabei handelt es sich nicht notwendigerweise um alles, was das PDF-Dokument tatsächlich enthält. Das hängt von der Implementation der verwendeten Werkzeuge ab.

Die Ursachen liegen einerseits im Reifegrad der Bibliothek, gegen die das PDF-Anzeigeprogramm gelinkt ist (Xpdf, Cairo oder Poppler) und andererseits darin, in welchem Umfang das PDF-Anzeigeprogramm die Funktionen aus der PDF-Bibliothek nutzt.

Nur bestimmte Applikationen zeigen Anmerkungen und Kommentare vollständig und korrekt an. Das zeigt der Vergleich einer identischen Textstelle, einmal in Okular (Abbildung 2) und einmal in EPDFview (Abbildung 3). Im Test fielen der Adobe Reader und Okular diesbezüglich positiv auf. Ghostview, Xpdf, Evince, EPDFview, Pdfedit, Mupdf, Zathura und der Foxit Reader scheiterten dagegen in der einen oder anderen Weise an der Aufgabe.

Abbildung 2: Vollständige Anzeige der Kommentare mit Okular.
Abbildung 3: Anzeige der Kommentare mit EPDFview.

Um zu überprüfen, ob eine PDF-Software mit Anmerkungen und Kommentaren korrekt umgeht, probieren Sie das LaTeX-Dokument aus Listing 2 aus. Zum Einsatz kommt hier das Paket pdfcomment, mit dem Sie Notizen direkt im LaTeX-Quelltext hinzufügen. Diese Kommentare entsprechen dabei der PDF-Spezifikation. Unter Debian und Ubuntu gehört pdfcomment zum Archiv texlive-latex-extra.

Listing 2

\documentclass{article}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[utf8]{inputenc}
\usepackage{german}
\usepackage{pdfcomment}
\begin{document}
Dieser Satz
\pdfcomment[subject={Rechtschreibung},author={Frank},opacity=0.5]
{Hier fehlt ein Verb: hat}
kein Verb.
\end{document}

Für Kommentare, die Sie direkt in der aktuellen Zeile einfügen möchten, nutzen sie das Kommando \pdfcomment, für solche auf dem Rand \pdfmargincomment. Der Einfachheit halber kommen im Beispiel nur die Optionen subject (für den Titel), author (für den Namen des Kritikers) und opacity (für den Deckungsgrad) zum Einsatz.

Nachdem Sie das LaTeX-Dokument mit PDFLaTeX übersetzt haben, öffnen Sie die Datei mit Okular und sehen eine blaue Box in der Mitte des Satzes (Abbildung 4). Fahren Sie mit der Maus darüber, so blendet das Programm die hinterlegten Zusatzinformationen ein. Unterhalb des Autorennamens erscheint der knappe Kommentar "Hier fehlt ein Verb: hat".

Abbildung 4: Okular zeigt den in LaTeX eingefügten Text mit geöffneter Anmerkung problemlos an.

Anmerkungen hinzufügen

Es gibt nicht viele freie Programme, die in der Lage wären, Anmerkungen und Ergänzungen zu bereits vorliegenden PDF-Dokumenten hinzuzufügen. In den Fokus rücken Xournal [9], Okular, Pdfedit [10] und Flpsed [11]. Als kommerzielle Alternativen kämen Online-Dienste, wie PDFescape [12] oder das Java-Programm PDF Studio [13] in Frage.

Die ersten vier genannten Werkzeuge stehen als stabile Pakete für Debian und Ubuntu in den Repositories bereit. Der Hersteller von PDF Studio bietet auf seiner Webseite ebenfalls Debian-Pakete für 32- und 64-Bit-Systeme an, diese weisen jedoch einen Umfang von mehr als 50 MByte auf.

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