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© Grzegorz Rejniak, sxc.hu

Ausgelatscht

Windows 8 und Linux im Dualboot

21.11.2012
Microsoft setzt wieder einmal mehr auf Kosmetik als auf Innovation – trotz neuer Oberfläche verfolgt Windows 8 beim Booten im Wesentlichen die selben rückständigen Konzepte wie seine Vorgänger.

Schlechte Angewohnheiten legt man nur schwer ab. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern offenbar auch für Betriebssysteme – zumindest, wenn sie aus Redmond kommen. 1982 durfte MS-DOS 1.25 noch getrost annehmen, sich allein auf dem Boot-Medium zu tummeln – schließlich startete es von Diskette. Festplatten spielten erst ein Jahr später ab MS-DOS 2.0 für den neu heraus gebrachen IBM PC eine Rolle.

Zehn Jahre später hätte Microsoft zumindest wissen können, dass die Koexistenz mit anderen Betriebssystemen künftig wichtig werden würde. Technisch wäre das schon damals kein Problem gewesen, wie 1992 OS/2 2.1 für Windows 3.1 demonstrierte: Es integrierte eine entsprechende Microsoft-Installation beim Einrichten gleich mit. Auch andere reizvolle OS-Alternativen standen bereits zu Verfügung, nicht zuletzt verschiedene PC-Unixe. In Finnland fand gerade ein von einem Studenten zusammengestrickter, unixoider Betriebssystemkern mit dem seltsamen Namen "Linux" zu einer passenden Lizenz: der GPL.

Dieser Kernel paarte sich in den darauffolgenden Jahren eng mit den Userland-Tools des GNU-Projekts, und das resultierende Betriebssystem GNU/Linux wurde schnell derartig populär, dass Microsoft gut beraten gewesen wäre, eine Parallelinstallation auf Windows-Rechnern zu unterstützen. Aber auch 2002 ignorierte Windows XP nach wie vor fröhlich die Tatsache, dass es außer in Redmond auch andernorts interessante Betriebssysteme gab.

30 Jahre nach MS-DOS 1.25 wirkt 2012 auch Windows 8 in dieser Hinsicht noch völlig zurückgeblieben: Wie die Vorgänger bügelt es bei der Installation ungefragt seinen Bootsektor auf die Festplatte, auch wenn dort bereits ein anderer Bootloader liegt. Dabei ignoriert Microsoft penetrant die Tatsache, dass Millionen Anwender Windows nicht als alleiniges Betriebssystem verwenden möchten, ja noch nicht einmal als primäres OS.

Apropos primär: Während sich moderne Betriebssysteme wie Linux mit einer beliebigen Ecke auf der Festplatte begnügen – Hauptsache, dort bleibt noch genügend freier Platz – versteift sich Windows 8 in antiquierter Manier auf die Installation in einer primären Partition. Dies ist denn auch die erste Hürde, die es zu überwinden gilt, will man Windows 8 auf einem Linux-Rechner einrichten.

Platz schaffen

Zwar besteht Windows 8 auf der Verwendung einer primären Partition, doch diese muss nicht zwangsläufig ganz vorne auf der Platte liegen. Das eröffnet die Möglichkeit, im Falle eines Falles eine bereits bestehende erweiterte Partition zu verkleinern, um Platz für das Microsoft-Betriebssystem zu schaffen. Dies erledigen Sie am besten bereits vorab unter Linux mithilfe eines Tools wie Gparted (Abbildung 1). Mit diesem legen Sie auf dem freigeschaufelten Platz sinnigerweise auch gleich eine neue primäre Partition für Windows an.

Abbildung 1: So geht's: Windows 8 benötigt eine primäre Partition, hier /dev/sda4. Weitere Laufwerke, etwa für Daten oder eine Auslagerungsdatei (hier /dev/sda6), dürfen sich in einer logischen Partition befinden.

Optional spendieren Sie Windows 8 auch noch, wie von Linux gewohnt, eine eigene Swap-Partition. Eine dort lagernde Auslagerungsdatei müssen Sie allerdings später in den Systemeigenschaften von Windows unter Erweitert | Leistung manuell einrichten und aktivieren. Immerhin ist es Windows egal, wo diese sich befindet – sie darf auch in einer erweiterten Partition liegen. Über die angemessene Größe scheiden sich die Geister: 1,5 mal Hauptspeicher gilt als Faustregel, doch bei aktuellen Hauptspeichergrößen von 4 GByte und mehr betreiben viele Windows-Nutzer das Betriebssystem auch problemlos ganz ohne Auslagerungsdatei.

Die Windows-8-Partition selbst sollte wenigstens 12 GByte groß sei, um später im laufenden Betrieb nicht binnen Kurzem vollzulaufen. Das genügt aber lediglich für erste Experimente mit dem Betriebssystem – möchten Sie über den Lieferumfang hinaus Programme einrichten, gilt es entsprechenden Platz hinzuzurechnen. Das gilt auch dann, wenn Sie Windows 8 ein zusätzliches Laufwerk für Daten (auch das darf in einer logischen Partition liegen) spendieren: Das Microsoft-Betriebssystem legt sämtliche benutzerspezifischen Informationen auf der primären Partition unter C:\Users\Benutzer\ ab, wobei recht schnell beachtliche Datenmengen zusammen kommen.

Haben Sie eine Swap-Partition für Windows vorgesehen, können Sie diese noch in Linux vorab mit NTFS formatieren, damit das Microsoft-Betriebssystem diese gleich beim ersten Start einhängt und mit einem Laufwerksbuchstaben versieht. Unbedingt notwendig ist das aber nicht, denn der Swap-Space lässt sich ebenso wie eine eventuelle Windows-Datenpartition später über die Tools des Microsoft-Betriebssystems noch einrichten. Auch das Formatieren der Installationspartition dürfen Sie sich getrost sparen und Windows 8 das während der Systemeinrichtung erledigen lassen.

Windows 8 installieren

Jetzt kann es an das Einrichten von Windows 8 gehen. Nach dem Booten vom entsprechenden Datenträger fragt der Microsoft-Installer zunächst die gewünschte Systemsprache sowie den Product Key ab und fordert zum Abnicken der Lizenzbedingungen auf. Anschließend offeriert die Routine das Upgrade: ... einer bestehenden älteren Windows-Instanz, für eine Neueinrichtung wählen Sie im diesem Dialog die Option Benutzerdefiniert: ....

Der Installer fragt nun den gewünschten Installationsort ab. Hier wählen Sie die vorbereitete Partition an, klicken auf Laufwerksoptionen (erweitert) rechts unterhalb der Partitionsliste und lassen die Routine die Partition Formatieren (Abbildung 2). Haben Sie dagegen während der Vorbereitung lediglich Platz für eine Windows-Partition freigemacht, können Sie diese jetzt mit Neu anlegen und anschließend Formatieren.

Abbildung 2: Über den Schalter Laufwerksoptionen (erweitert) blendet der Windows-8-Installer Funktionen zum Anlegen, Erweitern, Löschen und Formatieren von Partitionen ein.

Nach dem Erledigen anstehender Partitionierungsarbeiten starten Sie über Weiter den eigentlichen Installationsvorgang. Die Einrichtungsroutine kopiert nun die Daten in die Windows-Partition, zieht gegebenenfalls Updates nach und startet den Rechner anschließend neu. Anschließend können Sie einige Einstellungen treffen, dann gilt es ein Benutzerkonto anzulegen.

Zwar kennt Windows 8 immer noch ein Lokales Konto, für dessen Einrichtung Sie Microsoft keine persönlichen Daten überlassen müssen, doch bietet dieses nur eine eingeschränkte Funktionalität. Als Standard fungiert dagegen ein Microsoft-Konto in der Cloud des Herstellers, für das Sie zumindest eine E-Mail-Adresse, Ihr Geschlecht sowie die Postleitzahl Ihres Wohnorts angeben müssen. Nur mit einem solchen Konto können Sie Apps aus dem Windows Store herunterladen sowie Einstellungen und Daten über mehrere Geräte synchronisieren. Für das Verwenden klassischer Windows-Programme auf dem Desktop allerdings genügt ein lokales Konto völlig, ein Cloud-Konto bei Microsoft können Sie bei Bedarf jederzeit später anlegen.

Nach der Auswahl des Kontentyps und der Eingabe der Authentifizierungsdaten bestätigen Sie die Eingaben noch einmal mit einem Klick auf Fertig stellen. Der Rechner startet nun in die neue Kachel-Oberfläche von Windows 8. Nach dort führt nun auch jeder Neustart des Rechners, weil Windows den Linux-Bootloader – alle gängigen Distributionen verwenden heute Grub2 – rücksichtslos überschrieben hat. Dem gilt es im nächsten Schritt abzuhelfen.

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