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© Corina Rosu, 123RF

Paketprüfer

Systemintegrität wahren mit Rpmorphan und Rpmrestore

18.10.2012 Auf Systemebene sammelt sich bei regelmäßigem Einsatz und häufigen Modifikationen schnell Ballast an. RPM-basierte Distributionen entschlacken Sie dank Rpmorphan und seines Gegenstücks Rpmrestore schnell und gefahrlos.

Als eines der Highlights von Linux gelten die Systeme zum Verwalten von Software: Sie erleichtern die Installation neuer Programme oder das Löschen nicht mehr benötigter Software signifikant. Durch Zusatzprogramme ergänzt, welche die Integrität des Betriebssystems gewährleisten und damit ein regelmäßiges Neuinstallieren überflüssig machen, bilden sie eine konsistente Grundlage für die Arbeit mit dem Rechner. Zu den meistgenutzten Vertretern der Gattung zählt Rpm, das ursprünglich aus den Fundus von Red Hat stammt ("Red Hat Package Management"), sich inzwischen aber in vielen Distributionen findet.

Saubermacher

Paketmanager wie Rpm oder Dpkg dienen dazu, Konflikte zwischen einzelnen Software-Paketen aufzulösen, und installieren automatisch benötigte Abhängigkeiten nach. Zusätzlich erlauben sie es, neue Software-Quellen ("Repositories") einzubinden. Die Installation aus diesen geht dann ebenso leicht von der Hand wie aus den Standardquellen.

Doch das Paketmanagement hat auch Schattenseiten: Nicht immer passen die Entwickler von Drittquellen ihre Skripte exakt an. So verbleiben beispielsweise einmal installierte Bibliotheken bei der Deinstallation des von ihnen abhängigen Programms unter Umständen auf der Festplatte.

So sammeln sich im Lauf der Zeit insbesondere bei Power-Usern, die gern und häufig neue Software ausprobieren, erkleckliche Mengen an Datenmüll an. Diese überflüssigen Dateien manuell zu entfernen grenzt an die Quadratur des Kreises: Bereits ein frisch installiertes System besteht je nach Distributionsumfang aus rund 100 000 Dateien.

Um die nicht mehr benötigten Komponenten zu löschen, bieten die gängigen Paketmanager zwar diverse Optionen zum Entfernen an. Jedoch setzen die Tools, die primär auf der Kommandozeile zum Einsatz kommen, detaillierte Kenntnisse über die Mechanismen der Systeme voraus.

Wesentlich einfacher und schneller arbeiten dagegen kleine Helfer wie Deborphan [1] und Rpmorphan [2], die auf zugemüllten Systemen oft mehrere hundert Megabyte Speicherplatz freischaufeln. Rpmorphan bietet darüber hinaus zusätzliche Funktionen, die ebenfalls der Integrität des Computersystems dienen und wichtige Infos schnell und zuverlässig bereitstellen.

Plattenputz

Rpmorphan liegt bereits seit längerer Zeit in den Repositories aller gängigen RPM-basierten Distributionen, sodass Sie es bequem über die Paketverwaltung ins System integrieren. Die jeweils aktuellste Version finden Sie als fertiges RPM-Paket auf der Projektseite. Sollte wider Erwarten die Installation auf dem System scheitern, laden Sie den Quellcode [3] herunter und übersetzen das Tool selbst.

Nach erfolgreicher Installation bietet die Software ihre Dienste gleich auf dreifache Weise an: Im Terminal als reines Kommandozeilen-Programm oder mithilfe zweier grafischer Oberflächen. Möchten Sie auf Letztere zurückgreifen, gilt es zusätzlich die beiden Pakete perl-Curses-UI (für einfache Grafik im Terminal) oder perl-Tk (für eine etwas komfortablere, allerdings optisch altbackene Darstellung) zu installieren. Beide finden sich in den Repositories der meisten RPM-basierten Distributionen.

Da Rpmorphan Modifikationen am bestehenden Datenbestand des Betriebssystems vornimmt, läuft die Software nur mit Root-Rechten korrekt. Sofern Sie eine Distribution nutzen, die das Programm gut integriert und daher bei der Installation einen entsprechenden Eintrag im Startmenü anlegt, genügt ein Mausklick zum Entsorgen überflüssiger Dateibestände.

Bei vielen Distributionen legt das Setup jedoch keinen Starter an, sodass Sie zunächst selbst einen entsprechenden Eintrag im Menü erstellen müssen. Unter allen GTK+-basierten Oberflächen integrieren Sie das Programm mit automatischer Abfrage des Passworts über die Befehlsfolge gksu rpmorphan -gui oder gksu rpmorphan sehr einfach in ein Anwendungsmenü. Die Befehle tragen Sie jeweils in die Starter-Eigenschaften ein. Anschließend aktivieren Sie per Mausklick auf den Menü-Eintrag die Tcl/Tk-basierte Oberfläche (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Etwas altbacken, aber intuitiv zu bedienen: Die grafische Oberfläche von Rpmorphan auf Basis von Tcl/Tk.

Möchten Sie anstelle der Tcl/Tk-basierten Variante lieber die grafisch sehr einfach gehaltene Curses-Oberfläche nutzen, dann aktivieren Sie die Software mit Administrator-Rechten im Terminal mit der Eingabe des Befehls rpmorphan -curses. Es erscheint ein Textbildschirm mit grafischen Elementen in Gestalt von Linien (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Die mit Liniengrafik im Terminal aufgepeppte Oberfläche von Rpmorphan erinnert an alte DOS-Zeiten.

Beide Oberflächen bieten identische Inhalte: Während der größte Teil des Fensters eine Liste der gefundenen verwaisten Dateien zeigt, befindet sich oben horizontal eine Leiste mit Schaltflächen, über die Sie die wichtigsten Funktionen per Mausklick aktivieren.

Beim ersten Start von Rpmorphan dauert es zuweilen etwas, bis die Liste der gefundenen "Waisen" erscheint. Die Software nutzt zum Ermitteln der Abhängigkeiten und zum Sammeln spezifischer Informationen die im System vorhandene Datenbank, die bei häufig aktualisierten Linux-Systemen und bei vielen nachträglich auf die Platte gepackten Programmen einen entsprechenden Umfang aufweist.

Durch Auswahl eines Eintrags und einem anschließenden Klick auf die Schaltfläche Info erhalten Sie detaillierte Informationen zum betreffenden Paket (Abbildung 3). Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Sie nicht genau wissen, ob Sie das Paket wirklich löschen dürfen. Im Zweifelsfall belassen Sie solche Pakete lieber auf der Festplatte: Fälschlich gelöschte Dateien verursachen nicht nur Probleme beim Start von Programmen, sondern ziehen im schlimmsten Fall das komplette Betriebssystem empfindlich in Mitleidenschaft.

Abbildung 3

Abbildung 3: Die Anzeige der Informationen zu einem Paket gibt einen umfassenden Überblick über dessen Zweck, Herkunft und die Abhängigkeiten.

Einzelne Einträge markieren Sie mit einem einfachen Mausklick, wobei diese Markierung beim Anklicken eines weiteren Pakets erhalten bleibt. Je nach Anzahl der im System lokalisierten verwaisten Pakete kann es sinnvoll sein, zunächst alle zu markieren und dann nur einzelne Dateien wieder auszunehmen. Dazu klicken Sie auf die Schaltfläche Select all und wählen dann bei Bedarf einzelne Einträge ab.

Nach dem Markieren löscht ein Klick auf Remove nur die gekennzeichneten Pakete.

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