NAS-System TS-219P II von Qnap

Aus LinuxUser 12/2012

NAS-System TS-219P II von Qnap

Funktionsträger

Lange Zeit waren NAS-Systeme reine Datenspeicher, mittlerweile aber wachsen auch hier Unterhaltungselektronik und IT zusammen. Ein Paradebeispiel dafür liefert Qnap mit dem TS-219P II.

Speicherkapazität kann man nie genug bekommen. Besonders die ambitionierten Multimedia-Liebhaber sind in regelmäßigen Abständen gezwungen, sich nach größeren Festplatten umzusehen. Abhilfe verspricht hier ein zentraler Speicherserver (NAS) schaffen, der die Daten zentral speichert und allen Workstations zur Verfügung stellt.

NAS-Systeme erhält man in allen Größenordnungen und für viele Einsatzzwecke. Die Vorteile eines dedizierten NAS-Systems gegenüber einzelnen externen Festplatten:

  • Die Daten lagern gut verwaltbar an zentraler Stelle.
  • Beim Aufrüsten oder nach Ausfällen lassen sich die Festplatten unkompliziert und schnell wechseln.
  • Ein NAS bietet als Computersystem Zusatzfunktionen, die einfache externe Festplatten nicht besitzen.

Im Markt der professionellen NAS-Systeme hat sich Qnap [1] international bereits einen Namen gemacht. Aber auch für kleinere Netzwerke und Einzelplatzsysteme bietet das Unternehmen aus Taiwan eine Vielzahl von Speicherlösungen an.

Der Proband

Zum Test erhielten wir ein NAS des Typs TS-219P II (siehe Tabelle “Technische Daten”). Das für zwei interne SATA-Festplatten ausgelegte System eignet sich nicht zuletzt aufgrund des handlichen Thin-Client-Formats bestens für den heimischen Gebrauch).

Die vertikal im Gehäuse angeordneten, hotswap-fähigen Laufwerkskäfige nehmen dabei entweder 3,5-Zoll- oder kleinere 2,5-Zoll-Festplatten auf (Abbildung 1). Passende Schrauben zur Befestigung der Festplatten im Käfig liefert Qnap bereits mit. Die Käfige werden mit einem an der Frontseite befindlichen Arretierhebel im Gehäuse mechanisch fest verriegelt. Allerdings bot unserer Testgerät keine Möglichkeit, den Verschlussmechanismus durch ein integriertes Schloss gegen ein versehentliches oder bewusstes Entfernen der Datenträger zu sichern.

Abbildung 1: Die beiden hotswap-fähigen Laufwerkskäfige des TS-219P II bieten zwar eine stabile Verriegelung, lassen sich aber nicht absperren.

Abbildung 1: Die beiden hotswap-fähigen Laufwerkskäfige des TS-219P II bieten zwar eine stabile Verriegelung, lassen sich aber nicht absperren.

Neben den beiden internen Festplattenanschlüssen weist das NAS-Gehäuse eine stattliche Anzahl an externen Buchsen auf: So finden sich zwei eSATA- und drei USB-Anschlüsse sowie die für die Netzintegration erforderliche GBit-Ethernet-Schnittstelle (Abbildung 2). Die internen Festplatten arbeiten standardmäßig im JBOD-Modus ohne Redundanz, lassen sich bei Bedarf aber auch als Stripe- (RAID 0) oder Mirror-Set (RAID 1)konfigurieren.

Abbildung 2: Auf der Gehäuserückseite des TS-219P II finden sich je zwei eSATA- und USB-Ports sowie das Gbit-Ethernet-Interface.

Abbildung 2: Auf der Gehäuserückseite des TS-219P II finden sich je zwei eSATA- und USB-Ports sowie das Gbit-Ethernet-Interface.

Qnap hat in das kompakte Gehäuse des TS-219P II ein Embedded-Computersystem mit einer Armada300-CPU des Herstellers Marvell gepackt. Dieser Einkern-Prozessor taktet mit einer Frequenz von 2 GHz und greift auf 512 MByte Arbeitsspeicher zu. Mit zwei 3,5-Zoll-Festplatten bestückt, wiegt das TS-219P II rund 2,5 Kilogramm. Das Gerät kommt mit einer vorbildlich unter der GPLv3 lizenzierten Embedded-Linux-Variante [2] als Betriebssystem. Diese lässt sich inklusive ihres Quellcodes [3] von der Herstellerseite beziehen. Qnap hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, für alle seine Geräte die Linux-Firmware zu veröffentlichen und publiziert auch regelmäßig Updates.

Technische Daten

Hardware
Hersteller Qnap (http://www.qnap.com)
Typ TS-219P II
CPU Marvell Armada 300, 2 GHz
RAM 512 MB
Festplatten 2 x SATA II, 2,5/3,5 Zoll, max. 8 TByte gesamt
Externe Anschlüsse 3 x USB 2.0, 2 x eSATA, 1 x Gigabit-LAN (IEEE 802.11n optional per USB-Adapter)
Abmessungen (HxBxT) 168,5 x 102 x 225 mm
Netzteil extern, 60 Watt
Stromverbrauch(1) Betrieb 16W, Schlafmodus 8W (mit zwei 500GB-HDDs)
Straßenpreis (ca.) 300 Euro
Leistung
Benutzer bis zu 2048
Benutzergruppen bis zu 256
Verbindungen bis zu 256 simultan
Transferrate (max.)(2) Lesen 96,4 MByte/s, Schreiben 107,9 MByte/s
Videokameras bis zu 2
Druckerserver bis zu 3 USB-Drucker
Software
Betriebssystem Embedded Linux
Dateisysteme intern Ext3/4, extern Ext3/4, FAT32, HFS+, NTFS
Netzwerk IPv4, IPv6, DHCP Client/Server, HTTP, HTTPS, Telnet, SSH, iSCSI, SNMP, UPnP, Bonjour
Netzwerk-FS AFP, FTP, CIFS/SMB, NFS, WebDAV
(1) Herstellerangabe (2) Testergebnis

Oberflächliches

Qnap liefert Windows- und Mac-OS-X-Applikationssoftware für diverse Dienste des NAS auf CD-ROM mit. Als Linux-Nutzer konfigurieren Sie die verschiedenen Funktionen des Gerätes wesentlich einfacher und ganz ohne Software-Installation direkt über die Firmware des TS-219P II: Sie rufen nach dem Anschluss des NAS-Servers ans Netz im Webbrowser auf einem Client die IP-Adresse http://169.254.100.100:8080 auf. Dazu gilt es allerdings vorher den verwendeten PC mit einer festen IP-Adresse im gleichen Subnetz auszustatten, damit er PC mit dem NAS-System kommunizieren kann.

Sie können eine feste IP-Adresse bequem per grafischer Einstellung in distributionsspezifischen Konfigurationstools wie YaST oder dem Mandriva Control Center eingeben. In diesem Einstellungsdialog geben Sie zudem als Gateway die IP-Adresse des NAS-Servers an, als Netzmaske die Zeichenfolge 255.255.0.0. Alternativ konfigurieren Sie die LAN-Schnittstelle auf der Kommandozeile mit dem Befehl

# ifconfig Interface 169.254.100.1 netmask 255.255.0.0

Die angegebene Schnittstelle muss dabei dem verwendeten Hardware-Interface entsprechen, das meist die Bezeichnung eth0 trägt. Anschließend starten Sie mittels /etc/init.d/network restart die Netzwerkanbindung neu, um die neuen Einstellungen zu aktivieren. Nun greifen Sie via Webbrowser auf die grundlegende Konfigurationsoberfläche des Qnap-Servers zu (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die ersten Einstellungen für den Qnap TS-219P II nehmen Sie per Schnellkonfiguration vor.

Abbildung 3: Die ersten Einstellungen für den Qnap TS-219P II nehmen Sie per Schnellkonfiguration vor.

Zunächst müssen Sie die in das System eingebauten Festplatten formatieren und die Embedded-Linux-Firmware auf den Platten installieren. Auf der mit dem NAS-System mitgelieferten CD-ROM finden Sie ein Abbild der angepassten Firmware, das Sie durch einen Klick auf die Schaltfläche Heraufladen installieren. Anschließend gilt es den Servernamen zu definiert, Benutzer und Passwörter anzulegen sowie die IP-Konfiguration vorzunehmen.

In zwei letzten Schritten aktivieren Sie die einzelnen Server-Funktionen des NAS-Systems und stellen die Betriebsparameter der Festplatten ein, wobei Sie hier gegebenenfalls einen RAID-Verbund anlegen (Abbildung 4). Nach dieser Grundkonfiguration können Sie Ihr neues NAS-System problemlos in das bestehende Intranet einbinden.

Abbildung 4: Die grundlegende Konfiguration des TS-219P II nehmen Sie in wenigen Schritten vor.

Abbildung 4: Die grundlegende Konfiguration des TS-219P II nehmen Sie in wenigen Schritten vor.

Feinjustierung

Neben der Schnellkonfiguration bietet die Qnap-Software zusätzlich eine sehr komfortable Bedienoberfläche, um detailliertere Einstellungen vorzunehmen. Sie erreichen die Verwaltungsprogramme im Webbrowser durch den Aufruf der IP-Adresse des NAS-Systems. Sollte Ihnen diese nicht bekannt sein, weil Sie in Ihrem Intranet einen DHCP-Server nutzen, so finden Sie die Adresse Ihres NAS-Speichers problemlos mithilfe eines IP-Scanners wie Nmap heraus.

Das Qnap-Webfrontend stellt unterschiedliche Schnell-Links bereit, die Sie durch Anklicken des entsprechenden Symbols erreichen. Nach der Eingabe von Benutzernamen und Passwort landen Sie auf einen zweigeteilten Bildschirm, der rechts in einem großen Bereich unterschiedliche Assistenten anbietet sowie links eine Ordnerstruktur für die verschiedenen Dienste (Abbildung 5). Die einzelnen Ordner verzweigen dabei jeweils zu unterschiedlichen Administrationswerkzeugen, die alle unter der gleichen Oberfläche residieren.

Abbildung 5: Für die detaillierte Konfiguration bietet Qnap eine übersichtliche Oberfläche.

Abbildung 5: Für die detaillierte Konfiguration bietet Qnap eine übersichtliche Oberfläche.

Serverdienste

Qnap gibt seinen NAS-Lösungen eine sehr umfangreiche Unterstützung verschiedenster Protokolle und Dienste mit auf den Weg, sodass sich der Einsatz des NAS-Systems nicht auf ein reines Ablagemedium für Dateien beschränkt, sondern Sie aus dem Gerät zusätzlich einen Multimedia-, Backup-, Web- oder FTP-Server, einen Download- oder Videoüberwachungsserver oder sogar einen Druckerserver machen können.

Die Option des Druckerservers dürfte insbesondere in kleinen Heimnetzwerken von Interesse sein: Dort gibt es oft Drucker mit USB-Anschluss, die keinen entsprechenden Server implementieren. Um einen solchen Drucker im Netz allen Arbeitsplätzen zur Verfügung zu stellen, schließen Sie ihn einfach an den TS-219P II an, konfigurieren dessen Druckerserver über die Webadministration und binden diesen anschließend auf den Arbeitsplatzrechnern unter Linux ein. So können Sie an Ihrem NAS-System bis zu drei USB-Drucker betreiben.

Multimediales

Nahezu alle aktuellen Geräte der Heimunterhaltung wie auch viele EDV-Komponenten unterstützen inzwischen den UPnP-Standard, mit dessen Hilfe einzelne Systeme direkt miteinander kommunizieren, ohne den PC als Kontrollinstanz. Auch der Qnap TS-219Ü II beherrscht UPnP und kann daher als multimediale Speicher- und Streaming-Zentrale fungieren.

Nach der entsprechenden Konfiguration im Webbrowser ermöglicht das Qnap-NAS die Wiedergabe unterschiedlichster gespeicherter Daten auf einem UPnP-fähigen Bildschirm, wobei als Steuergerät verschiedene Spielkonsolen, der PC oder auch HiFi-Systeme oder Medienplayer dienen können. Aber auch eine Video-Überwachung neuralgischer Punkte realisieren Sie mit dem Qnap-NAS, einem UPnP-fähigen Monitor sowie ebenfalls UPnP-geeigneten Videokameras im Nu.

Sie können mit dem TS-219P II maximal zwei Videokameras steuern. Diese sprechen Sie über den Webbrowser an, die gewonnenen Daten geben Sie direkt wieder oder zeichnen Sie in Echtzeit auf. Die Firmware unterstützt dabei viele PTZ-IP-Kameras führender Hersteller wie Axis, D-Link, Level One, Linksys und Panasonic.

Wolkiges

In der Ära der Cloud-Dienste gehört es für professionelle Speicherlösungen schon zur Pflicht, diese zu unterstützen. Der Qnap TS-219P II kann dabei mehrere gängige Cloud-Dienste zum Backup oder auch zur Synchronisation von Daten nutzen. Damit eröffnen Sie für die auf dem NAS gelagerten Daten zusätzliche Speichermöglichkeiten zur Datensicherung und späteren Wiederherstellung. Durch das Einbinden von zusätzlicher Sicherungssoftware wie Acronis True Image legen Sie beispielsweise Images kompletter Client-Festplatten auf dem NAS-Speicher und in der Cloud ab. So minimieren Sie die Gefahr eines Datenverlusts.

Sicherheit

Qnap hat in seiner Embedded-Linux-Firmware alle wichtigen Sicherheitsmechanismen für die jeweiligen Einsatzbereiche berücksichtigt. Insbesondere der Betrieb der NAS-Geräte in Verbindung mit der Cloud sowie als Web- oder FTP-Server bedingen erhöhte Sicherheitsansprüche. Auch den Fernzugriff auf die NAS-Datenträger über das Internet wickelt das Qnap-Gerät verschlüsselt ab.

So gehören SSL- und SSH-geschützte Verbindungen und der Datenabgleich mittels Rsync über SSH ebenso zum Funktionsumfang wie auch eine ausgefeilte Benutzer- und Gruppenverwaltung, die Ihnen das Sperren von IP-Adressen ermöglicht und natürlich auch sehr detaillierte Richtlinien zur Freigabe von Ordnern und Laufwerken zulässt. Die entsprechenden Konfigurationen nehmen Sie im Webbrowser unter dem Turbo Station-Assistenten vor sowie im Ordner Zugriffskontrolle (Abbildung 6).

Abbildung 6: Das Optionsmenü bietet eine extreme Funktionsvielfalt.

Abbildung 6: Das Optionsmenü bietet eine extreme Funktionsvielfalt.

Damit Sie als Administrator stets den Überblick über die Aktivitäten der laufenden Dienste behalten und im Problemfall eingreifen können, besitzt die Qnap-Firmware umfangreiche Protokollfunktionen. Die Log-Dateien sehen Sie im Administrationsprogramm im Ordner Systemadministration | Systemprotokolle ein. Eventuell notwendige Benachrichtigungen können Sie darüber hinaus im Ordner Systemadministration | Benachrichtigung konfigurieren. Damit gewährleisten Sie eine permanente Überwachung der laufenden Dienste.

Fazit

Das Qnap TS-219P II beeindruckt durch hohe Leistung und ausgefeilte Bedienung. Aufgrund seiner Speicherkapazität und des umfassenden Dienste-Portfolios eignet es sich gleichermaßen als Medienzentrale für den heimischen Einsatz oder als zentrales Speichermedium im kleinen Unternehmen. Die eingängig zu bedienende Verwaltungssoftware ermöglicht auch Anfängern der Einstieg auf Anhieb. Um die vielfältigen Funktionen des NAS zu verstehen, muss man allerdings etwas Zeit investieren.

Da Qnap die Linux-Firmware des NAS-Systems sorgfältig pflegt und den Quellcode offengelegt hat, können Sie auf die Entwicklung auch selbst direkten Einfluss nehmen. Zusätzlich gibt der Hersteller Hilfestellung, wenn Sie die Qnap-Firmware auf dem NAS-System durch ein Standard-Linux-System ersetzen wollen [4], sodass eigenen Experimenten hier keine Grenzen gesetzt sind. 

Glossar

NAS

Network Attached Storage. Am Netzwerk angeschlossener Massenspeicher, im Gegensatz zu Direct Attached Storage am Rechner.

JBOD

“Just a bunch of Disks”. Betriebsmodus eines RAID-Controllers, bei der er die angeschlossenen Festplatten transparent als ein einziges Laufwerk anspricht.

PTZ

Pan, Tilt, Zoom: Schwenken, neigen, zoomen.

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