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Freibier für alle?

Von der freien Software zur freien Gesellschaft

FOSS-Gedanken alltagstauglich

Die FOSS-Gedanken sind Teil einer Peer Economy (Wirtschaftsform mit vorrangig gemeinschaftlich hergestellten Waren) und umfassen nicht nur die Informationstechnik, sondern greifen verstärkt auf andere Bereiche über und bilden Mischformen.

Sehr bekannt sind das Wikipedia-Projekt und das daraus entstandene Wikimedia [1], die sich heute als Sammlung freier Inhalte mit Bildern und Zitaten (Wikimedia Commons), Handbüchern (Wikibooks), Nachrichten (Wikinews) sowie Musik versteht. Das Projekt LibriVox [2] bietet bislang mehr als 5000 freie Hörbücher, darunter Gedichte, Erzählungen, Krimis, Sachbücher und Märchen, von unterschiedlichen Sprechern vorgetragen.

Hilfsmittel zur Orientierung im Verkehrsgeschehen wie Landkarten, Routenplaner und Navigationsgeräte stehen ebenfalls zur Verfügung. Dabei erfassen Freiwillige die Geodaten aus eigenem Interesse heraus Stück für Stück, übertragen sie in die Datenbank und komplettiert so die Landkarten. Neben GinkgoMaps [3] vermisst das bereits 2004 gestartete Projekt OpenStreetMap ([4],[5]) die Erde neu und sorgt dafür, dass es kaum noch weiße Flecken auf der freien Landkarte gibt (Abbildung 2). Jede nützliche Information wird eingetragen – vom Briefkasten über Bushaltestellen bis hin zum Kinderspielplatz. Den dabei erzielten Detailreichtum bieten kommerzielle und amtlichen Karten eher selten.

Abbildung 2

Abbildung 2: Ein Ausschnitt eines freien Stadtplans, hier das französische Besançon.

Auf OpenStreetmap baut neben OpenCycleMap [6] auch das Berliner Projekt BBBike ([7],[8]) auf, beides Kartendienste für Radfahrer. In einer zusätzlichen Ebene ("Layer") stellen diese Informationen zur Straßenbeschaffenheit bereit (Asphalt, Kopfsteinpflaster, Waldweg etc.) sowie das zugehörige Höhenprofil. Zur Ansicht des Kartenmaterials gibt es derzeit 38 Varianten. Abbildung 3 zeigt links oben die auf Deutschland zugeschnittene Karte, rechts daneben die Standarddarstellung von OSM, links unten eingetragene Fahrradrouten und rechts unten die erfassten Linien des öffentlichen Nahverkehrs. Verändern Sie in der Karte ihre Ansichtsposition, bewegen sich die anderen Kartenausschnitte entsprechend mit.

Abbildung 3

Abbildung 3: Eine BBBike-Karte von Dresden und dem Elbtal.

Für den Großraum Berlin bietet BBBike einen Routenplaner an, der eine möglichst angenehme, fahrradtaugliche Wegstrecke ermittelt. Autofahrer greifen stattdessen auf Navit [9] zurück, das beispielsweise auch erfolgreich bei der Polizei im Land Brandenburg zum Einsatz kommt [10]. Nach einer zweijährigen Pilotphase werden in Kürze 30 Streifenfahrzeuge mit dieser Technik unterwegs sein.

Ohne die passenden Lizenzmodelle wäre die Realisierung der vorgestellten Projekte sicherlich erheblich schwieriger geworden. Diese Nutzungsvereinbarungen wurden in den Creative Commons [11] zusammengefasst und ermöglichen klare, verständliche Regeln zur Verwendung der Informationsgüter. Creative Commons werden inzwischen weithin akzeptiert und angewendet.

Darüberhinaus sind auch ähnliche, urbane Projekte zu nennen, die verstärkt stadt- und arbeitsprägenden Einfluss haben. Seit 2009 entstanden in Berlin-Kreuzberg die Prinzessinnengärten [12]: Eine ehemalige Brachfläche wurde ausschließlich durch gemeinnütziges Engagement in einen Nutzgarten umgewandelt, der jedem offen steht und in dem man Obst und Gemüse anbauen und ernten kann. Eine ähnliche Richtung schlägt die Open-Source-Bürogemeinschaft Büro 2.0 [13] aus Berlin-Neukölln ein. Seit 2008 praktiziert es eine nicht profitorientierte Vermietung von Büroflächen für IT-Spezialisten, die vorrangig FOSS-Komponenten entwickeln sowie in ihren Kundenprojekten einsetzen.

Das Büro 2.0 beheimatet derzeit über zwanzig kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) auf einer Gesamtfläche von über 700 Quadratmeter. Es versteht sich als ein Ort, an dem die FOSS-Prinzipien gelebt werden. Das kooperative Miteinander, bei dem sich die einzelnen Mitglieder projektbezogen und in wechselnden Konstellationen ergänzen, erleichtert die erfolgreiche Realisierung komplexer IT-Aufträge.

Freie Hardware

Seit längerem existieren nicht nur reine Informationsgüter, sondern auch freie Soft- und Firmware für kommerziell ausgerichtete Hardware-Plattformen. Durch diese "Befreiung der Hardware" und das Aufspielen der Alternative, die häufig der herstellereigenen Lösung mindestens ebenbürtig ist, lassen sich die Möglichkeiten zur Nutzung der Hardware zum Teil recht stark erweitern.

Im Rahmen des Freifunk-Projekts (Abbildung 4), einer nicht kommerziellen, regional organisierten Initiative für freie Funknetzwerke [14], kommen auf den WLAN-Routern und Access Points häufig die speziellen Linux-Distributionen OpenWRT und DD-WRT zum Einsatz. Das Abspielen von Audio-Daten im Format Ogg Vorbis gelingt auf dem Apple iPod und der Nintendo Playstation Portable/DS mithilfe einer modifizierten Firmware.

Abbildung 4

Abbildung 4: Das Freifunk-Netz in Potsdam, Innenstadt, mit Knoteninformation.

Für mobile Geräte wie Smartphones, Mobiltelefone, Netbooks und Tablet-PCs kommt verstärkt das kommerziell vorangetriebenene Linux-Betriebssystem Android zum Einsatz (siehe dazu auch Jörg Luthers Kommentar in [15]). Die Free Software Foundation Europe (FSFE) treibt daher eine Initiative voran, diese Geräte mit Android gänzlich zu befreien [16] und bietet dazu auf ihrer Webseite eine Schritt-für-Schritt-Anleitung an (Abbildung 5). Eine ausführliche Übersicht zu den verschiedenen mobilen Geräten mit freier Software bietet die Webseite Tuxmobil [17], die seit über zehn Jahren mit viel Liebe zum Detail von Werner Heuser gepflegt wird.

Abbildung 5

Abbildung 5: Kampagne der FSFE: "Befreie dein Android!"

Im Status des "Anfassbaren" ([18,[19]) bewegen sich Projekte mit freier oder offener Hardware. Neben den Plattformen Arduino [20] existieren Raspberry Pi [21], Gnublin [22], Grasshopper [23] und BeagleBoard [24] (mit Grafikchip und Ethernet-Schnittstelle). Während es sich bei Arduino um ein Microcontroller-Board mit dazugehörigem Entwicklungssystem für den Einstieg handelt, läuft auf den vier letztgenannten ein vollständiges Linux-System. Gnublin beispielsweise kommt im Rahmen der Lehre an der Hochschule Augsburg in der Vorlesung "Embedded Linux" zum Einsatz.

Erste Unterstützung beim Selbstbau von Prozessorchips bietet Chipforge [25]. Etwas anspruchsvoller ist sicher der Nachbau eines Prozessors der Sun UltraSparc T1 und T2: Seit 2006/2007 steht das Chipdesign unter GPL und lässt sich im Rahmen des Projektes OpenSparc [26] als VHDL-Beschreibung einsehen. Realisiert wurden inzwischen das Telefon OpenMoko [27] und der MP3-Player Daisy [28], seit 2006 wird bereits am Open Source Car (OSCar, [29]) getüftelt.

Eine andere Richtung geht das Global Village Construction Set (GVCS, [30]). Es zielt auf die einfache und preiswerte Herstellung von einzelnen Bausteinen ("lebensgroßes Lego"), aus denen zunächst 50 Maschinen entstehen sollen. Bislang existieren prototypisch unter anderem der Minitraktor Life Trac (Abbildung 6), ein Generator, ein Schweißtisch, ein Hochofen, eine Dampfmaschine und eine multifunktionale Backsteinpresse. Alle CAD-Daten zur Herstellung der Bauteile und Maschinen liegen offen und lassen sich von jedermann frei nutzen. Wer über die entsprechenden Materialien und das Können für den Zusammenbau verfügt, kann sofort loslegen.

Abbildung 6: Lego in Lebensgröße: Der Traktor Life Trac, einer der Bausteine des Global Village Construction Sets. (Bild: OpenSourceEcology.org)

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LinuxUser 05/2014

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