Blogs und Nachrichtenseiten konkurrieren mit unzähligen Beiträgen um die Gunst und Aufmerksamkeit der Leser. Selbst Viellesern fällt es da schwer, den Überblick zu behalten. Jede Website täglich – eventuell sogar mehrmals – mit den Browser anzusteuern, erweist sich da schnell als unmöglich.

Zuvorkommenderweise bieten die meisten Internetseiten seit dem Start des Web 2.0 sogenannten RSS-Feeds an, mit denen Sie die neuesten Schlagzeilen und Beiträge komfortabel verfolgen. Zum Aufrufen oder Abonnieren der Feeds dient eine passende Software: Ein solcher Reader lädt die abonnierten Nachrichten herunter. Anschließend prüft er, welche Beiträge Sie noch nicht gelesen haben und wie viele neue Artikel es in Summe gibt.

Zu den wohl bekanntesten Programmen dieser Art unter Linux gehört Liferea [1], der eine Schnittstelle zu Google Reader mitbringt. Daneben entstand im Rahmen des Programmierwettbewerbs Ubuntu App Showdown mit Lightread [2] eine würdige Alternative für Nutzer von Googles Lesedienst [3].

Setzen Sie die Version 12.04 ("Precise Pangolin") von Ubuntu ein, haben Sie die Möglichkeit, Lightread direkt über das Software Center zu installieren. Dazu gilt es aber, vorher das Repository Extras von Ubuntuupdates.org zu konfigurieren. Das erledigen Sie mithilfe der Kommandos aus Listing 1.

Danach finden Sie die Software im Software-Center, wo sie nur noch nach lightread zu suchen brauchen. Einen Mausklick später ist das Programm installiert. Nutzer anderer Distributionen schauen derzeit in die Röhre, ihnen bleibt nur der Griff zum Quellcode und Compiler.

Listing 1

$ sudo apt-key adv --recv-keys --keyserver keyserver.ubuntu.com 3E5C1192
$ sudo sh -c 'echo "deb http://extras.ubuntu.com/ubuntu/ precise main" >> /etc/apt/sources.list.d/extras.list'
$ sudo apt-get update

Erste Schritte

Der Einsatz von Lightread setzt zwangsläufig ein Konto bei Google voraus, da das Programm seine Daten von dessen Dienst Google Reader bezieht. Nach dem ersten Start fordert die Software Sie auf, die Daten für das Google-Konto in die Felder Email und Password einzugeben (Abbildung 1).

Abbildung 1: Lightread setzt zwingend ein Konto bei Google voraus.

Klicken Sie im Anschluss auf Sign in, um sich anzumelden. Lightread gleicht dann seine lokalen Datenbestände mit denen auf dem Server ab. Die Dauer des Vorgangs hängt vom Datendurchsatz und der Anzahl an Abonnements ab. In einigen Testläufen zeigte die Applikation an dieser Stelle allerdings nach einiger Zeit keine Reaktion mehr – dann half stets nur ein Neustart weiter.

Im Anschluss an die erste Synchronisation öffnet sich die Oberfläche, über die Sie die Abonnements verwalten (Abbildung 2). Ähnlich wie bei gängigen Mailprogramme wie etwa Thunderbird teilt sich die Oberfläche in drei Bereiche auf.

Abbildung 2: Die durchdachte Oberfläche und die zeitgemäße Optik der Inhalte erlauben einen intuitiven Umgang mit der Software.

In der linken Spalte finden Sie de Abonnements wieder, wie sie auch im Interface der Google-Seite auftauchen. Über den Abos sehen Sie noch drei Schalter für die Anzeige von allen Artikeln, den ungelesenen oder nur den favorisierten Artikeln (Abbildung 3). Haben Sie ein Abonnement ausgewählt, erscheinen alle entsprechenden Beiträge in der zweiten Spalte.

Abbildung 3: Die Anzeige der Abonnements gleicht der im Interface der Google-Webseite.

Neue, ungelesene Artikel zeigt das Programm wie gewohnt in fetter Schrift und mit einem weißen Hintergrund hinterlegt. Klicken Sie den Beitrag an, sehen Sie dessen Inhalt im Lesebereich auf der rechten Seite. Haben Sie einen neuen Artikel geöffnet, ändert sich die Anzeige in der zweiten Spalte: Der Eintrag erscheint grau hinterlegt.

Für das Darstellen der Inhalte verwendet Lightread ein eigenes Design, sodass alle Artikel einheitlich erscheinen, unabhängig davon, aus welcher Quelle sie stammen. In Artikel integrierte Videos, zum Beispiel von Youtube, zeigt Lightread nicht selbst an, sondern reicht sie an ein separates Programm durch.

In den meisten Fällen klappt die Anzeige von Text und Grafik fehlerfrei. Sofern ein aufgerufener Beitrag jedoch besondere Kniffe beim Formatieren des Texts verwendet, gibt Lightread diese in manchen Fällen nicht richtig wieder.

Hilfsfunktionen

Alle weiteren Funktionen erreichen Sie über die übersichtliche Leiste am unteren Fensterrand. So finden Sie unterhalb der Abonnements zwei Schalter für das Synchronisieren mit dem Dienst Google Reader (siehe Kasten "Überall synchron") und das Hinzufügen eines neuen Abos.

Überall synchron

Der große Vorteil von Google Reader liegt auf der Hand: Sie haben von überall aus den Zugriff auf Ihre Abonnements und wissen immer, was Sie schon gelesen haben. Besitzen Sie zum Beispiel ein Android-Smartphone, bietet sich auch dort der Einsatz von Google Reader an.

Selbstverständlich gibt es für diesen Zweck entsprechende Apps, allen voran die hauseigene App "Google Reader" [4]. Als schöne Alternative erweist sich der gReader, den es in einer kostenlosen und in einer kostenpflichtigen Pro-Version gibt. Dieser bietet einige Funktionen mehr und unterstützt zudem ein dunkleres Theme, das das Lesen am Smartphone um einiges angenehmer macht.

Unterhalb der Übersicht steht links ein Knopf zum Markieren aller Einträge als gelesen. Außerdem finden Sie hier die Suchfunktion, über die Sie die Liste der Artikel nach beliebigen Begriffen durchforsten, was das Handhaben von Abonnements mit sehr vielen Artikeln erheblich vereinfacht.

Zu weiteren wichtigen Funktionen führen die Icons unterhalb des Lesebereichs. So haben Sie hier etwa die Möglichkeit, den geöffneten Artikel über das Sternsymbol als wichtig zu markieren. Solcher Art markierte Artikel finden Sie dann über Starred in der linken Spalte leicht wieder. Die Schaltfläche mit dem Kreissymbol erlaubt es, einen bereits gelesenen Artikel wieder als ungelesen zu markieren.

Auch das Teilen von Artikeln ist in Lightread bereits vorgesehen. Unterhalb des Artikels befindet sich dazu eine Schaltfläche mit einem Pfeilsymbol (Share). Darüber senden Sie den jeweils geöffneten Artikel an die Dienste Pocket oder Instapaper (siehe Kasten "Später lesen").

Später lesen

Hinter Pocket verbirgt sich ein webbasierter Dienst, der es erlaubt, Inhalte zum späteres Lesen oder Betrachten zu speichern [5]. Bis vor Kurzem hieß dieser Dienst "Read it later". Instapaper sammelt ebenfalls Artikel für das spätere Lesen auf anderen Endgeräten als dem PC [6]. Das Einspeisen in Netzwerken wie Google Plus oder Facebook sowie per Mail ist nicht möglich.

Haben Sie viele Feeds abonniert und kommen oft mit dem Lesen nicht recht nach, dann sollten Sie auf jeden Fall über das Zahnrad-Icon unten rechts im Programmfenster die Einstellungen aufrufen. Dort haben Sie die Möglichkeit, das Intervall zu korrigieren, in dem die Applikation nach neuen Beiträgen sucht.

Außerdem stellen Sie hier ein, wie das Programm mit gelesenen, nicht gelesenen und favorisierten Beiträgen verfährt: Mit Always sorgen Sie dafür, dass die entsprechenden Artikel von der Platte fliegen. Wem das zu schnell zu unübersichtlich gerät, der nutzt die angebotenen Zeiträume, um die Reihen der Beiträge von Zeit zu Zeit zu lichten.

Fazit

Als einziges echtes Manko an Lightread fällt auf, dass dem Programm eine Druckfunktion fehlt. Hier bietet sich der Umweg über einen Browser an, indem Sie den Artikel dort öffnen und ausdrucken. Dazu klicken Sie in der Übersicht der Artikel mit der rechten Maustaste auf den entsprechenden Eintrag und wählen die Funktion Open in Browser.

Trotz dieses Wermutstropfens und der bislang fehlenden deutschen Lokalisierung hinterließ Lightread im Test einen guten Eindruck. Das Programm bietet alle Funktionen, die Sie benötigen, um Google Reader am Linux-PC ohne Browser zu nutzen. 

Infos

[1] Liferea: http://liferea.sourceforge.net

[2] Lightread: https://launchpad.net/lightread

[3] Ubuntu App Showdown: Thomas Drilling, "Seltene Perlen", LinuxUser 10/2012, S. 48, http://www.linux-community.de/27112

[4] Google-Reader-App: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.google.android.apps.reader

[5] Pocket: http://getpocket.com

[6] Instapaper: http://www.instapaper.com

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