NAS-System TS-219P II von Qnap

Funktionsträger

Lange Zeit waren NAS-Systeme reine Datenspeicher, mittlerweile aber wachsen auch hier Unterhaltungselektronik und IT zusammen. Ein Paradebeispiel dafür liefert Qnap mit dem TS-219P II.

Speicherkapazität kann man nie genug bekommen. Besonders die ambitionierten Multimedia-Liebhaber sind in regelmäßigen Abständen gezwungen, sich nach größeren Festplatten umzusehen. Abhilfe verspricht hier ein zentraler Speicherserver (NAS) schaffen, der die Daten zentral speichert und allen Workstations zur Verfügung stellt.

NAS-Systeme erhält man in allen Größenordnungen und für viele Einsatzzwecke. Die Vorteile eines dedizierten NAS-Systems gegenüber einzelnen externen Festplatten:

  • Die Daten lagern gut verwaltbar an zentraler Stelle.
  • Beim Aufrüsten oder nach Ausfällen lassen sich die Festplatten unkompliziert und schnell wechseln.
  • Ein NAS bietet als Computersystem Zusatzfunktionen, die einfache externe Festplatten nicht besitzen.

Im Markt der professionellen NAS-Systeme hat sich Qnap [1] international bereits einen Namen gemacht. Aber auch für kleinere Netzwerke und Einzelplatzsysteme bietet das Unternehmen aus Taiwan eine Vielzahl von Speicherlösungen an.

Der Proband

Zum Test erhielten wir ein NAS des Typs TS-219P II (siehe Tabelle "Technische Daten"). Das für zwei interne SATA-Festplatten ausgelegte System eignet sich nicht zuletzt aufgrund des handlichen Thin-Client-Formats bestens für den heimischen Gebrauch).

Die vertikal im Gehäuse angeordneten, hotswap-fähigen Laufwerkskäfige nehmen dabei entweder 3,5-Zoll- oder kleinere 2,5-Zoll-Festplatten auf (Abbildung 1). Passende Schrauben zur Befestigung der Festplatten im Käfig liefert Qnap bereits mit. Die Käfige werden mit einem an der Frontseite befindlichen Arretierhebel im Gehäuse mechanisch fest verriegelt. Allerdings bot unserer Testgerät keine Möglichkeit, den Verschlussmechanismus durch ein integriertes Schloss gegen ein versehentliches oder bewusstes Entfernen der Datenträger zu sichern.

Abbildung 1: Die beiden hotswap-fähigen Laufwerkskäfige des TS-219P II bieten zwar eine stabile Verriegelung, lassen sich aber nicht absperren.

Neben den beiden internen Festplattenanschlüssen weist das NAS-Gehäuse eine stattliche Anzahl an externen Buchsen auf: So finden sich zwei eSATA- und drei USB-Anschlüsse sowie die für die Netzintegration erforderliche GBit-Ethernet-Schnittstelle (Abbildung 2). Die internen Festplatten arbeiten standardmäßig im JBOD-Modus ohne Redundanz, lassen sich bei Bedarf aber auch als Stripe- (RAID 0) oder Mirror-Set (RAID 1)konfigurieren.

Abbildung 2: Auf der Gehäuserückseite des TS-219P II finden sich je zwei eSATA- und USB-Ports sowie das Gbit-Ethernet-Interface.

Qnap hat in das kompakte Gehäuse des TS-219P II ein Embedded-Computersystem mit einer Armada300-CPU des Herstellers Marvell gepackt. Dieser Einkern-Prozessor taktet mit einer Frequenz von 2 GHz und greift auf 512 MByte Arbeitsspeicher zu. Mit zwei 3,5-Zoll-Festplatten bestückt, wiegt das TS-219P II rund 2,5 Kilogramm. Das Gerät kommt mit einer vorbildlich unter der GPLv3 lizenzierten Embedded-Linux-Variante [2] als Betriebssystem. Diese lässt sich inklusive ihres Quellcodes [3] von der Herstellerseite beziehen. Qnap hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, für alle seine Geräte die Linux-Firmware zu veröffentlichen und publiziert auch regelmäßig Updates.

Technische Daten

Hardware
Hersteller Qnap (http://www.qnap.com)
Typ TS-219P II
CPU Marvell Armada 300, 2 GHz
RAM 512 MB
Festplatten 2 x SATA II, 2,5/3,5 Zoll, max. 8 TByte gesamt
Externe Anschlüsse 3 x USB 2.0, 2 x eSATA, 1 x Gigabit-LAN (IEEE 802.11n optional per USB-Adapter)
Abmessungen (HxBxT) 168,5 x 102 x 225 mm
Netzteil extern, 60 Watt
Stromverbrauch(1) Betrieb 16W, Schlafmodus 8W (mit zwei 500GB-HDDs)
Straßenpreis (ca.) 300 Euro
Leistung
Benutzer bis zu 2048
Benutzergruppen bis zu 256
Verbindungen bis zu 256 simultan
Transferrate (max.)(2) Lesen 96,4 MByte/s, Schreiben 107,9 MByte/s
Videokameras bis zu 2
Druckerserver bis zu 3 USB-Drucker
Software
Betriebssystem Embedded Linux
Dateisysteme intern Ext3/4, extern Ext3/4, FAT32, HFS+, NTFS
Netzwerk IPv4, IPv6, DHCP Client/Server, HTTP, HTTPS, Telnet, SSH, iSCSI, SNMP, UPnP, Bonjour
Netzwerk-FS AFP, FTP, CIFS/SMB, NFS, WebDAV
(1) Herstellerangabe (2) Testergebnis

Oberflächliches

Qnap liefert Windows- und Mac-OS-X-Applikationssoftware für diverse Dienste des NAS auf CD-ROM mit. Als Linux-Nutzer konfigurieren Sie die verschiedenen Funktionen des Gerätes wesentlich einfacher und ganz ohne Software-Installation direkt über die Firmware des TS-219P II: Sie rufen nach dem Anschluss des NAS-Servers ans Netz im Webbrowser auf einem Client die IP-Adresse http://169.254.100.100:8080 auf. Dazu gilt es allerdings vorher den verwendeten PC mit einer festen IP-Adresse im gleichen Subnetz auszustatten, damit er PC mit dem NAS-System kommunizieren kann.

Sie können eine feste IP-Adresse bequem per grafischer Einstellung in distributionsspezifischen Konfigurationstools wie YaST oder dem Mandriva Control Center eingeben. In diesem Einstellungsdialog geben Sie zudem als Gateway die IP-Adresse des NAS-Servers an, als Netzmaske die Zeichenfolge 255.255.0.0. Alternativ konfigurieren Sie die LAN-Schnittstelle auf der Kommandozeile mit dem Befehl

# ifconfig Interface 169.254.100.1 netmask 255.255.0.0

Die angegebene Schnittstelle muss dabei dem verwendeten Hardware-Interface entsprechen, das meist die Bezeichnung eth0 trägt. Anschließend starten Sie mittels /etc/init.d/network restart die Netzwerkanbindung neu, um die neuen Einstellungen zu aktivieren. Nun greifen Sie via Webbrowser auf die grundlegende Konfigurationsoberfläche des Qnap-Servers zu (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die ersten Einstellungen für den Qnap TS-219P II nehmen Sie per Schnellkonfiguration vor.

Zunächst müssen Sie die in das System eingebauten Festplatten formatieren und die Embedded-Linux-Firmware auf den Platten installieren. Auf der mit dem NAS-System mitgelieferten CD-ROM finden Sie ein Abbild der angepassten Firmware, das Sie durch einen Klick auf die Schaltfläche Heraufladen installieren. Anschließend gilt es den Servernamen zu definiert, Benutzer und Passwörter anzulegen sowie die IP-Konfiguration vorzunehmen.

In zwei letzten Schritten aktivieren Sie die einzelnen Server-Funktionen des NAS-Systems und stellen die Betriebsparameter der Festplatten ein, wobei Sie hier gegebenenfalls einen RAID-Verbund anlegen (Abbildung 4). Nach dieser Grundkonfiguration können Sie Ihr neues NAS-System problemlos in das bestehende Intranet einbinden.

Abbildung 4: Die grundlegende Konfiguration des TS-219P II nehmen Sie in wenigen Schritten vor.

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