Praktikabel

Wir testeten Rpmorphan unter anderem mit Mageia, da das von Mandriva stammende und in Mageia ebenfalls implementierte URPM-Verwaltungssystem bereits selbst eine einfach zu handhabende Funktion zum Auffinden und Löschen von Dateiwaisen bietet, was einen direkten Vergleich der Tools ermöglicht.

Dabei zeigte sich, dass Rpmorphan deutlich mehr kann als sein Mageia-Pendant: Während der entsprechende Terminalbefehl urpme --auto-orphans keine verwaisten Dateien fand und demzufolge auch nichts entsorgte, bemerkte Rpmorphan insgesamt fünf Bibliotheken ohne aktuelle Abhängigkeiten, die gelöscht wurden. Anhand der im Tool angezeigten Informationen ließ sich erkennen, dass es sich bei den Bibliotheken um Relikte alter Software-Installationen handelte, wobei die entsprechenden Programme längst wieder aus dem System entfernt worden waren.

Restaurationsarbeiten

Eine Schwäche des RPM-Verwaltungssystems stellen die sehr begrenzten Möglichkeiten dar, die Datei-Attribute einzelner Paketen zu beeinflussen. So zeigt Rpm Unterschiede zwischen dem Paketstatus bei der Installation und jenem der aktuellen Konfiguration mangels geeigneter Parameter nicht vollständig an. Auch ein Zurücksetzen nachträglich veränderter Rechte und Attribute auf den Status bei der Installation erlaubt die Software nicht.

Das kann insbesondere dann zu Problemen führen, wenn sich Schadsoftware auf dem System eingeschlichen hat oder die Systemkonfiguration durch fehlerhaft installierte Updates Inkonsistenzen aufweist. Auch defekte Hardware, wie etwa eine leere BIOS-Batterie, sorgt durch Anzeige falscher Datums- und Zeitangaben im Kontext von Lese- und Schreibvorgängen unter Umständen bei bestimmten Programmen für Irritationen.

Der französische Programmierer Eric Gerbier, der bereits für die Wartung von Rpmorphan verantwortlich zeichnet, hat aus diesem Grund mit Rpmrestore [4] ein weiteres wichtiges Werkzeug im Portfolio, das dieses Manko behebt. Rpmrestore findet sich zwar wie Rpmorphan in den Repositories der meisten Mainstream-Distributionen, allerdings meist in älteren Varianten. Es empfiehlt sich daher auch hier der Download von der Projektseite. Das Perl-Skript rufen Sie anschließend auf der Kommandozeile mit den entsprechenden Parametern auf. Die einzelnen Befehlsfolgen erläutert die Projektseite [5] eingehend.

Das Skript arbeitet interaktiv und nimmt somit ohne entsprechende Anweisungen des Anwenders keine eigenmächtigen Änderungen am Dateistatus vor. Der Batch-Modus erlaubt es aber, einen vollautomatischen Rollback zu veranlassen, bei dem Rpmrestore die anzugebenden Pakete komplett ohne Abfrage auf den Status nach einer frischen Installation zurücksetzt. Den entsprechenden Parameter -batch sollten Sie jedoch nur dann nutzen, wenn Sie sich absolut sicher sind, dass das Zurücksetzen nicht andernorts Inkonsistenzen hervorruft.

Um einen Überblick zu erhalten, ob bestimmte Programme veränderte Attribute aufweisen, rufen Sie Rpmrestore auf der Kommandozeile mit folgendem Befehl auf:

# rpmrestore.pl --dry-run Paketname

Die Software überprüft dann Änderungen zur Installationsvariante bei allen verfügbaren Attributen und zeigt sie an (Abbildung 5).

Abbildung 5: Rpmrestore zeigt an, dass es in Wine keine Modifikationen an den Dateiattributen fand.

Im Falle eines konkreten Verdachts auf eine unerwünschte Attributänderung empfiehlt es sich, das jeweilige Attribut einzeln zu überprüfen. Rpmrestore unterstützt dabei alle gängigen Attribute. So gleicht es beispielsweise die Dateigröße mithilfe des Parameters -size ab. Mithilfe des Parameters -log legt es zudem eine Logdatei an und pflegt sie. Diese Datei dient als Grundlage für die Verwendung des Parameters -rollback: Er gestattet das Zurücksetzen der spezifizierten Datei auf den Installationsstatus, womit Sie eventuelle Inkonsistenzen im System einfach beheben.

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