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Im Fokus

Videodateien konvertieren mit Handbrake

21.11.2012
Drei Klicks, und schon ist das Video konvertiert – so einfach fällt die Arbeit mit dem flexiblen Konverter Handbrake.

Linux gehörte lange Zeit nicht zu den bevorzugten Multimedia-Plattformen. In den letzten Jahren entstanden jedoch zunächst im Audio-Bereich und dann auch für das Bearbeiten von Videos viele interessante Programme. Dabei reicht das Spektrum mittlerweile von Applikationen zum gelegentliche Bearbeiten multimedialer Inhalte bis hin zu Lösungen für professionelle Ansprüche. Das Programm Handbrake [1] glänzt durch einfache Bedienelemente, eignet sich aber trotzdem für anspruchsvolle Aufgaben.

Installation

Das Programm findet sich als installierbares Paket zum Download auf vielen Internet-Seiten. Für Ubuntu nutzen Sie ein PPA, um die Software zu installieren (Listing 1). Das manuelle Kompilieren des Quellcodes, den Sie auf der Projektseite finden [2], gestaltet sich alles andere als trivial, weil es eine stattliche Anzahl an Bibliotheken und Codecs voraussetzt.

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:stebbins/handbrake-releases
$ sudo aptitude update
$ sudo aptitude install handbrake-gtk handbrake-cli

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Käuflich erworbene Video-DVDs weisen fast durchgehend eine als Kopierschutz gedachte CSS-Verschlüsselung auf. Möchten Sie die Medien für den privaten Gebrauch auf die heimische Festplatte kopieren, gilt es, zunächst die Bibliothek Libdvdcss2 zu installieren. Schon aus patentrechtlichen Gründen liefern jedoch nahezu allen Distributionen diese Software nicht von Haus aus mit [3], zudem ist die Legalität des Einsatzes in Deutschland juristisch nicht abschließend geklärt (siehe Kasten "Juristisches").

Juristisches

Die meisten kommerziellen Anbieter verschlüsseln ihre Video-DVDs mit dem Content Scrambling System CSS. Seit der Novellierung des Urheberrechts vom 13. September 2003 gelten gemäß §95a UrhG in Deutschland Maßnahmen illegal, wenn sie dem Umgehen eines "wirksamen" Kopierschutzes dienen. Das CSS-System ist jedoch bereits seit geraumer Zeit entschlüsselt, sodass (gerichtlich) geklärt werden müsste, ob man hier noch von einer Wirksamkeit sprechen kann.

Gerichte in verschiedenen europäischen Ländern haben in der Vergangenheit bereits die Illegalität von Methoden zum Umgehen im Falle des CSS-Systems angezweifelt und entsprechende Klagen abgewiesen. In Deutschland steht eine abschließende Bewertung der Wirksamkeit der CSS-Verschlüsselung noch aus, sodass der Einsatz der Bibliothek Libdvdcss zumindest in einer rechtlichen Grauzone liegt.

Handbrake liegt in zwei Varianten vor, als skriptingfähiges Kommandozeilenprogramm und als Gtk-Version, die eine komfortabel und intuitiv zu bedienende Oberfläche bietet (Abbildung 1). Das Programm eignet sich wegen der sehr rechenintensiven Arbeit nicht für ältere Computer: Rechner mit Einkern-Prozessoren geraten schnell an ihre Leistungsgrenzen. Es empfiehlt sich somit auf jeden Fall ein PC mit Dualcore-Prozessor und einer Taktfrequenz von mehr als 2 GHz, um die Aufgaben in vertretbarem Zeitrahmen zu erledigen.

Abbildung 1: Die grafische Oberfläche von Handbrake erlaubt einen schnellen Zugriff auf die wichtigen Funktionen. Detailliertere Dialoge finden sich in den jeweiligen Reitern am unteren Rand.

Erster Start

Für Einsteiger empfiehlt sich der Einsatz der Variante mit grafischer Oberfläche an. Diese bietet gegenüber der Version für die Kommandozeile einen schnellen und unkomplizierten Zugriff auf die sehr vielfältigen Parameter. Diese stellen Sie über die Gtk-Oberfläche schnell und ohne langes Studieren ein.

Sie finden die GUI-Version nach der Installation im Startmenü in der Gruppe Unterhaltungsmedien oder Multimedia, je nach verwendeter Distribution. Handbrake versteht sich als Videokonverter, der nahezu alle gängigen Formate liest und bei Bedarf ins MP4- sowie MKV-Format umwandelt. Dabei akzeptiert die Software als Datenquelle ein optisches Medium oder eine lokal abgespeicherte Datei.

Nach einem Klick auf die Schaltfläche Source oben links im Programmfenster und der anschließenden Auswahl einer Quelldatei oder eines Datenträgers scannt Handbrake zunächst den Inhalt des Mediums und listet anschließend – sofern vorhanden – Kapitel, Titel und Dauer der angegebenen Quelle auf. Aus dieser Liste wählen Sie die für das Konvertieren vorgesehenen Inhalte per Mausklick aus.

Bevor Sie jedoch zur Tat schreiten, lohnt es sich, Oberfläche des Programms zu erkunden: Eine große Leiste mit Schaltflächen direkt unterhalb der Menüleiste am oberen Fensterrand ermöglicht den schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen des Programms.

In den Bereichen Source und Destination geben Sie die Quell- sowie Zieldatei an. Hier haben Sie bereits die Möglichkeit, einige grundlegende Einstellungen in Bezug auf das Ergebnis vorzunehmen: Möchten Sie das Video im Internet publizieren oder für Apples iPod 5G optimieren, so setzen Sie Häkchen vor den Optionen Web optimized oder iPod 5G Support. Handbrake verkleinert das zu bearbeitende Video auf eine angemessene Dateigröße.

Auf der rechten Seite finden Sie in einer Baumansicht vordefinierte Profile, über die Sie entsprechend den Anforderungen von iPod, iPhone oder Android-Smartphone den richtigen Satz an Parametern mit einem Klick laden. Im unteren Bereich des Programmfensters finden sich sechs Gruppen von Parametern, verteilt auf Reiter, die Sie durch Anklicken aufrufen. Hier nehmen Sie in den Fenstern Video, Audio, Subtitles, H.264 und Chapters alle für das Ergebnis relevanten Einstellungen vor.

In der Voreinstellung verwendet Handbrake den H.264-Codec, gestattet jedoch auch das Arbeiten mit dem Format MPEG-4. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, bei beiden Formaten die Frame-Rate individuell zu konfigurieren, um zum Beispiel mit unterschiedlichen TV-Normen kompatibel zu bleiben. Üblicherweise übernimmt die Software die Einstellungen aus der Quelldatei.

Rechts daneben stellen Sie bei Bedarf zusätzlich die Datenstromrate bei der Wiedergabe des konvertierten Videos ein, optional auch die Größe der Zieldatei. Diese Option erweist sich insbesondere dann als Vorteil, wenn Sie HD-Videos so komprimieren müssen, dass das Ergebnis auf eine CD-ROM passt. Allerdings steht diese Möglichkeit nur bis Version 0.9.5 bereit, ab Handbrake 0.9.6 hat der Entwickler sie entfernt. Er empfiehlt, stattdessen über die Bitrate die Größe der Datei zu kalkulieren.

Haben Sie die Optionen Bitrate (kbps): aktiviert und zum Verbessern der Bildqualität bei starken Kompressionsraten gleichzeitig links im Fenster ein Häkchen vor 2-Pass-Encoding gesetzt, dann dauert das Umwandeln – je nach Leistung des Systems – in der Regel drei bis vier Mal so lange wie die Spieldauer des ursprüngliche Videos (Abbildung 2).

Abbildung 2: Im Reiter Video konfigurieren Sie die Auflösung, Größe der Zieldatei oder die Kompressionsrate.

Korrespondierend zu den im Fenster Video einzustellenden Optionen verfeinern Multimedia-Profis im Fenster H.264 die Parameter für die Ausgabe. Je nach Anzahl der Modifikationen schlägt sich dies jedoch in einer nochmals längeren Dauer beim Bearbeiten nieder.

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