Mit Verspätung
OpenSuse 12.2 im Überblick
Apropos YaST
Suses Konfigurationswerkzeug YaST ("Yet another Setup Tool") galt lange als innovatives Alleinstellungsmerkmal und punktete vor allem bei Einsteigern durch seine hohe Usability. Anno 2012 stellt YaST allerdings keinen ernstzunehmenden Grund mehr dar, OpenSuse zu bevorzugen. Angesichts der inzwischen in allen gängigen Distributionen vorhandenen grafischen Konfigurationswerkzeuge schmilzt der Mehrwert von YaST zunehmend dahin.
Schlimmer noch: Da YaST seit vielen Jahren entwickelt wird, enthält es Module, die heute kein Mensch mehr braucht und welche die Entwickler augenscheinlich kaum mehr pflegen. So laufen insbesondere Einsteiger Gefahr, den Überblick zu verlieren. Außerdem weist YaST die unangenehme Eigenschaft auf, Konfigurationsdateien automatisch zu ändern und sogar aus dem Tritt zu geraten, wenn der Anwender diese manuell bearbeitet.
In die selbe Kerbe schlägt ein bekanntes Problem, das im Test auch bei der aktuellen Version auftrat: Der KDE-Paketverwalter Apper und YaST blockieren sich unter gewissen Umständen gegenseitig (Abbildung 4), ein Beenden von Apper lässt sich durch YaST nicht immer erzwingen.
Fazit
OpenSuse 12.2 ist ein für eingefleischte Suse-Anwender längst überfälliges und unter dem Strich gelungenes Update. Wer OpenSuse nutzt, kann und sollte so schnell wie möglich aktualisieren, da das neue Release zahlreiche Defizite des Vorgängers ausräumt.
Für Linux-Neueinsteiger stellt OpenSuse 12.2 dagegen nicht zwangsläufig die erste Wahl dar: Ubuntu bietet in und um die Distributionen herum neben der größeren Paketauswahl und flexibleren Paketverwaltung vor allem interessante Mehrwerte wie Canonicals Cloud-Dienste Ubuntu One und Ubuntu Music Store.
Insgesamt bietet OpenSuse 12.2 nichts [13], was Ubuntu 12.04 und Fedora 17 nicht schon längst können – und bei beiden steht in Kürze das nächste Release an. Daher bleibt festzuhalten, dass OpenSuse 12.2 nur zu den direkten Konkurrenten aufschließt, mehr nicht. Es enthält zwar keine Show-Stopper mehr, aber eben auch keine Highlights.
Glossar
FHS
Der von der Linux Foundation gepflegte Filesystem Hierarchy Standard beschreibt die Verzeichnisstruktur unixoider Betriebssysteme.
EFI
Extensible Firmware Interface. Der BIOS-Nachfolger dient als zentrale Schnittstelle zwischen der Firmware, den Hardware-Komponenten und dem Betriebssystem.
UEFI
Vom Unified EFI Forum definierte Standard-EFI-Implementation. Diese umfasst das sogenannte Secure Boot, welches das Booten auf vorher signierte Bootloader beschränkt und so Schadsoftware wie Rootkits aushebeln soll.
Infos
[1] OpenSuse-Projekt: http://de.opensuse.org
[2] Neuerungen der Version 12.2: http://de.opensuse.org/Ankündigung
[3] Usr_merge: http://en.opensuse.org/openSUSE%3AUsr_merge
[4] UEFI-Secure-Boot in OpenSuse 12.3: https://www.suse.com/blogs/uefi-secure-boot-details
[5] Plymouth Bootscreen: http://www.freedesktop.org/wiki/Software/Plymouth
[6] Llvmpipe : http://www.mesa3d.org/llvmpipe.html
[7] Pläne für KDE 4.9.1: http://news.opensuse.org/2012/09/04/sneak-peek-opensuse-12-2-and-kde
[8] Externe Repositories für KDE: http://download.opensuse.org/repositories/KDE%3A/Release%3A/49/openSUSE_12.2/
[9] Calligra 2.5 im Test: Thomas Drilling, "Kleinere Baustelle", LU 10/2012, S. 20, http://www.linux-community.de/26399
[10] Packman Repository: http://packman.links2linux.org
[11] Suse Studio: http://susestudio.com
[12] Tomahawk Media Player: http://www.tomahawk-player.org
[13] Funktionsübersicht OpenSuse (englisch): http://en.opensuse.org/Features
[14] Tumbleweed: http://en.opensuse.org/Portal:Tumbleweed
[15] OpenSuse Download 1: http://software.opensuse.org/122/de
[16] Versionshinweise OpenSuse 12.2: http://www.suse.de/relnotes/i386/openSUSE/12.2/RELEASE-NOTES.de.html



