Freibier für alle?
Von der freien Software zur freien Gesellschaft
Weg in die freie Gesellschaft
Die oben beschriebenen Prinzipien des Austauschs und der Weitergabe von Wissen existieren bereits seit Jahrtausenden, wenn auch in anderen Bereichen unseres Alltags: Kochrezepte, Kinderspiele und Hausmittel werden beispielsweise auf diese Art und Weise gesammelt, verbessert, angepasst und von Generation zu Generation weitergereicht.
Tauschringe oder Nachbarschaftshilfe [31] stehen jedermann offen und richten sich häufig regional aus. Charakteristisch ist, dass jeder Beitragende nur die Fähigkeiten mit einbringt, über die er verfügt und die er auch anbieten möchte. Der finanzielle Beitrag steht nicht im Vordergrund, was jedem Einzelnen die Teilhabe gestattet, unabhängig von seiner Lebenssituation. Das bestehende, bereits angeeignete Wissen wird anerkannt und behält somit seinen "Wert".
Im Mittelalter übernahmen Gilden die Qualitätssicherung der durch ihre Mitglieder angebotenen Leistungen, heute stellen Fach- und Interessenverbände ein Äquivalent dazu dar (etwa VDI, BdA, RAK, VKSK etc.). Bedauerlicherweise wurde das Bewusstsein für diese Form des Miteinanders immer stärker von einer materiellen und besitzorientierten Denk- und Handlungsweise verdrängt. Dieser zwischenmenschliche Umgang sollte wieder stärker zu den alten Prinzipien zurückkehren.
Gesellschaftsformen und Wandel
Ein Blick in die Menschheitsgeschichte zeigt die Entstehung recht unterschiedlicher Gesellschaftsordnungen. Nach dem deutschen Philosophen Karl Marx zählen dazu unter anderem die klassenlose Urgesellschaft, die Sklavenhaltergesellschaften, der Feudalismus, der Kapitalismus und der Sozialismus [32]. Die jeweiligen Gesellschaftsordnungen haben unterschiedliche Produktionsweisen: So setzt etwa der Kapitalismus die weit verbreitete Form der Marktwirtschaft, in der die Kräfte des Marktes für einen Ausgleich zwischen Nachfrage und Produktion sorgen sollen. Allerdings bewirkt diese Form keine Zufriedenheit bei allen Teilen der Bevölkerung.
In der Marktwirtschaft gehen die Bedürfnisse des Einzelnen in der Menge unter. Die angebotenen Produkte und Leistungen orientieren sich nur daran, ob sich bei deren Veräußerung oder Inanspruchnahme möglichst viel Gewinn für den Bereitstellenden erzielen lässt und ob man viele Menschen mittels Werbung davon überzeugen kann, ein Produkt oder eine Leistung zu benötigen und zu erwerben.
Aus den unerfüllten Bedürfnissen ergeben sich gesellschaftliche Spannungen, die mit einem verstärkten Auseinanderdriften der Gesellschaft in Arm und Reich einhergehen. Da "gearbeitet wird, um Arbeit zu sparen", nimmt die insgesamt für alle verfügbare Arbeit ab. Rationalisierung und Automatisierung tragen erheblich zu diesem Prozess bei und gelten daher als erstrebenswert.
Für jeden Einzelnen bedeutet das aber, dass die zu erbringende Leistung dabei anspruchsvoller wird, denn nicht jede Tätigkeit lässt sich in vollem Umfang durch Maschinen ersetzen. Gleichzeitig erfolgt eine erhebliche Verdichtung, Arbeit verteilt sich auf immer weniger Menschen. Dabei genießen diejenigen einen Vorteil, die über ein höheres und eher überdurchschnittliches Bildungsniveau verfügen und so den Anforderungen leichter gewachsen sind.
In den letzten 150 Jahren wurde in der kapitalistischen Gesellschaft das Ziel propagiert, Vollbeschäftigung und Lohnarbeit seien die Erfüllung des Lebens. Das muss aber nicht so sein. Tatsächlich genügt einen einziger Vollzeitjob heute vielen Menschen nicht mehr, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Daher erscheint ein Umdenken unumgänglich, um einer erheblichen gesamtgesellschaftlichen Schieflage zu begegnen.



