Systemstart

Das Thema UEFI Secure Boot bewegt die Linux-Gemeinschaft seit Wochen und ist auch an Canonical nicht vorüber gegangen. Entgegen erster Planungen liefert Canonical nun doch Grub2 als Bootloader aus, signiert aber weder den Kernel, noch die Treiber – auch wenn beim Bootloader der Installations-DVD wie angekündigt ein Schlüssel von Microsoft Verwendung findet, was die Kompatibilität mit möglichst vielen Mainboard-Typen gewährleisten soll. Auf diese Weise bleibt es bei Ubuntu aber weiter möglich, bei Bedarf einen eigenen Kernel einzusetzen.

Der Bootvorgang erfolgt im Vergleich zu älteren Versionen jetzt merklich schneller, auch wenn Ubuntu dabei nach wie vor auf das eigene System Upstart setzt, statt wie Fedora und OpenSuse auf Systemd. Beim ersten Reboot nach der Installation überrascht der Anmeldungsmanager LightDM mit der neu implementierten Möglichkeit, sich nicht nur lokal mit dem im Installer festgelegten Benutzer-Account anzumelden, sondern auch mit einem Gastkonto. Ebenfalls neu ist eine Option für den Fernzugriff (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Anmeldemanager kennt jetzt auch eine Remote-Funktion.

Grafik-Stack

Im Gegensatz zum nicht ganz taufrischen Kernel kommt Ubuntu 12.10 mit einem brandaktuellen Grafik-Stack. Als eine der ersten Distributionen enthält es den X-Server 1.13 inklusive Mesa 9.0, das erstmalig das vollständige OpenGL-3.1-API implementiert. Die mit Ubuntu 12.10 per Default genutzten freien Grafiktreiber können zwar OpenGL 3.1 noch nicht verwenden, unterstützten aber die meisten aktuellen Grafikchips von Nvidia und AMD, darunter Nvidias Geforce-FX/6/7 und AMDs Radeon-HD-7000-Serie. Der X-Server 1.13 bietet weicheres Scrolling und eine verbesserte Unterstützung für hybride Grafikchipsätze, die Sie sogar zur Laufzeit aktivieren können.

Der Composite Manager Compiz unterstützt in der mitgelieferten Version 0.98 bereits OpenGL ES. Fehlt 3D-Hardware-Support, dann benutzt Compiz für die 3D-Effekte auf dem Unity-Desktop ab sofort den Software-Renderer Llvmpipe. In diesem Fall startet Unity zwar langsamer und reagiert insgesamt etwas träger, läuft dafür aber stabil und ohne nennenswerte Darstellungsfehler. Erst nach einem Wechsel auf proprietäre Grafiktreiber lief Unity im Test flüssiger.

Übrigens unterstützt der proprietäre Nvidia-Treiber ab der Version 304.22 RandR vollständig, was zuvor nur der freie Nouveau-Treiber konnte. So ist es jetzt auch mit dem proprietären Nvidia-Treiber nicht mehr notwendig, etwa für den sauberen Multimonitor-Betrieb auf Nvidias Alternative nvidia-settings zurückzugreifen.

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